Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3341

Ungelesener Beitrag von penelope »

Eine Steuer ist nicht zweckgebunden. Abgaben und Beiträge müssen für einen bestimmten Zweck genutzt werden, Steuern nicht.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3342

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Selbstverständlich ist die Befreiung von allgemeinen Steuern oder eine Privilegierung bei gewissen besteuerten Gütern eine Subvention, genauso wie ein Gratisparkplatz für den Kadermitarbeiter der Firma eine geldwerte Leistung ist.

Man kann sich auch darüber beschweren, dass kinderlose Leute Steuern bezahlen müssen, die für Schulzwecke oder Kinderkliniken verwendet werden dürfen, oder dass Mitglieder der Friedensbewegung Steuern bezahlen müssen, die für die Armee ausgegeben werden. Warum finanziert man mit meinen Steuern kulturelle Events, die mich überhaupt nicht interessieren, und wieso fliesst Geld von Zürcher Steuerpflichtigen als Finanzausgleich in andere Kantone? Warum kriege ich die Feuerwehrsteuer nicht rückerstattet, nachdem es bei mir (Holz anfassen!) noch nie gebrannt hat?

Die Treibstoffsteuer wird bei uns nur zu 50% zweckgebunden für Strassen ausgegeben, der Rest geht in die grosse Kasse. Dennoch wird Agrodiesel zu weniger als 50% besteuert. Ungerecht? Nur, wenn ich nicht selber Landwirt bin.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3343

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Do 2. Dez 2021, 06:54 Wird man in D ja sehen, wie sich das entwickelt, wenn die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr als Leistung für die Allgemeinheit gilt.
In unserem Markwirtschaftssystem stellt sich die Frage so nicht.
Jedes Gewerbe finanziert sich durch die Früchte seiner Arbeit. Deshalb hat nicht der Staat zu entscheiden, welches Gewerbe für die Allgemeinheit oder einen Teil davon nützlich ist. Als nützlich offenbart sich, was wirtschaftlichen Bestand hat. Wenn ein Tennisstar 75 Millionen mit Werbeverträgen einspielt und ein Bauer, der täglich 12 Stunden arbeitet nur 30'00 netto erzielt, dann ist es eben so.
Der Staat setzt nur Rahmenbedingungen, das ist die Befolgung geltenden Rechts.
Die Anzahl Gewerbetreibende in einem bestimmten Zweig und die Rendite die man erzielen kann, pendelt sich deshalb entsprechend der Nachfrage ein. Das heisst die Frage ob ein Gewerbe nützlich sei, stellt sich nicht, denn wenn es nicht nützlich wäre, würde niemand es in Anspruch nehmen und es könnte nicht überleben. Jeder Gewerbetreibende spielt mit dem Risiko seiner wirtschaftlichen Existenz dieses Spiel mit: wenn du zu teuer produzierst oder nur Waren kannst, die keiner will, dann bist du bald weg.
Marktverzerrungen entstehen, wenn ein Staat bestimmte Gewerbe zusätzlich durch Steuerprivilegien und Subventionen fördert, oder Ausnahmen bei produktionserschwerenden Auflagen macht, wozu alles gehört, was man aus Rücksicht auf Umwelt oder Nachbarn nicht tun darf.

Nahrungsmittelproduktion als Leistung für die Allgemeinheit: Natürlich.
Schraubenproduktion als Leistung für die Allgemeinheit? Ebenso, denn wer lebt, ohne je Geräte benutzt zu haben, wo Schrauben drin verbaut sind?
Ich sehe es nicht so eng, aber dass alles Leistung für die Allgemeinheit sein soll, was Bauern so machen, das ist zu kurz definiert.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3344

Ungelesener Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Do 2. Dez 2021, 12:50 Eine Steuer ist nicht zweckgebunden. Abgaben und Beiträge müssen für einen bestimmten Zweck genutzt werden, Steuern nicht.
Formaljuristisch ist das richtig, ändern aber nichts an der ursprünglichen Intention und Ausgestaltung. Die Politik wollte sich halt, wie so oft, den Weg offen halten, die Mittel umzuverteilen.

Jetzt ist es halt "in" Steuererhöhungen mit Klimaschutz zu begründen.
Solche Kostensteigerungen machen aber mit dem Ziel einer CO2-Reduzierung nur Sinn, wenn es realistische Alternativen gibt.
Die Verlagerung der Produktion ins Ausland, mit zusätzlichen Transportwegen und zusätzlichen Rodungen bringt keine Reduzierung der CO2-Emission sondern das Gegenteil. Also wäre das im ersten Ansatz eine klimaschädliche Steuererhöhung, wenn man mehr oder weniger die CO2-Emissionen als mehr oder weniger schädlich bezeichnet.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3345

Ungelesener Beitrag von Zottelgeiss »

Heute war jemand von der Gemeinde bei mir.
Die hätten gerne einige Bauplätze von mir, die vor Jahrzehnten erschlossen wurden, wo mein Großvater aber gegen die Ausweisung geklagt hat und die Fläche dann trotz der Erschließung Ackerland blieb.
Sie meinten, ich könnte sie für 50 bis 55 Euro pro m2 verkaufen.
Neu Bauplätze erschließen möchten sie aktuell nicht, weil bei den explodierten Baukosten alleine die Erschließung 140 Euro je m2 kosten würde.
Hm. Wenn ich die jetzt für 55 Euro verkaufe und darauf auch noch gut 40% Steuern bezahlen muss, bleiben mir evtl. 30 - 33 Euro, die ich anlegen könnte. Und in 10 Jahren möchten dann evtl. meine Neffen bauen und müssen unerschlossenes Bauland + neue Erschließung zu den dann geltenden Preisen kaufen...
Das geht sich irgendwie nicht aus. Willkommen in der Inflation.
[/quote]


"Die von der Gemeinde" denken, du bist doof genug, ihnen rd. 90€ pro m2 zu sparen, die sie dann beim nächsten Käufer gleich nochmal kassieren.
Die hätte ich vom Hof gejagt, und zwar fix.
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3346

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Nein, dass sind schon marktübliche Preise, die hier aktuell für Bauplätze verlangt werden.
Sie wollen sie nicht selbst kaufen, das habe ich evtl. missverständlich ausgedrückt, sondern dass ich sie verkaufe, weil es viele Anfragen nach Bauland gibt.
Da aber die Erschließungskosten derart explodiert sind und auch nicht absehbar ist, dass sie zeitnah relativ zu den Einkommen wieder sinken würden, ist halt die Frage, wie sich die Baulandpreise und die Nachfrage weiter entwickeln.
Kann gut sein, dass der Spuk in 10-20 Jahren vorbei ist, wenn vermehrt Babyboomer sterben und viele Häuser frei werden, die aktuell nur noch von 1 oder 2 Personen bewohnt werden, aber kurzfristig könnte es eine deutlich Teuerung geben.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3347

Ungelesener Beitrag von Dyrsian »

Manfred hat geschrieben: Do 2. Dez 2021, 22:48 Nein, dass sind schon marktübliche Preise, die hier aktuell für Bauplätze verlangt werden.
Sie wollen sie nicht selbst kaufen, das habe ich evtl. missverständlich ausgedrückt, sondern dass ich sie verkaufe, weil es viele Anfragen nach Bauland gibt.
Da aber die Erschließungskosten derart explodiert sind und auch nicht absehbar ist, dass sie zeitnah relativ zu den Einkommen wieder sinken würden, ist halt die Frage, wie sich die Baulandpreise und die Nachfrage weiter entwickeln.
Kann gut sein, dass der Spuk in 10-20 Jahren vorbei ist, wenn vermehrt Babyboomer sterben und viele Häuser frei werden, die aktuell nur noch von 1 oder 2 Personen bewohnt werden, aber kurzfristig könnte es eine deutlich Teuerung geben.
Bei der Vermögensverwaltung ist es wichtig, dass man sich nicht zu sehr vom eigenen Herzen und Bauchgefühl leiten lässt, sondern rational und professionell handelt. Nicht umsonst geben Menschen die wirklich reich sind das häufig an externe Dienstleister ("Family Office") ab.

Ich kenne die Preise für Bauland in deiner Gegend nicht, man kann sowas in der Regel nachschauen, hier in NRW unter Boris NRW. Nichts anderes machen die Makler auch.
Alle Berechnungen gehen derzeit davon aus, dass die Abwärtsspirale bei den Immobilienpreisen bereits ab ~2025 beginnt. Grund dafür ist die demographische Entwicklung: Die Kindergeneration der Babyboomer (meine Generation) hat bis dahin, eigentlich bereits jetzt, Eigentum erworben. Die Elterngeneration der Babyboomer (mit einer hohen Eigentumsquote) stirbt, viele Babyboomer möchten aus ihren mittlerweile zu groß gewordenen Immobilien heraus. Ein hohes Angebot trifft auf aber dann auf eine sehr geringe Nachfrage, denn die dann nachfolgenden Generationen sind sehr, sehr Wenige. Das ganze spielt sich im Spannungsfeld einer zunehmenderen Verstädterung ab. Das bedeutet, das vermutlich sehr dünn besiedelte Gegenden (und die "Landbevölkerung" ist in weiten Teilen bereits jetzt brutal überaltert) infrastrukturell nicht mehr versorgt werden, d.h. Trinkwasser- und Abwasserversorgung wird dann nicht mehr angeboten, weil es sich nicht mehr kostendeckend realisieren lässt. Dies wird zu einem weiteren Verfall der Immobilienpreise in den ländlichen Regionen führen. Das gilt nicht - oder nur mit Verzögerung - für den Einzugsbereich von Metropolen, aber dort sind bereits jetzt die Preise extrem hoch. Die einzige Variable in der Berechnung ist die Zuwanderung. Es ist aber erfahrungsgemäß nicht davon auszugehen, dass hochqualifizierte und damit finanzkräftige Menschen nach Deutschland einwandern, weil D für Fachkräfte überaus unattraktiv ist (niedrige Löhne, hohe Steuern, hohe Lebenshaltungskosten (Miete!), Einwanderungsregeln undurchsichtig, extreme Bürokratie, beschissenes Wetter).
Das führt zu dem logischen Schluss: Wenn Immobilien / Bauland verkauft werden soll, dann jetzt! Nicht nächstes Jahr, nicht übernächstes Jahr, jetzt! Zu einem sinnvollen Preis. Momentan sitzt man als Verkäufer immer am längeren Hebel.
ich habe das "Wenn" festgesetzt, weil man sich das aus anderen als aus finanziellen Gründen gut überlegen sollte: Es gibt Leute, die KAUFEN Grundstücke an, damit da grade NICHT gebaut wird. Wenn du das Land verkaufst, liegt es eben nicht mehr in deiner Hand ob da ein Hells Angels Clubhaus gebaut wird oder nicht.

Die Inflation ist ein anderes Problem. Der erzielte Erlös sollte natürlich entsprechend angelegt werden, aber da gibt es ja glücklicherweise genügend Möglichkeiten.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3348

Ungelesener Beitrag von penelope »

Dass eine Situation entsteht, in der Immobilienpreise fallen, Aktien u.ä. aber weiter steigen ist sehr sehr unwahrscheinlich. Dazu hängt das alles viel zu eng zusammen. Der letzte große Börsencrash vor Corona fing ja auch mit einer Immobilienkrise an.

Land verkaufen, wenn man nicht muss, ist in den allermeisten Fällen keine gute Idee. Außer vielleicht, man hat eine richtig gute Idee für eine Realinvestition. Land verkaufen und das Geld zur Bank/zur Börse bringen würde ich in absolut keiner denkbaren Situation machen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3349

Ungelesener Beitrag von Rohana »

@Dyrsian: Das mit der sinkenden Nachfrage ist mir schleierhaft, ehrlich. Es heisst doch immer Wohnraum wäre knapp, es muss auf Teufel komm raus gebaut werden (gut, vielleicht etwas weniger bei den derzeit explodierenden Baukosten...).
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3350

Ungelesener Beitrag von penelope »

Die Nachfrage nach Wohnungen in Städten wird so schnell nicht fallen, aber bei Einfamilienhäusern im ländlichen Raum sehe ich es auch kommen, dass die Nachfrage nicht mehr ewig so hoch bleiben kann, wie jetzt. In den ganze Siedlungsgebieten aus den 70er und 80er Jahren wohnen aktuell sehr häufig nur noch 2 ältere Leute, deren Kinder haben inzwischen selbst gebaut. In den Siedlungen aus den 90ern sind oft inzwischen auch die Kinder ausgezogen und es sind nur noch zwei Leute in einem großen Haus "übrig".

Irgendwann werden ziemlich viele junge Menschen, die selbst gebaut haben, das Haus der Eltern erben. Dann gibt es wieder ein größeres Angebot auf dem Markt und die Preise werden sich wieder auf niedrigeren Niveau einpendeln.
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