Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3391

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 12:02 Gerade die Pflanzenschutzmittelverbote wirken da extrem kontraproduktiv, weil man mit Herbiziden halt leichter auf den Anbau ohne oder mit minimaler Bodenbearbeitung umstellen kann. Von da aus kann man dann lernen, den PSM-Bedarf zu reduzieren.
Ob das funktioniert? Schliesslich braucht es ein viel besser funktionierendes ökologisches Gleichgewicht von Nützlingen und Parasiten auf Schädlingen, als wenn man einfach wegspritzt was gerade lästig wird.
Dennoch bin ich auch gegen ein Verbot von PSM, aber aus einem anderen Grund: Es sollte als absolute Nothilfe vorhanden sein, um eine Ernte zu retten. Wenn diese Mittel aber standardmässig zur Kulturvereinfachung eingesetzt werden, verlieren sie ihren eigentliche Bestimmungszweck. Ausserdem züchtet man damit Resistenzen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3392

Beitrag von Dyrsian »

emil17 hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 09:46
Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 09:22 Da hatte sich auch der feucht gewordene Dünger verklumpt und man versuchte, ihn zu lockern, um ihn wieder aus dem Lager zu kriegen
In Oppau haben die das Zeug im Düngerlager gesprengt - auch eine Form von Lockerung.
Eine Düngerexplosion ist auch in Toulouse 2001 passiert.
In Beirut war eine recht abenteuerliche Kombination von Lagerverhältnissen und benachbart gelagerten oder/und erzeugten Produkten auch nicht gerade explosionsvorbeugend, um es mal so zu sagen.
Ich hab in Bulgarien mal gesehen wie sie ein Schiff mit dem Zeug entladen haben und das auf einen offenen 40 to LKW geladen haben. Mir ist der Mund offen stehen geblieben. Von keines Gedanken Blässe angekränkelt sage ich mal. :)
Im Nachhinein wundere ich mich ein bisschen, warum wir am Strand geblieben sind statt das Weite zu suchen. Naja, ist ja gut gegangen. :haha:
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3393

Beitrag von Manfred »

Am Schweinemarkt scheint sich langsam eine Wende abzuzeichnen.
Die Schlachtgewichte sinken wieder in Richtung Normalniveau. Daraus lässt sich schließen, dass der Schweinestau abnimmt, und die Ferkelpreise drehen langsam, sprich auch hier sinkt der Überhang.
Um die massiven Verluste aus diesem Jahr und die inflationär steigenden Kosten zu decken, müsste der Schweinepreis aber gewaltig steigen. Es bleibt spannend.
Bayern kann aktuell nicht mal mehr 50% seines Schweinefleischbedarfs selbst decken. Die Kosten sind hier durch die Entfernung zu den Häfen und Großschlachthöfen höher als in anderen Regionen in D, und dieser kleine Unterschied hat über die Jahre ausgereicht, die Schweinehaltung verschwinden zu lassen.
Das kann man als Indikator für das ansehen, was auf die Branche Deutschlandweit zukommen, durch die höheren Kosten in Vergleich zu den Nachbarländern.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3394

Beitrag von Manfred »

Der Schweinebestand in Baden-Württemberg ist dieses Jahr auf das Niveau Anfang der 1950er Jahre eingebrochen, meldet topagrar.
Besonders stark war der Rückgang bei den Ferkeln um 113.000 Tiere (-18,6%).

https://www.topagrar.com/schwein/news/s ... 67213.html
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3395

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Manfred hat geschrieben: Fr 10. Dez 2021, 13:15 Am Schweinemarkt scheint sich langsam eine Wende abzuzeichnen.
Die Schlachtgewichte sinken wieder in Richtung Normalniveau. Daraus lässt sich schließen, dass der Schweinestau abnimmt, und die Ferkelpreise drehen langsam, sprich auch hier sinkt der Überhang.
Um die massiven Verluste aus diesem Jahr und die inflationär steigenden Kosten zu decken, müsste der Schweinepreis aber gewaltig steigen. Es bleibt spannend.
Bayern kann aktuell nicht mal mehr 50% seines Schweinefleischbedarfs selbst decken. Die Kosten sind hier durch die Entfernung zu den Häfen und Großschlachthöfen höher als in anderen Regionen in D, und dieser kleine Unterschied hat über die Jahre ausgereicht, die Schweinehaltung verschwinden zu lassen.
Das kann man als Indikator für das ansehen, was auf die Branche Deutschlandweit zukommen, durch die höheren Kosten in Vergleich zu den Nachbarländern.
Der Unterschied beträgt mit den heutigen Preisen in München etwa 8 Cent pro Kilo Lebendschwein verglichen mit Hamburg.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3396

Beitrag von Manfred »

"Schlimmes Jahr für Bauern: So teuer war Landwirtschaft noch nie"

"Eine gewaltige Kostenlawine überrollt die Bauern. Sie müssen immer mehr Geld ausgeben, um ihre Betriebe über Wasser zu halten."

"Gewerbliche Produkte verteuerten sich im November so stark wie seit 70 Jahren nicht - das hat Folgen für die Einkaufspreise der Bauern."

https://www.agrarheute.com/management/f ... ich-588635
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3397

Beitrag von Manfred »

Die Schweiz mit ihrem konsequenten Außenschutz und Verbrauchern, denen der Wert der eigenen Landwirtschaft bewusst ist, vermeldet völlig andere Zahlen als D.
Der Strukturwandel verläuft extrem langsam. Nur ca. 1,4% der Betriebe geben pro Jahr auf. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe liegt bei ca. 21,5 ha. Je Betrieb sind im Schnitt ca. 3 Personen beschäftigt, davon ca. 60% in Teilzeit und zumeist aus der Familie. Der durchschnittliche Gewinn dieser Mini-Betriebe liegt bei fast 76.000 Euro. Dazu kommt ein durchschnittliches außerlandwirtschaftliches Einkommen ca. 32.000 Euro.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3398

Beitrag von emil17 »

Interessant im verlinkten Artikel sind auch Nebenbemerkungen, wie etwa:
"Ebenfalls stark verteuert haben sich Futtermittel. Die sehr hohen Futterpreise bremsen auch eine mögliche Expansion in der Milchproduktion."
Mit anderen Worten, Milch wird mindestens teilweise mit Importfutter erzeugt. Höfe, die nur soviel Milchvieh halten, wie das eigene Land Futter hergibt, haben das Problem nicht.

"Die Gründe für den starken Preisanstieg liegen auf der Hand: Hohe Energiepreise, weiterhin nicht funktionierende Lieferketten, ein riesiger Rückstau beim Schiffstransport, extrem knappe und teure Container– sowie weitere Verzögerungen bei der Verladung und beim Transport von Rohstoffen und Produkten infolge anhaltender Corona-Restriktionen. "
Das würde anders interpretiert bedeuten, dass ein immer wieder erwähnter Grund für die hohe Subventionierung der Landwirtschaft hinfällig wäre: Autarkie der Lebensmittelversorgung im Krisenfall.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3399

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:11 Die Schweiz mit ihrem konsequenten Außenschutz und Verbrauchern, denen der Wert der eigenen Landwirtschaft bewusst ist, vermeldet völlig andere Zahlen als D.
Hoffentlich auch!

Bitte aber beachten, dass man für einen Franken (ca. 1.05 Euro) in CH weniger bekommt als für einen Euro in D, Treibstoffe ausgenommen. Zudem muss man diese Einkommen versteuern; deutsche Löhne sind netto, Schweizer Löhne werden brutto ausbezahlt.
Ich weiss auch nicht, ob teure Naturalleistungen wie selbst erzeugte Nahrung und Wohnen auf dem Betrieb in diesen zahlen eingepreist sind. Wenn man auf dem eigenen Hof wohnt, fallen schon mal die hohen Fixkosten für Miete weg - das kann aber im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen.
Die Gründe (Sicht von innen gesehen natürlich)
- Der Staatsgedanke ist gänzlich anders als der von D: Der freie Bergbauer, der auf steilem Land den Naturwidrigkeiten seinen Lebensunterhalt abtrotzt, ist der Archetyp des Schweizers.
- Weil 3/4 der landwirtschaftlichen Nutzfläche Berggebiet sind, leisten die Landwirte erkannbar sehr viel für die Bewohnbarkeit des Landes, was in der Bevölkerung nicht grundsätzlich bezweifelt wird.
- Die Erfahrungen der beiden Weltkriege, wo man völlig auf sich selbst gestellt war, da völlig von kriegsführenden Ländern umgeben, zeigte, dass Autarkie wirklich wichtig ist. Das funktionierte einigermassen bei damals 3.5 Millionen Einwohnern und würde heute bei 8.5 Millionen mit sehr viel höheren Ansprüchen sicher nicht mehr so gehen, aber im Staatsbewusstsein ist es immer noch stark vorhanden.
- Sehr gute Voraussetzungen für die Produktion führt in der Regel nicht zu Wertschätzung, sondern zu mehr Gier und Futterneid. Das sieht man auch an sehr vielen rohstoffreichen Ländern, wo der Reichtum an Rohstoffen dem Land nicht zum Segen wurde. Ausnahmen sind skandinavische Staaten, aber das sind von der Mentalität her Leute, die von kargem Boden leben müssen.
- Da der Inlandtourismus sehr verbreitet ist, kennen viele Leute die Landwirtschaft "irgendwie".
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3400

Beitrag von Manfred »

Die genannten Gewinne der deutschen Landwirte sind selbstverständlich auch brutto, vor Abzug von Sozialversicherung (mit "Arbeitgeberanteil", was beim Vergleich mit Bruttolöhnen zu beachten ist) und Steuern.
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