Das würde sich durch geänderte Subventionsweise aber nicht ändern, der Strukturwandel hat so viele Treiber, das ist da nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein.penelope hat geschrieben: Do 21. Jan 2021, 09:27 Sonst ist doch klar, dass irgendwann pro Dorf nur noch ein riesiger Betrieb übrig bleibt - die Tendenz dazu ist ja auch seit Jahrzehnten ungebrochen.
Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Und wo wäre dein Ansatz?
-
Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
"Nach nur 7 Wochen: Lidl kassiert Bauern-Soli schon wieder ein
Lidl wird den Solidarzuschlag für die Bauern ab sofort nicht mehr zahlen. Der Verbraucher ist nicht bereit, im Supermarkt mehr Geld zu zahlen, teilt Lidl top agrar als Begründung mit."
2 Euro mehr pro Schwein war die Aktion den deutschen Verbrauchern nicht wert.
https://www.topagrar.com/schwein/news/n ... 71385.html
Lidl wird den Solidarzuschlag für die Bauern ab sofort nicht mehr zahlen. Der Verbraucher ist nicht bereit, im Supermarkt mehr Geld zu zahlen, teilt Lidl top agrar als Begründung mit."
2 Euro mehr pro Schwein war die Aktion den deutschen Verbrauchern nicht wert.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Die Landwirte sollen sich nicht auf Almosen des Handels einlassen. Das ist kein Wertausgleich auf Augenhöhe, das kann so schnell wechseln wie der Sponsor eines Sportvereins. Zudem rechnet der Grosshandel auf den Cent genau und überprüft dauernd, ob es noch stimmt: Die machen das nicht wegen der deutschen Landwirtschaft, die machen das solange sie der begründeten Ansicht sind, dass wegen einem gut kommunizierten Solidaritätszuschlag mehr Leute in ihre Geschäfte kommen, die glauben, damit tatsächlich den Landwirten zu helfen.
Leider hat die deutsche Fleischproduktion in letzter Zeit schlechte Presse. Wie es bei der Schweinefleischproduktion und Veredelung in Deutschland wirklich läuft, hat ja Tönnjes schön gezeigt. Wie viel von den zwei Euro pro Tier kommt in die Lohntüte der Subkontraktarbeiter, die dort am Fliessband Industrieschweine zerlegen, und vieviel kommt bei den Produzenten der Tiere an?
Solche Produkte kauft man aus genau einem Grund: weil sie billig sind.
Auch die Vorstellung vom konkurrenzfähigen Musterbetrieb, 500ha oder mehr, Feldarbeit im Subkontrakt zum Festpreis an Dritte vergeben, die dann gerne aus Polen oder der Ukraine kommen dürfen, es sind ja immer noch deutsche Erzeugnisse - das ist kein Mehrwert, der einen freiwilligen Mehrpreis rechtfertigt.
Früher hat man Solidarität durch Einfuhrzölle erzwungen. Schön für die, welche im Inland sonst nicht bestehen können, aber schlecht für die, welche dadurch Absatzmärkte im Ausland verlieren - die möglichen Abnehmerstaaten kennen nämlich den Trick auch - , und eine Innovationsbremse, den unter Konkurrenzschutz muss man nicht mehr besser werden, solange die Rechnung stimmt.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Schweiz: Abnahme- und Preisgarantie des Bundes für Wein, deshalb Weinschwemme bescheidener Qualität. Nach der einleuchtenden Logik: Wir können nur Fendant und wir können ihn nur so wie wir das schon immer gemacht haben. Helft uns mit Beiträgen, Familienexistenzen und eine Tradition stehen auf dem Spiel. Seit der Marktöffnung und dem Ende der Abnahmegarantie ist der Wein teurer, aber weniger und erheblich besser geworden. Weinbauern gibt es, trotz Untergangsgeschrei damals, immer noch.
Gerade in der Fleischproduktion gibt es viele Privilegien, die von der Sache her nicht berechtigt sind. Intensivmastbetriebe für Hühnchen, Schweine, Einerfabriken und dergleichen sind ein Beispiel dafür, die im wesentlichen nur eingekauftes Futter in Produktionshallen fahren und dort in Mist, Jauche und Fleisch verwandeln. Das gehört eigentlich wie jede andere Industrie ins Gewerbegebiet, nicht auf den viel billigeren Landwirtschaftsboden. Eigentlich ist es schon fast eine Frechheit, dass das dann auch noch im gleichen Regal feilgeboten werden darf wie Fleisch von naturnah produzierenden Familienbetrieben.
Ob jetzt Lidl recht tat oder nicht: wenn für den Verbraucher kein Unterschied zwischen in- und ausländischem Fleisch erkennbar ist, weder in Qualität noch in der Erzeugung, warum soll er dann mehr bezahlen?
Ein Handelsbetrieb kann genauso beschliessen, dass seine Kunden solidarisch zu sein haben gegenüber den italienischen Olivenölproduzenten, also 20 Cent mehr pro Liter aufs Etikett. Warum nicht, wenn der Umsatz stimmt. Wenn die Kunden zu einem anderen gehen, der genau die gleiche Öl-Massenware hat, dann wird es nicht funktionieren. Wenn das Öl den Mehrpreis wert ist, dann verkauft es sich auch zum Mehrpreis, dazu braucht es keine Solidaritätszuschläge.
Es gibt ja genau deswegen Bio-Produkte mit Herkunftsnachweis, und geschützte Herkunftsbezeichnungen, deren Eigentümer die Qualität ihrer Ware streng überprüfen, und es ist am Produzenten, die Kunden dazu zu bringen, seine Ware und nicht die der anderen zu wollen.
Zudem setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Umwelt kein nationales Gut ist. Auch deshalb ist das Herkunftsland alleine noch keine mehrpreiswerte Eigenschaft und deshalb ist mir ausländische Bioware lieber als inländisches Industriefleisch.
Leider hat die deutsche Fleischproduktion in letzter Zeit schlechte Presse. Wie es bei der Schweinefleischproduktion und Veredelung in Deutschland wirklich läuft, hat ja Tönnjes schön gezeigt. Wie viel von den zwei Euro pro Tier kommt in die Lohntüte der Subkontraktarbeiter, die dort am Fliessband Industrieschweine zerlegen, und vieviel kommt bei den Produzenten der Tiere an?
Solche Produkte kauft man aus genau einem Grund: weil sie billig sind.
Auch die Vorstellung vom konkurrenzfähigen Musterbetrieb, 500ha oder mehr, Feldarbeit im Subkontrakt zum Festpreis an Dritte vergeben, die dann gerne aus Polen oder der Ukraine kommen dürfen, es sind ja immer noch deutsche Erzeugnisse - das ist kein Mehrwert, der einen freiwilligen Mehrpreis rechtfertigt.
Früher hat man Solidarität durch Einfuhrzölle erzwungen. Schön für die, welche im Inland sonst nicht bestehen können, aber schlecht für die, welche dadurch Absatzmärkte im Ausland verlieren - die möglichen Abnehmerstaaten kennen nämlich den Trick auch - , und eine Innovationsbremse, den unter Konkurrenzschutz muss man nicht mehr besser werden, solange die Rechnung stimmt.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Schweiz: Abnahme- und Preisgarantie des Bundes für Wein, deshalb Weinschwemme bescheidener Qualität. Nach der einleuchtenden Logik: Wir können nur Fendant und wir können ihn nur so wie wir das schon immer gemacht haben. Helft uns mit Beiträgen, Familienexistenzen und eine Tradition stehen auf dem Spiel. Seit der Marktöffnung und dem Ende der Abnahmegarantie ist der Wein teurer, aber weniger und erheblich besser geworden. Weinbauern gibt es, trotz Untergangsgeschrei damals, immer noch.
Gerade in der Fleischproduktion gibt es viele Privilegien, die von der Sache her nicht berechtigt sind. Intensivmastbetriebe für Hühnchen, Schweine, Einerfabriken und dergleichen sind ein Beispiel dafür, die im wesentlichen nur eingekauftes Futter in Produktionshallen fahren und dort in Mist, Jauche und Fleisch verwandeln. Das gehört eigentlich wie jede andere Industrie ins Gewerbegebiet, nicht auf den viel billigeren Landwirtschaftsboden. Eigentlich ist es schon fast eine Frechheit, dass das dann auch noch im gleichen Regal feilgeboten werden darf wie Fleisch von naturnah produzierenden Familienbetrieben.
Ob jetzt Lidl recht tat oder nicht: wenn für den Verbraucher kein Unterschied zwischen in- und ausländischem Fleisch erkennbar ist, weder in Qualität noch in der Erzeugung, warum soll er dann mehr bezahlen?
Ein Handelsbetrieb kann genauso beschliessen, dass seine Kunden solidarisch zu sein haben gegenüber den italienischen Olivenölproduzenten, also 20 Cent mehr pro Liter aufs Etikett. Warum nicht, wenn der Umsatz stimmt. Wenn die Kunden zu einem anderen gehen, der genau die gleiche Öl-Massenware hat, dann wird es nicht funktionieren. Wenn das Öl den Mehrpreis wert ist, dann verkauft es sich auch zum Mehrpreis, dazu braucht es keine Solidaritätszuschläge.
Es gibt ja genau deswegen Bio-Produkte mit Herkunftsnachweis, und geschützte Herkunftsbezeichnungen, deren Eigentümer die Qualität ihrer Ware streng überprüfen, und es ist am Produzenten, die Kunden dazu zu bringen, seine Ware und nicht die der anderen zu wollen.
Zudem setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Umwelt kein nationales Gut ist. Auch deshalb ist das Herkunftsland alleine noch keine mehrpreiswerte Eigenschaft und deshalb ist mir ausländische Bioware lieber als inländisches Industriefleisch.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
-
Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Das liegt daran, dass du keine Ahnung hast, wie die "ausländische Bioware" produziert wird.
Eure konventionellen schweizerischen Tierhalter haben idR höhere Standards einzuhalten als EU-Biobetriebe oder gar Biobetriebe in anderen Regionen der Erde.
Hier in D wird Bioware pauschal als nachhaltig beworben. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Das EU-Biorecht enthält keinerlei Nachhaltigkeitskriterien. Mit dem ursprünglichen Biogedanken, der immer noch durch die Köpfe vieler Verbraucher spukt, hat das fast nichts mehr zu tun.
Biobetriebe wie meiner (aber auch viele konventionelle Kollegen), die sich selbst deutlich höhere Standards setzen, tun das auf rein freiwilliger Basis.
Eure konventionellen schweizerischen Tierhalter haben idR höhere Standards einzuhalten als EU-Biobetriebe oder gar Biobetriebe in anderen Regionen der Erde.
Hier in D wird Bioware pauschal als nachhaltig beworben. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Das EU-Biorecht enthält keinerlei Nachhaltigkeitskriterien. Mit dem ursprünglichen Biogedanken, der immer noch durch die Köpfe vieler Verbraucher spukt, hat das fast nichts mehr zu tun.
Biobetriebe wie meiner (aber auch viele konventionelle Kollegen), die sich selbst deutlich höhere Standards setzen, tun das auf rein freiwilliger Basis.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Das mit den 2 Euros klingt nach Werbegag, und man geht hauptsächlich zu Lidl, wenn man billig einkaufen will bzw. muss. Gute Preise erzielt man mit Direktvermarktung. Da erreicht man Leute, die auf Qualität setzen.
lg
Winnie07
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Genau: Die Milch bekommen wir als Offenmilch von der lokalen Käserei. Wie die Kühe gehalten werden und was sie bekommen, kann man leicht in Erfahrung bringen. Die Milch kostet mich weniger als im Supermarkt, die Käserei (eine lokale Genossenschaft) bekommt von mir trotzdem mehr als was die Grossmolkereien bezahlen, die Milch hat nicht 200 Kilometer Transport von der Kuh bis auf den Tisch zurückgelegt und den Abfallberg an Milchflaschen vermeidet es auch.
Kein Label, kein Zertifikat, die Milch wird offiziell wie jede Milch auf Reinheit usw. kontrolliert. Der Käse hat einen so guten Ruf, dass die ohne Werbung keinerlei Absatzprobleme haben. Kein Wunder, denn er ist gut. Das Geld bleibt da, wo es hin soll: bei den Produzenten.
Wenn ich z.B. Trockenfleisch machen will, kriege ich nur lokales Rindfleisch, wenn ich das früh genug bestelle.
Das ganze in einer als marktfern geltenden Gegend.
Müsste eigentlich anderswo auch gehen.
Kein Label, kein Zertifikat, die Milch wird offiziell wie jede Milch auf Reinheit usw. kontrolliert. Der Käse hat einen so guten Ruf, dass die ohne Werbung keinerlei Absatzprobleme haben. Kein Wunder, denn er ist gut. Das Geld bleibt da, wo es hin soll: bei den Produzenten.
Wenn ich z.B. Trockenfleisch machen will, kriege ich nur lokales Rindfleisch, wenn ich das früh genug bestelle.
Das ganze in einer als marktfern geltenden Gegend.
Müsste eigentlich anderswo auch gehen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Benutzer 4754 gelöscht
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Ich glaube hier sitzt immer noch der Irrglaube fest das Familienbetriebe tier- und umweltfreundlicher produzieren als Kapitalgesellschaften.
Beide haben als Unternehmer genau ein Ziel:
Erzielen von Gewinn.
Ob wir als Großbetrieb ein Hektar Weizen anbauen oder unser Nachbar mit "nur" 250ha Gesamtfläche macht in der Bestandesführung, also dem Einsatz von Technik, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, keinen Unterschied.
Ob der Nachbar eine Mastanlage mit zwei Ställen zu je 30.000 Hühner betreibe oder ob auf dem Gelände acht Ställe stehen macht keinen Unterschied: die Ställe werden als fertige Einheiten gekauft und können beliebig oft nebeneinander gesetzt werden.
Man sogar eher sagen das flächenstarke, finanzkräftige Betriebe tendenziell umweltfreundlicher Produzieren als kleinere Betriebe die aufgrund der schlechten Rentabilität jeden Euro dreimal umdrehen müssen:
Nur wenn der Betrieb die Technik auslasten kann lohnen sich sehr teure Investitionen in umweltschonende Technik: Einzeldüsenschaltung an der Spritze, pneumatische Düngersteuer, teilflächenspezifische Bewirtschaftung usw usw kosten in der Anschaffung etliche hunderttausend Euro
das kann sich ein kleiner Betrieb schlicht nicht leisten.
Auch ist die optimale Bestandesbetreuung im klassischen Gemischtbetrieb nicht möglich.
Ist der Betrieb groß genug gibt es einen Pflanzenbauleiter der sich den lieben langen Tag lang nur um das Grünzeug da draußen kümmert.
Bei den Tieren das gleiche: Bayern kämpft seit Jahren für Ausnahmegenehmigungen für die Anbindehaltung. Käme der Zwang zum Laufstall (für die Tiere sehr wünschenswert) würden viele kleine und kleinste Milchviehhalter sofort aufgeben weil ein neuer Stall sich für sie nicht rechnet.
Größere Betriebe (auch in Süddeutschen Maßstäben) haben schon seit Jahrzehnten Laufställe.
Hier höhere Umwelt und Tierschutzvorgaben durchsetzen zu können, ohne das die Landwirtschaft gänzlich zu Grunde geht ist aus meiner Sicht nur dann möglich wenn zeitgleich die Einfuhr von Produkten die nicht nach unseren Vorschriften produziert wurden verboten wird.
Das würde aber die Lebensmittel in Deutschland stark verteuern
und hier regt man sich ja schon auf wen die Butter vor Weihnachten ein paar Cent teuer wird...
Beide haben als Unternehmer genau ein Ziel:
Erzielen von Gewinn.
Ob wir als Großbetrieb ein Hektar Weizen anbauen oder unser Nachbar mit "nur" 250ha Gesamtfläche macht in der Bestandesführung, also dem Einsatz von Technik, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, keinen Unterschied.
Ob der Nachbar eine Mastanlage mit zwei Ställen zu je 30.000 Hühner betreibe oder ob auf dem Gelände acht Ställe stehen macht keinen Unterschied: die Ställe werden als fertige Einheiten gekauft und können beliebig oft nebeneinander gesetzt werden.
Man sogar eher sagen das flächenstarke, finanzkräftige Betriebe tendenziell umweltfreundlicher Produzieren als kleinere Betriebe die aufgrund der schlechten Rentabilität jeden Euro dreimal umdrehen müssen:
Nur wenn der Betrieb die Technik auslasten kann lohnen sich sehr teure Investitionen in umweltschonende Technik: Einzeldüsenschaltung an der Spritze, pneumatische Düngersteuer, teilflächenspezifische Bewirtschaftung usw usw kosten in der Anschaffung etliche hunderttausend Euro
das kann sich ein kleiner Betrieb schlicht nicht leisten.
Auch ist die optimale Bestandesbetreuung im klassischen Gemischtbetrieb nicht möglich.
Ist der Betrieb groß genug gibt es einen Pflanzenbauleiter der sich den lieben langen Tag lang nur um das Grünzeug da draußen kümmert.
Bei den Tieren das gleiche: Bayern kämpft seit Jahren für Ausnahmegenehmigungen für die Anbindehaltung. Käme der Zwang zum Laufstall (für die Tiere sehr wünschenswert) würden viele kleine und kleinste Milchviehhalter sofort aufgeben weil ein neuer Stall sich für sie nicht rechnet.
Größere Betriebe (auch in Süddeutschen Maßstäben) haben schon seit Jahrzehnten Laufställe.
Hier höhere Umwelt und Tierschutzvorgaben durchsetzen zu können, ohne das die Landwirtschaft gänzlich zu Grunde geht ist aus meiner Sicht nur dann möglich wenn zeitgleich die Einfuhr von Produkten die nicht nach unseren Vorschriften produziert wurden verboten wird.
Das würde aber die Lebensmittel in Deutschland stark verteuern
und hier regt man sich ja schon auf wen die Butter vor Weihnachten ein paar Cent teuer wird...
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Nö, ich reg mich auf wenn die Butter ein paar Cent billiger wird
Im Grunde ist der einzige Vorteil eines kleine(re)n Gemischtbetriebes - unter idealen Bedingungen, die sicher NICHT immer zutreffen - einfach der, dass man mehr zum perfekten Zeitpunkt machen kann, weil man nur kleinere Einheiten machen muss. Zumindest wenn die Arbeitskraft nicht grade anderswo gebunden ist weil die Kuh kalbt, die Maschine kaputt ist, das Kind spinnt oder ähnliches. Dazu gehört als Voraussetzung auch dass der perfekte Zeitpunkt bekannt ist... nicht jeder kommt auf das Niveau eines Pflanzenbauleiters
Im Grunde das ewige Problem zwischen Spezialisierung und Diversifizierung, oder?
Im Grunde ist der einzige Vorteil eines kleine(re)n Gemischtbetriebes - unter idealen Bedingungen, die sicher NICHT immer zutreffen - einfach der, dass man mehr zum perfekten Zeitpunkt machen kann, weil man nur kleinere Einheiten machen muss. Zumindest wenn die Arbeitskraft nicht grade anderswo gebunden ist weil die Kuh kalbt, die Maschine kaputt ist, das Kind spinnt oder ähnliches. Dazu gehört als Voraussetzung auch dass der perfekte Zeitpunkt bekannt ist... nicht jeder kommt auf das Niveau eines Pflanzenbauleiters
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Es ist eine Definitionsfrage. Wenn man das Tier als Methode zur Futterveredelung auffasst und es optimal hält, kann das selbstverständlich auch tierfreundlich sein.Oelkanne hat geschrieben: Mi 24. Feb 2021, 23:55 Ich glaube hier sitzt immer noch der Irrglaube fest das Familienbetriebe tier- und umweltfreundlicher produzieren als Kapitalgesellschaften.
An diesem Beispiel zeigt sich deutlicher, wo die unterschiedlichen Auffassungen liegen: Mastanlagen für 30'000 Hühner sind reine Brathendelfabriken und haben mit tiergerechter Haltung wenig zu tun, auch wenn alle Standards der Hygiene eingehalten sind und es im finanziellen Interesse des Betreibers liegt, es "richtig" zu machen.Oelkanne hat geschrieben: Mi 24. Feb 2021, 23:55Ob der Nachbar eine Mastanlage mit zwei Ställen zu je 30.000 Hühner betreibe oder ob auf dem Gelände acht Ställe stehen macht keinen Unterschied: die Ställe werden als fertige Einheiten gekauft und können beliebig oft nebeneinander gesetzt werden.
Ausgeblendet werden die nachteiligen Folgen der grossmasstäblichen Produktion für die Umwelt: Grössere Flächen lassen sich rentabler bewirtschaften, bedeuten aber einen Verlust an Strukturen und Grenzlinien und dadurch eine Trivialiserung der Umwelt. Bei den Hühnermastfabriken stellt sich die Frage, woher das Futter kommt und wo der Mist hingeht und was das noch mit Landwirtschaft zu tun hat. Diese Frage stellt sich genauso bei der Unterglasproduktion von Tomaten oder bei der Kuhhaltung im Laufstall, wenn die Tiere nie auf der Weide sind.
Aus Sicht des Produzenten ist klar, dass man nicht die idyllische Produktionsweise und gleichzeitig die Milch für 90 Cent pro Liter oder das Brathähnchen für 5.90 haben kann. Für den Konsumenten ist das nicht so klar, wenn beides im gleichen Regal liegt und auf den ersten Blick auch gleich aussieht. Ob die Brathendelfabrik nun in Polen oder in Deutschland oder in China steht, macht bezüglich der Produktequalität dann auch nicht mehr viel aus, was dann "inländisch" als Qualitätsmerkmal verwässert.
Die hocheffiziente und stark auf ein Produkt ausgerichtete Betriebsweise hat auch Konsequenzen auf die Persönlichkeit des Betriebswirts: man ist Fabrikant, nur halt eben Eier oder Schweine statt Schrauben oder Unterwäsche.
Das ginge schon, aber man müsste die Landwirte nicht mehr für ihre Produkte subventionieren, sondern Beiträge aussschliesslich für gemeinwerte Zusatzleistungen bezahlen, die der Landwirt erbringt, als da wären Landschaftspflege, Arterhaltung und so weiter. Diese Leistungen wurden früher ja als unvermeidliche Nebenwirkung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung so nebenbei erbracht, und die fallen bei der modernen Landwirtschaft immer mehr weg. Der Landwirt hat aber Anrecht darauf, wie jeder, der für andere arbeitet.Oelkanne hat geschrieben: Mi 24. Feb 2021, 23:55Hier höhere Umwelt und Tierschutzvorgaben durchsetzen zu können, ohne das die Landwirtschaft gänzlich zu Grunde geht ist aus meiner Sicht nur dann möglich wenn zeitgleich die Einfuhr von Produkten die nicht nach unseren Vorschriften produziert wurden verboten wird.
Das würde aber die Lebensmittel in Deutschland stark verteuern
Das würde bedeuten, dass der Schweine- oder Hühnermastintensivbetrieb gar nichts erhält, der Bauer, der 30 Kühe auf seinen Dauergrünlandflächen grasen lässt und Winterfütterung auf seinen eigenen Heuwiesen einwirbt, hingegen ziemlich viel.
Wenn man das meiste der Subventionen für blosse Bewirtschaftung oder produktbezogen bekommt, muss man logischerweise effizient produzieren und all die Umweltschutzauflagen werden nur als lästig empfunden, was auch aus Sicht des Steuerzahlers nicht Sinn der Sache sein kann.
"Einfuhr von Produkten die nicht nach unseren Vorschriften produziert wurden verboten wird" Wie soll das ohne Kontrolle gehen? und wie soll die ablaufen? Die Lebensmittelämter haben ja schon ihre liebe Mühe damit, die Vorschriften im Inland durchzusetzen.
Bei uns läuft grad eine Abstimmung über ein Handelsabkommen mit Indonesien, wo Palmöl der Streitpunkt ist: das soll nur darunter fallen, wenn es nachhaltig produziert wurde. Soll man jetzt den Indonesiern vertrauen (die vermutlich einen oder zwei Vorzeigebetriebe einrichten würden und im Alltag der Massenerzeugung dann vermutlich viel flexibler in der Auslegung der Vorschriften im Abkommen wären, als es eigentlich gemeint war), oder sollen Schweizer denen vor Ort auf die Finger schauen und sich hintes Licht führen lassen? Ich stelle mir grad vor, indonesische Beamte kontrollieren hier, wie Käse gemacht wird ...
Hohe Qualität kann nur dann gesichert werden, wenn es ein echtes Anliegen des Produzenten selber ist. Ein gutes Beispiel sind all die hochpreisigen AOC-Waren.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
