Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2501

Beitrag von Rohana »

woidler hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 00:11 @ Rohana:

ich hab mich auf das erwähnte Gerücht, bezogen, daß die Landwirte ihre Tiere mit Antibiotika vollpumpen.
Da war nicht nur von Rindern die Rede ! Also ist es wohl keine Themaverfehlung, wenn man auch auf Einrichtungen in der Geflügelhaltung hinweist.

woidler
Öhm... ja und? Eine "Einrichtung zur Verabreichung von Medikamenten" heisst ja noch lange nix, oder bist du gleich schon "mit Antibiotika vollgepumpt" wenn du einen Zugang gelegt bekommst ;) Wie schon im Thread erwähnt: Bei Geflügel muss man ggf. den ganzen Bestand behandeln, das geht oft am besten über's Trinkwasser. Bei Grossvieh wird das Einzeltier behandelt. Definiere "vollgepumpt"? Hühner brauchen z.B. stoffwechselbedingt höhere Dosierungen bestimmter Medikamente als eine Kuh. Da kann der Landwirt auch nix dafür, kann man ihm aber schnell einen Strick draus drehen.
Emil hat geschrieben:Die Dosis nach kg LM bezieht sich auf ein einzelnes Medikament und ist für jedes verschieden, weil die Wirkstoffe unterschiedlich wirksam und unterschiedlich toxisch sind. Deshalb ist eine simple Addition aller Mengen wenig aussagekräftig, und deshalb sagt eine Abnahme der Gesamtmenge über die Jahre nicht besonders viel aus.
Da die Medikamente bzw. Wirkstoffe sich über die Jahre nicht SO grundlegend geändert haben, ist der Vergleich von Verbrauch kg/LM über die Jahre durchaus aussagekräftig, meinst du nicht auch? Natürlich wäre das noch präziser, würde man es über Wirkstoff und Tierart aufschlüsseln. Die Daten gibts bestimmt irgendwo - und sie werden tendenziell das selbe zeigen.

Wenn es um den verhältnismässig hohen Aufwand an Antibiotika geht, könnte man Einsparungen am ehesten bei Haustieren und beim Menschen vornehmen, denn wie Emil schon richtig sagte, da geht sind Kosten und Mühen ziemlich egal, also wird alles gemacht was irgendwie geht, (not)geschlachtet und eingeschläfert wird auch nicht (also zumindest beim Mensch). Manchmal beschleicht mich der Verdacht dass es einfach der leichtere Weg ist, mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen als echte Veränderungen anzuregen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2502

Beitrag von hobbygaertnerin »

Macht es überhaupt Sinn hier zu schreiben,
wer Kühe hält und eine Mastitis oder sonstige Krankheit vom Tierarzt behandeln lässt- muss ein Medikamentenbuch führen, der Abgabeleg des Tierarztes mit der genauen Dosierung und Wartezeit muss aufbewahrt werden und wird auch kontrolliert. Im Milchsammelwagen ist ein Schnelltester, der sofort Alarm schlägt, wenn Milch mit Hemmstoff (AB) eingesaugt wird und das würde ein sehr teurer und nachdrücklicher Posten für den Landwirt. Bevor Milch einer behandelten Kuh wieder in den Verkehr gebracht werden kann- geht eine Porbe an das Labor der Molkerei und erst nach dem OK kann sie wieder geliefert werden. Beim Fleisch ist es genauso und niemand tut sich das an, dass er hier was in Verkehr bringt, was nicht in Ordnung ist.
Dass auch Bauern so was wie eine Ehre im Leib haben, scheint hier vielen Schrieber/innen vollkommen entfallen zu sein.
Und auch bei Hähnchen gibt es sehr genaue Dokumentation und der Tierarzt ist hier sehr genau- wenn eine Krankheit auftritt muss das sofort an das Veterinäramt gemeldet werden und die kommen da auch sofort.
Aber wenn man hier so liest- bin ich froh, dass wir keine Kühe mehr haben, ich habe diese Arbeit mit den Rindern geliebt, der Blick eines neugeborenes Kalbes, das zufriedene Muhen der Kuh nach der Geburt, wenn sie das Kalb dann gründlich trockengeschleckt hat, wenn das Kalb bei der Mutter trank, der selbstbewusste Blick des Kalbes mit der Sicherheit der Mama in der Nähe- aber auch der Schmerz der Trennung, weil wir die Kühe zur Milchgewinnung hielten.
Und immer auch der bittere Schmerz in der Magengegnd, wenn eine Kuh zum Schlachten verkauft wurde, wenn sie vertrauensvoll hinter mir auf den Viehwagen ging- ich fühlte mich da oft wie ein Verräter.
Aber beim Lesen der meisten Postings hier- bin ich froh, dass ich nicht mehr damit hadern muss
dass ich dankbar und zufrieden in einem Umfeld leben kann, wo es noch ein paar solcher Idealisten gibt, die noch Kühe, Milch, Käse und Fleisch zu verkaufen haben- und auch die Leute, und das sind bestimmt nicht wenige, die in den vielen Discountern einkaufen- können eigentlich auch zufrieden sein- es gibt immer alles- und das auch noch superpreiswert.
Vielleicht macht auch die Haltung etwas- ob ich es wie hier mal geschrieben als Dreck bezeichne oder als Essen.
Ich wünsche allen, dass es nie einen Mangel gibt, dass niemand Hunger leiden muss.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2503

Beitrag von Teetrinkerin »

Die Menge an Antibiotika, die Haustieren verabreicht wird, wird sicherlich nicht so extrem hoch sein - mengenmäßig gesehen. Wenn man vergleicht, wie viel ein Rind oder ein Schwein im Gegensatz zu einem Hund oder eine Katze wiegt, ist das schon ein Unterschied.

Unsere Hündin hat vor anderthalb Jahren mehrmals Antibiotika bekommen, weil sie starke Blasenentzündungen hatte (Urin war blutig, als sie vom Tierheim zu uns kam). Obwohl sie 4x Antibiotika im Zeitraum von ein paar Monaten bekam, sind wir da im Grammbereich an Gesamtmenge - und das obwohl wir einen mittelgroßen Hund mit 22kg haben.

Und ja, sicherlich werden Haustieren mehr Antibiotika und Medikamente insgesamt häufiger verabreicht, als Nutztieren. Allerdings ist auch die medizinische Betreuung umfangreicher/ aufwändiger (wir haben alleine wegen der Blasengeschichte unseres Hundes ca. 1000€ Tierarztkosten gehabt innerhalb weniger Monate, bei Nutztieren undenkbar) und vor allem (!) ist die Lebensdauer von Haustieren deutlich höher (Hunde im Schnitt zwischen 12 und 16 Jahren, bei Katzen noch höher). Dennoch ist die Menge an Antibiotika deutlich geringer, als bei Großtieren.

Vor ein einigen Jahren habe ich mich mit einer konventionellen Geflügelhalterin auf dem Markt unterhalten. Ich habe für meinen Sohn sogenannte Gläschennahrung frisch gekocht und mir war wichtig, dass ich keine Antibiotikarückstände im Fleisch habe. Aussage war, dass sie (ich meine es war bei den Puten), grundsätzlich vorsorglich Antibiotika geben, weil die Haltung anders nicht möglich wäre. Fand ich, ehrlich gesagt, nicht so prickelnd.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2504

Beitrag von Rohana »

Teetrinkerin hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 08:48 Die Menge an Antibiotika, die Haustieren verabreicht wird, wird sicherlich nicht so extrem hoch sein - mengenmäßig gesehen. Wenn man vergleicht, wie viel ein Rind oder ein Schwein im Gegensatz zu einem Hund oder eine Katze wiegt, ist das schon ein Unterschied.
Ich weiss ja nicht. Möchtest du der Kuh anlasten dass sie schwerer ist und deshalb absolut etwas mehr Medikament braucht wenn sie krank ist? Oder sind manche Tiere gleicher, weil sie weniger wiegen? Dem kann ich wirklich nicht folgen. Zudem ist aufgrund der unterschiedlichen Stoffwechselsituation etc die Dosierung pro kg bei Kleintieren eher höher als bei Grosstieren.
Vor ein einigen Jahren habe ich mich mit einer konventionellen Geflügelhalterin auf dem Markt unterhalten. Ich habe für meinen Sohn sogenannte Gläschennahrung frisch gekocht und mir war wichtig, dass ich keine Antibiotikarückstände im Fleisch habe. Aussage war, dass sie (ich meine es war bei den Puten), grundsätzlich vorsorglich Antibiotika geben, weil die Haltung anders nicht möglich wäre. Fand ich, ehrlich gesagt, nicht so prickelnd.
Find ich auch nicht so geil. Ich hab durchaus meine Probleme mit Geflügel- und Putenhaltungen, wo AB prophylaktisch sein müssen damit das System funktioniert. Trotzdem würde ich eine Verabreichung von AB nicht mit Rückständen von AB gleichsetzen, weil die ja nun verstoffwechselt und ausgeschieden werden.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2505

Beitrag von hobbygaertnerin »

Ich habe Puten gehalten - wollte den Puten und mir das gekaufte Futter mit dem Zusatz gegen Schwarzkopfkrankheit ersparen-
ein paar Jahre ging das gut, aber jn einem Jahr haben die Tiere diese Krankheit bekommen und sind mir alle eingegangen. Haben mir sehr leid getan, sicher, waren nur 5 Puten, aber trotzdem- scheinbar hat so manches seinen Sinn.
Ich habe seither keine Puten mehr gehalten, aber wenn ich wieder welche halten würde, würde ich mich intensiver damit befassen.
Ich weiß, dass es Putenrassen gibt, die ein wenig robuster sind- aber trotzdem- wer von den Puten leben muss, der wird sich anders damit befassen müssen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2506

Beitrag von Teetrinkerin »

Rohana hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 09:25 Ich weiss ja nicht. Möchtest du der Kuh anlasten dass sie schwerer ist und deshalb absolut etwas mehr Medikament braucht wenn sie krank ist? Oder sind manche Tiere gleicher, weil sie weniger wiegen?
Wo hab ich irgendwas irgendwem angelastet? Ich wollte damit nur auf die Aussagen eingehen, dass bei der mengenmäßigen Erfassung der Antibiotika in der Tierhaltung auch Haustiere mit eingerechnet sind. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger.

An sich ist für mich die Gabe von Antibiotika weniger das Problem, als die daraus immer häufiger resultierenden Resistenzen. Das ist tatsächlich ein großes Problem - und das sowohl durch die häufigen Antibotikagaben in der Tier-, wie auch in der Humanmedizin. Und das Einbringen von Antibiotikarückständen in die Umwelt, denn das stört das Bodenleben (und bevor ich da auch wieder falsch verstanden werde: Mir ist es da Wurscht, ob Kontaminierung von AB-Rückständen durch die LW oder Abwässer passiert).
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2507

Beitrag von Rohana »

Teetrinkerin hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 09:54 An sich ist für mich die Gabe von Antibiotika weniger das Problem, als die daraus immer häufiger resultierenden Resistenzen.
Für die ist es eher sekundär wieviel das Tier wiegt oder wie die Absolutmengen sind ;) da zählt konsequentes therapieren bzw. passende Dosierung und Dauer der Anwendung und natürlich dass man grundsätzlich Mittel nimmt die Anschlagen (können). Beim Bericht über Resistenzen wird nach meiner Erfahrung manchmal getrickst, es gibt nämlich Bakterien die auf bestimmte Gruppen Antibiotika nicht ansprechen eben durch ihre (Stoffwechsel)Beschaffenheit, das ist ganz natürlich und nix neuerdings mutiertes - wird aber auch als böse "Resistenz" gewertet!

Mir wäre wichtig, dass AB als notwendige "Waffe" im Kampf gegen Krankheitserreger gesehen wird, die bei Über- und Falschnutzung eben stumpf wird. Verteufelung ist da ebensowenig angebracht wie leichtfertige Benutzung. Insofern sind wir da ja ähnlicher Ansicht, nehme ich an...
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2508

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 08:21Manchmal beschleicht mich der Verdacht dass es einfach der leichtere Weg ist, mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen als echte Veränderungen anzuregen.
mal grundsätzlich:
Es geht in diesem Thema um "Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion".
Also diskutiert man hier Probleme der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Das bedeutet nicht, dass es anderswo keine Probleme und Missbräuche gibt.
Folglich ist dieser dauernde Hinweis, anderswo ist auch nicht alles gut und die anderen müssen auch und es wird immer auf die Bauern gehackt, schlicht unnötig.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2509

Beitrag von Teetrinkerin »

@Rohana,
da gehe ich mit dir d'accord. Dennoch sehe ich es kritisch, dass gewisse Haltungsbedingungen nur mit prophylaktischer AB-Gabe funktioniert. Für mich auf alle Fälle ein Zeichen, dass da die Haltungsbedingungen kränkeln und meiner Ansicht nach eigentlich eine Falschnutzung von AB.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2510

Beitrag von emil17 »

Teetrinkerin hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 10:21 @Rohana,
da gehe ich mit dir d'accord. Dennoch sehe ich es kritisch, dass gewisse Haltungsbedingungen nur mit prophylaktischer AB-Gabe funktioniert. Für mich auf alle Fälle ein Zeichen, dass da die Haltungsbedingungen kränkeln und meiner Ansicht nach eigentlich eine Falschnutzung von AB.
Es dürfte auch daran liegen, dass moderne Hochleistungsrassen gar nicht mehr "normal" gehalten werden können bzw. die Leistung nur unter Intensivbedingungen bringen und im Freiland versagen.
Mir kommen da die Hochleistungskühe in den Sinn, die mit vollem Euter nicht mehr gehen können.
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