Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2951

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

sybille hat geschrieben: So 10. Okt 2021, 19:26
Oelkanne hat geschrieben: So 10. Okt 2021, 18:59
sybille hat geschrieben: Sa 9. Okt 2021, 21:54 Warum keine Zweinutzungshühner? Muss es denn das matschige, geschmacklose Turbohähnchen sein das nur höchstens 2 Monate leben dufte und gleich viel Mist gemacht hat wie ein Zweinutzungshuhn das älter werden durfte?
Das ist das Problem: zweinutzungs Hühner sind nicht wirtschaftlich. Sie elegen zu wenig Eier und gleichzeitig wächst zu wenig Fleisch an die Tiere. Wenn das Masthuhn doppelt so lange im Stall steht muss man doppelt so viele Ställe bauen...
... das will auch wieder keiner.
Die Preise müssten natürlich steigen damit sich das lohnt. Aber dafür ist ein Umdenken der Bevölkerung nötig. Gebe ich mehr Geld aus und esse weniger Eier und das ganze Tier dann habe ich hochwertigere Qualität oder ernähre ich mich billig mit Eiern und Fleisch aus Qualzuchten? Der Verbraucher sollte doch durch TV in Punkto Qualzuchten aufgeklärt sein. Wenn wir wieder dahin kommen das tierische Produkte etwas Wertvolles sind dann sinkt der Verbrauch und durch die Preissteigerung können die Landwirte trotzdem gut wirtschaften. Rosa Schweine, glückliche Hühner, Rinder, Schafe, auf grünen Wiesen für ein Billigangebot von Fleisch sollte verboten werden.
Durch steigende Preise wird die Wirtschaftlichkeit einer Zweinutzungsrasse im Vergleich zu zwei Einnutzungsrassen nicht besser.

Wenn ein Huhn 0,8 Eier am Tag legt ist das keine Qualzucht...
... auch der Fleischansatz muss immer noch in dem Rahmen bleiben, dass sich das Tier gut bewegen kann.
Andernfalls kommt es nicht mehr an Futter und Wasser -> es wächst nicht weiter.

Die Tiere sind auf diese Leistung genetisch ausgelegt und wollen sie auch erbringen.
Ein modernes Masthuhn auf Grünland zu halten und nur mit ein par Küchenabfällen zu füttern ist Tierquälerei:
das Tier wird bei weitem nicht bedarfsgerecht ernährt.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2952

Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: So 10. Okt 2021, 19:46 Die Tiere sind auf diese Leistung genetisch ausgelegt und wollen sie auch erbringen.
Ein modernes Masthuhn auf Grünland zu halten und nur mit ein par Küchenabfällen zu füttern ist Tierquälerei:
das Tier wird bei weitem nicht bedarfsgerecht ernährt.
Ja, aber es ist Unsinn, nur Rassen und Sorten zu haben, die nur unter solchen Bedingungen funktionieren. Und es ist ebenfalls nicht bedarfsgerecht, wobei damit z.B. die Umwelt gemeint sein könnte.
Wenn du beispielsweise im Gebirge Hochleistungskühe hast, die zu schwer sind um noch auf die nicht ebene Weide zu können und mit vollem Euter wieder zurück zum Stall, oder die ihre Leistung nicht erbringen können, wenn sie nur das kriegen, was eine Kuh ihrem Wesen nach kriegt, nämlich Weide, dann kannst du zwar solche Tiere halten, die "ihre Leistung erbringen wollen". Dennoch ist es unsinnig, denn mit Landwirtschaft im Sinne von Land bewirtschaften hat es wenig zu tun.

Deshalb ist auch die Diskussion um die Welternährung einseitig: Es braucht nicht immer bloss leistungsfähigere Sorten und Rassen, die auf bestem Land mit noch mehr Aufwand noch etwas mehr bringen, es braucht auch und vor allem Sorten, die auf mässigem bis schlechtem Boden noch zuverlässigen wenn auch geringeren Ertrag bringen. Nur die züchtet keiner, denn damit kann man kein Geld verdienen.

Ich kann auch mit einem Porsche auf Feldwege wollen und dann über die schlechten Strassen jammern, die den Wagen ausbremsen. Dann muss man nach dieser Logik jede Strasse verbreitern, begradigen und teeren. Und dann kommt ein anderer mit einem etwas schnelleren Wagen, der noch bessere Strassen braucht, und alles fängt wieder von vorne an. Merkst du etwas?

Ein klassisches Beispiel für solche Fehlentwicklungen sind die Entwicklungsländer, wo man die Landwirtschaft auf Teufel komm raus auf westlichen Industriestandard gebracht hat, mit dem Ergebnis, dass die Landbevölkerung nun in die Bidonvilles und Slums der Grosstädte gezogen ist und dort am Tropf der staatlichen Wohltätigkeit hängt, weil sie nicht mehr von ihrer traditionellen Landwirtschaft leben können. Dafür hat man nun riesige triviale Kulturen für Cash Crops und gewaltige Umweltschäden. Wenn man nur die Erträge in USD pro Hektar und Jahr betrachtet, war das ein Fortschritt - aber ob das die einzige Beurteilungsgrösse sein darf, ist eine andere Frage.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2953

Beitrag von penelope »

Das Umdenken in der Bevölkerung hinsichlicht der Preise von qualitativ guten Lebensmitteln ist ein Faktor, aber ganz lange nicht der einzige. Aktuell sieht man es ja sehr deutlich: die Verbraucherpreise für Lebensmittel steigen, die Erzeugerpreise für die Landwirte fallen. Handel, Molkerein und Schlachthäuser haben sehr viel Macht bei der Preisgestaltung. Dazu kommt, dass halt zu einem gewissen Teil für den Export produziert wird, und dann sind es eben auch die Weltmarktpreise, die sich duchsetzen.

Würden jetzt tatsächlich innerhalb nicht allzulange Zeit viele Leute umdenken und weniger aber besseres Fleisch kaufen (die Tendenz gab es ja in der Corona-Krise), würde das kurz- bis mittelfristig natürlich erstmal zu einem weiteren Fallen der durchschnittlichen Preise führen, weil das Überangebot noch größer ist, als eh schon. Auf längere Sicht würde sich jedoch die Chance auf einen Strukturwandel hin zu einer nachhaltigeren Produktion bieten. Aktuell gibt es ja durch die zum Teil eingebrochenen Exportmärkte viele Zeichen in diese Richtung.

Es ist natürlich auch nicht im Sinn der Nachhaltigkeit, besonders viele Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung komplett herauszunehmen, dafür aber auf den verbleibenden Flächen die Nutzung noch weiter zu intensivieren. Dauergrünland, auf dem Kühe weiden oder über das ein Hühnermobil fährt, sind natürlich nicht so artenreich und so wertvoll wie eine unter Naturschutzsaspekten gepflegte Magerwiese, aber es ist immerhin CO2-Senke, Errosionsschutz usw.. Und unter dem Aspket finde ich eben auch die Forschung aus Wietzenhausen so aussagekräftig, dass eben nicht zwangsläufig die Betriebe mit der höchsten Intensität in ihrer Wirtschaftsweise auch die rentabelsten sind. Sich von dieser Denkweise zu befreien, bietet viele Chancen - in jedem Bereich der Wirtschaft.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2954

Beitrag von penelope »

Und noch als Ergänzung zu emil:
Ich sehe das sehr ähnlich. Zudem ist zusätzlich dazu, wieviel Dollar oder Euro pro Hektar raus springt die Frage relevant, wie sich das, was rauskommt, aufteilt. Wenn ich zwar das meiste Geld pro Fläche raushole, aber dann gleich die Kreditinstitute, Lizenzgeber, Beraterfirmen usw. kommen und mir in die Tasche greifen, bin ich am Ende der Depp vom Dienst.
Man begibt sich in zig Abhängigkeitsverhältnisse, erfährt kaum Selbstwirksamkeit und es ist kein Wunder, dass am Ende so viel Frust steht.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2955

Beitrag von Manfred »

Mit Kritisieren und Zerstören tut ihr euch leicht.
Das Problem ist, dass funktionierende Lösungen fehlen, bzw. verhindert werden.
Die Landwirtschaft in D ist aktuell in einer absolut verheerenden Situation.
Das, was sich die letzten Jahre noch am ehesten wirtschaftlich rentiert hat, die intensive tierische Veredelung, fährt wegen des weggebrochenen Exports (hauptsächlich nach China, aber auch in andere Länder) massive Verluste ein.
Schnelle Bestandsanpassungen sind zumindest in Deutschland nicht möglich, weil nach dem Tierschutzgesetz keine Tiere aus wirtschaftlichen Gründet getötet werden dürfen.
Obwohl aktuell schon viele Schweine- und Geflügelställe leerstehen und massiv Zuchtsauen aus der Produktion genommen und geschlachtet werden, sobald die Ferkel abgesetzt sind, wächst der Schweinestau (erkennbar an den stetig steigenden Schlachtgewichten).
In der Milchwirtschaft, die noch langsam reagieren kann, sind die Kosten alleine in diesem Jahr um 3 bis 4 Cent je Liter Milch gestiegen, bei stagnierenden Preisen.
Gleichzeitig wird der Pauschalisierungssatz bei der Umsatzsteuer zum Jahresende von 10,7% auf 9,5% gesenkt, was ebenfalls hauptsächlich die intensive Veredelung trifft.
Ausstiegsprogramm wie in den Niederlanden lehnt unsere Regierung ab.
Das Landwirtschaftsgesetz wird von der Regierung seit Jahren einfach ignoriert.

Und weil das nicht reicht, wird auch noch die bisherige Landwirtschaftsförderung komplett umgekrempelt. Biobetriebe werden nach aktuellem Stand von den am 2023 geltenden Reformen massiv getroffen, weil sie die Eco Schemes aufgrund ihrer Verpflichtungserklärungen nicht in Anspruch nehmen können, weil sie die entsprechenden Auflagen eh einhalten müssen und nur freiwillige Einschränkungen gefördert werden dürfen.
Falls hier nicht noch die Bundesländer über die 2. Säule etwas ausgleichen können, wird das ebenfalls viele Betriebe die Existenz kosten. Selbst in meinem kleinen Nebenerwerbsbetrieb würden nach aktueller Kalkulation ca. 6.000 Euro im Jahr fehlen. Das entspricht ca. 2/3 des durchschnittlichen Gewinns der letzten Jahre, der eh schon deutlich zu niedrig war, um Arbeitszeit und das Gebundene Kapital marktgereicht zu entlohnen, obwohl ich deutlich besser aufgestellt bin als viele vergleichbare Betriebe und die Kostenseite massiv inflationiert.
Also steht evtl. auch bei mir die Entscheidung an, das Kapitel zu beenden und evtl. noch etwas Hobbylandwirtschaft für den Eigenbedarf der Familie zu betrieben.

Gleichzeitig steigen die Düngerpreise massiv an. Viele Landhändler können aktuell gar keinen Stickstoffdünger mehr liefern, weil weltweit reihenweise Stickstoffwerke wegen der explodierenden Gaspreise die Produktion eingestellt haben. Wenn sich das bis zum Frühjahr nicht dreht, könnte das massiv auf die weltweite Getreideernte durchschlagen. Dann ist der Hunger zurück, bei den Ärmsten der Armen. Aktuell gelten nach meinem Informationsstand noch ca. 0,8 Mrd. als unterernährt. Das könnte auf 2 Mrd. hochschnellen und der Hungertod für viele wieder eine reale Bedrohung werden.
Aber die Erdbevölkerung muss nach Ansicht einiger ja dringend reduziert werden. Aber natürlich nur die anderen, nicht man selbst. Deren feuchte Träume könnten dann wahr werden.
Ich hoffe, dass es nicht so kommt.
Zottelgeiss
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2956

Beitrag von Zottelgeiss »

Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2957

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Emil hat geschrieben:Merkst du etwas?
Ja, ich merke dass deine Kenntnisse über die landwirtwirtschaftliche Produktion, ihre Zusammenhänge und die nationale/internationale Situation immer noch nicht ausreichend sind oder du sie bewusst ignorierst.
Penelope hat geschrieben:Wenn ich zwar das meiste Geld pro Fläche raushole, aber dann gleich die Kreditinstitute, Lizenzgeber, Beraterfirmen usw. kommen und mir in die Tasche greifen, bin ich am Ende der Depp vom Dienst.
Man begibt sich in zig Abhängigkeitsverhältnisse, erfährt kaum Selbstwirksamkeit und es ist kein Wunder, dass am Ende so viel Frust steht.
Und welchem Wirtschaftszweig ist das nicht so?
Jede Form der Landwirtschaft benötigt Geld, Lizenzen, Beratung etc. Wer meint es würde ohne Geld und Wissen gehen lebt hinterm Mond.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2958

Beitrag von Manfred »

Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
penelope
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Registriert: Mo 26. Nov 2018, 14:41

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2959

Beitrag von penelope »

Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
"Wachsen oder Weichen" ist nur eben auch keine Lösung, bei der alle gut wegkommen. Bei einem übersättigten Markt auf noch weitere Produktionssteigerungen zu setzen, bringt die Masse der Betriebe ja auch nur noch weiter ins Bedrängnis.

Ich will überhaupt nicht einzelne Menschen oder Betriebe kritisieren. Die Entwicklung und die Strukturen der letzten Jahre/Jahrzehnte sind aus meiner Sicht jedoch sehr kritisch.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2960

Beitrag von Manfred »

Hier eine Grafik zur Preisentwicklung beim Stickstoffdünger.
Die Preise haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Gut die Hälfte der Preissteigerung erfolgte in den letzten Wochen.
https://www.agrarheute.com/media/styles ... alpter.png

@Penelope:
International gesehen, in der "westlichen Welt", sind unsere Betriebe ja sehr klein, selbst viele der für deutsche Verhältnisse großen Ostdeutschen Betriebe.
Der technische Fortschritt und die Stückkostendegression lassen sich nicht wegzaubern, genau wie die bereits stark fortgeschrittene Monopolisierung auf der Abnehmer- und Zuliefererseite.
In dieser Situation einfach immer noch höhere Anforderungen an die Betriebe zu stellen ohne nennenswerten Außenschutz und ohne Inflationsausgleich für die Kosten der Betriebe, führt halt nur zu einem Ergebnis: Der Strukturwandel hin zu immer größeren Betrieben wird weiter beschleunigt.
Nicht die zumeist gute Absicht hinter irgendwelchen Forderungen ist entscheidend, sondern die daraus tatsächlich resultierende Wirkung. Und die Wirkung ist, dass die Betriebe immer schneller immer größer werden müssen, um überhaupt noch davon leben zu können. Bayern schließt gerade wieder Berufsschulstandorte für Landwirte, weil kaum noch jemand diesen Beruf ergreift. Tierhaltungsbetriebe und Schlachthöfe finden keine Mitarbeiter mehr, nicht mal mehr aus Osteuropa.

Wir verlieren aktuell unsere Versorgungsicherheit bei den Lebensmitteln und den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Die noch aktiven Bauern sind im Schnitt um die 60 und es kommt nichts mehr nach. Schon alleine deshalb werden die Betriebsgröße in Zukunft weiter stark zunehmen und die Tierhaltung weniger werden, obwohl wir für eine Kreislaufwirtschaft mehr Tiere bräuchten, natürlich besser in der Fläche verteilt als bisher.
Und der Staat kann heute schon nicht mehr gegen dies Entwicklung ansubventionieren oder auch nur die Inflation ausgleichen und versinkt gleichzeitig immer tiefer in Schulden. Also wird auch hier früher oder später die Landwirtschaft ohne Ausgleichszahlungen auskommen müssen.

Auf den besseren Ackerbaustandorten wird sich auch zukünftig Landwirtschaft halten können.
Auf den schlechteren Standorten kann unter den Voraussetzungen nur eine landwirtschaftlich ähnlich wie in Neuseeland funktionieren. Dafür braucht es aber arrondierte Flächen und einen massiven Abbau der Bürokratiekosten, sonst ist so eine Bewirtschaftung wirtschaftlich nicht darstellbar.

Ich habe letzte Woche meine Pflicht-Bodenproben gesammelt. Die Untersuchung im Labor kostet mich ca. 550 Euro.
Morgen kommt die Biokontrolle. Der wird ca. 3 Stunden hier sein. Mit Anfahrt und Nachbearbeitung bei denen im Büro wird mich das ca. 800 Euro kosten. Außerdem habe ich am Wochenende einen Tag lang die elektronischen Formulare der Prüfstelle vorab ausgefüllt, so gut ich konnte. Wobei die gar keine passenden Formulare für ganzjährige Freilandhaltung haben. Das ist selbst im Biobereich eine Ausnahmen, anscheinend. Nur funktioniert dann deren Nährstoffberechnung nicht, weil die aus den Stall-Belegungsplänen abgeleitet wird... Also wird wieder eine Sonderaufwand für händisches Nachrechnen des Kontrolleurs anfallen.
Ich hoffe, er gibt sich mit den Zahlen aus der ebenfalls verpflichtenden Nährstoffbilanz zufrieden, was aber eine elektronisches Formular des Bundeslandes ist und natürlich nicht mit den Formularen der Prüfstelle kompatibel, weil sonst könnten die ja einfach die Daten übernehmen und bräuchten keine Mehrkosten zu berechnen.
Es war vor 2 Jahren oder so mal angedacht das Bio-Kontrollintervall für Betriebe ohne nennenswerte Auffälligkeiten auf 2 Jahre zu verlängern. Das war auf EU-Ebene aber nicht durchsetzbar, weil sich die Kontrollindustrie massiv dagegen verwehrt hat...

Für die Tiere und Flächen interessiert sich der Kontrolleur übrigens nur am Rande. Da reicht eine 15 - 20 minütige Rundfahrt. Wichtig ist hauptsächlich, dass alle Formulare richtig ausgefüllt sind. Selbst die fehlerhafte Groß- bzw. Kleinschreibung der Kontrollstellennummern auf zwei Eingangsrechnungen wurde mir schon bemängelt mit der Auflage, zukünftig keine Rechnungen und Lieferscheine mehr anzunehmen, auf denen das "ÖKO" vorne an der Kontrollstellennummer des Lieferanten in Kleinschrift statt in Großschrift ausgeführt ist, weil das nicht normgerecht sei.

Als ich mit Bio angefangen habe, dachte ich ja mal, da ginge es darum, dass die Flächen naturnah bewirtschaftet werden und es den Tieren gut geht.
Solche Illusionen habe ich längst abgelegt...
Die sind mein privates Hobby. Ansonsten zählt nur der schöne Schein und das Geld in den Kassen der Beteiligten.
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