Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

Manfred

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#51

Beitrag von Manfred »

Dagmar hat geschrieben:Oder was habe ich noch übersehen? :hmm:
Ja. Die Kosten. Die nötige Präzision. Die engen Zeitfenster. Wenz hat nur ca. 30 ha. Mach das mal auf 300. Da werden die Wetterfenster viel enger. Das nötige Know-How. Da geht nix nach Schema-F. Da heißt es ständig beobachten und anpassen.
Auf unseren steinigen und unebenen Flächen würde z.B. das flache Abscheren mit dem Grubber nur unzulänglich funktionieren.
Da müsste ich erst mal planieren und Steine roden lassen. Fraglich, ob die Kosten je wieder zu erwirtschaften wären. Aber ich mach ja keinen Ackerbau mehr.
Mein Onkel hat so ein Gerät im Einsatz, hält sich aber nicht genug an die wenzschen Methoden, um damit wirklich gute Erträge zu erzielen.
Zumal hier viele Feldfrüchte nicht möglich sind, die Wenz gute Einnahmen bringen (Sojabohnen z.B.). Nur mit Getreide als Cashcrop ist es deutlich enger.

Als konventioneller Ackerbaubetrieb kann man sich die verlorenen Anbauzeiten für Vorfrüchte nicht leisten.
1 Jahr Kleegras um die Fläche von Unkrauf zu befreien und um mit den Schröpfschnitten die Würmer zu füttern ist ein Jahr mit viel Kosten und null Einnahmen.
Futterbaubetriebe (auch für Biogas) sind ein anderes Thema.
Im Biolandbau gelten andere Marktgesetze, weil man das Kleegras eh in der Fruchtfolge braucht und die Mindereinnahmen durch entsprechend höhere Preise kompensiert werden. (Oder kompensiert werden sollten. Hier in der Region war die letzten Jahre Biogetreide kaum zu kostendeckenden Preisen zu verkaufen, mangels Abnehmern und mangels nahen Erfassungsstellen. Dieses Jahr soll die Nachfrage aber wieder besser gewesen sein.)
kleinesLicht
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Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#52

Beitrag von kleinesLicht »

Was ist ein Schroepfschnitt?
viele Grüße
ein kleines Licht
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Dagmar
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Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#53

Beitrag von Dagmar »

Hallo Manfred,

vielen Dank für die Erklärungen. Habe wirklich ganz vergessen gehabt :rot: , daß die Landwirte ja wirklich in erster Linie von ihrem Betrieb leben müssen. Und wenn man da jahrelange Versuche machen muss, um das geeignete System, die "richtige" Fruchtfolge, für den eigenen Hof, die eigenen Böden etc. erst mal ausprobieren muss, das kann sich wohl wirklich keiner leisten.

Und beim Brunner und beim Wenz, die haben ja z.B. keine Viehhaltung. Wenn ich mir dann überlege, welche Unterschiede es machen kann, wenn man immer wieder Teilbereiche zum Beweiden (Kühe, Gänse) in die Fruchtfolge integrieren muss. Selbst als Laie kann ich mir vorstellen, daß da neue Komponenten mit eingeplant und ausprobiert werden müssen.

Aber hier im Forum, wo die SV für viele momentan ja nicht zum Überleben notwendig ist, da kann man ja wirklich versuchen, aus den Erfahrungen die andere machen, zu lernen. Und selber was auszuprobieren.

So kann ich mir vorstellen, daß wenn ich das erste Mal Kartoffeln pflanze, ich diese auch in Dämmen ablegen werde, aber dann Mulch hinzugebe, um die freien Bodenflächen zu bedecken. Das erinnert mich an die Diskussion, ob man Kartoffeln einfach nur in dick aufgeschichtetem Stroh pflanzen kann. Und da waren die Ergebnisse ja bisher nicht so berauschend. Aber eine Kombination von Dämmen und Abdeckung mit Stroh - da freue ich mich schon drauf, das mal auszuprobieren.

Scheint auch die am wenigsten arbeitsintensive Form des Anbaues zu sein. Na mal sehen, vielleicht wird das ja jemand aus dem Forum schon vorher mal probieren.


Dagmar
"Ich weiß, daß ich nichts weiß"
luitpold

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#54

Beitrag von luitpold »

Dagmar hat geschrieben: Oder was habe ich noch übersehen? :hmm:
dass die pfluglose bodenbearbeitung standard in der agrarindustrie ist, vielleicht???

http://pfluglos.de/sonderheft-mulchdirektsaat.html

http://www.kbd-sachsen.de/

http://www.bourgault.com/newsletter/spr ... g_2011.pdf

http://www.google.at/search?rlz=1C1GPEA ... q=pfluglos


lg
luitpold
Manfred

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#55

Beitrag von Manfred »

Pfluglos ja. Mulchsaat in die Vorfrucht eher in anderen Regionen der Erde.
Und dann wird meist mit Glyphosat zum Abtöten der Vorfrucht gearbeitet.
Was Wenz entwickelt hat, ist schon deutlich anspruchsvoller.
luitpold

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#56

Beitrag von luitpold »

öhm, das sollte keine kritik an wenz sein, nur ein hinweis auf den stand der technik.

lg
luitpold
Manfred

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#57

Beitrag von Manfred »

Sollte auch keine Kritik sein. Wollte nur auf die Unterschiede hinweisen.
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Dagmar
Beiträge: 1798
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:27

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#58

Beitrag von Dagmar »

Hallo,

selbst pfluglos zu arbeiten, wird ja noch nicht überall praktiziert. Ich gucke auch ab und zu in "Landwirte" Foren rein und da gibt es ja häufiger Diskussionen auch über dieses Thema.

Beim Wenz finde ich interessant, daß die Bearbeitung ja wirklich nur die obersten 3-5 Zentimeter umfasst. Oder eben auch das ständige Begrünen.

Seitdem ich mich wenigstens theoretisch mit der SV befasse, da gucke ich mir einfach mal öfter die Ackerflächen an. Wie die bearbeitet werden und gerade jetzt sehe ich noch sehr viele Flächen die gepflügt wurden und auf die (herkömmliche) Frostgare warten. Oder ich bin in einem Sommer regelmäßig zu einer Weizenfläche gefahren und hab mir überlegt, wann ich ernten würde. Ich hätte bei dem Feld einige Tage früher geerntet, als es dann wirklich gemacht wurde, da hatte ich einfach die Angst, daß eine Regenperiode aufziehen würde.

Ich selbst habe mich ja hier schon mal in einem Thread "beschwert" :rot: , daß gerade wenn ich im Frühjahr meinen Kleinsthof mal ein paar Wochen sich wieder mal sich selbst überlassen muss, daß alles zuwuchert, also die Natur wirklich keinen nackten Boden "mag" :rot: und alles unternimmt, damit sich dort Pflanzen entwickeln.

Und wenn dann Fachleute sich so etwas angucken, ihre Schlüsse daraus ziehen und versuchen mit der Natur zu arbeiten - mich fasziniert das eben. Und ich kann es schon gar nicht erwarten, daß ich (hoffentlich) in 2013 mal auf einer Teilfläche den Kartoffelanbau ausprobieren werde. In dem Bereich muss ich aber nächstes Jahr unbedingt die Drainage verlegen, also kann ich das erst übernächstes Jahr ausprobieren.

Bin mal gespannt, was ich sonst noch lernen werde.


Dagmar

P.S. danke luitpold für die Links :)
"Ich weiß, daß ich nichts weiß"
Sabi(e)ne

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#59

Beitrag von Sabi(e)ne »

@Manfred: ich denke nicht, daß es "zu teuer" ist, sondern man muß das System dahinter nicht nur stumpf machen, sondern es wirklich verstehen, warum, wieso, weshalb irgendetwas so gemacht wird oder nicht.
Wenz sagt ja selbst, daß er das auch erst lernen mußte, die Effekte zu verstehen, und ab da ging es dann auf enmal.
Ich befürchte, die meisten Bauern haben an sowas gar kein Interesse, die machen es einfach wie immer, und gut is...
Da sind wir hier doch schon deutlich interessierter. :grinblum:
Sabi(e)ne

Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?

#60

Beitrag von Sabi(e)ne »

habs bis jetzt noch nie mit getreide jedweder art selbst probiert. was ich aber vorher noch abklären möchte, ist meine angst vor ner vergiftung mit mutterkorn. kann man den erkennen und falls das feld befallen ist, auch bekämpfen bzw. bei der ernte oder dem dreschen aussortieren. und wenn ich nun doch ein paar überseh?
Ich kann dir versichern, die übersiehst du nicht, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkorn.
Und die Hühner vertragen das auch nicht gut, das sind Alkaloide, wie Nikotin oder Ergotamin.
Normal kommt das aber eh nicht immer und überall vor, sondern eher in sehr schlechten Sommern, und man sieht es wirklich schon am stehenden Getreide.
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