Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Dyrsian
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3361

Beitrag von Dyrsian »

Manfred hat geschrieben: Do 2. Dez 2021, 22:48 Nein, dass sind schon marktübliche Preise, die hier aktuell für Bauplätze verlangt werden.
Sie wollen sie nicht selbst kaufen, das habe ich evtl. missverständlich ausgedrückt, sondern dass ich sie verkaufe, weil es viele Anfragen nach Bauland gibt.
Da aber die Erschließungskosten derart explodiert sind und auch nicht absehbar ist, dass sie zeitnah relativ zu den Einkommen wieder sinken würden, ist halt die Frage, wie sich die Baulandpreise und die Nachfrage weiter entwickeln.
Kann gut sein, dass der Spuk in 10-20 Jahren vorbei ist, wenn vermehrt Babyboomer sterben und viele Häuser frei werden, die aktuell nur noch von 1 oder 2 Personen bewohnt werden, aber kurzfristig könnte es eine deutlich Teuerung geben.
Bei der Vermögensverwaltung ist es wichtig, dass man sich nicht zu sehr vom eigenen Herzen und Bauchgefühl leiten lässt, sondern rational und professionell handelt. Nicht umsonst geben Menschen die wirklich reich sind das häufig an externe Dienstleister ("Family Office") ab.

Ich kenne die Preise für Bauland in deiner Gegend nicht, man kann sowas in der Regel nachschauen, hier in NRW unter Boris NRW. Nichts anderes machen die Makler auch.
Alle Berechnungen gehen derzeit davon aus, dass die Abwärtsspirale bei den Immobilienpreisen bereits ab ~2025 beginnt. Grund dafür ist die demographische Entwicklung: Die Kindergeneration der Babyboomer (meine Generation) hat bis dahin, eigentlich bereits jetzt, Eigentum erworben. Die Elterngeneration der Babyboomer (mit einer hohen Eigentumsquote) stirbt, viele Babyboomer möchten aus ihren mittlerweile zu groß gewordenen Immobilien heraus. Ein hohes Angebot trifft auf aber dann auf eine sehr geringe Nachfrage, denn die dann nachfolgenden Generationen sind sehr, sehr Wenige. Das ganze spielt sich im Spannungsfeld einer zunehmenderen Verstädterung ab. Das bedeutet, das vermutlich sehr dünn besiedelte Gegenden (und die "Landbevölkerung" ist in weiten Teilen bereits jetzt brutal überaltert) infrastrukturell nicht mehr versorgt werden, d.h. Trinkwasser- und Abwasserversorgung wird dann nicht mehr angeboten, weil es sich nicht mehr kostendeckend realisieren lässt. Dies wird zu einem weiteren Verfall der Immobilienpreise in den ländlichen Regionen führen. Das gilt nicht - oder nur mit Verzögerung - für den Einzugsbereich von Metropolen, aber dort sind bereits jetzt die Preise extrem hoch. Die einzige Variable in der Berechnung ist die Zuwanderung. Es ist aber erfahrungsgemäß nicht davon auszugehen, dass hochqualifizierte und damit finanzkräftige Menschen nach Deutschland einwandern, weil D für Fachkräfte überaus unattraktiv ist (niedrige Löhne, hohe Steuern, hohe Lebenshaltungskosten (Miete!), Einwanderungsregeln undurchsichtig, extreme Bürokratie, beschissenes Wetter).
Das führt zu dem logischen Schluss: Wenn Immobilien / Bauland verkauft werden soll, dann jetzt! Nicht nächstes Jahr, nicht übernächstes Jahr, jetzt! Zu einem sinnvollen Preis. Momentan sitzt man als Verkäufer immer am längeren Hebel.
ich habe das "Wenn" festgesetzt, weil man sich das aus anderen als aus finanziellen Gründen gut überlegen sollte: Es gibt Leute, die KAUFEN Grundstücke an, damit da grade NICHT gebaut wird. Wenn du das Land verkaufst, liegt es eben nicht mehr in deiner Hand ob da ein Hells Angels Clubhaus gebaut wird oder nicht.

Die Inflation ist ein anderes Problem. Der erzielte Erlös sollte natürlich entsprechend angelegt werden, aber da gibt es ja glücklicherweise genügend Möglichkeiten.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3362

Beitrag von penelope »

Dass eine Situation entsteht, in der Immobilienpreise fallen, Aktien u.ä. aber weiter steigen ist sehr sehr unwahrscheinlich. Dazu hängt das alles viel zu eng zusammen. Der letzte große Börsencrash vor Corona fing ja auch mit einer Immobilienkrise an.

Land verkaufen, wenn man nicht muss, ist in den allermeisten Fällen keine gute Idee. Außer vielleicht, man hat eine richtig gute Idee für eine Realinvestition. Land verkaufen und das Geld zur Bank/zur Börse bringen würde ich in absolut keiner denkbaren Situation machen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3363

Beitrag von Rohana »

@Dyrsian: Das mit der sinkenden Nachfrage ist mir schleierhaft, ehrlich. Es heisst doch immer Wohnraum wäre knapp, es muss auf Teufel komm raus gebaut werden (gut, vielleicht etwas weniger bei den derzeit explodierenden Baukosten...).
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3364

Beitrag von penelope »

Die Nachfrage nach Wohnungen in Städten wird so schnell nicht fallen, aber bei Einfamilienhäusern im ländlichen Raum sehe ich es auch kommen, dass die Nachfrage nicht mehr ewig so hoch bleiben kann, wie jetzt. In den ganze Siedlungsgebieten aus den 70er und 80er Jahren wohnen aktuell sehr häufig nur noch 2 ältere Leute, deren Kinder haben inzwischen selbst gebaut. In den Siedlungen aus den 90ern sind oft inzwischen auch die Kinder ausgezogen und es sind nur noch zwei Leute in einem großen Haus "übrig".

Irgendwann werden ziemlich viele junge Menschen, die selbst gebaut haben, das Haus der Eltern erben. Dann gibt es wieder ein größeres Angebot auf dem Markt und die Preise werden sich wieder auf niedrigeren Niveau einpendeln.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3365

Beitrag von emil17 »

Solange man Negativzinsen auf Guthaben riskiert und das Geld nur so nachgeworfen bekommt, wenn man irgendwelche Sicherheiten hat, ist die Nachfage nach Immobilien "künstlich" (zu) hoch.
Das mit den Nullzinsen wird wohl noch so bleiben, denn sonst können viele Leute die auf derzeitigem Zinsniveau auf Kante genähte Finanzierung nicht mehr bedienen. Das ist unter anderem eine Folge der hohen Baulandpreise. Die Immowerte müssen in der Folge in den Portfolios der institutionellen Anleger nach unten korrigiert werden. Die Banken werden bei kritischen Schuldnern eine Umfinanzierung verlangen, weil der Marktwert der Immobilie gegenüber der Hypothek zu tief ist (das können sie, steht ganz klein in den AGBs) ... und so weiter.

@mod: die letzten Beiträge gehören eigentlich thematisch in einen anderen Thread. Selbstversorgerimmobilien oder sowas. Verschieben?
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3366

Beitrag von Dyrsian »

penelope hat geschrieben: Fr 3. Dez 2021, 13:48 Dass eine Situation entsteht, in der Immobilienpreise fallen, Aktien u.ä. aber weiter steigen ist sehr sehr unwahrscheinlich. Dazu hängt das alles viel zu eng zusammen. Der letzte große Börsencrash vor Corona fing ja auch mit einer Immobilienkrise an.

Land verkaufen, wenn man nicht muss, ist in den allermeisten Fällen keine gute Idee. Außer vielleicht, man hat eine richtig gute Idee für eine Realinvestition. Land verkaufen und das Geld zur Bank/zur Börse bringen würde ich in absolut keiner denkbaren Situation machen.
Hui, hier läuft aber einiges durcheinander. :)

1.) Land und Immobilien zu halten oder zu kaufen ist oft eine Herzensentscheidung. Das ist gut und legitim, man sollte sich dann aber nicht selbst belügen und das als super sichere Kapitalanlage sehen. Oft ist es eine Hochrisikoanlage / Clusterinvestment. Was ich meine ist: Ich habe mir grade wieder für ein Heidengeld handgemachte Teller in Italien bestellt. Das ist, rational gesehen, totaler Unsinn weil ich auch von einem Teller für 1,99€ essen kann. Es ist trotzdem völlig in Ordnung, solange man das nicht als sinnvolle Geldanlage sieht oder sich irgendwie einredet das wäre sinnvoll oder notwendig.
2.) Landbesitz ist eine feine Sache und eine sinnvolle und gute Beimischung zum Portfolio. Die Betonung liegt hier auf Beimischung. Es gibt Leute die haben ihr Geld in einen Wald gesteckt ("Die Börse, viel zu risikoreich, Wald das ist was solides!"). Dann kam der Borkenkäfer. Jetzt ist der Wald tot und die Kohle futsch. Der Wert einer Sache bestimmt sich danach, wieviel jemand bereit ist dafür zu zahlen. Wenn keiner mehr mein Bauland kaufen will, ist es auch nichts mehr wert. Punkt. Dann kann ich da immer noch selber ein Haus drauf bauen oder Ziegen drauf stellen, Geld verdiene ich dann aber nicht mehr damit. Das ist dann ein Problem, wenn es meine einzige Anlage ist, oder aber ich das Geld dringend brauche.
Und ja, viele Menschen sind mit Immobilien sehr reich geworden. Die haben dann aber nicht EINE Immobilie, sondern ganz viele. Dann kann das Risiko gestreut werden und es gibt Synergieeffekte (eigene Handwerkertruppe usw.)
3.) Übertriebene Deutschtümmelei ist bei der Geldanlage nicht klug. Das bringt uns zu dem Schluss: Was auf dem deutschen Immonbilienmarkt los ist, spielt für mein Portfolio kaum keine Rolle, denn was kratzt es eine Firma in Südkorea ob hier der Immobilienmarkt implodiert?
4.) Der letzte Börsecrash vor Corona - vermutlich geht es hier um die Subprimekrise. Das war aber weniger ein Problem der Immobilien, sondern eher der Ninja-Kredite. Wer hat am meisten gelitten? Genau, Immobilienbesitzer die plötzlich auf der Straße saßen! Wer noch? Genau, Privatanleger die sich Zertifikate gekauft haben die sie nicht verstanden haben! Zertifikate sind mir, bis auf wenige Ausnahmen, echt suspekt. Wer hat richtig abgesahnt? Jau, Leute die zu dem Zeitpunkt (genau wie in der Coronakrise übrigens) an der Börse richtig eingekauft haben! Die Subprime Krise hat, ebenso wie die Coronakrise und die derzeitige Inflation, zu massiven Verschiebung von Vermögen aus der Mitte nach oben geführt.
5.) Die von Rohanna angesprochene Wohnungsnot. Die exisitiert teilweise in den Ballungszentren. Teilweise, weil wir in einigen Städten im oberen Segment mittlerweile ein Überangebot an Wohnungen haben bzw. eine extreme Leerstandsquote. Das Problem dürfte bekannt sein. Hier muss gebaut werden, was angesichts fehlenden Platzes wohl nur mit verstärkter Verdichtung möglich ist. Plattenbau, ick hör dir trapsen! Es wird in Frankfurt oder München immer eine Nachfrage geben, nur ist die Frage ob eine Dreizimmerwohnung dort zukünftig noch 500.000€ wert sein wird. Wäre mir zu heiß.
6.) Die Niedrigzinspolitik. Da müssten wir mal einen extra Thread aufmachen. Das hat soviele Auswirkungen, auf uns alle. Ich denke an die armen Hartz-4 Empfänger die grade bei 5,2% "Inflation" eine Erhöhung von 3€ im Monat oder was bekommen haben. Herbe.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3367

Beitrag von penelope »

Die Quote an Menschen, die Eigentumsimmobilien besitzen ist in Deutschland im europaweiten Vergleich sehr niedrig. Besonders typischen deutsch ist es sicher nicht, Geld in Immobilien zu stecken.

Ich teile halt nicht ganz deinen Optimismus bezüglich Wertpapieranlagen. Und das nicht, weil ich mich damit noch nicht genug beschäftigt habe, sondern eher im Gegenteil ;-)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3368

Beitrag von Rohana »

Wenn die Wohnungsnot nur "teilweise" und "in Ballungszentren" existiert frage ich mich warum hier in jeder Gemeinde gebaut wird als gäbs kein Morgen :hmm:

Aber ja, wir sind etwas ab vom Thema.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3369

Beitrag von penelope »

Die Knappheit in ländlichen Gebieten liegt aber nicht an einem absoluten Mangel an bewohnbaren qm, sondern daran, dass immer weniger junge Familien noch mit den Alten unter einem Dach wohnen wollen (ist bei mir persönlich ja auch nicht anders).

In meinem Dorf wird auch ständig gebaut und demnächst auch wieder ein Baugebiet ausgewiesen und gleichzeitig haben wir die niedrigste Einwohnerzahl, die je gezählt wurde.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3370

Beitrag von emil17 »

penelope hat geschrieben: Fr 3. Dez 2021, 13:48Der Wert einer Sache bestimmt sich danach, wieviel jemand bereit ist dafür zu zahlen.
Diese Definition stimmt spätenstens dann nicht, wenn man sich in einer Situation befindet, wo man auf funktionierende Dinge angewiesen ist. Natürlich ist eine freiwillige Anlageentscheidung für Geld, das man hat und gerade nicht braucht, damit nicht vergleichbar. Dennoch:
Der Wert ist das eine, der Preis das andere.
Du meintest wohl den Preis, als in Geld ausgedrückter Tauschwert am Markt.

Für mich ist eine Investition dann sinnvoll, wenn aus dem Preis ein Wert wird.
Bei Dir sind das offenbar diese Teller gewesen. Deshalb ist diese Kaufentscheidung auch alles andere als irrational.
Geldanlagen können auch dann sinnvoll sein, wenn sie sich für den Investor nicht rechnen, etwa wenn sie anderen ein besseres Leben ermöglichen, ohne dass man deshalb auf etwas verzichten müsste. Sonst wären ja auch Alltäglichkeiten, wie der Oma den Sitzplatz im Bus anzubieten, irrational - was habe ich davon?
Ich finde es nicht gut, das Wort rational und das Wort Gewinnoptimierung gleichzusetzen. Deshalb ist es auch berufsblind, wenn, was viele Börsen- und Anlagen Berater behaupten, (und was ich Dir ausdrücklich nicht unterstelle), nur vermutet rentable Anlagen, Investitionen oder Ausgaben rational sein sollen. Es kann durchaus ein Ergbnis des Gebrauchs seiner Vernunft (ratio) sein, und sehr viel zur Verbesserung des eigenen Lebensgefühls beitragen, etwas unvernünftiges zu tun.

Hierin meiner Wohngegend gibt es übrigens ganz vorzügliches Anschauungsmaterial zur Irrationalität der Leute, die von den Ertrag ihrer Anlagen, also von rein rationelen Investitionsentscheidungen, ganz gut leben: Eine hochpreisige Touristendestination. Wieviel da ausgegeben wird, nur um die anderen zu beeindrucken ...
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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