Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3081

Beitrag von Manfred »

Dyrsian hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 19:43 Sorry wenn ich das jetzt mal so sage, aber wer eine halbe Millionen Euro Eigenkapital hat, dem kann es so schlecht nicht gehen.
Wer eine größere Wohnung oder Häuschen in deinem deutschen Ballungsraum sein Eigen nennt, hat idR deutlich mehr als 500.000 Euro Vermögen.
Warum arbeitet der weiter im Ballungsraum und verkauft die Bude nicht (was er im Gegensatz zum Landwirt nach 10 Jahren Haltefrist sogar steuerfrei könnte) legt das Geld and er Börse an und nimmt sich eine billige Mietwohnung in Sachsen?

Ich weiß nicht, was Emils Häuschen in der Schweiz wert ist, vermute aber, er könnte auch in Brandenburg davon leben, würde er es verkaufen und das Geld anlegen.

Die Landwirtschaft ist eine der kapitalintensivsten Branchen überhaupt. Inzwischen dürften wir bei ca. 500.000 Euro Kapitalbedarf je Arbeitsplatz liegen, das ist doppelt so viel wie in der Industrie.

Ich habe auch noch nie verstanden, wieso jemand als Paketfahrer oder sonst einem scheiße bezahlten Job in einem Ballungsraum arbeitet, solange es noch irgendwo auf dem Land bei viel niedrigeren Lebenshaltungskosten Arbeitsplätze gibt. Trotzdem machen das Millionen von Menschen und erhalten dafür diverse Transferleistungen über die verschiedensten Umverteilungssysteme.

Ich bin auf einem kleinen Hof aufgewachsen. Bettelarm. Sozialleistungen gab es keine, weil man ja den Hof hatte. Den Lebensstandard eines durchschnittlichen Sozialhilfeempfängers hätten wir uns nie leisten können. 90% unserer Lebensmittel uns die Heizenergie haben wir selbst produziert. Etwas anders hätten wir uns auch nicht leisten können. Ich habe als Kind und Jugendlicher pro Woche nicht selten mehr gearbeitet neben der Schule als ein heutiger Durchschnittsarbeitnehmer und mit in der Schule jeden Tag für meine gebrauchten Klamotten und meinen Stallgeruch verspotten lassen. Erzähle mir nichts von (relativer) Armut in einer Gesellschaft.
Die Bauern-Prägung werde ich so wenig los wie die Prägung durch die Armut. Beides wird mich mein Leben lang begleiten. Aber wenn man dort nicht bleiben will, muss man sich nach oben vorne orientieren und etwas ändern, statt sich die Lage schön zu reden oder anderen die Schuld zu geben.
Ich bin Nebenerwerbsbauer, weil ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, den Hof für die nächste Generation zu erhalten und zu verbessern. Ich bin kein Vollerwerbsbauer, weil ich dazu das Kapital nicht hatte und meine Arbeitszeit außerhalb der Landwirtschaft deutlich besser verwerten kann.
Aber ich möchte, dass die Menschen verstehen, was in der Landwirtschaft los ist, weil die Landwirtschaft der Schlüssel zu unser aller Existenz ist und ich möchte, dass die Arbeit dort wie in anderen Branchen fair entlohnt wird.
Der Paketautofahrer hat, obwohl idR schlecht bezahlt, hat nach wie vor eine viel bessere Arbeitszeitverwertung als die allermeisten Bauern. Und bin finde, dass beide von ihrer investierten Arbeitszeit vernünftig leben können sollten, unabhängig davon, ob sie durch Glück oder Fleiß oder wie auch immer Vermögen ihr Eigen nennen. Oder sollen Paketfahrer, die von Opa ein Häuschen bei Köln geerbt haben, zukünftig für 2,30 Euro brutto je Stunde arbeiten müssen, weil sie ja ausreichend Vermögen haben, von dem sie leben könnten?
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3082

Beitrag von emil17 »

Marktwirtschaft hat nicht Fairness zum Ziel, sondern Geld. Der Arbeitslohn ist genau wie der Wert der Leistung oder der Produkte eines Unternehmers der Marktwert für das, was man bietet, abgemildert durch staatliche Eingriffe und Vorschriften. Vor dem ersten Weltkrieg war es beispielsweise üblich, dass jemand, der durch einen Arbeitsunfall arbeitsunfähig wurde, einfach aufgehört hat. Der Unternehmer hat einen anderen genommen und das wars.
Das heisst, wenn du etwas machst, was viele andere auch machen, und es einen Angebotsüberhang gibt, dann wird der Preis so lange sinken, bis er das Existenzminimum bei Löhnen oder die Produktgestehungskosten des Unternehmers erreicht hat. Die Leistung, dei der Mensch dabei erbracht hat, spielt keine Rolle.
Andersrum gehts auch, weshalb Notare bei weniger Aufwand viel mehr kriegen als Strassenarbeiter, auch nach Abzug der höheren Ausbildungskosten.
Mit Fairness hat das alles in unserer Gesellschaft leider gar nichts zu tun, auch nicht damit, wie gesellschaftsnotwendig etwas ist.

Ich habe ein Haus und genug Geld, um damit meinen Ansprüchen gerecht zu werden (wobei dahingestellt sein mag, wo sich Anspruchsreduktion und Einkommenserhöhung getroffen haben). Warum sollte ich also mein in Immobilien gebundenes Eigenkapital verflüssigen und anlegen, um mehr herauszuholen? Was wäre ""mehr?
Dann habe ich noch Familie (oder die hat mich), eine aus unternehmerischer Sicht ganz hoffnungslose Investition.

Was mich an diesem System am meisten stört: Durch Buchgewinne und Kapitalzins erwirbt man genauso wie durch Lohnarbeit oder eigene unternehmerische Tätigkeit rechnerischen Anspruch auf reelle Waren und Dienstleistungen, etwa Nahrungsmittel, die man damit kaufen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob man selber etwas geleistet oder bloss geerbt oder bloss Glück gehabt hat. Diese realen Dinge müssen aber von denen, die tatsächlich produzieren, erzeugt werden.

Hier liegt eine grosse Ungerechtigkeit der Gesellschaft, denn es entspräche dem Prinzip der Chancengleichheit, dass alle mit gleichen Bedingungen anfangen. Was man draus macht, ist jedem seine Sache. Nun ist es aber so, dass man nie arbeiten muss und sich trotzdem alles leisten kann, wenn man faul ist und sich reiche Eltern ausgesucht hat, und dass man mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit vorwiegend für andere arbeitet, wenn man durchschnittlich begabt und fleissig aber mittellos auf die Welt gekommen ist. Man kann das gut an den Einkommenssteigerungen sehen: Unten kommt von der jährlich wachsenden Wirtschaftsleistung nichts an, die Einkommen der Superreichen haben sich extrem stark erhöht.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3083

Beitrag von Manfred »

Notare, Steuerberater und einige andere haben zumindest in D einen Sonderstatus und eine Gebührenordnung, die sie vor Konkurrenz weitgehend schützt. Auch darüber lässt sich trefflich streiten.

Superreichtum ist ein massives Problem.
Mit dem Sozialsystem haben wir nach unten einen Damm eingezogen. Nach oben ist das noch nicht gelungen. Das führt zwangsweise dazu, dass sich immer mehr Vermögen bei immer weniger Superreichen konzentriert und die Chancen und Möglichkeiten der restlichen Wertbevölkerung immer kleiner werden.
Das lässt sich in Gesellschaften mit schnellem Wohlstandswachstum noch halbwegs vertuschen, weil es für fast alle besser wird, nur für einige halt viel schneller als für den Rest. Aber spätestens bei Stagnation des Wachstums macht sich die Ungleichheit immer stärker bemerkbar und die relative Armut immer größerer Bevölkerungsteile nimmt zu.

Ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie man das in den Griff bekommen könnte, in unserer globalisierten Welt. Die Vermögenden sind weltweit mobil und ihre Investitionen fließen oft durch ein undurchdringliches Netzwerk über Grenzen, Firmen, Rechtsräume hinweg.

Sollte sich jetzt in einem einzelnen Staat eine Mehrheit dafür finden, den Superreichtum zu begrenzen, wie soll das in der Praxis umgesetzt werden?
Ein einzelner Staat könnte das nur für Vermögen tun, die seinen Bürgern oder Einwohnern gehören und für Vermögensteile, die seinem Recht unterliegen.

Führt man Regelungen ein, nimmt man in Kauf, dass vermögende Bürger samt ihrer Vermögen abwandern und ausländisches Kapital aus der heimischen Wirtschaft abgezogen wird.
Versucht man es durch eine Erbschaftssteuer zu lösen, wird diese sofort umgangen. Wenn nicht durch Abwanderung, dann durch günstige Firmenverkäufe und Warenverkaufe an die Erben usw. usw.
Eine regelmäßige Bewertung von Vermögen, wie sie für eine Vermögenssteuer notwendig wäre, verursacht sehr hohen Aufwand und ist mit hoher Unsicherheit verbunden. Wie bewertet man z.B. Kunstwerke, Schmuck, nicht börsennotierte Unternehmen, etc. etc.

Und nicht jede Form von Vermögen ist zwingend schädlich für den Rest der Gesellschaft.
Eine umfangreiche Kunstsammlung z.B. fügt anderen kaum Schaden an ihren Rechten und Entwicklungsmöglichkeiten zu.

Evtl. könnte man im ersten Ansatz das Eigentum an bestimmten Vermögenswerten begrenzen, um ihre Verteilung in der Bevölkerung zu sichern und sie gegen übermäßige Inflation durch den Anlagenotstand der Superreichen zu schützen.
Man könnte z.B. das Eigentum an Agrarflächen auf natürliche Personen und eine bestimmte Flächengröße je Person begrenzen (abgesehen von einem gewissen Flächenanteil für Körperschaften des öffentlichen Rechts), und man könnte Vorkaufsrechte einführen, bei Agrarflächen z.B. 1) für ortsansässige Landwirte, 2) für Ortsansässige, 3) für Staatsbürger
Dann wäre das Thema Landgrapping durch Großinvestoren, Stiftungen etc. Geschichte.
Gleiches könnte man für Wohnimmobilien tun. Man könnte Investoren z.B. erlauben neue Wohnungen zu bauen, wenn und wo Wohnungen benötigen werden, ihnen aber verbieten, gebrauchte Wohnungen zu kaufen, um den Anlagedruck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen und Wohnraum wieder erschwinglicher für Normalverdiener zu machen.
Die direkte Einflussnahme auf die Politik könnte man reduzieren, indem man Unternehmensspenden verbietet und private Parteispenden begrenzt. Indirekte Einflussnahme und Bestechung lassen sich so natürlich nicht unterdrücken.
Auch Stiftungen sind ein gewaltiges Problem für die Demokratie und können über ihre finanzielle Macht lange über den Tod des Stifters hinaus Manipulation und Meinungsmache betreiben.

Auf der anderen Seite ist der Aufbau von Vermögen ein Urtrieb und eine wichtige Triebfeder für Unternehmerische Tätigkeit und Innovation. Siehe z.B. die Arbeit von Elon Musk.
Diese Gründer- und Machergeneration sehe ich eher positiv. Die Probleme mehren sich in der Erbengeneration, so diese nicht im Ausnahmefall die gleiche unternehmerische Triebkraft zeigt.
Diese verwaltet nur noch und mehrt durch Zinseffekte und blockiert so die Entwicklungsmöglichkeiten anderer.
Aber wie soll man Erbe begrenzen, wenn sich sofort 1000 Umgehungsmöglichkeiten auftun?

Und spätestens bei ausländischen Investoren, die über Firmengeflechte handeln, wird die Sache komplett undurchsichtig. Damit stellt sich auch sofort die Frage nach Gleichbehandlung.
Auch ein Transparenzregister wird schwer durch- und umsetzbar sein bei Wertpapieren, die teils im Millisekundentakt gehandelt werden.

Denkbar wäre auch eine absolute Vermögensobergrenze, mit Bewertung z.B. alle 10 Jahre.
Aber halt wieder nur für eigene Einwohner.
Wie will man verhindern, dass ausländische Investoren oberhalb dieser Grenze weiter hier investieren?
Dürfte dann Tesla kein Werk mehr in Deutschland bauen?

Ein hochkomplexes Thema.
Das einzige, was mir von meinen bisherigen Gedanken realistisch von einem einzelnen Land umsetzbar scheint, sind die oben genannten Beschränkungen für einzelne Anlageklassen, Spenden, etc.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3084

Beitrag von emil17 »

Das beste System gegen zuviel Reichtum gab es in gewissen Eingeborenenvölkern in Schwarzafrika. Je reicher, desto mehr Frauen hatte man. Das wurde wohl bald so anstrengend, dass es automatisch eine Obergrenze gab.

Mal im Ernst, was du ansprichst geht nur mit einer internationalen Steuerharmonisierung. Die wird irgendwann mal kommen, weil sie im Interesse aller ist, nur wird das noch sehr lange dauern. Solange sich Staaten darin gefallen, Wirtschaftsförderung mit Steuerrabatten und Sonderkonditionen zu verwechseln, wird das nichts.
Ebenfalls nötig wäre eine Kapitaltransaktionssteuer.
Ansätze gibt es schon, etwa den vorgeschlagenen Mindeststeuersatz für Unternehmen in der EU (wo die Schweiz natürlich nicht mitmachen will :sauenr_1: ) oder die Enteignung von Grosswohnungseigentümern in Berlin. Wobei sich das Wohnungsproblem am besten durch genossenschaftlichen Wohnungsbau und -verwaltung lösen lässt, wenn diese Genossenschaften ihre Rechnung offenlegen müssen. Damit beschneidet man aber die Pfründe der Immobilienanleger.
Manfred hat geschrieben: Mo 18. Okt 2021, 00:02nicht jede Form von Vermögen ist zwingend schädlich für den Rest der Gesellschaft.
Eine umfangreiche Kunstsammlung z.B. fügt anderen kaum Schaden an ihren Rechten und Entwicklungsmöglichkeiten zu.
Jede allzugrosse Anhäufung von vermögen ist zwingend schädlich für die Gesellschaft, weil damit die Personen, die darüber verfügen, eine Macht in der Politik und Gesellschaft bekommen, für die sie nicht demokratisch legitimiert sind. Die können Privatmedien oder ganze Zeitungen kaufen, Parteien finanzieren, Gemeinden wirtschaftlich unter Druck setzen ("wenn ihr uns keine Steuerrabatte gebt und auch noch mehr Umweltauflagen macht, müssen wir leider ernsthaft darüber nachdenken, unsere Produktion an einen anderen Ort zu verlagern") und so weiter. Sie verführt auch zum Steuerwettbewerb unter Staaten, Gemeinden und Ländern. Besonders stossend ist hier die verfassungswidrige Pauschalbesteuerung reicher Ausländer in der Schweiz.
Die Sache mit den Kunstsammlungen sehe ich sehr durchzogen; allzuoft werden Vermögen erschaffen durch unfaire Konkurrenz, Ruinierung der Konkurrenten, Dumpinglöhnen, Steuervermeidung und so weiter, und wenn man dann das Quasi-Monopol und den grossen Geldhaufen hat, gefällt man sich im Alter darin, Kunst zu sammeln, die in einer steuerbefreiten Stiftung der Allgemeinheit zugänglich zu machen und sich so als Wohltäter zu profilieren. Ein Picasso oder Matisse weniger und dafür anständige Löhne zahlen wäre auch was gewesen.
Kunst ist eine klassische Möglichkeit für Superreiche, sich als einzigartig zu profilieren, weil Kunstobjekte nur in einem Exempar echt existieren (ICH bin der, der den xyz im Original hat) und man so davor geschützt ist, einer unter vielen zu sein. Eine Jacht, drei Ferienvillen und einen Privatjet hat schliesslich jeder, der es zu etwas gebracht hat. Zudem hat Kunst im Gegensatz zu einer Luxusjacht den Vorteil, dass sie sehr viel kostet und man damit absolut nichts anfangen kann, d.h. sie frisst keine Zeit wenn man sie hat.
Das Grundproblem ist aber das was du beschrieben hast: Man hat ein sehr grosses Vermögen geerbt, delegiert das Geldverdienen an Vermögensverwalter, Steueroptimierer und Geschäftsführer, kauft sich Geldvernichtungsmaschinen wie Kunstsammlungen, Fussballvereine oder Privatinseln, und tut auch noch so, als wäre das alles gut für die Gesellschaft, da man ja Arbeit und Brot gibt.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3085

Beitrag von penelope »

emil17 hat geschrieben: Mo 18. Okt 2021, 08:20
Ebenfalls nötig wäre eine Kapitaltransaktionssteuer.
Genau das wollte ich auch gerade schreiben. Das wäre endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung. Eigentlich soll das in der EU ja auch kommen, allerdings verschleppt sich das schon seit ewig langer Zeit. In Deutschland ist eine Kapitaltransaktionssteuer erstmal nur für Privatanleger geplant - das geht natürlich maximal am eigentlichen Zweck vorbei. In den frühen 2000er Jahren hatte ja das ATTAC-Bündnis das Thema relativ präsent gemacht. Irgendwie sind die in der Versenkung verschwunden - Schade eigentlich.

Die "Enteignung" der Deutschen Wohnen usw. halte ich allerdings für eine der bescheuertsten Ideen überhaupt. "Enteigenen" hört sich so sozialistisch und kämpferisch an, aber in Deutschland muss bei einer Enteignung zu marktüblichen Preisen entschädigt werden. Es ist also quasi ein erzwungener Rückkauf. Da hat Berlin in Zeiten, als dort Immobilien spottbillig waren, zig Wohnungen für einen Appel und ein Ei an die Deutsche Wohnen verkauft. die hat jahrelang die Mieten kassiert und ein paar Gebäude edelsaniert aber eben sehr viele auch nicht ausreichend in Stand gehalten und nun sollen die Wohnungn in einen schlechteren Zustand für einen sehr viel höheren Preis an die Stadt zurückgehen. Dadurch gibt es keine einzige Wohnung mehr und es bleiben nur diejenigen in günstigen aber schlechten Wohnungen wohnen, die so eine eh schon haben. Und der Konzern macht einen wahnsinnigen Gewinn bei der ganzen Sache, während es der Stadt, die eh schon notorisch pleite ist, Milliarden kosten würde.
Man kann das ganze eigentlich immrt nur als mahnendes Beispiel vor sich hertragen, damit Kommunen nicht immer noch weiter ihr "Tafelsilber" verscheuern.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3086

Beitrag von Eule »

Sozialwohnungen, Bahn, Post, Gesundheitswesen, Pflegeheime, ..., - kennt Jemand ein Beispiel, wo die Privatisierung ehemals öffentlicher Aufgaben zu KEINER Verschlechterung für die Bürger geführt hat? :dreh:
Aber das ist Alles OT hier... :pfeif:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3087

Beitrag von Rohana »

Eule hat geschrieben: Mo 18. Okt 2021, 09:50 Sozialwohnungen, Bahn, Post, Gesundheitswesen, Pflegeheime, ..., - kennt Jemand ein Beispiel, wo die Privatisierung ehemals öffentlicher Aufgaben zu KEINER Verschlechterung für die Bürger geführt hat? :dreh:
Aber das ist Alles OT hier... :pfeif:
:daumen: :grinblum:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3088

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Mo 18. Okt 2021, 08:46 Die "Enteignung" der Deutschen Wohnen usw. halte ich allerdings für eine der bescheuertsten Ideen überhaupt.
Ja. Deren Aktien sind nach der Meldung gleich mal gestiegen, weil die gesetzlichen Entschädigungszahlungen im Fall einer Enteignung eine sehr gute Rendite ergeben würden.
Und das Geld der Steuerzahler ist dann erstmal verbraten, statt dass damit neue Wohnungen gebaut worden währen, um den Markt zu entlasten.
Entweder sind die Landespolitiker in Berlin sehr dumm oder sehr korrupt.

Wenn die Politik selbst Wohnungen baut, werden diese idR zu billig vermietet und keine Rücklagen gebildet, weil das kurzfristig Wählerstimmen bringt. Nach 20 bis 40 Jahren zeigt sich dann massiver Sanierungsstau, der nur noch mit erheblichen Mieterhöhungen zu beheben ist. Da dem Politiker dadurch Stimmverluste drohen, werden diese Wohnanlagen billig an Investoren verkauft, welche dann die Sanierungen und nötigen Mieterhöhungen durchsetzen und dafür natürlich von Mietern und Politik nach Kräften beschimpft werden. Das tun sich die Sanierer nur an, wenn sie entsprechend hohe Renditen dabei einfahren, sprich die Wohnungen sehr billig einkaufen können.
Danach stellen die Politiker im Wahlkampf nicht selten fest, dass den armen, von den neuen Vermietern gegängelten Mietern dringend geholfen werden muss und kaufen die Wohnanlagen mit Steuergeldern zum Mehrfachen des vorherigen Verkaufspreises wieder zurück, wodurch der Zyklus der zu niedrigen Mieten und fehlenden Rücklagen dann von vorne beginnt.
Die Freien Wähler haben in Bayern vor einigen Jahren versucht, diesem Spiel einen Riegel vorzuschieben, indem sie für öffentlichen Wohnungsbau kostendeckende Mieten inkl. Sanierungsrücklagen gesetzlich verankern wollten. CSU und SPD haben das abgeschmettert.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3089

Beitrag von Manfred »

@Email:
Deine Antwort zur Regulierung des Superreichtums fasse ich wie folgt zusammen:
Alles aussichtslos, bis es von einer Art Weltregierung beschlossen wird...

Nur dass eine solche Weltregierung halt wieder massive Nachteile hätte.
Wir kriegen ja nicht mal das Missmanagement und die Korruption in Brüssel in den Griff.
Je weiter solche Institutionen vom Bürger entfernt sind, desto mehr entziehen sie sich der Kontrolle der Bürger und desto leichter degenerieren und korrumpieren sie.
Auch deshalb läuft es in der Schweiz und Norwegen ungleich besser.

Wenn sich in der Hinsicht überhaupt etwas tun soll, dann müssen einzelne Länder die Vorreiter spielen und damit spürbarem Erfolg zum Vorteil ihrer breiten Bevölkerung erzielen.
Andere Ländern werden gleichzeitig versuchen, die Steuervorteile die verdrängen Superreichen für sich zu gewinnen.
Erfolgt kann eine Änderung in einem einzelnen Land also nur haben, wenn es geling, auch ausländische Investitionen durch Superreiche zu sperren.
Wenn wir darauf warten müssen, dass ein Messias vom Himmel steigt und global eine geniale, umgehungssichere Regelung durchsetzt, wir es nie passieren.
Dyrsian
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3090

Beitrag von Dyrsian »

Ich stimme euch zu, bei dem was ihr geschrieben habt, Emil und Manfred! :daumen:
Vielleicht dazu noch zwei Dinge:
1. Man könnte, um die Steuerflucht zu begrenzen, die Staatsbürgerschaft an das Zahlen von Steuern im eigenen Land binden. So ähnlich machen es die USA. Nach dem motto: wenn du dein Vermögen nach Burkina Faso verschiebt, dann nimm bitte auch deren Pass!
2. Stichwort wohnimmobile im Ballungsraum: sowas bei den derzeitigen Preisen zu bewohnen ist eine lifestyle Entscheidung. Das macht Laune und man hat viele Vorteile im Eigenheim. Wer ehrlich an die Sache rangeht, wird feststellen, dass es aus finanzieller Sicht schlicht keinen Sinn ergibt. Man kann sich das schönrechnen, aber grade in der derzeitigen Lage mit den extrem überbewerten Objekten ist es ähnlich wie mit dem Mercedes in der garage: schön, bequem, aber finanziell unsinnig.Wenn in 4-5 Jahren die Babyboomer in Rente gehen und der Leitzins wieder in annähernd normale Gefilde kommt, mag das anders aus sehen. Und auch wer extrem billig eingekauft oder geerbt hat, tut gut daran JETZT zu verkaufen.
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