Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3431

Beitrag von Manfred »

@Rohana: Dürftet ihr das überhaupt, von eurem Molkereivertrag her? Stichwort Andienungspflicht.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3432

Beitrag von emil17 »

Hildegard hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 18:55 Also win-win.
Für und win win win: Der Berg von Milchpackungen fällt auch weg.
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sybille
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3433

Beitrag von sybille »

Rohana hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 23:09
sybille hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 17:02 Es lohnt sich scheinbar denn sonst würde der Bauer das nicht machen.
Haja... "lohnen" ist so lala. Es macht halt keine Arbeit! Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.
Der Bauer, bei dem ich die Milch hole, verkauft morgens und abends. Die Zeit muss er bzw. seine Frau sich nehmen denn dort füllen nur er oder seine Frau die Milchflaschen der Kundschaft ab. Einfacher wäre es sicher die Milch von 100 Kühen komplett an die Molkerei zu verkaufen.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3434

Beitrag von Rohana »

Ich bezog mich auf Hildegard, bei der das offensichtlich alles sehr formlos abläuft. Kann ja jeder halten wie er möchte.

@Manfred: Muss man, soweit ich weiss, bei der Molkerei anmelden.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3435

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 23:09 Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.
Bei unserer Käserei füllt selbstverständlich das Personal ab. Am einfachsten geht das für alle, wenn man zwei angeschriebene Gebinde hat, dann lässt man das saubere leere da und nimmt das abgefüllte mit.
Das hat aber den Vorteil, dass die Leute an den Hof kommen und sehen wie ihr wirtschaftet. Dann stellste im Herbst auch mal ein paar Kisten Obst oder Lagergemüse da, das verkauft sich dann auch.
Kleinvieh mancht bekanntlich auch Mist. 100 Liter im Monat zu 50 ct geben 50 Euro sind 600 pro Jahr, ist doch schon mal was.
Dann kommt vielleicht plötzlich noch Ware vom Nachbarn dazu, der vielleicht selber Wurstwaren macht oder Wein oder Eier hat. Bei uns sind viele Hofläden so entstanden.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3436

Beitrag von Manfred »

Die Vollkosten für die konventionelle Milchproduktion liegen in D inzwischen bei ca. 45 Cent netto pro Liter, Tendenz schnell steigend. Bio entsprechend höher.
Wenn ich da Milch für 60 Cent / l ab Tank verkaufe und dann auch noch Arbeitszeit fürs Abfüllen anfällt, ist das kein Geschäft.

Bei mir im Handel brauche ich als Einzelkämpfer ca. 1000 Euro Umsatz am Tag, 365 Tage im Jahr, um die Kosten zu decken. Und ich habe eine sehr flache Kostenstruktur.
Ich gehe davon aus, dass wir 2022 nochmal starke Inflation sehen werden, mit im schlimmsten Fall über 50% Kaufkraftverlust. Da werden sich viele grüne Träume in Luft auflösen, weil die Bevölkerung sie einfach nicht mehr bezahlen kann. Und für meinen extensiven Weidehaltungsbetrieb könnte das das wirtschaftliche Aus bedeuten. Wir überlegen mehrgleisig, wie es weitergehen könnte. Als Notfallplan würden wir auf Subsistenzwirtschaft zurückfahren. Zumindest diese möchten wir in der Familie erhalten.

Vom Biofleisch im Discounter werden übrigens aktuell schon ca. 30% entsorgt, weil sie sich nicht verkaufen.
Beim konventionellen Fleisch sind es 2% bis 5%.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3437

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Sa 25. Dez 2021, 08:43
Rohana hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 23:09 Bei 600-800l pro Tag wie bei uns, brauchts halt n paar Kunden dass man da was von merkt. Mal ganz abgsehen davon dass nicht jeder Hinz und Kunz am Milchtank haben möchte.
Bei unserer Käserei füllt selbstverständlich das Personal ab. Am einfachsten geht das für alle, wenn man zwei angeschriebene Gebinde hat, dann lässt man das saubere leere da und nimmt das abgefüllte mit.
Das hat aber den Vorteil, dass die Leute an den Hof kommen und sehen wie ihr wirtschaftet. Dann stellste im Herbst auch mal ein paar Kisten Obst oder Lagergemüse da, das verkauft sich dann auch.
Kleinvieh mancht bekanntlich auch Mist. 100 Liter im Monat zu 50 ct geben 50 Euro sind 600 pro Jahr, ist doch schon mal was.
Dann kommt vielleicht plötzlich noch Ware vom Nachbarn dazu, der vielleicht selber Wurstwaren macht oder Wein oder Eier hat. Bei uns sind viele Hofläden so entstanden.
Ach Emil... :kaffee:
Wir verkaufen gelegentlich Milch ab Tank an Verwandte und Bekannte, ist ja kein Problem, aber eben auch nicht die Masse. Die geben gerne mehr als die 50ct pro Liter die wir verlangen - und die 50 ct sind schon gar nicht mehr aktuell, auf die kommen wir per Molkerei mittlerweile auch, ich suche dann mal die nächste Abrechnung.
Leute am Hof sind nur ein Vorteil wenn man grade Zeit dafür hat - Zeit ist Geld, weisste ja, und weder das eine noch das andere haben wir zuviel. Jetzt wo ich in Elternzeit bin hab ich genug Zeit um Interessierte rumzuführen, da kommen schnell mal 2-3h für die Basics zusammen - die wissen nix und man beantwortet gerne Fragen. Aber wenn ich wieder regulär arbeite fällt diese Zeit weg, mein Mann hat eh von morgens bis abends zu tun es sei denn es regnet, und dann wird gebastelt. Die Altenteiler sind nur noch zum Melken mit. Da ist kein "Personal" was untätig rumsteht ;) und unbegleitet geht hier gar nix für Besucher, das ist im besten Fall nervig und im schlimmsten Fall lebensgefährlich!

Und ja, ich lade gerne ein. Z.B. die Mamis von meiner Mutter-Kind-Gruppe, oder Leute bei denen ich Kinderklamotten kaufe, anderweitige Verwandte und Bekannte sowieso. Zum verkaufen steht allerdings nix rum und da wird auch nix dazu kommen dank Alleinlage :aeh:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3438

Beitrag von sybille »

und Arbeitskräfte muss man auch erstmal bekommen! Grade in der Tierhaltung wird das zunehmend ein Problem.
Das stimmt so nicht. Vor Jahren hatte ich einen Job oder zumind. einen Minijob in der Landwirtschaft gesucht. Bis ich dann melken gehen konnte bekam ich viele Absagen nur weil ich eine Frau bin und das höre ich hier auch von Anderen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3439

Beitrag von sybille »

Oelkanne, 100 Milchkühe sehe ich nicht als gerade wenig Vieh. Aber Du magst Recht haben - hier in der Eifel ticken die Uhren in Bezug auf Frauen immer noch ganz anders als im Osten.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3440

Beitrag von Manfred »

"Es könne auch nicht sein, dass ein Bereich ausschließlich aufgrund von Subventionierung am Leben erhalten bliebe. «Irgendwann müssen gewisse Dinge auch einigermaßen von alleine funktionieren», so der Minister."

Die Mittel für die Agrarförderung werden halt wie von mir erwartet nicht nennenswert mehr und durch die Inflation sehr schnell entwertet.
Die Bundesregierung will 30% Ökolandbau erreichen, aber dafür nicht mehr Geld ausgegeben.
Die paar Euro, die die bisher ca. 10% Ökolandwirte erhalten, müssen also durch 3 geteilt werden und dieses Drittel wird wohl weiter einen zweistelligen Prozentsatz pro Jahr an Kaufkraft verlieren.

Da aktuell schon ein guter Teil der Biobetriebe nur wegen der höheren Flächenprämie umgestellt hat, besonders in den Grenzertragsregionen, frage ich mich halt, die die 30% erreicht werden sollen.
Hier im Ort hat erst wieder ein Biobetrieb die Tierhaltung aufgegeben und optimiert nur noch Prämien. Der wird dann bald ganz aufgeben und verpachten.
Auch bei mir sind die Perspektiven schlecht. Ich habe zwar einen der wirtschaftlichsten Mutterkuhbetriebe in Bayern, aber trotzdem reichen die Gewinne nicht, um Kapitaleinsatz und Arbeitszeit auch nur halbwegs angemessen zu entlohnen, und das anhaltend seit Jahren und entgegen all meiner Bemühungen, die Kosten zu senken und die Arbeit zu rationalisieren.
Um die explodierenden Kosten zu decken, bräuchten wir mind. 50% mehr Geld und nicht 2/3 weniger.
Aktuell ist für mich in keiner Weise abzusehen, wie sich die nächsten Jahre die Agrarmärkte durch die politischen Eingriffe verwerfen werden. Klar ist nur, dass wir international nochmal massiv an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und unsere Kosten massiv steigen werden. Gleichzeitig verlieren die Verbraucher an Kaufkraft und werden verstärkt zu mögl. billigen Produkten greifen.
Wir werden von der ideologischen Politik zerrieben.
Und wie man im Thema Newsticker zur Energiewende nachlesen kann, kriegen das jetzt verstärkt auch andere Branchen zu spüren und geben auf oder wandern aus Deutschland ab.
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