Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3151

Beitrag von Manfred »

Zottelgeiss hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 06:40 Hast du dafür einen Link? Die Objekte würde ich mir gern mal ansehen.
Hier findest du Bilder aus so einem Objekt:
https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/175137/
Und noch mehr von der Firma:
https://www.konzeptwyler.ch/referenzen/alpenchic

Gibt es auch mit einfacherer Ausstattung.
Das wird in der Hochsaison aber auch Richtung 700 - 1000 Euro am Tag gehen:
https://www.bestfewo.de/unterkunft/18981332.html
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3152

Beitrag von penelope »

Und wo sind da jetzt die Autogaragen und was haben Luxus- Berghütten in der Schweiz und in Österreich mit Bauernhofferien in Deutschland zu tun?

Was gibt es an den Projekten denn auszusetzen? Natürlich hab ich nicht die Kohle für so ein Haus in den Schweizer Alpen. Aber wenn es Leute mit so viel Kohle gibt, was sollen die denn besseres damit anfangen? So kommt das Geld wenigstens bei Handwerkern usw im Ort an - wenn die mit der ganzen Kohle dreimal im Jahr nach Dubai und zweimal nach Las Vegas fliegen würden, wäre ja auch keinem geholfen.

Das Ferienhaus in Österreich kostet, wenn man es denn voll mit 6 Leuten belegt, 55 Euro pro Person und Nacht. Auch wenn es in der Hauptsaison deutlich mehr wird, dann finde ich das immer noch gerechtfertigt. Man kann doch nicht auf der einen Seite nimmer vor sich hertragen, dass Landwirte, Grundeigentümer und Handwerker ordentlich bezahlt werden sollen, und es dann aber dekadent finden, wenn Leute sich auch mal gute Sachen leisten.

Die Empfindung, was angeblich zuviel an Luxus ist, ist ja auch nicht rational. Jede Feriensaison sind die Autobahnen voll mit Wohnmobilen, dabei kann man kaum teurer Urlaub machen ( für allein den Anschaffungspreis kann man doch 20 Jahre lang jedes Jahr in ein richtig gutes Hotel fahren). Hamburg ist am Wochenende voller Touristen, die in die ganzen furchtbaren Musicals stürmen - das ist anscheinend so der normale Ausflug für einen Damen-Kegelclub - was am Ende teuer kommt, als eine Karte für das Staatsballett und ein Essen im sehr guten Restaurant. Wie schnell rinnt einem das Geld ist den Fingern, wenn man in einen Freizeitpark geht und wie teuer kommen einen dagegen Seminargebühren für irgendein Thema, was einen interessiert, vor... Die Liste könnte man beliebig erweitern.
se
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3153

Beitrag von emil17 »

Ds Problem ist nicht, dass Leute mit zuviel Geld, die schon alles haben, vor allem deshalb hochpreisig leben, um sich vom Pöbel abzugrenzen. Das Problem ist, dass derartige Luxusprojekte das zerstören, weswegen sie dort gebaut worden sind.

Nimm mal schweizerische Erstklass-Destinationen wie Crans-Montana her: Zu einer sehr idyllischen Gebirgsgegend wurden mit Werbung für diese Gegend Investoren angelockt, denn Fortschritt braucht das Land. Entstanden ist ein hochpreisiges verschandeltes Amüsiernest, wo die internationale Schickeria genau das gleiche Designer Zeug wie überall kaufen kann. Falls du wissen willst, wie man mit hochpreisigen Materialien hässliche oder protzige Häuser bauen kann, dann schau dich in einem dieser Schickimickiorte um.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, werden jetzt neue Bespassungsinfrastrukturen gebaut. Wir zerbrechen uns den Kopf, wie man Landschaftsschutz und Energiegewinnung und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und Biodiversität vereinbaren kann, und diese Leute leisten sich ganzjährig beheizte, aber kaum je besetzte Villen als Kapitalanlage.
Hauptsache man ist unter sich und spart Steuern - da wird das Geld dann nicht so grosszügig ausgegeben. Wenn der pauschalbesteuerte Superreiche (Ich zahl zehn Millionen pro Jahr und ihr lasst mich in Ruhe, oder ich geh nach Gstaad oder St.Moritz) tatsächlich Steuern am Ort zahlt, nachdem ihn die Gemeinde mit einem guten Angebot geködert hat, der Handel nennt sich Standortsförderung - wird er auch noch als Wohltäter verehrt.

"So kommt das Geld wenigstens bei Handwerkern usw im Ort an - wenn die mit der ganzen Kohle dreimal im Jahr nach Dubai und zweimal nach Las Vegas fliegen würden, wäre ja auch keinem geholfen. " Das tun die auch, aber mit dem Privatjet.
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penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3154

Beitrag von penelope »

Ok, meine Sichtweise ist geprägt von meinem Lebensmittelpunkt im prekären Norddeutschland. ;)

Crans-Montana zB hab ich noch nie gehört, musste ich erstmal googeln und scheint ja so was wie Sylt, nur noch ne Nummer drüber zu sein. Das ist natürlich extremer Tourismus mit all seinen negativen Auswüchsen.

Ich freu mich hier in meiner Ecke einfach über jeden, der bereit ist, ein altes Haus mit Respekt vor der alten Bausubstanz zu erhalten. Und man muss mal ehrlich sagen, dass das ganz schön oft eher die wohlhabenden Städter sind, die aufs Land rausziehen oder es wird eben als Ferienwohnung für eben jene Klientel gemacht. Meinetwegen sollen die sich sehr gerne schöne, teure Vollholzmöbel hier bei Tischler bestellen, im Biorestaurant essengehen und Lehmputz verbauen lassen. Ohne die gäbe es merklich weniger Aufträge für die wirklich guten Firmen vor Ort.

Die örtliche Dorfjugend konservativer Prägung hier sieht sich gerne mal als Retter des Landlebens und der Landwirtschaft, sitzt dann aber bei Bier und Bratwurst vom Aldi zusammen und schiebt mal wieder die nächste Fachwerkscheune weg, um einen schönen Bauplatz für die „Villa im Toskanastil“ aus dem Katalog zu haben.

Klar ist das jetzt überspitzt dargestellt und es gibt (glücklicherweise) viele Gegenbeispiele. Aber wir schreiben hier tausende Seite im Forum drüber, dass Lebensmittel und Handwerk mehr wertgeschätzt werden müssen, und wenn dann mal jemand das entsprechende Geld hat, sich auch wirklich was hochwertiges zu kaufen, ist das wieder nicht richtig. Das ist doch schon ein wenig schizophren.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3155

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 13:07 Was gibt es an den Projekten denn auszusetzen?
Habe ich etwas daran ausgesetzt?
Solche Objekte gibt es auch im bayerischen Alpenraum, nicht nur in der Schweiz und Österreich.
Ich finde die optisch sehr ansprechend. Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich mir evtl. auch sowas gönnen, mit einer an unsere Region angepasste Außengestaltung.
Aber das ist halt wie gesagt ein professioneller Betriebszweig mit sehr hohen Investitionskosten und keine Nebenerwerbs-Zimmervermietung mehr, wenn man sowas für Urlauber hinstellt (das sind meist Neubauten). Da sollte man schon sehr genau wissen, was man tut.

Die Garage bzw. das Carport beim letzten Objekt siehst du rechts neben dem Haus.
Das andere sind ja nur Innenaufnahmen. Bei Objekten der Preisklasse gehört selbstverständlich die standesgemäße Unterbringung der Fahrzeuge dazu.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3156

Beitrag von emil17 »

penelope hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 13:59 Ich freu mich hier in meiner Ecke einfach über jeden, der bereit ist, ein altes Haus mit Respekt vor der alten Bausubstanz zu erhalten. Und man muss mal ehrlich sagen, dass das ganz schön oft eher die wohlhabenden Städter sind, die aufs Land rausziehen oder es wird eben als Ferienwohnung für eben jene Klientel gemacht. Meinetwegen sollen die sich sehr gerne schöne, teure Vollholzmöbel hier bei Tischler bestellen, im Biorestaurant essengehen und Lehmputz verbauen lassen. Ohne die gäbe es merklich weniger Aufträge für die wirklich guten Firmen vor Ort.
Ist alles eine Frage des Masses. In der alten Bausubstanz zu wohnen heisst auch kleine Fenster, niedrige Decken, kein Schallschutz - da wird dann allzugerne neu gebaut und auf alt gemacht, was je seltener gut geht, je mehr Geld der Bauherr hat bzw. je weniger er dafür arbeiten musste.
Ein Hit hier ist, dass man alte Scheunen und Stadel in Blockbau abreisst, an deren Stelle eine Luxusvilla baut, aus den alten Balken Bretter sägt und die aussen auf die Betonmauer pappt, damit es "schön" aussieht. Je nach Architekt ist das dann Wertschätzung der alten Bausubstanz.
Mindestens ein solches Haus in Montana hat tatsächlich Fenster mit gewölbtem Sturz. Dieses konstruktive Detail wurde nur im Steinbau angewendet. Im Massivholzbau macht es schlicht keinen Sinn und ist so nötig wie der Fallschirm im U-Boot.
Dem Bauherrn gefällts offenbar, der Archi kriegt Honorar fürs Extra, der Bauherr hat einen Auftrag.
Wenn dann alles voll ist mit solchem Pseudobau, sucht man sich eine neue noch unverdorbene ruhige Ecke im Land und fängt dort wieder damit an. Das nennt sich touristische Aufwertung.
Eine Felswand ohne Klettersteig und ein Hügel ohne Gleitschirmstartrampe und ohne Downhillbikestrecke hats da sicher auch noch, die sollte man auch aufwerten, um Wertschöpfung zu machen. Dann braucht es ein Thermalbad, weil die Hotelgäste das erwarten. Finanziert wird sowas aber von der Gemeinde, da es ja ziemlich sicher defizitär werden wird.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3157

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 14:04 Solche Objekte gibt es auch im bayerischen Alpenraum, nicht nur in der Schweiz und Österreich.
Ich finde die optisch sehr ansprechend. Hätte ich das nötige Kleingeld ...
Frage mal, warum die optisch sehr ansprechenden Ferienvillen immer alleinstehend in weiter unbebauter Flur gezeigt werden. Wenn dann die standesgemäss untergebrachten Fahrzeuge nicht hinkönnen, weil es manchmal viel Schnee gibt, dann ist die Gemeinde in der Pflicht.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3158

Beitrag von penelope »

Wir haben wohl total unterschiedliche Dinge im Kopf.

An vielen Tourismus-Auswüchsen in Skigebieten usw. kann man sicher überhaupt nichts Gutes finden.

In so grundsätzlich strukturschwachen Gegenden kann es aber auch mal die einzige Möglichkeit sein, irgendwas so halbwegs rentables mit alten Hofstellen zu machen. Ich hatte da eher an Sachen wie diesen Gutshof in Mecklenburg (https://www.gutshof-woldzegarten.de/) oder typische Touristenpunkte hin der Heide (wie https://www.tuetsberg.de/ oder https://www.ole-muellern-schuen.de/) gedacht.

Natürlich ist das nicht authentisch und es ist viel Klischee bis zum Teil auch Kitsch dabei. Aber bei jeder anderen Form der Bewirtschaftung wäre der notwendige Kompromiss zwischen schön und traditionell vs.praktisch und rentabel nicht besser ausgefallen.

Die Heidschnuckenkeule und die Buschweizentorte essen hier die Touristen aus der Stadt und nur zum kleinsten Teil die Leute aus der unmittelbaren Umgebung. Die Dörfler fallen dafür in Scharen am Wochenende in den Diskomeilen der Großstädte ein und gehen da den Leuten auf den Keks. Ich glaub, das gleicht sich (hier zumindest) ein wenig aus ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3159

Beitrag von Dyrsian »

emil17 hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 14:22 Ist alles eine Frage des Masses. In der alten Bausubstanz zu wohnen heisst auch kleine Fenster, niedrige Decken, kein Schallschutz - da wird dann allzugerne neu gebaut und auf alt gemacht, was je seltener gut geht, je mehr Geld der Bauherr hat bzw. je weniger er dafür arbeiten musste.
Ein Hit hier ist, dass man alte Scheunen und Stadel in Blockbau abreisst, an deren Stelle eine Luxusvilla baut, aus den alten Balken Bretter sägt und die aussen auf die Betonmauer pappt, damit es "schön" aussieht. Je nach Architekt ist das dann Wertschätzung der alten Bausubstanz.
Naja ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich finde man sollte in jeder Region einzelne alter Gebäude die typisch für ihre Zeit waren erhalten. Diese Gebäude stehen (oder sollten) dann unter Denkmalschutz. Auch sollte man schönes, gutes und benutzbares allein schon aus Gründen der Nachhaltigkeit erhalten.
Es gibt aber eben auch "alte" Gebäude die machen einfach keinen Sinn mehr. Ich hab mal in einem Ferienhaus Urlaub gemacht, da waren die Deckenhöhen teils unter 2 m. Sowas ist heutzutage einfach nicht mehr bewohnbar und war vermutlich auch früher schon scheiße, außer für Kleinwüchsige. Ställe und Scheunen in die man nicht mit dem Frontlader kommt usw. - muss man davon wirklich jeden einzelnen erhalten? Wer will in Häusern praktisch ohne Fenster leben? Nur so als Beispiele.
Auf der anderen Seite sehe ich just in diesen Wochen wie an dem schönen alten Mehrfamilienhaus bei uns gegenüber, was aus der Jahrhundertwende stammen dürfte, die aufwendig verzierte Fassade "saniert" wird: Der Stuck wird abgeschlagen (!) und es werden graue Betonklötze davor geklebt. Das Haus hat aber so viele Ecken und Sicken und Kanten, da wird es niemals gelingen das vernünftig zu machen. Jede Menge Kältebrücken, der Schimmel ist praktisch vorprogrammiert. Wenn ich sowas sehe, blutet mir das Herz! Und auch ökonomisch und umwelttechnisch macht sowas meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn. Und das wird auch noch staatlich gefördert.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3160

Beitrag von emil17 »

Dyrsian hat geschrieben: Di 26. Okt 2021, 19:12Wer will in Häusern praktisch ohne Fenster leben?
Ist ne Definitionsfrage. Wenn man sieht was auf Werbepostkarten vom Touristenbüro abgebildet ist
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und was gebaut wird
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dann gibts da einen ziemlichen Unterschied. Ja, das ist am gleichen Ort.

Fenster: heute ist auch bei EFHs Wohnen im Terrarium angesagt, Fenster vom Boden bis an die Decke über ganze Hausbreite, Flachdach, es gibt sogar Fussböden aus Glas ... Hauptunterschied zum Terrarium ist, dass beim Vorbild nicht die Insassen für Futter sorgen - aber das muss ein typisch neureicher Bewohner ja eigentlich auch nicht.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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