penelope hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 13:59
Ich freu mich hier in meiner Ecke einfach über jeden, der bereit ist, ein altes Haus mit Respekt vor der alten Bausubstanz zu erhalten. Und man muss mal ehrlich sagen, dass das ganz schön oft eher die wohlhabenden Städter sind, die aufs Land rausziehen oder es wird eben als Ferienwohnung für eben jene Klientel gemacht. Meinetwegen sollen die sich sehr gerne schöne, teure Vollholzmöbel hier bei Tischler bestellen, im Biorestaurant essengehen und Lehmputz verbauen lassen. Ohne die gäbe es merklich weniger Aufträge für die wirklich guten Firmen vor Ort.
Ist alles eine Frage des Masses. In der alten Bausubstanz zu wohnen heisst auch kleine Fenster, niedrige Decken, kein Schallschutz - da wird dann allzugerne neu gebaut und auf alt gemacht, was je seltener gut geht, je mehr Geld der Bauherr hat bzw. je weniger er dafür arbeiten musste.
Ein Hit hier ist, dass man alte Scheunen und Stadel in Blockbau abreisst, an deren Stelle eine Luxusvilla baut, aus den alten Balken Bretter sägt und die aussen auf die Betonmauer pappt, damit es "schön" aussieht. Je nach Architekt ist das dann Wertschätzung der alten Bausubstanz.
Mindestens ein solches Haus in Montana hat tatsächlich Fenster mit gewölbtem Sturz. Dieses konstruktive Detail wurde nur im Steinbau angewendet. Im Massivholzbau macht es schlicht keinen Sinn und ist so nötig wie der Fallschirm im U-Boot.
Dem Bauherrn gefällts offenbar, der Archi kriegt Honorar fürs Extra, der Bauherr hat einen Auftrag.
Wenn dann alles voll ist mit solchem Pseudobau, sucht man sich eine neue noch unverdorbene ruhige Ecke im Land und fängt dort wieder damit an. Das nennt sich touristische Aufwertung.
Eine Felswand ohne Klettersteig und ein Hügel ohne Gleitschirmstartrampe und ohne Downhillbikestrecke hats da sicher auch noch, die sollte man auch aufwerten, um Wertschöpfung zu machen. Dann braucht es ein Thermalbad, weil die Hotelgäste das erwarten. Finanziert wird sowas aber von der Gemeinde, da es ja ziemlich sicher defizitär werden wird.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.