Ja, aber es ist Unsinn, nur Rassen und Sorten zu haben, die nur unter solchen Bedingungen funktionieren. Und es ist ebenfalls nicht bedarfsgerecht, wobei damit z.B. die Umwelt gemeint sein könnte.Oelkanne hat geschrieben: So 10. Okt 2021, 19:46 Die Tiere sind auf diese Leistung genetisch ausgelegt und wollen sie auch erbringen.
Ein modernes Masthuhn auf Grünland zu halten und nur mit ein par Küchenabfällen zu füttern ist Tierquälerei:
das Tier wird bei weitem nicht bedarfsgerecht ernährt.
Wenn du beispielsweise im Gebirge Hochleistungskühe hast, die zu schwer sind um noch auf die nicht ebene Weide zu können und mit vollem Euter wieder zurück zum Stall, oder die ihre Leistung nicht erbringen können, wenn sie nur das kriegen, was eine Kuh ihrem Wesen nach kriegt, nämlich Weide, dann kannst du zwar solche Tiere halten, die "ihre Leistung erbringen wollen". Dennoch ist es unsinnig, denn mit Landwirtschaft im Sinne von Land bewirtschaften hat es wenig zu tun.
Deshalb ist auch die Diskussion um die Welternährung einseitig: Es braucht nicht immer bloss leistungsfähigere Sorten und Rassen, die auf bestem Land mit noch mehr Aufwand noch etwas mehr bringen, es braucht auch und vor allem Sorten, die auf mässigem bis schlechtem Boden noch zuverlässigen wenn auch geringeren Ertrag bringen. Nur die züchtet keiner, denn damit kann man kein Geld verdienen.
Ich kann auch mit einem Porsche auf Feldwege wollen und dann über die schlechten Strassen jammern, die den Wagen ausbremsen. Dann muss man nach dieser Logik jede Strasse verbreitern, begradigen und teeren. Und dann kommt ein anderer mit einem etwas schnelleren Wagen, der noch bessere Strassen braucht, und alles fängt wieder von vorne an. Merkst du etwas?
Ein klassisches Beispiel für solche Fehlentwicklungen sind die Entwicklungsländer, wo man die Landwirtschaft auf Teufel komm raus auf westlichen Industriestandard gebracht hat, mit dem Ergebnis, dass die Landbevölkerung nun in die Bidonvilles und Slums der Grosstädte gezogen ist und dort am Tropf der staatlichen Wohltätigkeit hängt, weil sie nicht mehr von ihrer traditionellen Landwirtschaft leben können. Dafür hat man nun riesige triviale Kulturen für Cash Crops und gewaltige Umweltschäden. Wenn man nur die Erträge in USD pro Hektar und Jahr betrachtet, war das ein Fortschritt - aber ob das die einzige Beurteilungsgrösse sein darf, ist eine andere Frage.

