Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Ein weiterer hoch interessanter Vortrag von Michael Horsch, den jeder anschauen sollte, der sich für Landwirtschaft und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung interessiert.
Die Firma Horsch entwickelt und baut High-End-Maschinen für den Groß-Ackerbau, hauptsächlich für die Flächenbearbeitung und Saat.
https://www.youtube.com/watch?v=F4u6CppKdPE
Zu Beginn erzählt er über seine Familien- und Unternehmensgeschichte.
Ab 18:25 min macht er einen Schwenker in die aktuelle Weltpolitik.
Ab 34:35 geht es um das Mercosur-Abkommen. Die Konkurrenz in seinem Fachgebiet, dem Ackerbau sie wegen der hohen Pacht- und Transportkosten in Südamerika überschaubar. (Den Fleischsektor lässt er außen vor.)
Ab 42:00 min spricht er über schnell zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz in seinem Unternehmen, den er für eines der ganz großen Zukunftsthemen hält. Er geht davon aus, dass innerhalb relativ kurzer Zeit sehr viele Bildschirmarbeitsplätze in seinem Unternehmen entfallen werden und hat deshalb einen Einstellungstop verhängt. Er hofft den freiwerdenden Mitarbeitern durch weiteres Wachstum neue Arbeitsplätze in der Produktion anbieten zu können.
Ab 1:00:10 h Vergleicht er den Ackerbau in Süd- und Nordamerika mit dem in der EU.
Als erstes Beispiel führt er einen 6.000 ha Ackerbaubetrieb in Illinois, USA, an. Dieser wird von 4 Arbeitskräften bewirtschaftet. Dazu kommen 2 x jährlich, jeweils in der Erntesaison, je 10 LKW-Fahrer, den den Rest des Jahres in der familieneigenen Spedition beschäftigt werden, um sie bei der Stange zu halten.
Um diese Fläche mit so wenigen Leuten zu bewältigen, braucht es extrem schlagkräftige, sehr teure Maschinen. Diese teuren Maschinen will man kaum noch Fremd-AK anvertrauen, bzw. findet keine Fremd-AK-mehr die man mit gutem Gewissen and diese Maschinen lassen kann. Deshalb stammen 3 der 4 AK aus der Familie.
Der Durchschnittsertrag in der Region liegt bei 18 t Körnermais (trocken) pro ha und 5,5 t Soja pro ha.
Wer diesen Durchschnittsertrag nicht erreicht, kann die hohen Pachtpreise nicht bezahlen und fällt aus dem Wettbewerb.
Ab 1:11:00 h vergleicht er Zahlen aus der Betriebsauswertung zweier Spitzen-Ackerbaubetriebe,
der eine in Ostdeutschland, der andere in den USA.
Der deutsche Betrieb erzeugt umgerechnet auf Getreideeinheiten ca. 30.000 Tonnen, der US-Betrieb ca. 84.000 Tonnen.
Der deutsche Betrieb benötigt im Schnitt 48 Minuten Arbeitszeit, um eine Tonne Getreide zu produzieren.
Der Betrieb in D hat 5,3 Millionen in Form von Maschinen stehen, der US-Betrieb 9,4 Millionen.
Die Jahresarbeitszeit auf dem Deutschen Betrieb liegt bei 24.000 Stunden, die des US-Betriebs bei 11.500 h.
Daraus errechnet sich von den deutschen Betrieb eine Arbeitszeit von 48 min. je Tonne Getreide (in Spitzenwert in der EU), für den US-Betrieb sind es gut 8 Minuten je Tonne, durch die großen Strukturen und die hohe Schlagkraft seiner Maschinen sowie viel weniger Bürokratie.
Trotzdem verdient der deutsche Betrieb mehr pro Tonne, weil er deutlich niedrigere Saatgut-, Versicherungs- und Pachtpreise hat.
Ab 1:23:00: Zu den Entwicklungen im hybriden Ackerbau in Brasilien, wo erfolgreich daran gearbeitet wird, den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln durch den Einsatz von Mikrobiologie zu reduzieren.
Die Firma Horsch entwickelt und baut High-End-Maschinen für den Groß-Ackerbau, hauptsächlich für die Flächenbearbeitung und Saat.
https://www.youtube.com/watch?v=F4u6CppKdPE
Zu Beginn erzählt er über seine Familien- und Unternehmensgeschichte.
Ab 18:25 min macht er einen Schwenker in die aktuelle Weltpolitik.
Ab 34:35 geht es um das Mercosur-Abkommen. Die Konkurrenz in seinem Fachgebiet, dem Ackerbau sie wegen der hohen Pacht- und Transportkosten in Südamerika überschaubar. (Den Fleischsektor lässt er außen vor.)
Ab 42:00 min spricht er über schnell zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz in seinem Unternehmen, den er für eines der ganz großen Zukunftsthemen hält. Er geht davon aus, dass innerhalb relativ kurzer Zeit sehr viele Bildschirmarbeitsplätze in seinem Unternehmen entfallen werden und hat deshalb einen Einstellungstop verhängt. Er hofft den freiwerdenden Mitarbeitern durch weiteres Wachstum neue Arbeitsplätze in der Produktion anbieten zu können.
Ab 1:00:10 h Vergleicht er den Ackerbau in Süd- und Nordamerika mit dem in der EU.
Als erstes Beispiel führt er einen 6.000 ha Ackerbaubetrieb in Illinois, USA, an. Dieser wird von 4 Arbeitskräften bewirtschaftet. Dazu kommen 2 x jährlich, jeweils in der Erntesaison, je 10 LKW-Fahrer, den den Rest des Jahres in der familieneigenen Spedition beschäftigt werden, um sie bei der Stange zu halten.
Um diese Fläche mit so wenigen Leuten zu bewältigen, braucht es extrem schlagkräftige, sehr teure Maschinen. Diese teuren Maschinen will man kaum noch Fremd-AK anvertrauen, bzw. findet keine Fremd-AK-mehr die man mit gutem Gewissen and diese Maschinen lassen kann. Deshalb stammen 3 der 4 AK aus der Familie.
Der Durchschnittsertrag in der Region liegt bei 18 t Körnermais (trocken) pro ha und 5,5 t Soja pro ha.
Wer diesen Durchschnittsertrag nicht erreicht, kann die hohen Pachtpreise nicht bezahlen und fällt aus dem Wettbewerb.
Ab 1:11:00 h vergleicht er Zahlen aus der Betriebsauswertung zweier Spitzen-Ackerbaubetriebe,
der eine in Ostdeutschland, der andere in den USA.
Der deutsche Betrieb erzeugt umgerechnet auf Getreideeinheiten ca. 30.000 Tonnen, der US-Betrieb ca. 84.000 Tonnen.
Der deutsche Betrieb benötigt im Schnitt 48 Minuten Arbeitszeit, um eine Tonne Getreide zu produzieren.
Der Betrieb in D hat 5,3 Millionen in Form von Maschinen stehen, der US-Betrieb 9,4 Millionen.
Die Jahresarbeitszeit auf dem Deutschen Betrieb liegt bei 24.000 Stunden, die des US-Betriebs bei 11.500 h.
Daraus errechnet sich von den deutschen Betrieb eine Arbeitszeit von 48 min. je Tonne Getreide (in Spitzenwert in der EU), für den US-Betrieb sind es gut 8 Minuten je Tonne, durch die großen Strukturen und die hohe Schlagkraft seiner Maschinen sowie viel weniger Bürokratie.
Trotzdem verdient der deutsche Betrieb mehr pro Tonne, weil er deutlich niedrigere Saatgut-, Versicherungs- und Pachtpreise hat.
Ab 1:23:00: Zu den Entwicklungen im hybriden Ackerbau in Brasilien, wo erfolgreich daran gearbeitet wird, den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln durch den Einsatz von Mikrobiologie zu reduzieren.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Was für dein bodenständiger Typ!Manfred hat geschrieben: Mo 9. Feb 2026, 18:25 Ein weiterer hoch interessanter Vortrag von Michael Horsch, den jeder anschauen sollte, der sich für Landwirtschaft und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung interessiert.
Ich fahre regelmäßig auf der A4 an Horsch Ronneburg vorbei und konnte beim Wachsen zuschauen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Guter und interessanter Vortrag .
.
Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland !
Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland !
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
"Dumping 7 Million Pounds of Potatoes… Because They’re Worth Nothing"
https://www.youtube.com/watch?v=wDESlf4V5vk
Durch die internationalisierten Märkte überall das gleiche Spiel.
In Jahren mit hohem globalem Ernteertrag sind nicht vertraglich gebundene Kartoffeln nicht wirtschaftlich abzusetzen.
Die Bauern haben sie lange gelagert, in der Hoffnung sie doch noch verkaufen zu können.
Jetzt fangen in diesem Lager die ersten an zu keimen. Deshalb wird das Lager geräumt und die Kartoffeln mit Miststreuern als Dünger auf die Felder ausgebracht.
Sonst verwachsen die Haufen durch die austreibenden Keime und Wurzeln zu einer festen Masse, die sich nur noch mit deutlich mehr maschinellem Aufwand aus dem Lager räumen lässt, weil die Kartoffeln dann nicht mehr rollen würden und die Maus am Förderband sie nicht mehr aufnehmen könnte.
Der Bauern kann nur die Menge vertraglich binden, die er relativ sicher (also auch in einem unterdurchschnittlichen Jahr) produzieren kann, weil er sonst evtl. sehr teuer Ware zukaufen muss, um seine Verträge zu erfüllen.
In Jahren mit niedrigem Ertrag gibt es dann auch einen Markt für die überschüssige Ware von Betrieben die z.B. wegen regional besseren Wetters gute Erträge hatten.
Gibt es insgesamt zu viel Ware, bricht der Preis für die Übermengen zusammen.
In Deutschland gehen sie dann teilweise ins Biogas, aber auch nur zu Preisen, wo der Gasertrag aus den Kartoffeln für die Biogaser wirtschaftlicher ist als z.B. aus Silomais und Getreide.
So hat es dieses Jahr regional auch Maisbauern erwischt, die ihren Silomais nicht vermarkten konnten.
https://www.youtube.com/watch?v=wDESlf4V5vk
Durch die internationalisierten Märkte überall das gleiche Spiel.
In Jahren mit hohem globalem Ernteertrag sind nicht vertraglich gebundene Kartoffeln nicht wirtschaftlich abzusetzen.
Die Bauern haben sie lange gelagert, in der Hoffnung sie doch noch verkaufen zu können.
Jetzt fangen in diesem Lager die ersten an zu keimen. Deshalb wird das Lager geräumt und die Kartoffeln mit Miststreuern als Dünger auf die Felder ausgebracht.
Sonst verwachsen die Haufen durch die austreibenden Keime und Wurzeln zu einer festen Masse, die sich nur noch mit deutlich mehr maschinellem Aufwand aus dem Lager räumen lässt, weil die Kartoffeln dann nicht mehr rollen würden und die Maus am Förderband sie nicht mehr aufnehmen könnte.
Der Bauern kann nur die Menge vertraglich binden, die er relativ sicher (also auch in einem unterdurchschnittlichen Jahr) produzieren kann, weil er sonst evtl. sehr teuer Ware zukaufen muss, um seine Verträge zu erfüllen.
In Jahren mit niedrigem Ertrag gibt es dann auch einen Markt für die überschüssige Ware von Betrieben die z.B. wegen regional besseren Wetters gute Erträge hatten.
Gibt es insgesamt zu viel Ware, bricht der Preis für die Übermengen zusammen.
In Deutschland gehen sie dann teilweise ins Biogas, aber auch nur zu Preisen, wo der Gasertrag aus den Kartoffeln für die Biogaser wirtschaftlicher ist als z.B. aus Silomais und Getreide.
So hat es dieses Jahr regional auch Maisbauern erwischt, die ihren Silomais nicht vermarkten konnten.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Das Biogas aus den Kartoffeln könnte die Maschinen der Bauern antreiben, technisch längst gelöst.
Und es sind die Endverbraucher die von einheimischen Bauern nichts kaufen, wenn sie 0,001 €/to teurer sind.
Geiz ist halt geil, aber die Politiker sind schuld.
Und es sind die Endverbraucher die von einheimischen Bauern nichts kaufen, wenn sie 0,001 €/to teurer sind.
Geiz ist halt geil, aber die Politiker sind schuld.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
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unkrautaufesserin
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Andererseits machen sich viele Bauern gar nicht mehr die Mühe, an Endverbraucher zu verkaufen. Ich will nicht an die großen Agrargenossenschaften bezahlen. Aber einen kleinen Bauern zu finden, der mir freiwillig Kartoffeln verkauft...
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Einen kleinen Bauern findest Du sicher aber einen großen eher nicht. Der macht sich nicht die Mühe 25kg weise zu verkaufen.
sybille ist nach PC-Problemen Elli1
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Hier gibt es die haufenweise.
Man achte nur auf die Schilder Kartoffel/Eier/Nüsse ect. ab Hof zu verkaufen.
Man achte nur auf die Schilder Kartoffel/Eier/Nüsse ect. ab Hof zu verkaufen.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Hier ist es auch kein Problem, an Kartoffeln vom Bauern zu kommen.
Man muss sie halt sackweise nehmen, meist halbe oder ganze Zentner, und selbst einlagern.
Der Verkauf läuft meist über Mund- zu Mund Propaganda. Man hat halt seinen Kundenstamm.
Manche inserieren auch in den lokalen Werbeblättern.
Man muss sie halt sackweise nehmen, meist halbe oder ganze Zentner, und selbst einlagern.
Der Verkauf läuft meist über Mund- zu Mund Propaganda. Man hat halt seinen Kundenstamm.
Manche inserieren auch in den lokalen Werbeblättern.
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unkrautaufesserin
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
In unserer Gemeinde (16 Dörfer) gibt es nur 2, die Kartoffeln anbauen: die örtliche Agrargenossenschaft und ein kleiner Alkoholiker, der jedes Jahr auf den gleichen 2500 Quadratmetern Kartoffeln legt. Bei dem kaufe ich nix, das ist bis Weihnachten weggefault.
Und die Agrargenossenschaft...
Bis letztes Jahr hat mein Milchbauer ein paar Reihen Kartoffeln mitgemacht. Aber er wird älter, hat Rücken bekommen und der mithelfende Sohn ist aus der Schule raus und zur Ausbildung weggezogen. Er wird Eisenbahner.
In die andere Richtung ist der Bauer verunglückt, die Frau macht jetzt nur noch Pferde. Da hat ein Biobauer Flächen gepachtet, der verkauft Biokartoffeln für 3,50 das Kilo. Da bin ich bei 1000 Euro übern Winter, das kann ich mir nicht leisten.
Der Boden ist halt schwierig, und die meisten Wiedereinrichter machen nur Fleischrinder und Biogas.
Und die Agrargenossenschaft...
Bis letztes Jahr hat mein Milchbauer ein paar Reihen Kartoffeln mitgemacht. Aber er wird älter, hat Rücken bekommen und der mithelfende Sohn ist aus der Schule raus und zur Ausbildung weggezogen. Er wird Eisenbahner.
In die andere Richtung ist der Bauer verunglückt, die Frau macht jetzt nur noch Pferde. Da hat ein Biobauer Flächen gepachtet, der verkauft Biokartoffeln für 3,50 das Kilo. Da bin ich bei 1000 Euro übern Winter, das kann ich mir nicht leisten.
Der Boden ist halt schwierig, und die meisten Wiedereinrichter machen nur Fleischrinder und Biogas.
