Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3391

Ungelesener Beitrag von penelope »

Rohana hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 14:12
emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:44 Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.
Ich hab glaube ich schon mehrfach versucht dir zu erklären wie das funktioniert, mit der Fütterung von Milchvieh. Das eigene Land gibt ja ne Menge Futter her aber für die optimierte Zusammensetzung brauchts durchaus Eiweiss und/oder Mineralergänzung.
Das ist vielleicht so wie wenn du mit Holz aus dem eigenen Wald baust... die Schrauben kaufst du trotzdem im Baumarkt. Es ginge zwar auch ohne Schrauben, aber wesentlich komplizierter und vermutlich suboptimal (oder mit soviel Aufwand dass es kaum noch Sinn macht).

Und grade bei explodierenden Kosten in dem Segment fragt man sich schon ob und wie man die Fütterung umstellen kann, ohne dass die Tiere drunter leiden. Wir werden im nächsten Jahr evtl mit Mais-Bohnengemenge experimentieren, haben dazu aber eigentlich zuwenig Fläche :roll:
Das interessante an dem Zitat ist doch, dass da nicht steht, die bestehende Produktion ist in Gefahr, sondern eine mögliche Expansion wird gebremst.

Wo soll denn eine noch weitere Expansion der Milchproduktion möglich sein? Der tiefe Milchpreis und Überproduktion sind seit zig Jahren ein großes Problem, wo sieht denn da jemand noch weiteres Expansionspotential? Es gibt halt keinen weiteren Bedarf, der wäre aber auch bei günstigeren Preisen nicht da.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3392

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Sei mir nicht böse, aber du könntest innerhalb weniger Minuten recherchieren, wie sich die Milchproduktion weltweit entwickelt.
In D hätten wir ökologisch sehr gute Voraussetzung für die nachhaltige Milchproduktion.
Aber die Politik macht es halt unmöglich, das hier Sinnvolle zu tun.
Also weiter Regenwald roden. Den brauchen wir ja anscheinend nicht, bzw. ist er auch nicht mehr als Lippenbekenntnisse wert, wie die heimische Landwirtschaft.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3393

Ungelesener Beitrag von penelope »

Tierische Produkte zentralisiert zu erzeugen ist aber nun einmal sehr kritisch. Aus diversen Gründen. Eines der größten Probleme ist: die Scheiße fällt dann zentral an einer Stelle an. Je nach Intensität der Tierhaltung verursacht das enorm große Probleme, da die eben nur mit sehr hohem Energieaufwand transportiert werden kann. Dass Problem, dass im Süden mehr Gülle zur Düngung benötigt würde, löst sich nicht dadurch, dass im Nordwesten die großen Ställe stehen. Zudem entsteht über die Dauer der Zeit ein Problem durch die Umverteilung der Nährstoffe auf der Welt. Wir importieren Eiweiß in Form von Soja aus Regenwaldgebieten mit extrem empfindlichen Boden in das Emsland, eine sehr fruchtbare Region, die da nun unter der Nitratbelastung zu leiden hat. Dazu kommt der hohe Aufwand an fossiler Energie für den Transport der Futtermittel. Milch und Fleisch sind dann wieder sehr schnell verderbliche Produkte, die entweder gekühlt, also wieder mit hohem Aufwand an fossiler Energie, transportiert werden müssen, der man wendet wiederum Energie auf, Milchpulver herzustellen. Man braucht also wieder zusätzliche Energie, um eigentlich ein minderwertiges Produkt herzustellen, dass aber dann besser gelagert und transportiert werden kann, da es da, wo es anfällt, nicht verwertet werden kann.

Das ganze Prozedere ist im Bezug auf die Energie- und Nährstoffbilanz ein einziger Wahnsinn, der sich aus sich heraus unter tatsächlichen freien marktwirtschaftlichen Bedingungen niemals lohnen würde und nur aufgrund von völlig verqueren Subventionen und Steuermodellen rentabel wäre.

Eine nachhaltige Milchproduktion in Deutschland ist eine, die auf möglichst wenig Importprodukte angewiesen ist und möglichst regional Absatz findet. Solche Strukturen würden durch die aktuelle Situation sehr viel geringer belastet als die industrialisierte Produktion, die leider vorherrscht.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3394

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Du tust ja so, als würde die gesamte Milch von D in einer Anlage erzeugt...

Bitte informiere dich mal, wie heute Milch erzeugt wird und welche Auflagen dafür gelten, auch für den Viehbesatz.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3395

Ungelesener Beitrag von penelope »

Ichtu nicht so,als ob das aus einer einzigen Anlage kommt, aber eine deutliche Häufung im Nordwesten ist ja wohl nicht abzustreiten.
https://www.milchtrends.de/daten/milchp ... roduktion/
https://www.milchtrends.de/daten/milchp ... roduktion/

Im Süden gibt es zwar recht viele Tiere, aber es wird weniger Milch produziert, da die intensive Landwirtschaft sich im Norden konzentriert. Die Abschaffung der Milchquote hat das noch begünstigt. Da in der gleichen Region auch noch sehr viel Schweine- und Geflügelmast angesiedelt ist, ist die ganze Scheiße im Nordwesten ein reeles Problem.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3396

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Es hat aber hauptsächlich politische Gründe, weshalb Milchviehbetriebe im Osten mit teils hunderte Ha arrondiertem Grünland die Milchproduktion aufgeben, während sie an einigen Gunststandorten sehr intensiv betrieben wird.
Wobei gerade die Wesermarsch ja noch relativ viel (wenn auch intensive) Weidehaltung hat, dank der von alters her arrondierten Höfe.
Aber dem extremen Kostendruck und Flächenwettbewerb dort können die Betriebe halt nur durch Intensivierung standhalten. Bei Faktorkosten von um die 1000 Euro / ha kann man keine Mutterkühe oder extensives Milchvieh halten, bzw. allenfalls als sehr teures Hobby.
Die Kostenentwicklung droht aktuell den extensiven Betrieben komplett den Garaus zu machen. Nach dem, was man so aus den Ministerien hört, geht man dort inzwischen davon aus, dass die flächige Bewirtschaftung ungünstigere Standorte in den Mittelgebirgen etc. nicht zu halten sein wird. Sehen wir hier ja schon in den kleineren Seitentälern, dass diverse Feuchtwiesen aufgegeben werden und verbuschen, weil die angebotenen Prämien die Bewirtschaftungskosten nicht mehr decken.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3397

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Mo 20. Dez 2021, 21:24 In D hätten wir ökologisch sehr gute Voraussetzung für die nachhaltige Milchproduktion.
Aber die Politik macht es halt unmöglich, das hier Sinnvolle zu tun.
Also weiter Regenwald roden. Den brauchen wir ja anscheinend nicht, bzw. ist er auch nicht mehr als Lippenbekenntnisse wert, wie die heimische Landwirtschaft.
1. ist Milchproduktion mit 1/4 oder mehr Zufütterung von Importeiweiss "Deckung der Eiweisslücke" alles mögliche, aber nicht nachhaltig, egal wie man den Begriff nachhaltig genau definiert.
2. wird offenbar auch wegen der gegenwärtigen Milchproduktion Regenwald gerodet, denn wo wächst das Importfutter?
3. Wird Regenwald nicht gerodet, weil man den Deutschen durch Auflagen de fachto verunmöglicht, ihre Milchproduktion zu erweitern - wie du das hier darstellst - sondern weil die, die das machen, dadurch mehr Geld verdienen können, als wenn sie ihn stehenlassen. So einfach ist das.
Würde man die zulässigen Importfuttermengen frei lassen, würde das noch weiter zunehmen, so lange es sich betriebswirtschaftlich rechnet.
Manfred hat geschrieben: Di 21. Dez 2021, 20:15 ... geht man dort inzwischen davon aus, dass die flächige Bewirtschaftung ungünstigere Standorte in den Mittelgebirgen etc. nicht zu halten sein wird. Sehen wir hier ja schon in den kleineren Seitentälern, dass diverse Feuchtwiesen aufgegeben werden und verbuschen, weil die angebotenen Prämien die Bewirtschaftungskosten nicht mehr decken.
Was ist daran schlimm? Das genau gleiche passiert auch mit unrentablen Minen, mit unrentablen Produktionszweigen und so weiter. Was glaubst du warum in den Alpen die Waldfläche zunimmt? Wenn der Bewirtschafter darlegen kann, dass diese Flächen naturschützerischen Wert haben, und sich gefallen lässt, dass man ihm gewisse Vorschriften macht, was er dort darf und was nicht, dann wird er zusätzliche Flächenprämien dafür bekommen können.

Das Grundübel ist, wie penelope bereits treffend geschrieben hat, dass wegen einer jahrzehntelangen verqueren Subventionspolitik in der Landwirtschaft unsinnige Dinge gemacht und gefördert werden und die einzelnen Betriebe da nicht mehr rauskönnen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3398

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

emil17 hat geschrieben: Di 21. Dez 2021, 20:29
Manfred hat geschrieben: Di 21. Dez 2021, 20:15 ... geht man dort inzwischen davon aus, dass die flächige Bewirtschaftung ungünstigere Standorte in den Mittelgebirgen etc. nicht zu halten sein wird. Sehen wir hier ja schon in den kleineren Seitentälern, dass diverse Feuchtwiesen aufgegeben werden und verbuschen, weil die angebotenen Prämien die Bewirtschaftungskosten nicht mehr decken.
Was ist daran schlimm? Das genau gleiche passiert auch mit unrentablen Minen, mit unrentablen Produktionszweigen und so weiter.
Dann streiche bitte sofort allen schweizer Bauern alle Zahlungen und entfernt eure horrenden Zölle.

Ist ja nicht schlimm dass dann in der Schweiz nichts mehr produziert wird.
Die typische schweizer Kulturlandschaft kannst du dann aber nur noch auf Bildern anschauen.
vom schweizer Käse werden die Reste abverkauft, dann ists ende mit "made in Swizzerland" und es gibt eben nur noch Import.

Landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz braucht keiner.
Und ohne staatliche Zahlungen kann sich kein einziger Betrieb in der Schweiz halten.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3399

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emil17 hat geschrieben: Di 21. Dez 2021, 20:29 Das Grundübel ist, wie penelope bereits treffend geschrieben hat, dass wegen einer jahrzehntelangen verqueren Subventionspolitik in der Landwirtschaft unsinnige Dinge gemacht und gefördert werden und die einzelnen Betriebe da nicht mehr rauskönnen.
Nein. Grundübel sind die Leute die Sachen fordern, dann aber nicht bezahlen wollen. Weder an der Ladentheke noch über staatliche Mittel.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3400

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Ihr kriegt rund die Hälfte eures Einkommens als staatliche Förderung. Also haben die Steuerzahler etwas zu melden.
Oelkanne hat geschrieben: Di 21. Dez 2021, 21:00 Nein. Grundübel sind die Leute die Sachen fordern, dann aber nicht bezahlen wollen. Weder an der Ladentheke noch über staatliche Mittel.
Bauern sind ja dafür bekannt, dass sie nicht gerne fordern. In einer Marktwirtschaft wird der Preis immer noch von Angebot und Nachfrage gemacht. Für hochwertige lokale Lebensmittel (die Produktionsweise ist Teil des Wertes) werden anständige Preise bezahlt, für Massenware in Weltmarktqualität gibts nur den Weltmarktpreis. Was er kauft, entscheidet immer noch der Konsument.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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