Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4751

Beitrag von emil17 »

Hierzu passend:
Eine Hure, ein Ingenieur und ein Poolitker streiten, wer den ältesten Beruf habe.
Die Prostituierte: Man sagt, unseres sei das älteste Gewerbe.
Der Ingenieur: Gott schuf aus dem Chaos Himmel und Erde und erst dann den Menschen. Das ist doch ganz klar die Tätigkeit eines Ingenieurs.
Der Politiker: und wer, glaubt ihr, hat das Chaos gemacht?
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4752

Beitrag von emil17 »

Die Bauernproteste sind immer mehr Vehikel für Leute, die gegen alles sind und einfach Spass daran haben, irgendwo irgendwo irgendwas anzünden zu gehen:
https://www.youtube.com/watch?v=dFlTp5woBmI

Offenbar muss die jetzige Regierung herhalten für das, was die vorherige Regierung versäumt hat. Gut, in D ist sowieso immer die Regierung schuld.
Eine Koalitionsregierung, in der sich die Partner öffentlich zerlegen statt ihre Koalitionsidee gemeinsam zu vertreten, ist allerdings peinlich bis unwürdig.

Dann noch diese "Querdenker", die Quer sein schon für Denken halten. Dass von der rechten Ecke nichts Konstruktives kommen kann, ist hoffentlich klar. Kaputthauen und brüllen können sie, sonst aber nichts.
Den Bauern möchte ich nur den Rat geben, sich nicht zum Werkzeug solcher destruktiven Kräfte machen zu lassen. Es wäre schade um ihre berechtigten Interessen, wenn eine sachliche Diskussion unmöglich wird. Dazu muss man sich aber auch überlegen, wessen Interessen die eigenen Interessenvertreter tatsächlich verfolgen. Dass der Feind deines Feindes nicht deswegen ein guter Partner ist, hat die Geschichte schon mehrfach bewiesen: das geht fast immer schief.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4753

Beitrag von Rohana »

"Die" Bauern bringst du eh nicht unter einen Hut. Und ich muss sagen grad die riesigen Protestaktionen sind bisher SEHR geordnet und toll gelaufen - haben sie deswegen was gebracht? Nö, das nimmt man so als selbstverständlich hin. Aber wehe irgenda Depp baut mal Mist, dann sind gleich "die" Bauern dran.
Schau nach Frankreich wie das aussieht wenn die Bauern nichts mehr zu verlieren haben... noch sind wir in D nicht so weit, aber ich hab so das dumme Gefühl dass die Regierung genau da hin will. Ich sehe jedenfalls zu dass ich innerhalb der nächsten paar Jahre meinen Mann davon überzeuge dass wir einen Stall bauen und eine Wiese einzäunen, dann gibt's ein Gespann Arbeitspferde und nach uns die Sintflut...
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Nordhang
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4754

Beitrag von Nordhang »

Mal abgesehen davon das sich die Zustände ändern müssten. Stellt sich die Frage welche weiteren Einkommensquellen man erschließen kann. Maschinen und Anlagen brachten in Europa in den letzten 100 Jahren zunächst eine gewisse Erleichterung und mehr oder weniger Einkommen. Das funktionierte aber nur durch extreme Abwanderung von Arbeitskräften in andere Berufe. Kraft der Maschinen war günstiger als ein Knecht und Wanderarbeiter. Nun wird auch Maschieneneinsatz durch wenige Personen zu teuer. „Goldene Zeiten“ werden nicht wiederkommen, egal wer es verspricht! Das Pfund von Landwirten ist tatsächlich das sie oft viel Arbeit für wenig Lohn gewohnt sind. Fast jeder Nebenerwerb oder Nischen neben der Landwirtschaft wird ein besseres Einkommen bieten. Ich sage nicht das es für die Allgemeinheit, Natur,Tradition,Versorgungssicherheit gut und sinnvoll ist.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4755

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Sa 2. Mär 2024, 08:29 "Die" Bauern bringst du eh nicht unter einen Hut. Und ich muss sagen grad die riesigen Protestaktionen sind bisher SEHR geordnet und toll gelaufen - haben sie deswegen was gebracht? Nö, das nimmt man so als selbstverständlich hin. Aber wehe irgenda Depp baut mal Mist, dann sind gleich "die" Bauern dran.
98% der Bevölkerung sind nicht Bauern. Die Wahrnehmung der Bauern in der Gesellschaft ist also entscheidend für das Wohlwollen, und da gibts ein paar Probleme - die meisten sind eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Die zunehmenden Entfremdung der immer mehr städtischen Gesellschaft (3/4 der Deutschen leben in Städten oder Agglomerationen) tut ihr Übriges dazu.
Da gibts die Pseudogrünen, vorwiegend gut verdienende Leute mit akademischem Hintergrund und städtischer Sozialiserung, die ab und zu bio einkaufen und als Gegenleistung erwarten, dass jeder Hof ein Freilichtpark ist, wo die Tiere dauernd im Blütenmeer der Naturwiesen herumlaufen. Dafür darf die Veggiewurst ohne Tierleid auf Sojabasis auch 30 Cent das Stück mehr kosten.
Dann gibt es leider immer mehr Leute, die aus weltanschaulichen Gründen seltsame Ernährungsgewohnehiten haben, aus Langewiele oder weil sie sonst lkeine Probleme haben. Auch die bringen der Landwirtschaft und der realität da draussen wenig Verständnis entgegen.
Es gibt die grosse Menge der Leute, die kaum wissen wie sie durchkommen, und die es nicht gerechtfertigt finden, dass die Bauern so viel vom Staat einfordern, und um sie selber kümmert sich keiner.
Es gibt die grosse Menge der Leute, denen es zeimlich egal ist, was sie (fr)essen, Hauptsache billig.
Auch die Demos helfen da nicht weiter: So lange die mit so grossen Treckern rumfahren, kann es mit dem Einkommen ja wohl nicht so schlimm sein.
Auch die Botschaft "weil wir Bauern und deshalb wichtig sind, muss der Staat uns dauernd Extrawürste braten" kommt nicht gut an.

Dei Hauptfehler vieler Bauern: Man bekämpft die falschen Feinde. Statt erkennbar Natur- und Landschaftsschutz zu betreiben, was von einem grossen Teil der Bevölkerung anerkannt wird und was auch bezahlt gehört und wird, werden Naturschutz und Umweltschutzauflagen als produktionshemmende Bürokratieschikanen ohne Relevanz dargestellt. Typisch ist, dass die Bauern auf die Strasse gehen, weil Dieselsubventionen gestrichen werden und nicht, wenn die EU wieder ein Freihandelsabkommen mit irgend einem Land abschliesst oder weil es nach wie vor erlaubt ist, dass ausländische Lebensmittel importiert werden, die so nicht bei uns erzeugt werden dürften.

Hinzu kommt, dass inzwischen bei jeder Demo sich die Rechtsextremen aufpfropfen, weil man da Randale machen könnte.
Ebenfalls hinzu kommt die aus meiner Schweizer Sicht unselige Politkultur in Deutschland, wo Politik nur darin zu bestehen scheint, Feinde zu definieren und öffentlich kleinzumachen.

Und ja: wenn du die Hälfte deines Einkommens als Subventionen und Direktzahlungen hast, dann musst du akzeptieren, dass diejenigen dreinreden, die das bezahlen. Deshalb will die Politik ja auch weg von Subventionen (das sind Beiträge ohne Gegenleistung) hin zu zweckgebundenen Zahlungen für Gegenleistungen. Dasss genau dagegen protestiert wird, kommt nicht gut an, denn Otto Normalmensch kriegt auch nix geschenkt.
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Bernd Belgien
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4756

Beitrag von Bernd Belgien »

Eine sehr gewagten Sicht auf die Angelegenheit...
Benutzer 8600 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4757

Beitrag von Benutzer 8600 gelöscht »

…wenn ich mich hier im Mansfelder Land umhöre, trifft Emil zumindest für unsere Gegend den Nagel so ziemlich auf den Kopf… :hmm:
Nicht viele Städter, aber unendlich viele Leute denen das (Fr)essen ziemlich egal ist, und noch mehr Leute, die kaum wissen, wie sie sich mal eine neue Hose kaufen sollen… in Gemeinden, die zur Hälfte aus Ruinen bestehen. Und die gut situierten Bio-Käufer kenne ich in Massen aus meiner Zeit als Auslieferungsfahrer für einen Bio-Lieferanten.
Bernd Belgien
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4758

Beitrag von Bernd Belgien »

Ich meine die Darstellung der Bauern...
Man könnte es auch umdrehen und sich fragen warum "die Ökos" so riesen Flächen für ein paar krumme Möhren brauchen...
Der Forst könnte seine Leute ja auch wieder mit einer Handsäge in den Wald schicken.
Etc...

Wenn ich einen Handwerker nach Stunden bezahlen muss will ich auch daß er richtiges Werkzeug mitbringt und nicht nur einen Schraubendreher und einen Hammer.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4759

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 08:38 Dei Hauptfehler vieler Bauern: Man bekämpft die falschen Feinde. Statt erkennbar Natur- und Landschaftsschutz zu betreiben, was von einem grossen Teil der Bevölkerung anerkannt wird und was auch bezahlt gehört und wird, werden Naturschutz und Umweltschutzauflagen als produktionshemmende Bürokratieschikanen ohne Relevanz dargestellt. Typisch ist, dass die Bauern auf die Strasse gehen, weil Dieselsubventionen gestrichen werden und nicht, wenn die EU wieder ein Freihandelsabkommen mit irgend einem Land abschliesst oder weil es nach wie vor erlaubt ist, dass ausländische Lebensmittel importiert werden, die so nicht bei uns erzeugt werden dürften.
Dieselben Deppen die du vorher beschreibst könnten "Naturschutz" doch nicht erkennen wenn er ihnen ins Gesicht springt! Sachgemässe Bewirtschaftung IST gelebter Natur-Schutz. Sorry, Essen fällt nicht vom Himmel, wir müssen schon mehr machen als mitm Zauberstab wedeln. Sogar die Bios.
Mal ganz abgesehen davon dass definitiv gegen Freihandelsabkommen und dumme Importe protestiert wird, aber wenn das alles im selben Masstab aufgezogen würde, kämen wir nie wieder ans Felder bestellen, weisst. Oder wir campen gleich vorm Bundestag und tauschen dann und wann die Schilder aus. Bei der aktuellen Politik kann man sich drauf verlassen dass die in regelmässigen Abständen Scheisse bauen.
Und ja: wenn du die Hälfte deines Einkommens als Subventionen und Direktzahlungen hast, dann musst du akzeptieren, dass diejenigen dreinreden, die das bezahlen. Deshalb will die Politik ja auch weg von Subventionen (das sind Beiträge ohne Gegenleistung) hin zu zweckgebundenen Zahlungen für Gegenleistungen. Dasss genau dagegen protestiert wird, kommt nicht gut an, denn Otto Normalmensch kriegt auch nix geschenkt.
Der Otto Normalmensch bekommt eine ganze Menge "geschenkt" und sieht es nicht. Es steht ja nicht Subvention dran :) Die Politik will übrigens gar nicht weg von Subventionen, denn dann kann sie die Bauern schlechter gängeln, das geht gar nicht. Und wenn man anfängt die grosse Rechnung aufzumachen riskiert man halt auch dass die Bauern nein sagen. Nein danke, kein Bock für euch den Depp zu spielen, auch nicht gegen Bezahlung. Macht ihr mal selbst. :kaffee:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4760

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 12:59 Sachgemässe Bewirtschaftung IST gelebter Natur-Schutz.
Nehmen wir mal an, dass das sogar stimmt. Wer definiert sachgemäss? Der Betriebswirt wird immer auf mehr Effizienz tendieren, und darauf achten, dass diffusee Bewirtschaftungsziele wie "Naturschutz" die Rentabilität nicht gefährden.
Wenn der Betriebswirt selbst definiert was sachgemäss ist, dann dürfen lästige Tatsachen wie Artenschwund auf landwirtschaftlichen Nutzflächen oder Nitratbelastung des Trinkwassers keine Bedeutung haben, bzw. "der Kunde will es so" oder "das geht halt nunmal nicht". Wer das nicht gelten lässt der ist gegen "die" Bauern.
Das ist dann so wie wenn der Autofahrer statt die Polizei entscheidet ob er sich an die Regeln gehalten hat.

Ganz abgesehen davon ist es Unsinn, Dinge zu fördern, die man nicht födern möchte. Will man, dass viel Sprit auf Äckern verfahren wird? Wenn nein, dann nicht Agropdiesel verbilligen, sondern direkt Geld dafür geben, dass das Land so bewirtschaftet wird, dass als förderungswürdig erachtete Nebenziele, wie etwa Biodiversität, betriebswirtschaftlich lohnend werden. Welches die Ziele sind, muss rechtsverbindlich und verlässlich definiert sein und nicht alle drei Jahre ändern. Ob ein Ziel erreicht worden ist, darf nicht derjenige beurteilen, der die Arbeit macht und Anspruch hat.
Rohana hat geschrieben: So 3. Mär 2024, 12:59 Wenn man anfängt die grosse Rechnung aufzumachen riskiert man halt auch dass die Bauern nein sagen. Nein danke, kein Bock für euch den Depp zu spielen, auch nicht gegen Bezahlung. Macht ihr mal selbst.
Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen. In einer Gesellschaft mit Gewerbefreiheit muss keiner etwas machen, was er nicht will. All die Tante-Emma-Läden, Dorfschuhmacher, Dorfkneipen usw. wurden auch nicht gefragt ob sie aufhören wollen.
Eingehehd zum thema siehe z.B. hier
Zitat aus dem Link:
Jahrzehntelang kennzeichnend für die Agrarpolitik des Bundes war die Verhinderung von Reformen. Beispielsweise wurde die starke Nitratbelastung des Grundwassers infolge von Massentierhaltung nicht nur hingenommen, sondern gegen EU-Vorschriften hinhaltend verteidigt. Bis die EU Deutschland mit massiven täglichen Strafzahlungen drohte. Mit anderen Worten: Auf Druck des Bauernverbands wurde die Vergiftung der Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung hingenommen. Von der EU erzwungene neue Düngeregeln führten zu einer Radikalisierung in Teilen der Bauernschaft, die sich in neuen Bewegungen wie 'Land schafft Verbindung' äußert. Die Bauernlobby fordert vom Bundeslandwirtschaftsministerium - dem einzigen Ministerium für einen einzelnen Wirtschaftszweig - letztendlich, wie lange Jahre zuvor als einseitige Lobby-Organisation tätig zu sein.


Die grössten Feinde der Bauern sind übrigens andere Bauern; das Hofsterben ist hauptsächlich durch gnadenlose Effizienzsteigerung angetrieben. Die Grossen fressen die Kleinen. Da könnten bezahlte Nebenleistungen wie Biodiversität, Landschaftsschutz usw. Entlastung bringen, denn die lassen sich nicht so gut durch schiere Grösse effizienter ausführen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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