Wer eine größere Wohnung oder Häuschen in deinem deutschen Ballungsraum sein Eigen nennt, hat idR deutlich mehr als 500.000 Euro Vermögen.Dyrsian hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 19:43 Sorry wenn ich das jetzt mal so sage, aber wer eine halbe Millionen Euro Eigenkapital hat, dem kann es so schlecht nicht gehen.
Warum arbeitet der weiter im Ballungsraum und verkauft die Bude nicht (was er im Gegensatz zum Landwirt nach 10 Jahren Haltefrist sogar steuerfrei könnte) legt das Geld and er Börse an und nimmt sich eine billige Mietwohnung in Sachsen?
Ich weiß nicht, was Emils Häuschen in der Schweiz wert ist, vermute aber, er könnte auch in Brandenburg davon leben, würde er es verkaufen und das Geld anlegen.
Die Landwirtschaft ist eine der kapitalintensivsten Branchen überhaupt. Inzwischen dürften wir bei ca. 500.000 Euro Kapitalbedarf je Arbeitsplatz liegen, das ist doppelt so viel wie in der Industrie.
Ich habe auch noch nie verstanden, wieso jemand als Paketfahrer oder sonst einem scheiße bezahlten Job in einem Ballungsraum arbeitet, solange es noch irgendwo auf dem Land bei viel niedrigeren Lebenshaltungskosten Arbeitsplätze gibt. Trotzdem machen das Millionen von Menschen und erhalten dafür diverse Transferleistungen über die verschiedensten Umverteilungssysteme.
Ich bin auf einem kleinen Hof aufgewachsen. Bettelarm. Sozialleistungen gab es keine, weil man ja den Hof hatte. Den Lebensstandard eines durchschnittlichen Sozialhilfeempfängers hätten wir uns nie leisten können. 90% unserer Lebensmittel uns die Heizenergie haben wir selbst produziert. Etwas anders hätten wir uns auch nicht leisten können. Ich habe als Kind und Jugendlicher pro Woche nicht selten mehr gearbeitet neben der Schule als ein heutiger Durchschnittsarbeitnehmer und mit in der Schule jeden Tag für meine gebrauchten Klamotten und meinen Stallgeruch verspotten lassen. Erzähle mir nichts von (relativer) Armut in einer Gesellschaft.
Die Bauern-Prägung werde ich so wenig los wie die Prägung durch die Armut. Beides wird mich mein Leben lang begleiten. Aber wenn man dort nicht bleiben will, muss man sich nach oben vorne orientieren und etwas ändern, statt sich die Lage schön zu reden oder anderen die Schuld zu geben.
Ich bin Nebenerwerbsbauer, weil ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, den Hof für die nächste Generation zu erhalten und zu verbessern. Ich bin kein Vollerwerbsbauer, weil ich dazu das Kapital nicht hatte und meine Arbeitszeit außerhalb der Landwirtschaft deutlich besser verwerten kann.
Aber ich möchte, dass die Menschen verstehen, was in der Landwirtschaft los ist, weil die Landwirtschaft der Schlüssel zu unser aller Existenz ist und ich möchte, dass die Arbeit dort wie in anderen Branchen fair entlohnt wird.
Der Paketautofahrer hat, obwohl idR schlecht bezahlt, hat nach wie vor eine viel bessere Arbeitszeitverwertung als die allermeisten Bauern. Und bin finde, dass beide von ihrer investierten Arbeitszeit vernünftig leben können sollten, unabhängig davon, ob sie durch Glück oder Fleiß oder wie auch immer Vermögen ihr Eigen nennen. Oder sollen Paketfahrer, die von Opa ein Häuschen bei Köln geerbt haben, zukünftig für 2,30 Euro brutto je Stunde arbeiten müssen, weil sie ja ausreichend Vermögen haben, von dem sie leben könnten?

