Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Zottelgeiss
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2941

Ungelesener Beitrag von Zottelgeiss »

Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2942

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Emil hat geschrieben:Merkst du etwas?
Ja, ich merke dass deine Kenntnisse über die landwirtwirtschaftliche Produktion, ihre Zusammenhänge und die nationale/internationale Situation immer noch nicht ausreichend sind oder du sie bewusst ignorierst.
Penelope hat geschrieben:Wenn ich zwar das meiste Geld pro Fläche raushole, aber dann gleich die Kreditinstitute, Lizenzgeber, Beraterfirmen usw. kommen und mir in die Tasche greifen, bin ich am Ende der Depp vom Dienst.
Man begibt sich in zig Abhängigkeitsverhältnisse, erfährt kaum Selbstwirksamkeit und es ist kein Wunder, dass am Ende so viel Frust steht.
Und welchem Wirtschaftszweig ist das nicht so?
Jede Form der Landwirtschaft benötigt Geld, Lizenzen, Beratung etc. Wer meint es würde ohne Geld und Wissen gehen lebt hinterm Mond.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2943

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2944

Ungelesener Beitrag von penelope »

Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
"Wachsen oder Weichen" ist nur eben auch keine Lösung, bei der alle gut wegkommen. Bei einem übersättigten Markt auf noch weitere Produktionssteigerungen zu setzen, bringt die Masse der Betriebe ja auch nur noch weiter ins Bedrängnis.

Ich will überhaupt nicht einzelne Menschen oder Betriebe kritisieren. Die Entwicklung und die Strukturen der letzten Jahre/Jahrzehnte sind aus meiner Sicht jedoch sehr kritisch.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2945

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Hier eine Grafik zur Preisentwicklung beim Stickstoffdünger.
Die Preise haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Gut die Hälfte der Preissteigerung erfolgte in den letzten Wochen.
https://www.agrarheute.com/media/styles ... alpter.png

@Penelope:
International gesehen, in der "westlichen Welt", sind unsere Betriebe ja sehr klein, selbst viele der für deutsche Verhältnisse großen Ostdeutschen Betriebe.
Der technische Fortschritt und die Stückkostendegression lassen sich nicht wegzaubern, genau wie die bereits stark fortgeschrittene Monopolisierung auf der Abnehmer- und Zuliefererseite.
In dieser Situation einfach immer noch höhere Anforderungen an die Betriebe zu stellen ohne nennenswerten Außenschutz und ohne Inflationsausgleich für die Kosten der Betriebe, führt halt nur zu einem Ergebnis: Der Strukturwandel hin zu immer größeren Betrieben wird weiter beschleunigt.
Nicht die zumeist gute Absicht hinter irgendwelchen Forderungen ist entscheidend, sondern die daraus tatsächlich resultierende Wirkung. Und die Wirkung ist, dass die Betriebe immer schneller immer größer werden müssen, um überhaupt noch davon leben zu können. Bayern schließt gerade wieder Berufsschulstandorte für Landwirte, weil kaum noch jemand diesen Beruf ergreift. Tierhaltungsbetriebe und Schlachthöfe finden keine Mitarbeiter mehr, nicht mal mehr aus Osteuropa.

Wir verlieren aktuell unsere Versorgungsicherheit bei den Lebensmitteln und den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Die noch aktiven Bauern sind im Schnitt um die 60 und es kommt nichts mehr nach. Schon alleine deshalb werden die Betriebsgröße in Zukunft weiter stark zunehmen und die Tierhaltung weniger werden, obwohl wir für eine Kreislaufwirtschaft mehr Tiere bräuchten, natürlich besser in der Fläche verteilt als bisher.
Und der Staat kann heute schon nicht mehr gegen dies Entwicklung ansubventionieren oder auch nur die Inflation ausgleichen und versinkt gleichzeitig immer tiefer in Schulden. Also wird auch hier früher oder später die Landwirtschaft ohne Ausgleichszahlungen auskommen müssen.

Auf den besseren Ackerbaustandorten wird sich auch zukünftig Landwirtschaft halten können.
Auf den schlechteren Standorten kann unter den Voraussetzungen nur eine landwirtschaftlich ähnlich wie in Neuseeland funktionieren. Dafür braucht es aber arrondierte Flächen und einen massiven Abbau der Bürokratiekosten, sonst ist so eine Bewirtschaftung wirtschaftlich nicht darstellbar.

Ich habe letzte Woche meine Pflicht-Bodenproben gesammelt. Die Untersuchung im Labor kostet mich ca. 550 Euro.
Morgen kommt die Biokontrolle. Der wird ca. 3 Stunden hier sein. Mit Anfahrt und Nachbearbeitung bei denen im Büro wird mich das ca. 800 Euro kosten. Außerdem habe ich am Wochenende einen Tag lang die elektronischen Formulare der Prüfstelle vorab ausgefüllt, so gut ich konnte. Wobei die gar keine passenden Formulare für ganzjährige Freilandhaltung haben. Das ist selbst im Biobereich eine Ausnahmen, anscheinend. Nur funktioniert dann deren Nährstoffberechnung nicht, weil die aus den Stall-Belegungsplänen abgeleitet wird... Also wird wieder eine Sonderaufwand für händisches Nachrechnen des Kontrolleurs anfallen.
Ich hoffe, er gibt sich mit den Zahlen aus der ebenfalls verpflichtenden Nährstoffbilanz zufrieden, was aber eine elektronisches Formular des Bundeslandes ist und natürlich nicht mit den Formularen der Prüfstelle kompatibel, weil sonst könnten die ja einfach die Daten übernehmen und bräuchten keine Mehrkosten zu berechnen.
Es war vor 2 Jahren oder so mal angedacht das Bio-Kontrollintervall für Betriebe ohne nennenswerte Auffälligkeiten auf 2 Jahre zu verlängern. Das war auf EU-Ebene aber nicht durchsetzbar, weil sich die Kontrollindustrie massiv dagegen verwehrt hat...

Für die Tiere und Flächen interessiert sich der Kontrolleur übrigens nur am Rande. Da reicht eine 15 - 20 minütige Rundfahrt. Wichtig ist hauptsächlich, dass alle Formulare richtig ausgefüllt sind. Selbst die fehlerhafte Groß- bzw. Kleinschreibung der Kontrollstellennummern auf zwei Eingangsrechnungen wurde mir schon bemängelt mit der Auflage, zukünftig keine Rechnungen und Lieferscheine mehr anzunehmen, auf denen das "ÖKO" vorne an der Kontrollstellennummer des Lieferanten in Kleinschrift statt in Großschrift ausgeführt ist, weil das nicht normgerecht sei.

Als ich mit Bio angefangen habe, dachte ich ja mal, da ginge es darum, dass die Flächen naturnah bewirtschaftet werden und es den Tieren gut geht.
Solche Illusionen habe ich längst abgelegt...
Die sind mein privates Hobby. Ansonsten zählt nur der schöne Schein und das Geld in den Kassen der Beteiligten.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2946

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:16 ich merke dass deine Kenntnisse über die landwirtwirtschaftliche Produktion, ihre Zusammenhänge und die nationale/internationale Situation immer noch nicht ausreichend sind oder du sie bewusst ignorierst.
Den Intensivierungs - und Effizienzsteigerungswettbewerb kann man nicht gewinnen, deshalb muss ich nicht alle Details der Tretmühle so gut kennen wie ein Dozent an einer Fachhochschule für traditionell- industrielle Agronomie. Nur, wenn ich merke, dass ich in einer Tretmühle bin, dann mache ich da mit - und jammere nicht über die Spielregeln - oder ich überlege mir, ob es andere Wege gibt.
Kurzfristig ist es natürlich verlockend, an den Umständen zu schrauben, die gerade besonders lästig sind. Etwas weniger Bürokratie, etwas weniger Umweltvorschriften, etwas mehr Subventionen, etwas mehr Importschutz, etwas billigere Investitionskredite, eine noch grössere Spritze, und sonst weiter wie bisher. Wenns trotzdem nicht recht funktioniert, dann weiss man auch immer genau, welche anderen daran schuld sind.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2947

Ungelesener Beitrag von Zottelgeiss »

Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
Natürlich nicht, ich wollte nur darauf hinweisen, das es durchaus eine regionale Molkerei gibt, die ihren Kunden soweit vertraut, das diese den Preis mit trägt und dafür sorgt, das die Arbeit der Milcherzeuger auskömmlicher und besser bezahlt wird. Ist doch schon mal ein Anfang :)
Ich kaufe seit Jahren ausschließlich diese Milch, weil mich das Konzept überzeugt und die Qualität außerordentlich ist. Der Hofladen ist leider zu weit weg, daher über den Einzelhandel oder unseren Bio Großhändler (über die Food Coop).
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2948

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Funktioniert hier auch, und zwar gut: Drei Gemeinden, eine Alpgenossenschaft. Die verkäsen die Milch auf eigene Rechnung, und weil der Käse gut ist, haben die auch nie Probleme mit dem Verkauf direkt ab Käserei. Keine Grossisten, keine Zwischenhändler. Für die Kunden kostet der Käse weniger als im Supermarkt - ich muss allerdings ganze oder halbe Laibe abnehmen - und die Bauern haben mehr Milchgeld. Passt!
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
sybille
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2949

Ungelesener Beitrag von sybille »

emil17 hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 21:43 Funktioniert hier auch, und zwar gut: Drei Gemeinden, eine Alpgenossenschaft. Die verkäsen die Milch auf eigene Rechnung, und weil der Käse gut ist, haben die auch nie Probleme mit dem Verkauf direkt ab Käserei. Keine Grossisten, keine Zwischenhändler. Für die Kunden kostet der Käse weniger als im Supermarkt - ich muss allerdings ganze oder halbe Laibe abnehmen - und die Bauern haben mehr Milchgeld. Passt!
So ist das hier auch. Milch, Fleisch, Eier ab Hof. Für die Kunden ist das günstiger und der Landwirt hat mehr Gewinn.
SoLaWi ist eine sehr gute Möglichkeit Gemüse direkt zu vermarkten. Der Landwirt gibt den Preis an den er braucht und bekommt ihn auch.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2950

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Ich werde dann mal beim DMK anrufen, einer deutschen Genossenschaft, dass sie doch bitte zukünftig noch noch hochwertigen Käse herstellen und in ganzen Laiben in der Schweiz anbieten sollen, einem Land völlig ohne Agrarsubventionen und Außenschutz?

Irgendwo meine ich gelesen zu haben, in der Schweiz gäbe es 50.000 Landwirtschaftsbetriebe, die im Schnitt ca. 20,6 ha bewirtschaften und zusammen in Jahr 2,8 Mrd. Schweizer Franken an Subventionen erhalten.
Das sind dann
2.800.000.000 / 50.000 = 56.000 Fränkli je Betrieb bzw. 2.718 Fränkli für jeden ihrer 20,6 ha.
Dass man da noch Käse verkaufen muss, um über die Runden zu kommen, mag dem deutschen Durchschnittsbauern erstaunlich erscheinen, aber in der Schweiz sind dank des konsequenten Außenschutzes die Lebensmittelpreise natürlich ungleich höher als in der EU, so dass der Käseverkauf sogar noch lohnt und weitere Einnahmen bringt. Der Milchpreis von 65 Rappen ist 1,75 mal so hoch wie in D.

Der deutsche Bauer dagegen ist einfach nur zu blöd, es richtig zu machen. Er bräuchte doch nur von den Kollegen im Südwesten zu lernen.
Hier erhält so ein Milchviehbetrieb immerhin 300 Euro je ha an Subventionen und einen Milchpreis von 35 Cent. Da sollte sich doch locker mithalten lassen...
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