Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4391

Beitrag von Tscharlie »

Ich sehe das so: Nur eine Betrachtung innerhalb der EU macht keinen Sinn.

Und ich dene da sieht das dann mit dem Obst und Gemüse schon deutlich besser aus.

Meiner Meinung nach sollte man das nationale Denken innerhalb der EU aufgeben.

Schon richtig, auch in der EU läuft nicht alles gut, aber gemeinsam können wir das schafffen.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
Eberhard
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4392

Beitrag von Eberhard »

Gemüse: EU- und nationales Denken?

Vor nicht so vielen Jahren hatte praktisch jeder Häusler an der eigenen Haustür Gemüse und Kräuter, jeder Quadratmeter des Dammes der Kleinbahn war verpachtet, damit einige ihre Ziege ernähren konnten.
Wenn ich heute die Dorfstraße entlang gehe, sind es große Ausnahmen, wenn man da einen Hausgarten sehen kann. Was man sieht: Eintöniger Rasen, einige Stauden, Steinwüsten. Bei Neubauten praktisch ausschließlich. Ein Blumentopf voller Petersilie ist ein Highlight an Ökologie und Klimaschutz, was man lautstark an die Öffentlichkeit bringt.
In den Städten kann es nicht besser sein. Schwätzer, die alle genau wissen, was zu tun wäre - aber kaum einer kann es selber.

Wer will ernsthaft etwas über Eigenversorgung und Sicherheit dazu beitragen, der nur aus Tüten und Büchsen lebt und null Bezug dazu hat, wie LEBENSMITTEL eigentlich entstehen. Da wäre womöglich auch ein Bewusstsein für saisonales Gemüse vorhanden. Ganzjährig Erdbeeren klappt bei uns im Freiland nicht, die werden im Oktober nur noch halbseitig rot, und wenn dann der Frost kommt, ist die Saison beendet.

Solche Schwätzer wie im Beitrag würde ich als Erstes fragen: Wie sieht es vor DEINER Haustür aus? Hast Du schon einmal einen Kohlrabi vom Samenkorn bis zur 2kg-Knolle begleitet? Wie viel Kilogramm eigene Kartoffeln hast Du geerntet?
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
Sven2
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4393

Beitrag von Sven2 »

@Eberhard:

Ja, ich finde es auch schade, wenn Gärten in Steinwüsten oder akkurat geschnittene, biologisch Scheintote Kurzrasenwüsten mit Dekoeffekt verwandelt werden. Auch denke ich mir bei vielen Flächen: da könnte man doch XY anbauen...
Aber ob ich - ohne das jetzt existenzielle Not herscht - erleben will, wie jeder Fleck Gartenbaulich oder zur Viehhaltung genutzt wird? Ich glaube, damit ging auch vieles kaputt. Bahndämme usw. sind z.T. als Bluhfläche sinnvoller zu nutzen, und die wilde Ecke im Garten bringt der Natur auch mehr als noch ein Obststrauch mehr.
Außerdem könnte, grade bei Obst, erst mal das genutzt werden was eh da ist und kaputt gehen gelassen wird...

In der Schweiz ans ja im Krieg so einen Ansatz, da sind die auf... Ich meine 70% eigenversorgung gekommen? Emil weiß das sicher...

Zum zweiten Teil des Postes:
Es gibt einfach mehr Menschen als früher, und die Städte sind größer- es ist unmöglich, dass das jeder sein Gemüse selbst zieht, das gibt der Raum nicht her. Dementsprechend kann ich das einem Stadtbewohner nicht zum Vorwurf machen. Dass es gut tun würde, mehr über das Thema saisonal und wo kommt's her zu lernen, bestreiten ich nicht.

@Tscharlie:
Innerhalb der EU wäre echt interessant, habe dazu nichts gefunden. Geb dir da recht, das könnte EU- weit eher möglich sein alles zu produzieren, was gebraucht wird. Aber dann hat man ggf wieder lange Transportwege. Von Der Warte aus kann es mMn schon sinnvoll sein, bei manchen Dingen lokale autarkie anzustreben...
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4394

Beitrag von Tscharlie »

Ich bin ja in einer Siedlung augewachsen die für einen großen Anteil an Selbstversorgung angelegt war. 1954 hatte man in München andere Anforderungen wie heute.

Auf den 100 m² Wohnfläche und 700 m² Gruundstück, lebten 2 Familien mit gesamt 6 Personen, die sich zum Teil aus dem Garten ernährt hatten.

Heute 70 Jahre später werden dort zusätzlich zwei neue Häuser entstehen, damit der Wohnungsmangel in München verkleinert wird, es sind dann gesamt 260 m² Wohnfläche und doer wird niemand im großen Stil Obst und Gemüse anbauen.

Soweit ich das in der Siedlung weiß, baut niemand mehr Gemüse im größeren Stil an. Das endete wohl mit der Generation meiner Eltern (1923 und 1925 geboren).

Ich selbst werde, wenn alles so klappt wie es geplant ist, ab 2024 wieder selbst Obst und Gemüse ernten können, da das neue Grundstück zwar klein ist, aber zwei Personen ja auch nicht so viel brauchen.

Und klar, Transportwege sollten vermindert werden, aber da kann man auch Europaweit denken. Um Äpfel nach München zu bekommen ist es besser die aus Südtirol zu holen als aus dem Alten Land (Hamburg). Obwohl die Äpfel dann über zwei Landegrenzen gefahren werden.

Ich habe übrigens auch nichts dagegen, wenn sich jemand mal etwas besonderes leistet und z.B. eine Banane kauft. Denn auch deren Produzenten wollen leben. Und diese Produkte werden sowieso teurer werden, weil Billiglohnländer weltweit seltener werden.
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Benutzer 6456 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4395

Beitrag von Benutzer 6456 gelöscht »

Ich scheine hier wohl eine Art "Ideengeber" zu sein. Meine Nachbarn, immerhin LW in Vollzeit, bauen jetzt wieder eigene Kartoffeln an und ziehen ihr eigenes Obst und Gemüse in Hochbeeten und Ackerrandstreifen. Samstag war da Großernteeinsatz, die Kartoffeln wurden ausgemacht und die Sonnenblumenköpfe abgeerntet.

Ich wundere mich ohnehin, warum man bei soviel Know-how und eigenem Land nicht viel mehr für sich selbst anbaut. Denn die vielen Maschinen, die man sich angeschafft hat, sollen ja nicht nur körperlich entlasten, sondern auch Zeit einsparen, was sie ja auch tun. Aber ich glaube, das obige Beispiel greift nun öfter um sich, da hier die Preise für Lebensmittel langsam durch die Decke gehen.
Ich habe übrigens vor vier Jahren das letzte Mal Kartoffeln gekauft, in dem Jahr habe ich Kartoffeln in Säcken angebaut, das lief so prima, dass sogar meine Kollege nochneinmpaar abbekommen hat. Salat kaufe ich auch nicht mehr und das ganze Obst, von Erdbeeren über Heidelbeeren bis zu Pflaumen kaufe ich auch nicht mehr. Saisonaler und regionaler geht kaum noch
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MeinNameistHASE
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4396

Beitrag von MeinNameistHASE »

SunOdyssey hat geschrieben: Mo 19. Sep 2022, 10:08 Ich wundere mich ohnehin, warum man bei soviel Know-how und eigenem Land nicht viel mehr für sich selbst anbaut. Denn die vielen Maschinen, die man sich angeschafft hat, sollen ja nicht nur körperlich entlasten, sondern auch Zeit einsparen, was sie ja auch tun. Aber ich glaube, das obige Beispiel greift nun öfter um sich, da hier die Preise für Lebensmittel langsam durch die Decke gehen.
Weil bei Eigenentnahme das Finanzamt an die Tür klopft...

Außerdem ist die Zersplitterung von Flächen im Agrarantrag ein gewisser Aufwand. Einfach Rauslassen geht nicht, weil alle Betriebsflächen gemeldet werden müssen. Wenn man es noch genauer nimmt fallen sogar höhere Beiträge zur Pflichtunfallversicherung an...
Ich verlasse mich auf meine Sinne: Irrsinn, Wahnsinn und Blödsinn!
Benutzer 6456 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4397

Beitrag von Benutzer 6456 gelöscht »

Nein, nein, ich rede ja nicht vom Ackerland, das weiß ich auch, dass das dann viele Nachteile auslöst. Aber jeder hier hat einen riesen Garten, da geht richtig was!
Den Streifen, den meine Nachbarn bepflanzt haben, ist der Streifen Grün rund um den Reitplatz. Da ist jetzt kein Grün mehr, sondern eben Kartoffeln und Gemüse
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4398

Beitrag von Rohana »

SunOdyssey hat geschrieben: Mo 19. Sep 2022, 10:08 Ich wundere mich ohnehin, warum man bei soviel Know-how und eigenem Land nicht viel mehr für sich selbst anbaut. Denn die vielen Maschinen, die man sich angeschafft hat, sollen ja nicht nur körperlich entlasten, sondern auch Zeit einsparen, was sie ja auch tun.
Keine Sorge, eingesparte Zeit geht mittlerweile locker für Bürokratie drauf :mrgreen:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Sven2
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4399

Beitrag von Sven2 »

Ich vermute mal, weil nach Feierabend evtl manche Leute nicht den Kopf bzw die Lust dazu haben, das gleiche wie auf Arbeit privat zu tun :hmm: haben ja so schon sehr viele keine Lust nach Feierabend noch im Garten zu "arbeiten" :lol:
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4400

Beitrag von Tscharlie »

Ich denke das Hauptproblem ist letztlich unser Bildungssystem.

Wer studiert hat, hat meist wenig bis keine Ahnung von der Praxis.

Meister aus dem Handwerk oder auch aus der Landwirtschaft haben nichts zu sagen.

Wir werden hauptsächlich von Juristen politisch vertreten, dieser Berufstand, so wichtig er an sich ist, neigt dazu alles regeln zu wollen, was in der Praxis schnell zu Unbeweglichkeit und der Verhinderung von Ideen führt.

Aber ich denke auch da müssen wir durch, bis die Mehrheit merkt, es kommt wirklich auf die Personen an die man wählt, gerade im Gemeinde/Stadtbereich.
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