emil17 hat geschrieben: So 4. Jan 2026, 18:15
Die Sache ist einfach. Wer die Welt nur mit einem Zollstock erforscht und beschreibt, der wird dauernd Neues herausfinden, aber es wird für ihn nur Abstände und Längen geben.
Das ist aber genau dein Problem. Du versuchst selbstregulierende Systeme zu verstehen, in dem du sie in ihre Einzelteile zerlegst und diese jeweils in kleine Schubladen einsortierst.
Das kann niemals funktionieren, da das System mit jeder Änderung sein Verhalten adaptiert.
Ein Baum z.B. kann nur wachsen, wo seine Prädatoren dies zulassen, bzw. wo aus irgendwelchen Gründen seine Prädatoren abwesend sind. Wann dies unter welchen Bedingungen der Fall ist, ist der interessante Aspekt.
Wenn du schreibst
"Der Punkt ist der, dass Parasiten die Produktivität einer Lebensgemeinschaft, gemessen an erzeugter Biomasse pro Fläche und Zeit, stets verringern.",
was meinst du dann mit Lebensgemeinschaft? Nur die Gemeinschaft von Wirt und Parasit, oder die Gesamtheit der Lebewesen?
Und wie soll eine Fläche Biomasse erzeugen? Das geht nur in einem Raum.
Biomasseproduktion zu messen ist zudem extrem schwierig bis gar nicht möglich, alleine schon wegen der sehr schnellen Vorgänge im mikrobiellen Bereich. Die Messung gelingt eigentlich nur für den Außenumsatz, also wenn ich z.B. den Gasaustausch oder einen abgefahrenen Grasschnitt messe. Diese Werte sind aber nicht repräsentativ für die Biomasseproduktion.
Bei Parasiten finde ich es interessant zu verstehen, unter welchen Bedingungen sie vermehrt auftreten und dann regulierend auf die Wirtspopulation wirken und welche Auswirkungen dies wiederum auf das Gesamtsystem hat.
Der Buchdruck ist entstanden, weil er ein ressourcensparendes System zur Verbreitung von Information ist oder je nach Sichtweise evtl. war. Selbst vor dem Druck verursachte es weniger Entropie, Wissen in einem Buch niederzuschreiben oder handschriftlich zu kopieren als es mündlich zu überliefern und diese Überlieferung abzusichern.
Alles logische Folgen der Entropie-Theorie.
Vielfalt scheint ein Weg zu sein, abiotische Ressourcen bestmöglichst auszunutzen. Notwendig ist sie nicht, denn sonst gäbe es nicht grossflächig alte, aber artenarme und sehr stabile Ökosysteme wie etwa die Nadelwälder der kalten Klimaregionen. Warum gewisse Lebensräume sehr artenreich sind und andere nicht, kann die Vegetationsgeschichte als historische Wissenschaft sehr viel besser erklären als etwa die Physiologie, welche der Thermodynamik wesentlich näher steht.
Alleine diese zwei Sätze machen viele neue Fässer auf.
Der Begriff Wald bedarf einer neuen Definition. Der Förster redet von Wald, wenn irgendwo in Sichtweite ein Baum steht. Es verdichtet sich aber die Erkenntnis, dass eine sinnvolle Abgrenzung eher in der Bodenbedeckung liegt.
Dann wird das Boreal zur Savanne, trotz seines unlogischen Zustandes.
Und an seiner Stabilität bestehen höchste Zweifel. Füge wieder hinzu, was der Mensch weggenommen hat, die Megaherbivoren und ihre Großraubtiere, und stauen, wie sich das Boreal verändert.
Der aktuelle Zustand ist äußerst labil, aber "der Natur" wurden die Mittel genommen, diesen Zustand zu heilen. Solche entropisich labilen Zustände können sehr lange anhalten, bis die Evolution wieder Abhilfe schafft.
Am ehesten als stabil ansehen könnte man noch die nordischen Regenwälder, etwa an der Westküste Kanadas, aber auch dort bestehen Defizite.