Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3061

Beitrag von Manfred »

Emil hegt einen totalitären Anspruch auf Durchsetzung seiner Ideologie.
Ich glaube nicht, dass er die Natur wirklich so sehr hasst, dass er deshalb ihre Zerstörung billigend in Kauf nimmt.
Er liebt einfach seine naive Vorstellung von Natur und Naturschutz mehr als die Natur selbst, und lässt nichts an sich heran, was diese Liebe gefährden könnte.
Das ist alles menschlich, aber im Ergebnis halt destruktiv.
Er meint in guter Absicht zu handeln und kämpft doch für eine Beschleunigung des Strukturwandels, für die Rodung der verbliebenen Regenwälder, für die Ausbreitung der Wüsten, für das Verhungern der Ärmsten.
Das tut mir so weh, dass ich mir den einen oder anderen Seitenhieb nicht verkneifen kann.
Aber mir ist bewusst, dass ich damit nur Zeit verschwende, die anderweitig besser investiert wäre. Deshalb ist es für diesmal auch wieder gut meinerseits.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3062

Beitrag von Manfred »

Dyrsian hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 08:08 Das Insektensterben... kommen nicht von ungefähr.
Mach dir bitte bewusst, dass die Insektenstudien fasst alle auf sogenannten Naturschutzflächen stattfinden.
Ich habe mir das in Thüringen vor Ort angesehen.
Da standen mehrere Malaisefallen eng beieinander auf einem extrem ausgemagerten Trockenrasen, der Anfang Juni noch kein nennenswertes Wachstum zeigte, und daneben eine Falle auf einer vermeintlichen Blühfläche, die im Juni noch flächig nackten Boden hatte, mit ein paar vereinzelten Wildkräutern darauf, die die Bodenbearbeitung zur Unzeit überlebt hatten.
Wenn ich mögl. wenig Insektenbiomasse fangen wollte, würde ich meine Fallen genau da hinstellen.
50 m weiter war insektenfreundliches Agrarland. Hätte man die Fallen da rein gestellt, wo sich die Insekten wohlfühlen, hätte man locker 10 x mehr Biomasse gefangen.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3063

Beitrag von Manfred »

Diese Woche wurden wieder die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Auswertung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.
Sie beinhaltet die Ergebnisse "repräsentativ ausgewählter Betriebe" aus dem sogenannten Testbetriebsnetz.
Wie die Auswahl erfolgt, ist nicht transparent. Zuständig sind die obersten Landesbehörden. Das Auswahlgremium ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Erfasst werden anscheinend nur Betriebe, die von den landwirtschaftlichen Buchstellen der Bauernverbände betreut werden.

Im Groben kann man sagen, dass die Einkommen über die letzten 10 Jahre stagnieren, während Kosten und Schuldenstand deutlich gestiegen sind.
Das heißt unter dem Strich mehr Arbeit (mehr Fläche und Tiere je Betrieb) und mehr Fremdkapitaleinsatz für stagnierende Einkommen.

Der durchschnittliche Gewinn lag bei 34.490 Euro je Vollzeit-Familienarbeitskraft.
Aus diesem Gewinn müssen die Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital, die Entlohnung der Arbeitszeit und die Sozialversicherungskosten beglichen werden.
D.h. um den Gewinn mit Arbeitnehmer-Bruttoeinkommen vergleichbar zu machen, muss man davon nach die kalkulatorischen Zinsen für das im Hof gebundene Eigenkapital und den "Arbeitgeberanteil" an den Sozialversicherungskosten abziehen.
Teilt man den Rest durch die auf landwirtschaftlichen Betrieben üblichen Arbeitszeiten, liegt man weit unter dem Mindestlohn.

Ein Rechenbeispiel:
Betrieb mit 1,5 Familien AK und 51.087 Euro Gewinn.
Eigenkapital:
30 ha Eigenland mit 300 Euro / ja (Zinsanspruch bzw. mögl. Pachterlös bei Verpachtung) -> 9.000 Euro Pacht für Eigenland
500.000 Euro Kapital in Gebäuden, Maschinen und Ausrüstung, Tieren, Vorräten -> bei 6,5% durchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung (durchschnittliche Aktienanlage) -> 32.500 Euro kalkulatorischer Eigenkaptialzins
Bleiben 9.587 Euro für ein Jahr Arbeitslohn für 1,5 Familien AK inkl. der Sozialversicherungskosten.
Zieht man davon nochmal 1/4 "Arbeitgeberanteil" ab und teilt den Rest durch angenommene 50 Arbeitsstunden je AK und Woche, bleiben stolze 2,30 Euro "Bruttolohn" je geleisteter Arbeitsstunde.
Evtl. fühlt sich Emil dann nicht mehr ganz so schlecht bezahlt...

Der durchschnittliche bayerische Haupterwerbslandwirt lebt praktisch von den Zinsen seines Eigenkapitals und betreibt die landwirtschaftliche Arbeit mehr oder minder als Hobby.

Betriebsergebnisse_Haupterwerb_Bayern.jpg
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Quelle: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, Ausgabe 41/2021, Seite 53.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3064

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 08:32 Wenn ich mögl. wenig Insektenbiomasse fangen wollte, würde ich meine Fallen genau da hinstellen.
50 m weiter war insektenfreundliches Agrarland.
Das haben wir auch schon mal in diesem Forum diskutiert: Insektenvielfalt nur nach gefangener Biomasse bestimmen ist wie Bücher nach Gewicht bewerten. Auf frisch gegüllten Agroflächen beispielsweise hat man je nach Wetter irre hohe Werte, das sind aber vor allem Schmeissfliegen. Auf sonnigen Magerwiesen hat man eine viel höhere Artenzahl (nicht:Individuenzahl), und es kommt sehr auf die Art der Falle an, denn all die nicht fliegenden Insekten (Ameisen, Grillen, Laufkäfer) hat man auf Güllewiesen oder Kartoffeläckern nicht.
Dann ist eine einzige Heuschrecke schwerer als 500 Mücken oder Kleinstschmetterlinge in 30 oder mehr Arten ...
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 08:32Hätte man die Fallen da rein gestellt, wo sich die Insekten wohlfühlen, hätte man locker 10 x mehr Biomasse gefangen.
Bei diesen Fallen geht es nicht darum, möglichst viele Insekten gemessen in Biomasse zu fangen, sondern um Monitoringprogramme, weil die Änderung der Individuen- und Artenzahl über längere Zeit interessiert, um Veränderungen erkennen zu können. Deshalb kann man weder den Fallentyp noch den Aufsellungsort ändern. Man kann die Fallen auch nicht alle in Agrarflächen mit häufig wechselnder Kultur aufstellen, denn dann wäre eine Auswertung mit Datenmonitioring nur mit sehr viel grösserer Fallenzahl und Zusatzaufwand möglich, da das gefangene Artenspektrum sehr von den Kulturen abhängig ist. Das ist also nicht die Vorgehensweise des Bauern, der dort mäht, wo es Gras hat.

Bevor du also schreibst, wie man es besser machen müsste, lies mal hier, Kapitel 2:
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/monito ... g_2019.pdf
Der Satz "wo sich die Insekten wohlfühlen" zeugt ebenfalls von einer ziemlichen Unkenntnis der Biologie der Insekten. In Deutschland gibt es Nachweise von rund 33'000 Arten, und die leben an äusserst unterschiedlichen Standorten. Meintest du "wo es viele Insekten hat"? Dann hast du keine Ahnung von Monitoring.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3065

Beitrag von Manfred »

@Emil:
Soweit richtig, das Problem ist aber, dass aus genau diesen Monitoringdaten das angebliche und angeblich von der Landwirtschaft verursachte Insektensterben abgeleitet wird.
Mit etwas Ehrlichkeit von Seiten der einschlägigen NGOs und Behörden könnte man sagen:
Wir betreiben Insektenmonitoring auf Naturschutzflächen. Das Ergebnis ist wie zu erwarteten: Eine starke Ausmagerung der Flächen führt dazu, dass die Insektenbiomasse auf diesen Flächen stark abnimmt und sich das Artenspektrum hin zu Arten mit spezialisierter Anpassung an diese Extremstandorte verschiebt.
Dann hätte ich damit kein Problem.
Ein massives Problem habe ich damit, wenn man solche selbstverständlichen wie banalen Ergebnisse zu einem Insektensterben uminterpretiert mit der Argumentationskette: Wenn sogar auf den Naturschutzflächen die Insektenbiomasse derart rückläufig ist, muss es auf den sonstigen Flächen ja noch viel schlimmer sein.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3066

Beitrag von Rohana »

Dyrsian hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 08:08
Rohana hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 01:40 Die basics der deutschen Produktion, sprich die gesetzlichen Rahmenbedingungen, liegen weit höher als in den meisten Teilen der Welt. Auch wenn dir das anscheinend nicht reicht.
Das ist bestimmt richtig, nur kommt der Fraß bei Aldi überwiegend nicht aus Deutschland. Hier wachsen halt weder Tomaten noch Paprika, und auch Lammfleisch kann man in Neuseeland scheinbar billiger produzieren.
Schonmal in einem neuen Aldi gewesen? Ich hab aus Neugier mal unseren neuesten in der Nachbarschaft inspiziert. Wer will, bekommt dort alles an Frischgemüse, Fleisch, Eier, Milch, ... aus D.
Durch die Subventionen wird eine industrialisierte Landwirtschaft mit großen Flächen und starkem mechanisierungsgrad gefördert. Das weiß jeder.
Ersetze Subventionen durch Globalisierung und du kommst dem Kern der Sache näher. Subventionen hin oder her, würde man für deutsche Ware "echte" Preise zahlen müssen, würde die Masse der Bevölkerung erst recht zu billiger Auslandsware greifen - vor allem im Biobereich.
Das Insektensterben und das Nitrat im Grundwasser kommen nicht von ungefähr.
... und erst wenn der letzte wirtschaftliche Landwirtschaftsbetrieb gegangen wurde, wird man feststellen, dass das Insektensterben trotzdem nicht aufhört... :lala:
Aber es ist so eine bequeme Erklärung. Menschen sind simpel gestrickt, was willste machen.

Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 14:27 Trotzdem mache ich den beruf, weil er mir Spaß macht:
Jetzt im Herbst wenn die Saat aufgeht, der Tau an den Blattspitzen hängt und bei der Bonitur die Sonne aufgeht :rot:
Im Juni wenn sich der Weizen in der Blüte im Wind wiegt (Gerste sieht noch toller aus, aber die haben wir nicht) und man nebendran den Rüben beim Wachsen zusehen kann :rot:
Oder Im Sommer wenn alles reif ist, der Weizen knackt und man dann die Drescher losschickt und der erste Wagen Weizen in Silo prasselt.
Da vergisst man die ganzen Sorgen, steht da, grinst über beide Ohren und freut sich einfach. :)
Ich halte es wie Ölkanne... ich liebe unsere Viecher, bange und hoffe über's Jahr, freue mich am Wachsen, tanze in der Ernte und danke Gott aus vollem Herzen für alles was uns geschenkt wird, für jedes Unwetter das an uns vorbeigeht. Und hoffe dass wir noch lange durchhalten, physisch, psychisch, wirtschaftlich.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3067

Beitrag von penelope »

Mein Vorsatz für den Sonntag war eigentlich, mich hier rauszuhalten, aber wenn wir uns jetzt gegenseitig vorhalten, wer wovon keine Ahnung hat, dann muss ich doch nochmal was einwerfen ;)

Hier wird leider ganz oft der Fehler gemacht, betriebwirtschaftliche Sichtweisen auf volkswirtschaftliche Probleme zu übertragen. Das wird in ganz vielen anderen Bereichen auch gemacht und führt jedoch fast immer in Sackgassen. Eine Strategie, die für einen einzelnen Betrieb optimal ist, führt auf eine gesamte Wirtschaft übertragen sehr sicher nicht zum optimalen Ergebnis. Wenn hier mal wieder das Argument fällt " so ist eben Marktwirtschaft" denk ich mir auch jedes mal wieder, wie man denn so beharrlich mit so kurzer Sicht in die falsche Richtung gucken kann. Aber hier kommen halt Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, die sich über ein Thema unterhalten, was allen wichtig ist. Wir müssen uns hier nicht einig werden ( ist wohl eh utopisch) aber ich glaube, wir haben alle was davon, wenn wir unterschiedliche Meinungen hier auch einfach als solche nebeneinander stehen lassen, ohne in so persönliche Ebenen zu gehen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3068

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Diese Woche wurden wieder die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Auswertung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.
Sie beinhaltet die Ergebnisse "repräsentativ ausgewählter Betriebe" aus dem sogenannten Testbetriebsnetz.
Wie die Auswahl erfolgt, ist nicht transparent. Zuständig sind die obersten Landesbehörden. Das Auswahlgremium ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Erfasst werden anscheinend nur Betriebe, die von den landwirtschaftlichen Buchstellen der Bauernverbände betreut werden.
Das geht immer gleich und gehört zum Grundwissen von Statistiken: man stratifiziert nach Betriebsgruppen (um Weinbau und Alpwirtschaft beide gerecht zu erfassen) und innerhalb gleicher Gruppen wird zufällig ausgewählt. Geheim ist es deshalb, damit nicht die Betriebe nach Bekanntgabe der Berücksichtigung anders handeln oder von Kunden oder Leiferanten anders behandelt werden. Die Buchstellen bewirken, dass die Buchhaltung, hier geht es sehr wahrscheinlich um Einkommens- oder Produktgruppen, gleich berechnet, bewertet und zusammenfasst.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Im Groben kann man sagen, dass die Einkommen über die letzten 10 Jahre stagnieren, während Kosten und Schuldenstand deutlich gestiegen sind.
Das heißt unter dem Strich mehr Arbeit (mehr Fläche und Tiere je Betrieb) und mehr Fremdkapitaleinsatz für stagnierende Einkommen.
Mehr Fläche und Tiere pro Betrieb könnte aber auch bedeuten, mehr Effizienz wegen mehr Masse, denn bekanntlich suchen sich die Betriebe zu vergrössern, um überleben zu können. Das täten sie nicht, wenn sich durch die Vergrösserung nur ihr Aufwand und ihre Schulden steigerten.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Der durchschnittliche Gewinn lag bei 34.490 Euro je Vollzeit-Familienarbeitskraft.
Aus diesem Gewinn müssen die Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital, die Entlohnung der Arbeitszeit und die Sozialversicherungskosten beglichen werden.
D.h. um den Gewinn mit Arbeitnehmer-Bruttoeinkommen vergleichbar zu machen, muss man davon nach die kalkulatorischen Zinsen für das im Hof gebundene Eigenkapital und den "Arbeitgeberanteil" an den Sozialversicherungskosten abziehen.
Entscheide dich bitte, ob du als Angestellter oder als selbständig erwerbender Unternehmer abrechnest. Als Unternehmer auf eigenes Risiko musst du deine Eigenkapitalrendite und überhaupt dein Einkommen selbst erwirtschaften. Wenn du einen fikiven Arbeitslohn abziehst, bleibt logischerweise nichts mehr übrig.
Wenn die Nachfrage nach Landwirtschaftsland steigt, steigen die Bodenpreise, also dein fiktves Eigenkapital und du verdienst immer weniger, obwohl sich für dich gar nichts ändert.
Die Rechnung hilft zu entscheiden, ob jemand einen Landwirtschaftsbetrieb anfangen oder etwas anderes machen soll. Soll ich 500'000 Kapital investieren, damit ich dann für meine Arbeit pro Jahr 34'490 Euro bekomme, oder soll ich für 10 Euro netto in die Fabrik und dort machen was man mir sagt?
Nun, 34'490 Euro sind 2'870 Euro brutto pro Monat, das ist schon mal nicht so schlecht, wenn man es mit deutschen Löhnen in Industrie und Gewerbe vergleicht. Oder eben, du kriegst irgendwas um 2000 netto für einen interessanten Job, falls du jemanden findest, der dich anstellt, du verkaufst den Hof, und legst den Erlös an der Börse an (wo es dann auch mal weg sein könnte, wenn du die falschen Aktien erwischst).
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Teilt man den Rest durch die auf landwirtschaftlichen Betrieben üblichen Arbeitszeiten, liegt man weit unter dem Mindestlohn.
Das ist zweifellos so, aber nicht nur in der Landwirtschaft. Welcher Handwerker käme, wenn er sein im Betrieb gebundenes Eigenkapital zu 6.5% verzinsen müsste, nachher noch auf den Mindestlohn ...
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Ein Reichenbeispiel:
Betrieb mit 1,5 Familien AK und 51.087 Euro Gewinn.
Eigenkapital:
30 ha Eigenland mit 300 Euro / ja (Zinsanspruch bzw. mögl. Pachterlös bei Verpachtung) -> 9.000 Euro Pacht für Eigenland
500.000 Euro Kapital in Gebäuden, Maschinen und Ausrüstung, Tieren, Vorräten -> bei 6,5% durchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung (durchschnittliche Aktienanlage) -> 32.500 Euro kalkulatorischer Eigenkaptialzins
Bleiben 9.587 Euro für ein Jahr Arbeitslohn für 1,5 Familien AK inkl. der Sozialversicherungskosten.
Zieht man davon nochmal 1/4 "Arbeitgeberanteil" ab und teilt den Rest durch angenommene 50 Arbeitsstunden je AK und Woche, bleiben stolze 2,30 Euro "Bruttolohn" je geleisteter Arbeitsstunde.
... und wenn du Aktien mit einer Rendite von 10% gekauft hättest hättest du durch deine Arbeit sogar noch Geld verloren.

Falls du mehr als 1/4 deiner produktiven Zeit damit verwendest, dir selber Aufräge zu geben, kommt ebenfalls was anderes heraus. Wie schon gesagt kannst du nicht einen Arbeitgeberanteil abziehen oder/und dich selber anstellen und diese fiktiven Opportunitätskosten (Was kriegte ich wenn ich den gleichen Job für wen anders machen müsste, der mich dafür bezahlt) abziehen, wenn du selbständig erwirbst. Warum das nicht zulässig ist, ergibt sich aus obiger Rechnung.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Evtl. fühlt sich Emil dann nicht mehr ganz so schlecht bezahlt...
Tue ich auch nicht, habe ich das, und falls ja, wann und wo?
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Der durchschnittliche bayerische Haupterwerbslandwirt lebt praktisch von den Zinsen seines Eigenkapitals und betreibt die landwirtschaftliche Arbeit mehr oder minder als Hobby.
Nach dieser Rechnung schon, denn du verzinsest dein Eigenkapital durch die Früchte deiner Arbeit. Das macht aber jeder Unternehmer, der von einem Gewerbe lebt, das um es betreiben zu können Investitionen erfordert.
Du kannst den Hof verkaufen und das Geld anlegen, dann hast du die Eigenkapitalrendite als Dividende oder Kursgewinn und kannst mit deiner Zeit was anderes machen (z.B. Golf spielen und ausrechnen, was dich eine Stunde Golf kostet, wegen entgangenem Gewinn dank unterlassenem Geldverdienen und entgangener Rendite des in der Ausrüstung gebundenen Kapitals). Du kannst aber nicht das Kapital gleichzeitig im Betrieb gebunden haben und erwarten, dass es sich von selber einfach so auch noch verzinst.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3069

Beitrag von emil17 »

penelope hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 10:20 Hier wird leider ganz oft der Fehler gemacht, betriebwirtschaftliche Sichtweisen auf volkswirtschaftliche Probleme zu übertragen. Das wird in ganz vielen anderen Bereichen auch gemacht und führt jedoch fast immer in Sackgassen.
danke
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3070

Beitrag von Manfred »

Umgekehrt funktioniert dass halt ebensowenig.
Auflösen lässt sich das nur mit einer ganzheitlichen Herangehensweise.
Aber diese ist auf Bundesebene politisch bisher nicht absehbar.
Also kann der Einzelbetrieb nur innerhalb der chaotischen Gesetzgebung navigieren oder aufhören.

Mit Milchmädchenrechnungen nach Emil mag man sich fehlende Wirtschaftlichkeit schönmalen können,
aber langfristig hat man dann halt keinen Betrieb mehr, weder als Handwerker noch als Bauer.
Als Unternehmer dagegen braucht man Klarheit, wo die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Betrieb liegen, damit man sie beheben kann, um konkurrenzfähig zu bleiben oder wieder zu werden.
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