Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2931

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Do 25. Feb 2021, 08:38 Grössere Flächen lassen sich rentabler bewirtschaften, bedeuten aber einen Verlust an Strukturen und Grenzlinien und dadurch eine Trivialiserung der Umwelt.
Liebster Emil, auch wenn ich dir in der Überlegung zustimme - Struktur ist DER Knackpunkt für vielfältige und reichhaltige Lebensräume - ist es doch vergebens, da die Schuld bei den (derzeitigen) Bauern zu suchen. Die Strukturen sind relativ starr, es werden keine Wälder, Hecken oder Bäume gerodet, keine Flüsse begradigt oder Grünland umgebrochen um Äcker zu gewinnen. Einzig was keine Abgrenzungen hat kann ohne grösseren Aufwand zusammengelegt werden, wir gehen ja jetzt nicht hin und teilen uns die Landschaft auf wie es uns passt, das ist streng reglementiert. Die Gestaltungskraft der Bauern ist das aufteilen grosser Schläge. Kann man machen wenn's einem in den Kram passt, aber ansonsten, ganz ehrlich, wer schneidet sich unnötig (und ohne Kompensation!) ins eigene Fleisch?
In Bayern gibt es ein Programm was das freiwillige Anlegen von Landschaftselementen belohnen soll. Ich frage mich wirklich wie sehr bzw. ob das genutzt wird, denn diese Fläche ist weg auf nimmerwiedersehen (wobei das vielleicht interessanter wird in roten Gebieten oder auf so schlechten Böden wo man eh nix gescheites machen kann...).
Oelkanne hat geschrieben: Mi 24. Feb 2021, 23:55Hier höhere Umwelt und Tierschutzvorgaben durchsetzen zu können, ohne das die Landwirtschaft gänzlich zu Grunde geht ist aus meiner Sicht nur dann möglich wenn zeitgleich die Einfuhr von Produkten die nicht nach unseren Vorschriften produziert wurden verboten wird.
Das würde aber die Lebensmittel in Deutschland stark verteuern
Das ginge schon, aber man müsste die Landwirte nicht mehr für ihre Produkte subventionieren, sondern Beiträge aussschliesslich für gemeinwerte Zusatzleistungen bezahlen
Wär doch total okay. Wenn das Produkt gescheit bezahlt wird, braucht ja niemand Subventionen! Nur bleibt es hier ziemlich sicher bei der Theorie, denn das wird kein Politiker durchsetzen können oder überhaupt wollen. Das betrifft ja ALLE Wähler und omg, teure Lebensmittel gehen ja gar nicht...
Was aber interessant wäre, ob die geringeren Kosten woanders in puncto Arbeitskraft und Betriebsmittel zusammen mit einem günstigeren Klima überhaupt durch Logistikkosten ausgewogen werden bis das Produkt dann hier im Laden liegt, oder ob's immer noch billiger ist das das inländische mit derzeitigen Sozial und Umweltstandards? Wäre es in deinem Sinne, wenn wir hier nur noch irische oder neuseeländische Weidemilch haben (oder würde das schon daran scheitern dass die dort nicht die in D vorgegebenen Tierwohlkriterien einhalten :hmm: )
Wie soll das ohne Kontrolle gehen? und wie soll die ablaufen? Die Lebensmittelämter haben ja schon ihre liebe Mühe damit, die Vorschriften im Inland durchzusetzen.
Das ist der nächste Problempunkt. Möglich vielleicht, realistisch... naja ich seh's nicht kommen.
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penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2932

Beitrag von penelope »

Ich werfe hier mal ein aus meiner Sicht sehr ausgewogenes und gutes Interview zu den aktuellen Protesten ein:
https://www.freitag.de/autoren/der-frei ... -politiker
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2933

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

penelope hat geschrieben: Mi 3. Mär 2021, 12:07 Ich werfe hier mal ein aus meiner Sicht sehr ausgewogenes und gutes Interview zu den aktuellen Protesten ein:
https://www.freitag.de/autoren/der-frei ... -politiker
Auch wenn das viele nicht wollen,
führt glaube ich nichts daran vorbei dass sich die Betriebe zusammenschließen.
Die Abnehmende Hand wird sicher nicht kleiner und die Wohlfahrt ist sie auch nicht
also muss die abgebende Hand wachsen um auf Augenhöhe zu agieren.

Wenn sich 10 Süddeutsche Betriebe zusammen tun um Fläche und Maschinen gemeinsam effizient zu nutzen ergeben sich gewaltige Sparpotenziale die bis jetzt noch ungenutzt bleiben.
Dabei müssen die Betriebe nicht Mal von der Landkarte verschwinden
aber es müssten sich eben 10 Bauern einig sein...
... das wäre das 8. Weltwunder.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2934

Beitrag von Rohana »

Oelkanne hat geschrieben: Sa 6. Mär 2021, 23:17 aber es müssten sich eben 10 Bauern einig sein...
... das wäre das 8. Weltwunder.
Der richtige Zeitpunkt für welche Massnahme auch immer ist idR ziemlich gleichzeitig und bei unseren relativ kleinstrukturierten Verhältnissen kann man das kaum mit grösseren Maschinen machen als jetzt schon da sind, also muss es parallel laufen um gut zu sein... glaube kaum dass sich da 10 Bauern einen Maschinenpark teilen wollen und *können*. Wir überlegen aktuell zu zweit ein Güllefass zu kaufen, ist auch schon der Wahnsinn :rot:

Der einzige Weg 3 Bauern unter einen Hut zu bringen ist zwei davon zu erschlagen - erlebe ich immer wieder. Also nicht das erschlagen zum Glück, nur den Mangel an Übereinstimmung :bang:
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Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2935

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Na ja, wenn ich mich in meiner Heimat so umsehe ginge da einiges.
Die Felder haben im Schnitt eine Fläche von 1-2ha manche 2,5ha.
Die Feldblöcke sind aber 8-12ha groß.
Tut man sich also zusammen, tauscht passend hin und her kommt man zu Flächen mit denen es sich arbeiten lässt.
Auch steht hier auf jeden Hof mindestens ein Schlepper mit mehr als 150Ps rum.
Meistens stehen die Ackergäule oder langweilen sich vor irgendwelchen popeligen Eggen, Schleppen und hölzernen 12 Tonnern.
Würde man die 150Ps auslasten ließe sich optimistisch geschätzt jeder zweite Schlepper (im Neuwert von 350.000€) einsparen.
Auch hat hier jeder selbstverständlich seine 3m Drillkombi.
Auch hier lassen sich mit Sicherheit ⅓ der Maschinen stilllegen, beim Kauf von einer neuen 6m Maschine ersetzt diese 2,5 3m Maschinen.
Spritzen und Streuen erfolgt hier mit 12,5m, 15m, 21m und 27m. Da sich nicht alle Flächen gut mit einer 27m Spritze bearbeiten lassen wird man sich wohl auf 21m und 27m einigen, da beides mit 3 und 6m drillbar. Eine 27m Spritze schafft etwa den Faktor 2,5 mehr als die am Häufigsten vorhandene 15m Maschine.

Das größte Problem jetzt, so auch sicher bei euch, ist das die Bewirtschafter sich bis jetzt noch "Vierteilen" müssten. Der Stall will gemacht werden, Familie, Acker, Büro. Deshalb "braucht" man große schlagkräftige Maschinen um in dem kleinen Zeitfenster für den Acker diesen zu bestellen.
Tut man sich zusammen, kann man das Personal wesentlich besser einsetzen. Der Teil der dann nichts tut weil es für ihn auf dem Acker nichts zu tun gibt kann in Stall oder in Rente und von den Skaleneffekten der anderen Leben.

Hier hat es eine Biogasanlage im Ort. zu 49% gehört die einem Energieversorger und zu 51% ist es Streubesitz der Landwirte. Die sind sich aber nie einig und so wird das gemacht was der Energieversorger sagt.
Tut man sich zusammen kann man die Silagepreise so weit erhöhen das ein Großteil des Gewinns an die Landwirte fließt und nicht zum Energieversorger oder man schafft endlich die Regel ab das man für den Gärrest den man abnehmen muss auch noch Geld bezahlen muss usw

Aber die sind sich alle nicht ganz grün,
deshalb werden sie weiterhin dem Nachbar die Flächen wegpachten und Kampfmaispreise bei der BGA einreichen....
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2936

Beitrag von Rohana »

Weiss nicht ob man hier wirklich weiter käme mit Flächentausch und so. Ein weiteres Problem ist halt nach wie vor die Arbeitsspitze. Regelmässig brauchen wir mehr Leute als wir haben wenn wir die wichtigen Arbeiten zum richtigen Zeitpunkt erle(di)gen wollen, und garantiert gibt's dazu noch Probleme im Stall weil die Kühe halt wissen wann der perfekte Zeitpunkt für Komplikationen ist. :bang:
Aber hey... mittlerweile kann man sich fünfteilen, denn jetzt braucht man n halbes Studium für die neuen Vorschriften und Dokumentationen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2937

Beitrag von Rohana »

100 Euro pro ha für den Verzicht auf PSM... zuwenig zum leben, zuviel zum sterben. Kein Wunder dass die damit vor der Wahl nicht mehr rausrücken wollte :roll:
https://www.agrarheute.com/politik/oeko ... tar-586034
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2938

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Rohana hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 23:45 100 Euro pro ha für den Verzicht auf PSM... zuwenig zum leben, zuviel zum sterben. Kein Wunder dass die damit vor der Wahl nicht mehr rausrücken wollte :roll:
https://www.agrarheute.com/politik/oeko ... tar-586034
Man wird sich damit rausreden, dass die Bauern doch konnten aber nicht wollten.

Das gebotene Geld für die Maßnahmen ist lachhaft.
Es deckt bei weitem nicht die Einbußen/Zusatzkosten,
so wird das nix mit dem Umweltschutz.

Wenn man mit Zusatz-Umweltschutzprogrammen Geld verdienen könnte, wären die Landwirte dieser Sache deutlich aufgeschlossener gegenüber.

Apropos Geld...
Harnstoffpreis
in den letzen 12 Monate hat sich der Preis um den Faktor 2,73 erhöht.
Ist aber nicht schlimm, gibt eh keinen zu kaufen (Ironie aus)
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2939

Beitrag von penelope »

Fällt euch gar nichts auf?
Ihr wiederholt hier gerade die Forderung der Grünen, die Umweltleistungen deutlich höher fördern wollen. Dabei sind die doch der größte Feind ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2940

Beitrag von Rohana »

Das steht ja nicht im luftleeren Raum, Penelope. An anderen Stellen wird massiv Förderung gestrichen und prinzipiell halte ich es nicht für unmöglich über höhere Anreize bzw. angemessene Kompensation (!) Umweltleistungen zu fördern, die ja ach so gewollt sind. Aber SO? Das ist nicht nur ein Witz, das ist ein Schlag ins Gesicht. Zum x-ten Mal. Die Grünen wollen eine Quadratierung des Kreises, kostenlos.
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