Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2761

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Kann schon sein...

Im letzten Satz liegt eigentlich der Hund begraben: "Die Verbände verlangen daher, Programme zu entwickeln, damit „Landwirte für die von ihnen erbrachten Umweltleistungen vom Markt entlohnt werden können.“ "

Der Markt entlohnt niemanden für Umweltleistungen. Der Markt bezahlt Produkte - oder auch nicht. Kein Produkt, keine Bezahlung.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2762

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Es müsste wohl heissen, Umweltleistungen der Landwirte sollen von der Gesellschaft, die davon ihren Nutzen hat, bezahlt werden. Ein Landschaftsgärtner wird ja auch dafür bezahlt, dass er eine bewachsene Oberfläche bewusst gestaltet und instand hält. Folglich sind auch Umweltleistungen zugunsten der Allgemeinheit Produkte. Das wird von der Mehrheit der Bevölkerung auch so akzeptiert.
Das Problem hierbei ist, dass kein Gewerbe produzieren darf wie es will, ohne auf Umweltbelange Rücksicht zu nehmen. Wer billiger produziert, weil er die Umwelt über Gebühr belastet, wälzt einen Teil seiner Gestehungskosten auf die Gesellschaft ab, wird also indirekt subventioniert.
Sich dafür bezahlen zu lassen, dass man auf eine Verschmutzung verzichtet, wäre folglich eine Lästigkeitsprämie und die darf es schon wegen dem Gleichbehandlungsprinzip nicht geben. Deswegen muss eine Subvention an eine erkennbare Leistung im positiven Sinne und nicht bloss an einen Verzicht gebunden sein.
Was eine Verschmutzung ist und was nicht, kann nur von unabhängiger Seite entschieden werden. Weder ein asthmakranker Anwohner einer stark befahrenen Strasse noch ein Autofabrikdirektor können sachlich beurteilen, wieviele Abgase zumutbar sind.
Wenn man den Naturschutzfachstellen diese Kompetenz abspricht, tut man das Gleiche wie wenn man den Richtern vorwirft, sie seien an möglichst strengen und absurden Gesetzen interssiert, weil sie diesen ihre Existenz verdanken. Sowohl Naturschutzverbände wie auch Bauernvertreter sollen angemessen gehört werden. Entscheiden soll aber derjenige, der die Geschichte bezahlt, nicht der, welcher das Geld bekommt.

Dann ist da noch die Tatsache, dass Landwirtwschaft auf Subventionen angewiesen ist und der Subventionszahler schon mitreden darf, was er für sein Geld kriegen möchte. Da Landwirtschaft an sich schon eine biodiversitätsfördernde Tätigkeit ist (oder wenigstens sein sollte), rechtfertigt das einen Teil dieses Geldes. Nur müsste dann jedes Gewerbe, das im weitesten Sinne nützlich ist, schon deswegen subventioniert werden, wiederum aus Gründen der Gleichbehandlung. Ich wüsste jetzt aber nicht, dass jeder Schuhmacher und jeder Malermeister, bloss weil er Schuhe macht oder Wände anstreicht, dafür vom Staat extra Geld bekommt.

Ich sehe Probleme nicht in der generellen Orientierung der Landwirtschaft an mehr Umweltverträglichkeit, wozu nun mal Verzicht auf Überdüngung gehört. Es wird dann schwierig werden, wenn von Dänemark bis Griechenland die gleichen Vorschriften gelten sollen. Und da hat die EU einiges an Nachholbedarf.

Die Pandemie stärkt die Position der Landwirte, weil sie den Wert lokaler Produktion in Zeiten eingeschränkter Mobilität beweist. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die man ausnutzen sollte. Eine biodiversitätsfördernde Produktionsweise könnte die ideale Werbung dafür sein und die direkten Ertragsausfälle im Vergleich mit der bisherigen, schon aus Sicht der Gewässerbelastung untragbaren Produktionsweise überkompensieren. Nur lassen sich die Leute nicht mehr so einfach hinters Licht führen. Biodiversität riecht und hört und sieht man draussen, nicht auf Hochglanzpapier und nicht an Traktorendemos.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2763

Ungelesener Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 15:34 Die Pandemie stärkt die Position der Landwirte, weil sie den Wert lokaler Produktion in Zeiten eingeschränkter Mobilität beweist. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die man ausnutzen sollte.
Nur leider merken die Landwirte davon wenig. Ich hab zumindest noch niemanden gesehen der jetzt auf einmal mehr zahlen will für das selbe Produkt, nur Märkte die einbrechen weil die Handelsströme gestört sind...
Eine biodiversitätsfördernde Produktionsweise könnte die ideale Werbung dafür sein und die direkten Ertragsausfälle im Vergleich mit der bisherigen, schon aus Sicht der Gewässerbelastung untragbaren Produktionsweise überkompensieren.
Könnte. Ich meine, da ist immer die Frage wie man denn "biodiversitätsfördernde Produktionsweise" versteht... nur mal als Beispiel: Wir haben die Tage mal diskutiert ob und wo man bissl Kulap mitmachen könnte... tja. Wir bräuchten entweder doppelte Fläche oder wir müssen die Kühe halbieren für solche Spielereien. Hab noch nicht gerechnet aber ich wette dass der Gewinnausfall bei weitem nicht kompensiert wird.
Aber hey, spätestens dann wenn die Bevölkerung Hunger hat, wird Blümchenwiese wieder ein Luxusprodukt. :lala:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2764

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 18:22 [Ich hab zumindest noch niemanden gesehen der jetzt auf einmal mehr zahlen will für das selbe Produkt, nur Märkte die einbrechen weil die Handelsströme gestört sind ...
Für das selbe Produkt wird niemand mehr zahlen wollen, aber für ein besseres Produkt schon.
Iim Markt mit Angebotsüberhang und entsprechend tiefen Preisen sitzt derjenige der kauft am längeren Hebel.
Die Produktionsweise ist eine wichtige Produkteigenschaft, das haben einige schon verstanden.

Dieses Jahr wird der Auslandtourismus viel schwächer sein als sonst, folglich werden viele Deutsche aus purer Verzweiflung im eigenen Land unterwegs sein müssen und dadurch entdecken, dass schöne Ecken nicht nur nach ein paar Stunden Flieger erreichbar sind.
Da sollten sich die Bauern mit ihren Betrieben gut positionieren und auch den Verkauf ab Hof bedenken. Eine strukturreiche Landschaft könnte sich da viel besser auswirken als eine, die bloss maschinengängig und hoch produktiv ist.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2765

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Die Landschaft samt ihrer Struktur lässt sich nicht mal eben so ändern, wenn überhaupt, und für den schönen Anblick zahlt niemand den, der's ermöglicht. Was willst du direkt vermarkten, wenn du nicht grade Milch, Eier oder Gemüse hast? Weizen? Raps? Biogas? Oder ein Rind to go? ;) Lieber Emil, das sagt sich alles so easy... und die leeren Regale lassen drauf schliessen dass es keineswegs immer einen Angebotsüberhang gibt.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2766

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23 Die Landschaft samt ihrer Struktur lässt sich nicht mal eben so ändern, wenn überhaupt, und für den schönen Anblick zahlt niemand den, der's ermöglicht.
Doch, über Landwirtschaftssubventionen. Nur sollte man dann, wenn man als Steuerzahler sich die Sache anschaut, auch etwas davon sehen können. Diesen Sommer werdet ihr mehr von den Nettozahlern als Gelegenheitswanderer und mögliche Hofkunden haben, wenn Ihr das wollt. Also gebt Euch Mühe, dass die merken, dass ihr Geld gut angelegt war. Eine feine Brotzeit mit Sachen ab Hof in freundlicher Umgebung bewirkt mehr als zehn Artikel vom Bauer Willi. Die meisten Leute interssieren sich nicht besonders für innerbetriebliche Schwierigkeiten der Geschäftsführung eines Hofes.
Aber so feine Hofprodukte, die gehen direkt in den Bauch. Wenn es dort, wo man sie bekommt, nach frischen Heu oder Lindenblüten riecht, ist das besser, als wenn es nach Schweinegülle oder Kunstdünger duftet.
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23Was willst du direkt vermarkten, wenn du nicht grade Milch, Eier oder Gemüse hast? Weizen? Raps? Biogas? Oder ein Rind to go? ;) Lieber Emil, das sagt sich alles so easy... und die leeren Regale lassen drauf schliessen dass es keineswegs immer einen Angebotsüberhang gibt.
Rinder to go, in vernünftige Portionen abgepackt, verkaufen sich hier ganz gut. Nur steht Bio-Weidefleisch der Lokalrasse, im Sommer auf der Alm gewesen, mit dem Namen des Tierhalters auf der Verpackung und nicht bloss "tote Kuh, EU-konform, Kilo nur 7.99" Die Weiden und Hecken, wo die Tiere sind, die es noch nicht in die Verpackung geschafft haben, die kann man sich angucken.
Spanplatten und Shampoo kauf ich nicht, weil mir die Fabrik gefällt. Bei Landwirten kann das hingegen funktionieren.

Als Unternehmer muss man sich halt in die möglichen Kunden versetzen, Dinge angenehm präsentieren und in manchen Sachen in Vorleistung gehen. Wenn die Leute Eier, Milch und frisches Obst wollen, dann machste eben Eier, Milch und frisches Obst. Wenn du nur Weizen hast, stellst wenigstens eine Mühle und vielleicht noch eine Flockenpresse hin und verkaufst das Zeug frisch gemahlen kiloweise.
Einfach sagen, die Kunden wollen nicht, was ich habe, also müssen mehr Subventionen her und lästige Vorschriften weg, damit ich billiger noch mehr produzieren kann von dem was ich habe und was ich kann, was die Kunden aber nicht wollen, das funktioniert so in keiner Branche, ausser bei der Armee.
Das ist so wie beim Restaurant: Die Speisekarte muss den Kunden gefallen. Sonst klappt das nicht.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2767

Ungelesener Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:51
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23 Die Landschaft samt ihrer Struktur lässt sich nicht mal eben so ändern, wenn überhaupt, und für den schönen Anblick zahlt niemand den, der's ermöglicht.
Doch, über Landwirtschaftssubventionen.
Äh? Meinst du wirklich dass sich Feldstücke ändern "weil Subventionen"? Oder Landschaftselemente? Das ist nämlich was ich mit "Struktur" meine. Wir haben kleine Felder mit viel Hecken und Waldstücken dabei, im Osten ist das halt nicht so, im Allgäu auch nicht. Subventionen hin oder her.
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23Was willst du direkt vermarkten, wenn du nicht grade Milch, Eier oder Gemüse hast? Weizen? Raps? Biogas? Oder ein Rind to go? ;) Lieber Emil, das sagt sich alles so easy... und die leeren Regale lassen drauf schliessen dass es keineswegs immer einen Angebotsüberhang gibt.
Rinder to go, in vernünftige Portionen abgepackt, verkaufen sich hier ganz gut.
Merkste was? Von Rind, was noch geht, bis portioniert abgepackt ist n gewisser Prozess den man nicht mal eben am Hof (!) aus dem Hut zaubern kann. Was da aufm Etikett steht kann man schnell ändern.
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Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2768

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Emil, man kann nichts direkt-vermarkten wenn auf dem Acker nichts vernünftig wächst weil man es nur unter dem Bedarf düngen darf...
Deswegen muss eine Subvention an eine erkennbare Leistung im positiven Sinne und nicht bloss an einen Verzicht gebunden sein.
Der "bloße Verzicht" mündet in sinkenden Erträgen mit schlechten Qualitäten aber mit hohen Unsicherheiten.
Das ist ein Unternehmer das noch antun soll ist keine "erkennbare Leistung" in deinem Sinne?

Emil, dann habe ich mal eine Frage was mein Brötchengeber deiner Meinung konkret tun sollte um zu überleben wenn all die Gedanken der EU umgesetzt werden:
Wir bewirtschaften 3.800ha, durchschnittliche Schlaggröße 87ha, im Schnitt 82 Bodenpunkte (67-95).
Es regnet ca 550mm pro Jahr.
Es werden etwa 1.200ha Körnermais, 1.200ha Winterweizen, davon 700ha Saatgutvermehrung, 700ha Winterraps, davon 70ha Saatgutvermehrung angebaut.
Außerdem 400ha Zuckerrüben 200ha Hafer und 100ha "Sonstiges".

Wenn die EU das Umsetzt was im dem Bericht steht können wir den Betrieb schließen.
Im Brotweizen bekommt man keine Backqualität mehr hin, im Saatweizen kann man Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Co nicht mehr ausreichend kontrollieren.
Der Winterraps verhungert schon im Herbst, wenn er nicht von den Erdflöhen aufgefressen wird. Im Frühjahr bekommt man all die anderen Schadinsekten nicht mehr vom Acker,
also ist diese Kultur tot.
Die Zuckerrüben werden dieses Jahr flächendeckend von Rübenerdflöhen und Blattläusen massakriert, zudem fällt 2021 ein Großteil der Blattaktiven mittel weg.
also ist auch diese Kultur tot.
Von immer schlechter werdenden Hafererträgen kann man auch nicht leben.

Was würdest du hier tun, so wie es jetzt ist kommen wir über die Runden. Die Trockenheit lässt einen keine weiten sprünge machen, ganz pleite sind wir aber auch noch nicht.
Noch nicht.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2769

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Zudem wollen wir nicht noch mehr Geld vom Staat.

Sondern sinvolle, klare und nachvollziehbare Regelungen die auf Dauer bestand haben.
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Reto94
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2770

Ungelesener Beitrag von Reto94 »

Vielleicht müsste man sich als Bauer gedanken darüber machen, was man im Bereich der Fruchtfolge, Gründüngung und Tierhaltung/Weidemanangement besser machen kann.
Man kriegt auch Nährstoffe in den Boden ohne zugekauften Dünger! Dauert ein wenig länger, aber ist langfristiger.

Monokulturen mit über 80ha pro Schlag können halt ohne Chemische Mittel nicht wirklich funktionieren...
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