Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3381

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Manfred hat geschrieben: Fr 10. Dez 2021, 13:15 Am Schweinemarkt scheint sich langsam eine Wende abzuzeichnen.
Die Schlachtgewichte sinken wieder in Richtung Normalniveau. Daraus lässt sich schließen, dass der Schweinestau abnimmt, und die Ferkelpreise drehen langsam, sprich auch hier sinkt der Überhang.
Um die massiven Verluste aus diesem Jahr und die inflationär steigenden Kosten zu decken, müsste der Schweinepreis aber gewaltig steigen. Es bleibt spannend.
Bayern kann aktuell nicht mal mehr 50% seines Schweinefleischbedarfs selbst decken. Die Kosten sind hier durch die Entfernung zu den Häfen und Großschlachthöfen höher als in anderen Regionen in D, und dieser kleine Unterschied hat über die Jahre ausgereicht, die Schweinehaltung verschwinden zu lassen.
Das kann man als Indikator für das ansehen, was auf die Branche Deutschlandweit zukommen, durch die höheren Kosten in Vergleich zu den Nachbarländern.
Der Unterschied beträgt mit den heutigen Preisen in München etwa 8 Cent pro Kilo Lebendschwein verglichen mit Hamburg.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3382

Ungelesener Beitrag von Manfred »

"Schlimmes Jahr für Bauern: So teuer war Landwirtschaft noch nie"

"Eine gewaltige Kostenlawine überrollt die Bauern. Sie müssen immer mehr Geld ausgeben, um ihre Betriebe über Wasser zu halten."

"Gewerbliche Produkte verteuerten sich im November so stark wie seit 70 Jahren nicht - das hat Folgen für die Einkaufspreise der Bauern."

https://www.agrarheute.com/management/f ... ich-588635
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3383

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Die Schweiz mit ihrem konsequenten Außenschutz und Verbrauchern, denen der Wert der eigenen Landwirtschaft bewusst ist, vermeldet völlig andere Zahlen als D.
Der Strukturwandel verläuft extrem langsam. Nur ca. 1,4% der Betriebe geben pro Jahr auf. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe liegt bei ca. 21,5 ha. Je Betrieb sind im Schnitt ca. 3 Personen beschäftigt, davon ca. 60% in Teilzeit und zumeist aus der Familie. Der durchschnittliche Gewinn dieser Mini-Betriebe liegt bei fast 76.000 Euro. Dazu kommt ein durchschnittliches außerlandwirtschaftliches Einkommen ca. 32.000 Euro.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3384

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.

"Die Gründe für den starken Preisanstieg liegen auf der Hand: Hohe Energiepreise, weiterhin nicht funktionierende Lieferketten, ein riesiger Rückstau beim Schiffstransport, extrem knappe und teure Container– sowie weitere Verzögerungen bei der Verladung und beim Transport von Rohstoffen und Produkten infolge anhaltender Corona-Restriktionen. "
Das würde anders interpretiert bedeuten, dass ein immer wieder erwähnter Grund für die hohe Subventionierung der Landwirtschaft hinfällig wäre: Autarkie der Lebensmittelversorgung im Krisenfall.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3385

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:11 Die Schweiz mit ihrem konsequenten Außenschutz und Verbrauchern, denen der Wert der eigenen Landwirtschaft bewusst ist, vermeldet völlig andere Zahlen als D.
Hoffentlich auch!

Bitte aber beachten, dass man für einen Franken (ca. 1.05 Euro) in CH weniger bekommt als für einen Euro in D, Treibstoffe ausgenommen. Zudem muss man diese Einkommen versteuern; deutsche Löhne sind netto, Schweizer Löhne werden brutto ausbezahlt.
Ich weiss auch nicht, ob teure Naturalleistungen wie selbst erzeugte Nahrung und Wohnen auf dem Betrieb in diesen zahlen eingepreist sind. Wenn man auf dem eigenen Hof wohnt, fallen schon mal die hohen Fixkosten für Miete weg - das kann aber im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen.
Die Gründe (Sicht von innen gesehen natürlich)
- Der Staatsgedanke ist gänzlich anders als der von D: Der freie Bergbauer, der auf steilem Land den Naturwidrigkeiten seinen Lebensunterhalt abtrotzt, ist der Archetyp des Schweizers.
- Weil 3/4 der landwirtschaftlichen Nutzfläche Berggebiet sind, leisten die Landwirte erkannbar sehr viel für die Bewohnbarkeit des Landes, was in der Bevölkerung nicht grundsätzlich bezweifelt wird.
- Die Erfahrungen der beiden Weltkriege, wo man völlig auf sich selbst gestellt war, da völlig von kriegsführenden Ländern umgeben, zeigte, dass Autarkie wirklich wichtig ist. Das funktionierte einigermassen bei damals 3.5 Millionen Einwohnern und würde heute bei 8.5 Millionen mit sehr viel höheren Ansprüchen sicher nicht mehr so gehen, aber im Staatsbewusstsein ist es immer noch stark vorhanden.
- Sehr gute Voraussetzungen für die Produktion führt in der Regel nicht zu Wertschätzung, sondern zu mehr Gier und Futterneid. Das sieht man auch an sehr vielen rohstoffreichen Ländern, wo der Reichtum an Rohstoffen dem Land nicht zum Segen wurde. Ausnahmen sind skandinavische Staaten, aber das sind von der Mentalität her Leute, die von kargem Boden leben müssen.
- Da der Inlandtourismus sehr verbreitet ist, kennen viele Leute die Landwirtschaft "irgendwie".
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3386

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Die genannten Gewinne der deutschen Landwirte sind selbstverständlich auch brutto, vor Abzug von Sozialversicherung (mit "Arbeitgeberanteil", was beim Vergleich mit Bruttolöhnen zu beachten ist) und Steuern.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3387

Ungelesener Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:44 Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.
Ich hab glaube ich schon mehrfach versucht dir zu erklären wie das funktioniert, mit der Fütterung von Milchvieh. Das eigene Land gibt ja ne Menge Futter her aber für die optimierte Zusammensetzung brauchts durchaus Eiweiss und/oder Mineralergänzung.
Das ist vielleicht so wie wenn du mit Holz aus dem eigenen Wald baust... die Schrauben kaufst du trotzdem im Baumarkt. Es ginge zwar auch ohne Schrauben, aber wesentlich komplizierter und vermutlich suboptimal (oder mit soviel Aufwand dass es kaum noch Sinn macht).

Und grade bei explodierenden Kosten in dem Segment fragt man sich schon ob und wie man die Fütterung umstellen kann, ohne dass die Tiere drunter leiden. Wir werden im nächsten Jahr evtl mit Mais-Bohnengemenge experimentieren, haben dazu aber eigentlich zuwenig Fläche :roll:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3388

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Ich habe den Sinn der Zufütterung für Milchvieh aus betriebswirtschafticher Sicht schon verstanden.
Ich habe auch begriffen, dass man nicht einfach zurück kann, wenn man intensiviert und die "Eiweisslücke"* geschlossen hat.
Nur beisst sich das eben mit Autarkie im Krisenfall.
Autarkie würde bedeuten, man hält nur so viele Tiere wie der Hof ernähren kann. Dann kommt das nötige Eiweiss aus Landsberger Gemenge vom eigenen Land statt vom Futterlieferanten zwar etwas teurer, dafür wäre es aber wirklich Milch und Fleisch vom Hof. Vielleicht braucht es dazu auch weniger anspruchsvolle Rassen, die dann aber bei Zufütterung und Stallhaltung weniger Leistung bringen.

Bei Milch würde ich auch mehr Ehrlichkeit in der Werbung wünschen; Friesenmilch wäre dann "in Friesland im Stall mit Gras von draussen und argentinischer Soja gefüttert", und Schwarzwaldmilch wäre dann "im Schwarzwald im Stall mit Gras von draussen und argentinischer Soja gefüttert".

Noch offensichtlicher ist es bei Schweinemast:
Du brauchst eine Halle mit Wasser und Strom, eine Zufahrt für Lastwagen und eine Jauchegrube. Der Rest sind produktionsverteuernde behördliche Auflagen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3389

Ungelesener Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 15:49 Ich habe den Sinn der Zufütterung für Milchvieh aus betriebswirtschafticher Sicht schon verstanden.
Ich habe auch begriffen, dass man nicht einfach zurück kann, wenn man intensiviert und die "Eiweisslücke"* geschlossen hat.
Nur beisst sich das eben mit Autarkie im Krisenfall.
Autarkie würde bedeuten, man hält nur so viele Tiere wie der Hof ernähren kann. Dann kommt das nötige Eiweiss aus Landsberger Gemenge vom eigenen Land statt vom Futterlieferanten zwar etwas teurer, dafür wäre es aber wirklich Milch und Fleisch vom Hof. Vielleicht braucht es dazu auch weniger anspruchsvolle Rassen, die dann aber bei Zufütterung und Stallhaltung weniger Leistung bringen.
Und, baust du nun deine Schrauben selbst?

Natürlich kann man komplett autark, wenn das der Fokus und das Ziel ist, oder der Krisenfall eintritt. Man kann auch 90% eigene Futtermittel in die Tonne treten wenn dir die letzten x Prozent von ausserhalb wichtiger sind, weil aus Prinzip... aber keine Sorge, die nächsten Auflagen in der Richtung kommen schon: Der neue QM Standard sieht vor dass wir komplett unseren Futteranbau für die QM Prüfung dokumentieren, um nachzuweisen dass mindestens 75% (glaube 75% wars, bin nicht ganz sicher) hofeigenes Futter für die Milcherzeugung verwendet wird :kaffee: :dreh:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3390

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: So 19. Dez 2021, 12:33 Und, baust du nun deine Schrauben selbst?
Natürlich nicht.
Der Vergleich hätte besser gepasst, wenn es um gewisse Sortimente wie gefaste und genutete Bodenbretter ginge, die im Inland nicht mehr hergestellt werden, da zu teuer - und nun kann man keine Böden mehr verlegen, weil das Ausland nicht mehr liefern will.
Bei den Eigenfutterquoten (oder wie das heissen mag) stellt sich aber für den Konsumenten das Problem, was lokale Herkunft dann eigentlich bedeutet.
Es stellt sich auch die Frage, dass wir dem Irrglauben obliegen, unsere Landwirtschaft sei unter anderem deswegen so teuer, damit man ein gesicherte Versorgung bei Grundnahrungsmitteln habe, und nun drohen die reihenwiese hops zu gehen, weil der Chinese teurer wird. Da stimmt doch was nicht ...

Wenn man da guckt, steht:
"Die Förderung begründet sich aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der besonderen Rolle der Landwirtschaft, die eine durchgehende Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln sicherstellt. Mit dem Geld sollen vor allem größere Schwankungen der Preise für Agrarprodukte abgefedert werden, um das Einkommen der Betriebe zu stabilisieren."
Die Förderung ist berechtigt, wenn sie Leistungen an die Allgemeinheit abgilt. Sie ist nicht gerechtfertigt, wenn sie bloss fördert, was jedes Gewerbe macht: Waren herstellen und verkaufen und vom Erlös leben und sch dabei an geltende Vorschriften halten.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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