Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4411

Beitrag von emil17 »

Wieder mal FoodWaste:
img_7953.jpg
img_7953.jpg (207.62 KiB) 1818 mal betrachtet
(www.20minuten.ch; eine Pendler-Gratiszeitung.
Interessant der letzte Satz: "Besonders hoch sind die Verluste iom Primärsektor, der Landwirtschaft"
Das Bild ist ein Karottenfeld.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4412

Beitrag von Rohana »

Wie war das noch, vor ein paar Jahren hab ich hier einige Hektar Kohl in der Nähe von Kassel angeboten. Kollege hatte ein paar Hektar "über", war deutlich über Vertragsmenge, hat der Verarbeiter nicht abgenommen. Warum? Ernte zu gut. Einfach nur so ernten um auf den freien Markt zu schmeissen wäre nicht wirtschaftlich gewesen, also wurde der gute Kohl letzten Endes untergepflügt. Das hat mich sehr traurig gemacht, denn ich hätte ihn gern für Sauerkraut gehabt, aber mit locker 3h Fahrtweg einfache Strecke wär das auch nicht so recht sinnvoll gewesen.

Soll der Bauer nun qua Gesetz verpflichtet werden das zu ernten auch wenn es nicht wirtschaftlich ist, damit die "Verschwendung" weniger wird?
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4413

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Do 22. Sep 2022, 20:30 Soll der Bauer nun qua Gesetz verpflichtet werden das zu ernten auch wenn es nicht wirtschaftlich ist, damit die "Verschwendung" weniger wird?
Eher nicht, aber dann ist das Argument der Nahrungsmittelknappheit dahin, denn was gefragt ist wird man auch los. Und dann wäre die logische Folgerung, dass man eigentlich die Produktionsmengen etwas herunterfahren könnte aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Und wie komm ich mir als Hobbygärtner vor, wenn einfach einige Hektar Kohl untergefahren werden, weil Ernten nicht wirtschaftlich ist.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4414

Beitrag von Rohana »

Was hat das mit Nahrungsmittelknappheit zu tun wenn man Übermengen nicht bezahlt bekommt im guten Jahr und im schlechten Jahr teuer zukaufen muss? Oder wenn die Ernte schlichtweg zu teuer ist (z.B. Obst) weil personalintensiv bei deutschem Mindestlohn...
"Was gefragt ist" ist so'ne Sache. In schlechten Jahren eigentlich alles, aber dann hat logischerweise fast jeder auch weniger davon. Und krumme Gurken, Zwiesel-Möhren, unrunde Kartoffeln, ... alles was sich nicht genormt verarbeiten lässt, will der Verarbeiter nicht egal wie das Jahr ist. Die auszusortieren und getrennt zu vermarkten ist nicht wirtschaftlich. Mal ganz abgesehen davon dass auch der gemeine Verbraucher sie nicht will, brauchst dir nur anschauen was am Markt/Supermarkt gekauft wird.
Relevant sind doch eh vor allem Grundnahrungsmittel/Getreide. Die gibt's zum Glück nicht in krumm, wohl aber in schlechten Qualitäten.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4415

Beitrag von Tscharlie »

Ich empfehle allen das Buch:

Der Fuchs im Hühnerstall
von Ephraim Kishon

Da wird die Marktwirschaft und das Politikersein wunderbar beschrieben.

Das Dorf um das es geht, baut ausschließlich Kümmel an und versorgt damit ganz Israel.
Bei guten Erten haben sie mächtig viel Arbeit bekommen aber ganz wenig Geld.
Dann kümmert sich keiner mehr um die Felder, weil man eben Politik machen muss, damit ist die Ernte winzig, der Preis gigantisch.

Das Buch ist 1969 erschienen, also hätten sogar Liebhaber von humoristischer Literatur alles damal schon wissen können.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
Sven2
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4416

Beitrag von Sven2 »

@Rohanna:

Das ist die Frage, wenn nur Grundnahrungsmittel gebraucht werden, warum bau ich den Rest dann an?
Also, provokant gefragt, mir schon klar warum :)

Ich versteh auch, dass das runter holen vom Feld unwirtschaftlich ist, weil's keiner will wenn die Gurke krumm ist. Das Problem ist halt die Mentalität, und dass ist ein gesamtgesellschaftliches. Z.B. wär ich schon froh, wenn unverkäufliche zu Viehfutter werden würde, anstatt direkt auf dem Müll zu landen oder umgepflügt zu werden - wie gesagt, ich verstehe, dass das für den einzelnen Landwirt unwirtschaftlich ist

@Tscharlie: klingt interessant, werd ich mal versuchen zu lesen
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4417

Beitrag von Rohana »

Sven2 hat geschrieben: Fr 23. Sep 2022, 10:02 Ich versteh auch, dass das runter holen vom Feld unwirtschaftlich ist, weil's keiner will wenn die Gurke krumm ist. Das Problem ist halt die Mentalität, und dass ist ein gesamtgesellschaftliches. Z.B. wär ich schon froh, wenn unverkäufliche zu Viehfutter werden würde, anstatt direkt auf dem Müll zu landen oder umgepflügt zu werden - wie gesagt, ich verstehe, dass das für den einzelnen Landwirt unwirtschaftlich ist
Man darf halt nicht denken dass das, was direkt wieder untergepflügt wird, "Müll" wäre. Das ist letzten Endes wertvoller Dünger, denn alle Nährstoffe die sonst mit abgefahren würden, bleiben dem Boden erhalten.
ICH habe lieber einen Teil Ernte der am Acker zurückbleibt, als dass dieser Teil mühsam geerntet wird, in den Supermarkt oder in die Verarbeitung fährt, verkauft wird und dann irgendwo im Kühlschrank vergammelt um im schlimmsten Fall in der Restmülltonne zu landen.

Wozu man was anderes als Grundnahrungsmittel braucht sollte jedem hier klar sein :aeh: nicht zuletzt für die Fruchtfolge z.B., wir können ja nicht immer nur Getreide auf das selbe Feld stellen. :hmm:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4418

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 23. Sep 2022, 13:10 Man darf halt nicht denken dass das, was direkt wieder untergepflügt wird, "Müll" wäre. Das ist letzten Endes wertvoller Dünger, denn alle Nährstoffe die sonst mit abgefahren würden, bleiben dem Boden erhalten.
Du gibst aber schon zu dass 3ha Kohl oder das Bild vom Karottenfeld etwas zuviel des Guten sind? Ist ja auch Zeit und Diesel draufgegangen. Da wäre dann schlichte Gründüngung besser gewesen.
Ich glaube auch nicht dass das jemand extra so macht, es zeigt eben nur was dem Grosshandel die Ware wirklich wert ist. Und da würde ich als Produzent auch wenn nicht super wirtschaftlich halt doch nicht einfach mit den Achseln zucken und mit dem Pflug kommen.
Ich fälle ja auch nicht Bäume, rüste das Holz im Wald auf und lass es dann verrotten, weil die Rotte dem Wald zugute kommt, obwohl man sowas auch ab und zu mal sieht, stellt sich ebenfalls die Sinnfrage.
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Sven2
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4419

Beitrag von Sven2 »

Rohana hat geschrieben: Do 22. Sep 2022, 20:30 Das hat mich sehr traurig gemacht, denn ich hätte ihn gern für Sauerkraut gehabt, aber mit locker 3h Fahrtweg einfache Strecke wär das auch nicht so recht sinnvoll gewesen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4420

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Fr 23. Sep 2022, 15:09 Ich glaube auch nicht dass das jemand extra so macht, es zeigt eben nur was dem Grosshandel die Ware wirklich wert ist. Und da würde ich als Produzent auch wenn nicht super wirtschaftlich halt doch nicht einfach mit den Achseln zucken und mit dem Pflug kommen.
Das ist der springende Punkt. Niemand macht das extra - da steckt Zeit und Arbeit drin. Aber da auch niemand sagen kann wie das Jahr wird und es leider gelegentlich Verträge gibt (die immerhin eine Absicherung sind), muss man eine gewisse "Luft" einplanen wenn man nicht draufzahlen will. Ein paar ha unterpflügen im "zu" guten Jahr ist in dem Fall weniger schlimm als eine Fehlmenge extra zukaufen wenn's schlecht läuft.
Das gilt natürlich nur für Vertragsware die man anderweitig nicht los wird, also NICHT für Getreide oder Mais. Der Kohl aus dem Beispiel ist jetzt nix was man ernten und lagern oder direkt zum Landhandel fahren kann, geschweige denn selbst nebenbei essen oder direkt vermarkten wenn die Strukturen nicht vorhanden sind dafür. Sorry, wir leben nicht mehr in der Subsistenzwirtschaft.
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