Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2961

Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:16 ich merke dass deine Kenntnisse über die landwirtwirtschaftliche Produktion, ihre Zusammenhänge und die nationale/internationale Situation immer noch nicht ausreichend sind oder du sie bewusst ignorierst.
Den Intensivierungs - und Effizienzsteigerungswettbewerb kann man nicht gewinnen, deshalb muss ich nicht alle Details der Tretmühle so gut kennen wie ein Dozent an einer Fachhochschule für traditionell- industrielle Agronomie. Nur, wenn ich merke, dass ich in einer Tretmühle bin, dann mache ich da mit - und jammere nicht über die Spielregeln - oder ich überlege mir, ob es andere Wege gibt.
Kurzfristig ist es natürlich verlockend, an den Umständen zu schrauben, die gerade besonders lästig sind. Etwas weniger Bürokratie, etwas weniger Umweltvorschriften, etwas mehr Subventionen, etwas mehr Importschutz, etwas billigere Investitionskredite, eine noch grössere Spritze, und sonst weiter wie bisher. Wenns trotzdem nicht recht funktioniert, dann weiss man auch immer genau, welche anderen daran schuld sind.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Zottelgeiss
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2962

Beitrag von Zottelgeiss »

Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
Natürlich nicht, ich wollte nur darauf hinweisen, das es durchaus eine regionale Molkerei gibt, die ihren Kunden soweit vertraut, das diese den Preis mit trägt und dafür sorgt, das die Arbeit der Milcherzeuger auskömmlicher und besser bezahlt wird. Ist doch schon mal ein Anfang :)
Ich kaufe seit Jahren ausschließlich diese Milch, weil mich das Konzept überzeugt und die Qualität außerordentlich ist. Der Hofladen ist leider zu weit weg, daher über den Einzelhandel oder unseren Bio Großhändler (über die Food Coop).
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2963

Beitrag von emil17 »

Funktioniert hier auch, und zwar gut: Drei Gemeinden, eine Alpgenossenschaft. Die verkäsen die Milch auf eigene Rechnung, und weil der Käse gut ist, haben die auch nie Probleme mit dem Verkauf direkt ab Käserei. Keine Grossisten, keine Zwischenhändler. Für die Kunden kostet der Käse weniger als im Supermarkt - ich muss allerdings ganze oder halbe Laibe abnehmen - und die Bauern haben mehr Milchgeld. Passt!
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2964

Beitrag von sybille »

emil17 hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 21:43 Funktioniert hier auch, und zwar gut: Drei Gemeinden, eine Alpgenossenschaft. Die verkäsen die Milch auf eigene Rechnung, und weil der Käse gut ist, haben die auch nie Probleme mit dem Verkauf direkt ab Käserei. Keine Grossisten, keine Zwischenhändler. Für die Kunden kostet der Käse weniger als im Supermarkt - ich muss allerdings ganze oder halbe Laibe abnehmen - und die Bauern haben mehr Milchgeld. Passt!
So ist das hier auch. Milch, Fleisch, Eier ab Hof. Für die Kunden ist das günstiger und der Landwirt hat mehr Gewinn.
SoLaWi ist eine sehr gute Möglichkeit Gemüse direkt zu vermarkten. Der Landwirt gibt den Preis an den er braucht und bekommt ihn auch.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2965

Beitrag von Manfred »

Ich werde dann mal beim DMK anrufen, einer deutschen Genossenschaft, dass sie doch bitte zukünftig noch noch hochwertigen Käse herstellen und in ganzen Laiben in der Schweiz anbieten sollen, einem Land völlig ohne Agrarsubventionen und Außenschutz?

Irgendwo meine ich gelesen zu haben, in der Schweiz gäbe es 50.000 Landwirtschaftsbetriebe, die im Schnitt ca. 20,6 ha bewirtschaften und zusammen in Jahr 2,8 Mrd. Schweizer Franken an Subventionen erhalten.
Das sind dann
2.800.000.000 / 50.000 = 56.000 Fränkli je Betrieb bzw. 2.718 Fränkli für jeden ihrer 20,6 ha.
Dass man da noch Käse verkaufen muss, um über die Runden zu kommen, mag dem deutschen Durchschnittsbauern erstaunlich erscheinen, aber in der Schweiz sind dank des konsequenten Außenschutzes die Lebensmittelpreise natürlich ungleich höher als in der EU, so dass der Käseverkauf sogar noch lohnt und weitere Einnahmen bringt. Der Milchpreis von 65 Rappen ist 1,75 mal so hoch wie in D.

Der deutsche Bauer dagegen ist einfach nur zu blöd, es richtig zu machen. Er bräuchte doch nur von den Kollegen im Südwesten zu lernen.
Hier erhält so ein Milchviehbetrieb immerhin 300 Euro je ha an Subventionen und einen Milchpreis von 35 Cent. Da sollte sich doch locker mithalten lassen...
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2966

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 21:28
Manfred hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:24
Zottelgeiss hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 14:08 Dazu ein kurzer Einwurf:
https://hamfelderhof.de/

Die erhöhen den Verkaufspreis pro Liter um 20 Cent.
Das ist ja gut und schön, dass es einen Nischenmarkt von kleiner 1% der Gesamtmenge gibt, der das kann,
aber es ist halt keine Lösung für die Masse der Betriebe.
Laut der betriebswirtschaftlichen Auswertungen sind sogar die meisten Milchautomaten defizitär. Da braucht es schon einen echt guten Standort in der richtigen Region mit entsprechend zahlungswilligen Kunden.
Natürlich nicht, ich wollte nur darauf hinweisen, das es durchaus eine regionale Molkerei gibt, die ihren Kunden soweit vertraut, das diese den Preis mit trägt und dafür sorgt, das die Arbeit der Milcherzeuger auskömmlicher und besser bezahlt wird. Ist doch schon mal ein Anfang :)
Ich kaufe seit Jahren ausschließlich diese Milch, weil mich das Konzept überzeugt und die Qualität außerordentlich ist. Der Hofladen ist leider zu weit weg, daher über den Einzelhandel oder unseren Bio Großhändler (über die Food Coop).
Wir bauen auf 3.000 Hektar Brotweizen an. wie sollen wir ganz Bochum oder Ludwigshafen und Leverkusen zusammen mit Weizenmehl bedienen?
Vom Pro Kopf verbrauch und der Einwohneranzahl kommt es hin.
Ohne Verarbeiter und Zwischenhändler geht es nicht.
Selbst die DDR, welche ihr Wirtschafts- und Handelssystem völlig neu aus dem Boden gestampft hat um die Bevölkerung nach allen Möglichkeiten gut und günstig zu versorgen hat auf ein Netzt aus Zwischenhändlern und zentralen Verarbeitern gebaut
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2967

Beitrag von emil17 »

Schau mal die Geographie der Schweiz an; einfach Subventionen durch ha zu teilen gibt eine Zahl, die nicht viel aussagt.
Wir haben 8 Mio. Einwohner auf 42'000 km2 und wir haben etwa 1000 km2 Gletscher, also wohnen rechnerisch 190'000 Leute auf ewigem Eis. So einfach kann Statistik sein!
"Der Milchpreis von 65 Rappen ist 1,75 mal so hoch wie in D." - und die Konsumentenpreise und Lebenshaltungskosten sind doppelt so hoch wie in D. Das Einkommen einer Bergbauernfamilie, die nur von der Landwirtschaft lebt, ist unterduchschnittlich und gemessen an der Arbeitszeit miserabel.
Die Subventionen sind politisch nur dort umstritten, wo es Umweltprobleme in der Landwirtschaft gibt. Das sind - man staune - Intensiv-Betriebe im Tiefland.

Käseverkauf lohnt nicht "sogar" - viele Betriebe in der Bergzone können nur Milchwirtschaft, und wenn der Käse nicht gut ist liegt der wie Blei in den Regalen. Aber weil er gut ist, gibts auch anständige Preise dafür und die Leute sind zu Recht stolz auf ihre regionalen Käse.

In D gibt es auch genug Betriebe die so etwas können, also liegt es nicht nur an der EU oder nicht-EU. Aber wenn man nur Massenprodukte auf grossen Flächen kann, muss man auch mit anderen mithalten, die auch Massenprodukte auf grossen Flächen machen.
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Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2968

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Auf die schön Rechnerei der massiven Förderung braucht man nicht weiter einzugehen.
Ver suche mal Weizen außerhalb der staatlich festgelegten Freimengen von Deutschland in die Schweiz zu verkaufen... du wirst dir am Zoll die Zähne ausbeißen.
emil17 hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:24 In D gibt es auch genug Betriebe die so etwas können, also liegt es nicht nur an der EU oder nicht-EU. Aber wenn man nur Massenprodukte auf grossen Flächen kann, muss man auch mit anderen mithalten, die auch Massenprodukte auf grossen Flächen machen.
Es kommt nicht auf die Anzahl der Betriebe an, sondern auf die Fläche die mit diesen Absatzmethoden bewirtschaftet wird. Die wird unter 1% an der gesamten LN liegen.
Die Landwirtschaft könnte problemlos mit der Konkurrenz aus Osteuropa mithalten, wenn hier die selben Produktionsbedingungen herrschen würden.
Das tun sie aber nicht.
Die Worte Düngeverordnung, Tierschutznutztierhaltungsverordnung, Pflanzenschutzgesetzt, TA-Luft, BImSchG, Mindestlohngesetzt usw
sind dort ein Fremdwort.
Von der immens teuren Bürokratie ganz zu schweigen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2969

Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:41 Es kommt nicht auf die Anzahl der Betriebe an, sondern auf die Fläche die mit diesen Absatzmethoden bewirtschaftet wird.
Aus Sicht des Betriebes ist das ganz egal, denn man muss nicht volkswirtschaftlich relevant werden, sondern seine Nische finden, die ein Auskommen für den Betrieb generiert. Für die Betriebe, die hier bei der lokalen Milchgenossenschaft und Käserei mitmachen, funktioniert es ganz gut, also macht man es, und ist dem Preisdruck der grossen Käsekonzerne ausgewichen.

Wahrscheinlich sind eure 3000 ha für ganz Deutschland auch weniger als 1 % - ist doch egal, solange für Euch die Rechnung aufgeht.
Wenn sie nicht aufgeht und ihr Euer einzigens Produkt nicht hochwertiger verkaufen könnt, müsst ihr halt anders wirtschaften oder etwas anderes erzeugen, was sich besser verkaufen lässt. Denn Euch dürfte auch wurscht sein, wie der Nachbar über die Runden kommt, der "nur" 500 ha hat. Das ist Marktwirtschaft - der Kunde bestimmt den Absatz, nicht der Produzent.
Bei der Landwirtschaft kann reine Marktwirtschaft nicht funktionieren, weil sie extrem umweltrelevant ist, deshalb gibts auch Subventionen vom Staat. Wenn die aber schon fliessen, bloss weil man Fläche bewirtschaftet, egal wie, dann setzt das falsche Anreize und die Zusatzprämien für Blühstreifen usw. lohnen sich nicht.
Die Erhaltungsprämien für den Krisenfall - Nahrungsmittel-Grundversorgung, früher der Hauptgrund eine eigentlich unrentable Landwirtschaft am Leben zu erhalten - sind der politischen Situation anzupassen und hier ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Länder in Europa wieder auf autark machen und ihre Grenzen schliessen.
Also muss man die Subventionspolitik insofern korrigieren, indem es nur für gesellschaftsrelevanten Zusatzaufwand überhaupt etwas gibt. Damit bezahlt die Gesellschaft dann den Zusatzaufwand der Landwirtschaft, der nicht durch den Produktepreis gedeckt werden kann, weil er nicht im reinen Interesse der Produktion ist. Lästigkeitsprämien - bezahlt mich dafür, dass ich darauf verzichte, die Umwelt zu belasten - dürfen auch nicht sein, denn dann will ich auch Geld vom Staat, weil mein Auto einen Kat hat und ich das Grundwasser nicht verschmutze. Das wäre auch fair nach dem Gleichbehandlungsprinzip - andere Gewerbe bekommen nicht bloss deshalb schon Geld vom Staat, weil sie es betreiben.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2970

Beitrag von penelope »

Oelkanne hat geschrieben: Mo 11. Okt 2021, 22:41
Die Landwirtschaft könnte problemlos mit der Konkurrenz aus Osteuropa mithalten, wenn hier die selben Produktionsbedingungen herrschen würden.
Das tun sie aber nicht.
Abgesehen von allen Umweltaspekten: Löhne und Arbeitsbedingungen wie in Russland wären aber ganz sicher keine Verbesserung für die Menschen in der Landwirtschaft in Deutschland.
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