Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2981

Beitrag von Rohana »

Beim BSE-Skandal hat die für betreffende Industrie effizienteste Wirtschaftsweise zu dramatischen Schäden in der Gesundheit der Bevölkerung geführt.
Die Verfütterung von Tiermehl an und für sich ist nicht problematisch, im Gegenteil, unsere zwangsveganisierten Hühner hätten sowas dringend nötig...
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penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2982

Beitrag von penelope »

Wir haben ja ein paar mal per pn geschrieben und ich glaub, du meinst das nicht so. Aber du findest vor dem Hintergrund der Todesfälle durch Creutzfeld-Jacob Tiermehlfütterung nicht grundsätzlich problematisch? Das wiederum würde ich auf menschlicher Ebene grundsätzlich sehr problematisch finden.

Wenn die elendig gestorbenen Menschen noch kein Mitleid erwecken dann vielleicht die vielen Landwirte, die in der BSE-Krise ihre Existenz verloren haben?

Das Verbot der Tiermehlfütterung war einfach absolut notwendig, um BSE einzudämmen. Und es hat ja auch funktioniert - so gut vermutlich, dass jüngere Menschen wie du diese schreklichen Bilder heute gar nicht mehr vor Augen haben.

Ob nun, wo gerade mal ein Jahr kein BSE-Fall mehr in der EU mehr aufgetreten ist, der richtige Zeitpunkt ist, um das Verbot bereits wieder zu lockern, wie gerade diskutiert wird, finde ich mehr als fraglich.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2983

Beitrag von Rohana »

penelope hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 12:48 Wir haben ja ein paar mal per pn geschrieben und ich glaub, du meinst das nicht so. Aber du findest vor dem Hintergrund der Todesfälle durch Creutzfeld-Jacob Tiermehlfütterung nicht grundsätzlich problematisch? Das wiederum würde ich auf menschlicher Ebene grundsätzlich sehr problematisch finden.
Ich sag nicht dass die BSE-Krise unproblematisch wäre. Tiermehl an Wiederkäuer zu verfüttern war aber doch das eigentliche Problem bzw. Auslöser der Seuche, nicht bei Allesfressern wie Schwein oder Huhn. So zumindest habe ich das verstanden.
Und Fleisch an Pflanzenfresser zu geben - sorry, da sträubt sich mir alles, genauso wie bei der Zwangsveganisierung von Allesfressern.
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penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2984

Beitrag von penelope »

Der BSE-Erreger ging ja auf einen Allesfresser über: den Menschen.

0,1 g verseuchtes Tiermehl reichen für eine BSE Infektion aus. Verunreinigungen in dieser geringen Menge lassen sich bei gängiger Infrastruktur in Futtermittelfabriken, beim Landhandel etc. nicht zuverlässig zu vermeiden. Daher gab es ja auch ein generelles Verbot.

Wie sich ein Erreger verhält, ist nie genau vorherzusagen. Der BSE-Erreger ging von Schafen nicht auf Menschen über, aber auf Rinder. Von Rindern wiederum konnte er auf den Menschen gehen. Warum weiß bis heute niemand so genau. Die ganze Welt wird aktuell von Corona beherrscht, was mit größter Wahrscheinlichkeit von einer Fledermaus auf den Menschen überging. Es gibt immer wieder aufflammende Herde von Schweine- wie auch Geflügelpest. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass es da niemals ein Übersprungen auf den anderern Orgnaismus geben wird. Vor allem nicht, wenn wie geplant Hühner mit Schweinemehl gefüttert werden und dann wiederum die Schweine Hühnermehl von Hühner, die mit Schweinemehl gefüttert wurden...

Ich würde eher formulieren: der Einsatz von Tiermehl ist grundsätzlich bedenklich, evtl. ist unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen in wenigen definierten Fällen nach jetzigem Stand der Forschung das Risiko bedingt vertretbar.
sybille
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2985

Beitrag von sybille »

Manfred hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 21:15
sybille hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 17:51 Mein Biomilchbauer nimmt 60 Cent/Liter ab Tank. Nur gekühlt, nicht pasteurisiert. Und er hat viele Milchkunden. Die einen kommen nur für die Milch, die anderen kaufen die Milch 10 l weise da sie Käse machen den sie aus der pasteurisierten Milch nicht machen können. Die frische gekühlte Milch hält sich im Kühlschrank mind. eine Woche. Ein Umdenken der Landwirtschaft und auch des Verbrauchers wäre sinnvoll. Unterstütze ich lieber den Landwirt selber oder die, die seine Produkte vermarkten?
Hm. Das sollte man evtl. nicht öffentlich schreiben. Das hört sich nach einem Geschäft unter der Hand und vorbei an den Behörden an.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass er legal zu diesem Preis Vorzugsmilch vermarkten kann.

Wenn es nach mir ginge, würden die gesamte Direktvermarktung und das kleine Lebensmittelhandwerk von allen lebensmittelrechtlichen Vorschriften freigestellt.
Ein Schild an die Tür, dass dieser Betrieb nicht staatlich kontrolliert wird und man auf eigenes Risiko dort einkauft. Dann je jeder selbst entscheiden, ob er dort kauft oder nicht.
Und wer es als Verkäufer als Vorteil ansieht, könnte sich nach belieben freiwillig prüfen und zertifizieren lassen.
Wer dort nicht kaufen will, geht halt wie bisher in den Supermarkt und kauft die komplett kontrollierte und zertifizierte Industrieware.

Dann könnte jeder Bauer günstig Milch am Tank verkaufen und der kleine Dorfmetzger und -Bäcker hätten wieder eine reale Chance und deutlich mehr Lebensfreude durch viel weniger Bürokratie.

Es passiert aber das Gegenteil. Jedes Jahr kommen neue Vorschriften dazu, die die kleinen Betriebe systematisch wirtschaftlich erdrücken und zudem den Betroffenen die Freude an der Arbeit und damit die Lebensqualität rauben.
Manfred, er hat sich abgesichert. Wer setzt schon solch einen gut laufenden Hof aufs Spiel?

Wenn es nach mir ginge würde ich das mit der Direktvermarktung und dem kleinen Lebensmittelhandwerk auch so handhaben. Es ist mein eigenes Risiko, wenn es denn ein Risiko ist, wenn ich aus Direktvermarktung kaufe.
Vielleicht sollte ich das jetzt auch nicht schreiben aber hier werden auch gemischte Rindfleischpakete 10 kg weise (geschlachtet in einer Metzgerei vor Ort und durch einen Metzger zerteilt) ab Hof an Privat verkauft. Das ist alles legal, braucht keine Lieferkette und für den Landwirt und den Verbraucher ein Gewinn. Der Landwirt bekommt mehr und ich weiß wo mein Fleisch herkommt.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2986

Beitrag von Rohana »

penelope hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 14:51 Wie sich ein Erreger verhält, ist nie genau vorherzusagen.
Eben deshalb gibt es keine 100% Sicherheit. Und: Woher nehmen wir den Anspruch darauf? Dass nicht-wiederkäuergerechtes Futter problematisch sein könnte, ist nun nicht SO kompliziert zu erkennen, wenn vielleicht auch nicht von vornherein mit den Folgen. Für einen Lebensmittelskandal mit Todesfolge ist EHEC an falscher Stelle aber auch genug!
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Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2987

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 08:52 Ich hab doch schon mehrmals geschrieben, dass ich eine Obergrenze für Flächenprämien und dafür eine stärkere Förderung von Umweltleitungen sinnvoll finden würde.
Und was genau ist der Vorteil daran, wenn Betriebe juristisch Geteilt werden, um die Flächenprämien weiter erhalten zu können?
Das verursacht nur Mehrkosten.
Das sehen wir ja seit Jahren im Schweinebereich, wo ein Inhaber oft mehrere Betriebe hat, um die nötigen Bedingungen für die steuerliche Optimierung und Viehbesatzdichten je ha zu erreichen.
Daran verdienen nur Steuerberater und Anwälte, was weiteres Geld der Landwirtschaft entzieht.
Und bei den sogenannten Umweltleistungen wird oft das genaue Gegenteil des Sinnvollen gefördert, weil nicht der Stand der Wissenschaft, sondern von Ideologien und finanziellen Interessen geprägte politische Entscheidungsprozesse die Programme festlegen.
Das Meiste, was heute im Naturschutz gefördert wird, könnte man mit gleichem Recht Antinaturschutz nennen.
Vieles davon habe ich lange Zeit selbst geglaubt, weil man es halt so lernt als junger Mensch. Aber je mehr ich dazu lerne, desto schmerzhafter wird die Erkenntnis, was in dem Bereich alles falsch läuft.
Die Steuerzahler würden sich die Haare raufen, wenn sie wüssten, wohin all die Naturschutzmilliarden versickern.
Die wichtigste Gegenmaßnahme wäre hier Transparenz. Jeder Cent den sogenannte gemeinnützige Organisationen und Stiftungen und die öffentlichen Haushalte in diesem Bereich ausgeben, müsste offengelegt werden. Das gäbe einen gewaltigen Aufschrei...
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2988

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 08:52 Durch die schlechten Bedingungen, unter denen die Leiharbeiter bei Tönnies untergebracht waren, konnten dort Corona-Cluster entstehen, die dann natürlich auch die restliche Bevölkerung gefährdet haben.
Weißt du denn, ob auch nur ein einziger Werksvertragler bei Tönnies ernsthaft erkrankt ist?
Und wie schon geschrieben: Seit die Mitarbeiter dort den neuen Segnungen des deutschen Arbeitsrechts unterliegen, sind viele weggegangen. Tönnies hat seither massive Probleme die vorher begehrten Arbeitsplätze zu besetzen, weil die Leute lieber in andere Brachen wechseln, wo sie weiter in Werksverträgen arbeiten können.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2989

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 00:41 Wir ergehen uns aber wieder in Nischenbetrachtungen, die keine Lösungen für den Gesamtsektor liefern.
Als Einzeltäter und (für deutsche Verhältnisse) Kleinbauer musst du in Nischen Unterschlupf suchen. Du musst keine Lösungen für den Gesamtsektor erfinden - das ist nicht möglich, denn wenn es von unten kommt sind Pfründe der Grossen in Gefahr und wenns von oben kommt, sind wir da wo wir jetzt sind.
Ebenfalls eine Grundregel der Marktwirtschaft ist, dass man sich als Produzent niemals von nur einem Kunden abhängig machen darf, denn sonst diktiert der irgendwann gnadenlos die Preise. Um als Kleinerzeuger die Skalierungseffekte mitzunehmen, die Grossbetriebe haben, wenn sie nur ein Produkt erzeugen können, sind Genossenschaften eine gute Lösung.


Noch was zum Thema Gesamtlösung für den Sektor: Gut, ich lebe nicht davon, aber wir heizen ausschliesslich mit Thermo-Solaranlage und mit Stückholz. Davon wurde uns von Experten abgeraten, weil das unbequem sei - man muss jedesmal ein Feuer machen, wenn man heizen will, das ist nicht mehr zeitgemäss.
Aber: Ich habe in den letzten 20 Jahren noch nie Holz kaufen müssen und noch nie eine kalte Hütte gehabt, ausser wenn ich es so wollte. Für die gesamte Schweiz ist Stückholz sicher keine Lösung, aber für mich - und nur darauf kommt es an.
Mit Stückholz heizen ist wohl genau so wenig zeitgemäss wie Kühe, die sich ihr Futter auf der Weide selber suchen müssen
Rohana hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 00:30 Leistungseinbussen durch deutlich subtoptimale Fütterung
Fragt sich, wie man Leistung definiert: Wenn eine Kuh ein Verfahren ist, um aus Gras Milch zu machen, dann lohnt sich reine Stallfütterung, weil mehr Milch pro Aufwand rumkommt. Wenn aber die natürliche Lebensweise suboptimal ist - und ich bin als Biologe, aber Landwirtschaftslaie der naiven Ansicht, dass das bei Rindviechern Weidegang ist - dann habe ich Mühe mit der ebenfalls oft gehörten Aussage seitens der Landwirtschaft, das Tierwohl stehe an oberster Stelle. Nein, ich bin nicht bei Pegida, aber sowas ist doch Wasser auf denen ihre Mühle.

Ach ja, noch was: Ich bin auch der Meinung, das BSE-Problem kam daher, dass man Tiermehl an Pflanzenfresser verfüttert hat. Das machte man vermutlich, weil die ja, ich habe es eben gelernt, mit ihrer natürlichen Nahrung Leistungseinbussen haben. Nur, wer hat sich das ausgedacht?
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2990

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 12:48 Das Verbot der Tiermehlfütterung war einfach absolut notwendig, um BSE einzudämmen.
Nein. Dazu hätte es gereicht, wenn die Tiermehlwerke in Großbritannien wieder wie im Rest von Europa zu höheren Prozesstemperaturen und Drücken zurückgekehrt wären, so dass die betreffenden Eiweiße sicher denaturiert würden.
Machen sie ja heute auch. Und auf EU-Ebene laufen immer wieder Anträge, die Tiermehlfütterung wieder im größeren Umfang zuzulassen.

Ob man Tiermehl an Wiederkäuer verfüttern sollte, kann man natürlich diskutieren.
Eine Kuh lebt überwiegend von den Abbauprodukten der Mikroben in ihren Verdauungsorganen.
Was die Mikroben fressen um diese Produkte zu erzeugen, ist der Kuh in erster Näherung egal.
Aber wie Rohana schreibt: Es gibt ja ausreichend Schweine und Geflügel, mit man damit füttern könnte.
Aus ethischer Sicht wäre mir wichtig, dass ein hochwertiges Futtermittel wie Tiermehl so eingesetzt wird, dass draus wieder Nahrungsmittel entstehen. Noch effizienter wäre es natürlich, das Tiermehl direkt für die menschliche Ernährung einzusetzen. Dagegen steht wohl hauptsächlich der Ekel viele Menschen vor diesem Produkt. Die Lebensmittelindustrie würde es schon einzusetzen wissen, wenn sie dürfte.
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