Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3401

Beitrag von Manfred »

Die genannten Gewinne der deutschen Landwirte sind selbstverständlich auch brutto, vor Abzug von Sozialversicherung (mit "Arbeitgeberanteil", was beim Vergleich mit Bruttolöhnen zu beachten ist) und Steuern.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3402

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:44 Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.
Ich hab glaube ich schon mehrfach versucht dir zu erklären wie das funktioniert, mit der Fütterung von Milchvieh. Das eigene Land gibt ja ne Menge Futter her aber für die optimierte Zusammensetzung brauchts durchaus Eiweiss und/oder Mineralergänzung.
Das ist vielleicht so wie wenn du mit Holz aus dem eigenen Wald baust... die Schrauben kaufst du trotzdem im Baumarkt. Es ginge zwar auch ohne Schrauben, aber wesentlich komplizierter und vermutlich suboptimal (oder mit soviel Aufwand dass es kaum noch Sinn macht).

Und grade bei explodierenden Kosten in dem Segment fragt man sich schon ob und wie man die Fütterung umstellen kann, ohne dass die Tiere drunter leiden. Wir werden im nächsten Jahr evtl mit Mais-Bohnengemenge experimentieren, haben dazu aber eigentlich zuwenig Fläche :roll:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3403

Beitrag von emil17 »

Ich habe den Sinn der Zufütterung für Milchvieh aus betriebswirtschafticher Sicht schon verstanden.
Ich habe auch begriffen, dass man nicht einfach zurück kann, wenn man intensiviert und die "Eiweisslücke"* geschlossen hat.
Nur beisst sich das eben mit Autarkie im Krisenfall.
Autarkie würde bedeuten, man hält nur so viele Tiere wie der Hof ernähren kann. Dann kommt das nötige Eiweiss aus Landsberger Gemenge vom eigenen Land statt vom Futterlieferanten zwar etwas teurer, dafür wäre es aber wirklich Milch und Fleisch vom Hof. Vielleicht braucht es dazu auch weniger anspruchsvolle Rassen, die dann aber bei Zufütterung und Stallhaltung weniger Leistung bringen.

Bei Milch würde ich auch mehr Ehrlichkeit in der Werbung wünschen; Friesenmilch wäre dann "in Friesland im Stall mit Gras von draussen und argentinischer Soja gefüttert", und Schwarzwaldmilch wäre dann "im Schwarzwald im Stall mit Gras von draussen und argentinischer Soja gefüttert".

Noch offensichtlicher ist es bei Schweinemast:
Du brauchst eine Halle mit Wasser und Strom, eine Zufahrt für Lastwagen und eine Jauchegrube. Der Rest sind produktionsverteuernde behördliche Auflagen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3404

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 15:49 Ich habe den Sinn der Zufütterung für Milchvieh aus betriebswirtschafticher Sicht schon verstanden.
Ich habe auch begriffen, dass man nicht einfach zurück kann, wenn man intensiviert und die "Eiweisslücke"* geschlossen hat.
Nur beisst sich das eben mit Autarkie im Krisenfall.
Autarkie würde bedeuten, man hält nur so viele Tiere wie der Hof ernähren kann. Dann kommt das nötige Eiweiss aus Landsberger Gemenge vom eigenen Land statt vom Futterlieferanten zwar etwas teurer, dafür wäre es aber wirklich Milch und Fleisch vom Hof. Vielleicht braucht es dazu auch weniger anspruchsvolle Rassen, die dann aber bei Zufütterung und Stallhaltung weniger Leistung bringen.
Und, baust du nun deine Schrauben selbst?

Natürlich kann man komplett autark, wenn das der Fokus und das Ziel ist, oder der Krisenfall eintritt. Man kann auch 90% eigene Futtermittel in die Tonne treten wenn dir die letzten x Prozent von ausserhalb wichtiger sind, weil aus Prinzip... aber keine Sorge, die nächsten Auflagen in der Richtung kommen schon: Der neue QM Standard sieht vor dass wir komplett unseren Futteranbau für die QM Prüfung dokumentieren, um nachzuweisen dass mindestens 75% (glaube 75% wars, bin nicht ganz sicher) hofeigenes Futter für die Milcherzeugung verwendet wird :kaffee: :dreh:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3405

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: So 19. Dez 2021, 12:33 Und, baust du nun deine Schrauben selbst?
Natürlich nicht.
Der Vergleich hätte besser gepasst, wenn es um gewisse Sortimente wie gefaste und genutete Bodenbretter ginge, die im Inland nicht mehr hergestellt werden, da zu teuer - und nun kann man keine Böden mehr verlegen, weil das Ausland nicht mehr liefern will.
Bei den Eigenfutterquoten (oder wie das heissen mag) stellt sich aber für den Konsumenten das Problem, was lokale Herkunft dann eigentlich bedeutet.
Es stellt sich auch die Frage, dass wir dem Irrglauben obliegen, unsere Landwirtschaft sei unter anderem deswegen so teuer, damit man ein gesicherte Versorgung bei Grundnahrungsmitteln habe, und nun drohen die reihenwiese hops zu gehen, weil der Chinese teurer wird. Da stimmt doch was nicht ...

Wenn man da guckt, steht:
"Die Förderung begründet sich aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der besonderen Rolle der Landwirtschaft, die eine durchgehende Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln sicherstellt. Mit dem Geld sollen vor allem größere Schwankungen der Preise für Agrarprodukte abgefedert werden, um das Einkommen der Betriebe zu stabilisieren."
Die Förderung ist berechtigt, wenn sie Leistungen an die Allgemeinheit abgilt. Sie ist nicht gerechtfertigt, wenn sie bloss fördert, was jedes Gewerbe macht: Waren herstellen und verkaufen und vom Erlös leben und sch dabei an geltende Vorschriften halten.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3406

Beitrag von penelope »

Rohana hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 14:12
emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:44 Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.
Ich hab glaube ich schon mehrfach versucht dir zu erklären wie das funktioniert, mit der Fütterung von Milchvieh. Das eigene Land gibt ja ne Menge Futter her aber für die optimierte Zusammensetzung brauchts durchaus Eiweiss und/oder Mineralergänzung.
Das ist vielleicht so wie wenn du mit Holz aus dem eigenen Wald baust... die Schrauben kaufst du trotzdem im Baumarkt. Es ginge zwar auch ohne Schrauben, aber wesentlich komplizierter und vermutlich suboptimal (oder mit soviel Aufwand dass es kaum noch Sinn macht).

Und grade bei explodierenden Kosten in dem Segment fragt man sich schon ob und wie man die Fütterung umstellen kann, ohne dass die Tiere drunter leiden. Wir werden im nächsten Jahr evtl mit Mais-Bohnengemenge experimentieren, haben dazu aber eigentlich zuwenig Fläche :roll:
Das interessante an dem Zitat ist doch, dass da nicht steht, die bestehende Produktion ist in Gefahr, sondern eine mögliche Expansion wird gebremst.

Wo soll denn eine noch weitere Expansion der Milchproduktion möglich sein? Der tiefe Milchpreis und Überproduktion sind seit zig Jahren ein großes Problem, wo sieht denn da jemand noch weiteres Expansionspotential? Es gibt halt keinen weiteren Bedarf, der wäre aber auch bei günstigeren Preisen nicht da.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3407

Beitrag von Manfred »

Sei mir nicht böse, aber du könntest innerhalb weniger Minuten recherchieren, wie sich die Milchproduktion weltweit entwickelt.
In D hätten wir ökologisch sehr gute Voraussetzung für die nachhaltige Milchproduktion.
Aber die Politik macht es halt unmöglich, das hier Sinnvolle zu tun.
Also weiter Regenwald roden. Den brauchen wir ja anscheinend nicht, bzw. ist er auch nicht mehr als Lippenbekenntnisse wert, wie die heimische Landwirtschaft.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3408

Beitrag von penelope »

Tierische Produkte zentralisiert zu erzeugen ist aber nun einmal sehr kritisch. Aus diversen Gründen. Eines der größten Probleme ist: die Scheiße fällt dann zentral an einer Stelle an. Je nach Intensität der Tierhaltung verursacht das enorm große Probleme, da die eben nur mit sehr hohem Energieaufwand transportiert werden kann. Dass Problem, dass im Süden mehr Gülle zur Düngung benötigt würde, löst sich nicht dadurch, dass im Nordwesten die großen Ställe stehen. Zudem entsteht über die Dauer der Zeit ein Problem durch die Umverteilung der Nährstoffe auf der Welt. Wir importieren Eiweiß in Form von Soja aus Regenwaldgebieten mit extrem empfindlichen Boden in das Emsland, eine sehr fruchtbare Region, die da nun unter der Nitratbelastung zu leiden hat. Dazu kommt der hohe Aufwand an fossiler Energie für den Transport der Futtermittel. Milch und Fleisch sind dann wieder sehr schnell verderbliche Produkte, die entweder gekühlt, also wieder mit hohem Aufwand an fossiler Energie, transportiert werden müssen, der man wendet wiederum Energie auf, Milchpulver herzustellen. Man braucht also wieder zusätzliche Energie, um eigentlich ein minderwertiges Produkt herzustellen, dass aber dann besser gelagert und transportiert werden kann, da es da, wo es anfällt, nicht verwertet werden kann.

Das ganze Prozedere ist im Bezug auf die Energie- und Nährstoffbilanz ein einziger Wahnsinn, der sich aus sich heraus unter tatsächlichen freien marktwirtschaftlichen Bedingungen niemals lohnen würde und nur aufgrund von völlig verqueren Subventionen und Steuermodellen rentabel wäre.

Eine nachhaltige Milchproduktion in Deutschland ist eine, die auf möglichst wenig Importprodukte angewiesen ist und möglichst regional Absatz findet. Solche Strukturen würden durch die aktuelle Situation sehr viel geringer belastet als die industrialisierte Produktion, die leider vorherrscht.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3409

Beitrag von Manfred »

Du tust ja so, als würde die gesamte Milch von D in einer Anlage erzeugt...

Bitte informiere dich mal, wie heute Milch erzeugt wird und welche Auflagen dafür gelten, auch für den Viehbesatz.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3410

Beitrag von penelope »

Ichtu nicht so,als ob das aus einer einzigen Anlage kommt, aber eine deutliche Häufung im Nordwesten ist ja wohl nicht abzustreiten.
https://www.milchtrends.de/daten/milchp ... roduktion/
https://www.milchtrends.de/daten/milchp ... roduktion/

Im Süden gibt es zwar recht viele Tiere, aber es wird weniger Milch produziert, da die intensive Landwirtschaft sich im Norden konzentriert. Die Abschaffung der Milchquote hat das noch begünstigt. Da in der gleichen Region auch noch sehr viel Schweine- und Geflügelmast angesiedelt ist, ist die ganze Scheiße im Nordwesten ein reeles Problem.
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