Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2171

Beitrag von Rohana »

Komm, Zahlen interessieren hier doch nicht. Überhaupt können sich doch die ehemaligen Landwirte glücklich schätzen wenn sie pleite sind, denn die können ja Land verkaufen und bekommen Geld dafür.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
woidler
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2172

Beitrag von woidler »

müssen den Verkauf von Betriebsvermögen allerdings auch ordentlich versteuern ......
anders als beim Privatmann, der nach ablauf der Spekulationsfrist seine vermietete Eigentumswohnung verkauft,
um vom Erlös die eigene Rente noch auf zustocken.


woidler
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2173

Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: Wenn es den Betrieb morgen aber nicht mehr gibt weil die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist da ohne das der Betrieb dafür etwas kann,
was dann?
Sorry, aber warum soll da ein Unterschied zu anderen Gewerben sein?
Entweder du bist konkurrenzfähig weil du effizienter bist, oder du hast eine Nische wo dir die anderen nix können, oder du erbringst Leistungen für die Allgemeinheit, welche diese bezahlt (und folglich auch bestimmt und kontrolliert).
Das erste funktioniert nicht - man kann nicht jedes Jahr grösser werden müssen und gleichzeitig klagen, dass es immer weniger werden. Ausserdem hat man mit dieser Strategie den vollen Konkurrenzdruck des Auslandes auszuhalten.
Das Zweite funktioniert so gut, wie man selber kreativ ist. Schliesslich ist man Unternehmer.
Das Dritte (Leistungen für die Allgemeinheit) bedeutet, dass man akzeptieren muss, dass andere dreinreden und kontrollieren. Schliesslich bezahlen sie ja dafür.
Das Dritte ist auch der Grund, wieso die Öffentlichkeit überhaupt so viel Geld in die Landwirtschaft pumpt und diese nicht wie irgend ein anderes Gewerbe behandelt.
woidler hat geschrieben:müssen den Verkauf von Betriebsvermögen allerdings auch ordentlich versteuern ......
anders als beim Privatmann, der nach ablauf der Spekulationsfrist seine vermietete Eigentumswohnung verkauft,
um vom Erlös die eigene Rente noch auf zustocken.
Auch das ist nicht anders als bei jedem Gewerbe, schliesslich war das Betriebsvermögen bis zur Auflösung steuerlich privilegiert. Der Privatmann hat das Geld, womit er seine Eigentumswohnung gekauft hat, ja zuerst (hoffentlich) als Einkommen versteuert und für diese Grundsteuer bezahlt und die Miete auch als Einkommen versteuert.
Als Unternehmer hat man viel mehr Möglichkeiten, durch zeitlich gestaffelte Übertragung von Betriebs- zu Privatvermögen die Steuern zu beeinflussen. Nur muss man sich halt beizeiten drum kümmern.

Mich macht diese einseitige Darstellung der Dinge und die selbstgewählte Opferrolle langsam müde.
In jedem dieser Reizthemen sind die Dinge kompliziert und nicht schwarz-weiss.
Da behauptet der Bauernverband, der Staat schikaniere die Bauern mit 250 E pro ha durch gewinnhemmende Vorschriften. Dass der gleiche Staat über 500 E pro ha bezahlt, muss man ja nicht schreiben.
Da behauptet man, das Glyphosatproblem sei vorwiegend wegen Kleingärtnern und so. Dass über 95% von dem Zeug von der gewerblichen Landwirtschaft ausgebracht werden, gehört ja nicht zum Thema.
Da wird behauptet, den Bauern würden wegen immer neuen Vorschriften jeder Spielraum genommen. Warum diese Vorschriften überhaupt erlassen werden, muss man ja nicht wissen.
Da wird behauptet, das Nitratproblem sei wegen defekten Abwasserleitungen. Dass es auch da ist, wo gar keine Abwasserrohre sind, gehört nicht zum Thema.
Wir müssen die Bevölkerung ernähren, das braucht immer mehr Ertrag pro Fläche. Dass rund 1/3 aller erzeugten Lebensmittel gar nicht erst verzehrt werden, gehört nicht zum Thema.
Dass jedes Jahr Bauern aufgeben, ist eine Tatsache. Dass es anderen Erwerbszweigen genauso geht oder diese bereits ganz verschwunden sind, tut nichts zur Sache.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2174

Beitrag von Rohana »

Ich zitiere dich nochmal:
"Nachhaltiges Wirtschaften oder Corporate Sustainability (CS): Dies bedeutet, sein Kerngeschäft grundsätzlich sowohl sozial und ökologisch verantwortlich als auch wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben "
Die Bauern sollen also die eierlegende Wollmilchsau spielen (bzw. melken), denn Umwelt- und Tierschutz wollen alle, aber wenn wir auch wirtschaftlich sein dürfen wollen, ist das schonwieder zuviel verlangt weil zu teuer (und/oder entgegen dem Umwelt- und Tierschutz!). Sorry, die Quadratur des Kreises geht halt nicht, und von hätte, könnte und würde lebt kein Betrieb.

Aber natürlich könnt ihr gerne weiterhin hier eine Echokammer betreiben und kollektiv darüber jammern wie scheisse doch die Landwirtschaft ist und diese dämlichen Bauern die sich nicht dreinreden lassen wollen obwohl sie von der Öffentlichkeit GELD bekommen... hey, wer's besser weiss, darf's gerne besser machen. Und immer schön dran denken, wer nicht mindestens 50% seines Futterbedarfs auf eigener Fläche erzeugt, betreibt keine Landwirtschaft ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2175

Beitrag von emil17 »

Es ist schwer, deine Aussage anders zu verstehen als so, dass eine ökologisch und ethisch vertretbare Landwirtschaft wirtschaftlich nicht darstellbar sei.
Das ist eine Bankrotterklärung.
Da kann man nur raten, es den vielen Bauern gleichzutun, die eine Nische gefunden haben, die genau dieses erlaubt. Unmöglich ist es nicht.
Universalrezepte, die immer und überall funktionieren, gibt es auch nicht.

Aus Sicht des Konsumenten kann ich, abgesehen vom regelmässigen Kauf hochpreisiger und regionaler Lebensmittel (was du nicht merkst, wenn ich es tue, weil wir nicht in der gleichen Region wohnen), mich bloss politisch dafür einsetzen, dass sich die Situation verbessert. Das kann eigentlich nur über striktere Durchsetzung geltender Umweltvorschriften geschehen, d.h. über Gleichbehandlung der konventionellen Landwirtschaft mit jedem anderen Gewerbe auch.
Die Nahrung wird uns deshalb nicht so schnell ausgehen, auch ohne mehr Importe nicht. Vielleicht wird ja etwas weniger verschwendet.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2176

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben:Es ist schwer, deine Aussage anders zu verstehen als so, dass eine ökologisch und ethisch vertretbare Landwirtschaft wirtschaftlich nicht darstellbar sei.
Das ist eine Bankrotterklärung.
Oh, in der Theorie funktioniert das schon, nur in der Praxis... die ganzen tollen (neuen) Forderungen sind ja umsetzbar - aber nicht zum Nulltarif. Wie ich schon öfter sagte. Es ist also machbar, aber nur als gesamtgesellschaftliche Leistung und nicht alleine auf den Rücken der Bauern, auch wenn die noch so breit sind. Nur mit "Nischen" zu arbeiten ist da doch Unfug, ich hätt jetzt schon gedacht dass diese Ansprüche für ALLE gelten sollen. Eine Bankrotterklärung ist das also für genau wen?
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2177

Beitrag von Teetrinkerin »

Liest du eigentlich die Posts, Rohana? Ich weiß gar nicht, wie oft hier schon davon geschrieben wurde, dass wir ALLE umdenken müssen. Langsam erhärtet sich bei mir der Verdacht, dass gerne selektiv gelesen wird, damit man sich weiterhin in die Opferrolle begeben kann.

Leider wurde kaum was zu den von mir präsentierten Fakten geschrieben, dass die moderne, industrielle Landwirtschaft einer der Hauptversursacher ist, was das Insektensterben angeht.

Und leider werden werden Aussagen aus wissenschaftlichen Studien wie diese, auch einfach nur abgewatscht und übergangen:
Spencer hat geschrieben:https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4424548
Eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen weist nach, wie eine kleine Gruppe von Akteuren aus Politik, Bauernverband und Agrarwirtschaft Schlüsselpositionen besetzt.
Demnach ist die Landwirtschaftspolitik in Brüssel und Berlin durchsetzt von Abgeordneten, die auch Lobbyisten sind.
Das sei ein wesentlicher Grund dafür, weshalb Umwelt und Natur, Tierwohl, Gewässer- und Klimaschutz bei politischen Entscheidungen häufig auf der Strecke bleiben, lautet ein Fazit der Studie.
Ich habe immer mehr das Gefühl, dass die moderne Landwirtschaft gar nicht daran interessiert ist, Lösungen zu finden und zu diskutieren. Es geht hier auch gar nicht darum, die Landwirtschaft als Sündenbock hingestellt zu werden. Aber vielmehr ist es doch so, dass hier - wie auch anderswo - seitens der Landwirte alles abgestritten wird und begründet wird, der Konsument wolle es so. Ich kann mich aber gar nicht entsinnen, gefragt zu werden, dass das Obst, Gemüse und Getreide, das produziert wird (das ich nicht mal unbedingt esse, da ich großteils auf bio zurückgreife) mehrmals gespritzt wird oder dass Feldhecken abgeholzt werden oder dass männlichen Ferkeln ohne Narkose die Hoden abgeschnitten werden oder Kälbern ohne Betäubung die Hornanlagen ausgebrannt werden etc. pp. Zu all diesen - teils unmenschlichen!!! - Praktiken wird immer und immer wieder die Wirtschaftlichkeit aufgeführt und der Konsument wolle es so. Nein, will ich nicht. Ich bin gerne bereit, mehr zu bezahlen - aber es gibt oft keine Alternativen.

Wir haben nur diese eine Erde, wann fangen wir endlich damit an, verantwortungsvoll und nachhhaltig mit ihr umzugehen? Es geht immerhin um den Fortbestand menschlichen Lebens.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2178

Beitrag von Rohana »

Teetrinkerin, es gibt doch die Alternative namens "Bio" - wird ja alles gemacht. Nur frag ich mich wie das gehen soll wenn die Herrschaften da oben spontan beschliessen dass Bayern 30% Biolandwirtschaft haben soll und wir bekommen die Produkte jetzt schon nicht vernünftig los?! Wenn Bio das neue Konvi wird, halt zum selben Preis mit doppelt so viel Aufwand, gute Nacht. Die Diskrepanz zwischen Produzenten, die sich an Auflagen zu halten haben, und Konsumenten, die sich rauspicken können was sie wollen - das gibt kein rundes Ganzes. Da fehlt mir halt die Umsetzung von "ALLE müssen umdenken". Sobald das gegeben ist, wird's realistisch(er), ich denke da kannst du mir zustimmen, oder?

Ich bin gerne bereit meinen Teil zu tun, aber weder kann noch will ich alleine die Welt retten, noch möchte ich mein komplettes Leben und Geld ins Leere laufen lassen, nur weil ein paar Leute meinen das müsste so sein.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2179

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Ich bin gerne bereit meinen Teil zu tun, aber weder kann noch will ich alleine die Welt retten, noch möchte ich mein komplettes Leben und Geld ins Leere laufen lassen, nur weil ein paar Leute meinen das müsste so sein.
Das muss keiner.
Versuchs mal andersrum: Wenn du für dein Produkte keinen Markt hast oder keine vernünftigen Preise bekommst, dann musst du entweder andere Produkte anbieten oder andere Kunden suchen.
Das ist überhaupt nicht landwirtschaftsspezifisch.
Du musst auch nicht die 30% Bio für Bayern (wer hat früher hier mit "es wird angestrebt und alles ist schon gut" argumentiert? - Ein Berufslandwirt) im Alleingang stemmen.
Die Bauern im hinteren Odenwald, wo sich Fuchs und Has gute Nacht sagen, waren mit ihrem Abnehmer nicht zufrieden, weil die Preise nicht stimmten. Also haben sie, weil es auch nicht viel anderes als Milchprodukte anzubieten gab, den Vertrieb selber übernommen. Heute brummt die Molkerei Hüttental - obwohl damals jeder Experte sagte, die Idee der Selbstvermarktung an so marktferner Lage sei hoffnungslos.
Ob das für ganz Deutschland so funktionieren kann, war denen wurscht. Bei ihnen funktioniert es, die Qualität der Erzeugnisse ist gut und die Kunden sind da.
Wenn ihr alles nur einem einzigen Abnehmer liefert, schreibt euch der die Preise vor, solange er weiss, dass ihr nicht an ihm vorbeikommt. Das läuft in jedem Zuliefergewerbe genau gleich, egal ob Autoteile oder Grundnahrungsmittel.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2180

Beitrag von Teetrinkerin »

Rohana hat geschrieben: Ich bin gerne bereit meinen Teil zu tun, aber weder kann noch will ich alleine die Welt retten, noch möchte ich mein komplettes Leben und Geld ins Leere laufen lassen, nur weil ein paar Leute meinen das müsste so sein.
Das ist doch, was ich ständig sage, dass wir ALLE umdenken müssen. Oder habe ich je was anderes gesagt?

Mir als Konsument sind auch oft die Hände gebunden. Ich versuche, so gut ich kann, Alternativen zu finden. Ich kaufe viel bio - und hier nicht das "Billig-bio", sondern das hochpreisige. Das ist es mir wert. Ich kaufe z.B. Alblinsen, 500g für knapp 6€. Das ist es mir wert - die Bauern werden vernünftig entlohnt, ich kenne den Initiator, die Bemühungen, die alte Sorten wieder zu finden und anzubauen und ich weiß um deren Bemühungen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Mir ist das alles wichtig - wichtig, dass sowohl die Bauern ein vernünftiges Auskommen haben, als auch, dass auf Umwelt und Tierwohl geschaut wird. Oder Rapunzel, Spielberger, Schrozberger, Storzeln - alles Marken, die durchaus im höherpreisigen Segment einzuordnen sind, aber die eben auch auf Nachhaltigkeit achten.

Ich lese aus deinen Zeilen immer wieder heraus, dass ihr nicht nachhaltig wirtschaftet (wirtschaften könnt), weil ihr nicht den wirtschaftlichen Spielraum dazu habt. Aber das ist doch wichtig! Ansonsten steht ihr (also die Landwirtschaft allgemein) zwangsläufig irgendwann vor dem aus. Das dürfte doch klar sein.

Humusverlust, Nitrateintrag ins Grundwasser (ob nun durch defekte Kanalisationen oder Landwirtschaft), Verlust der Biodiversität, Bodenverdichtung - das alles sind Schlagworte, wo schon bei jedem einzelnen ein sofortiges Umdenken wichtig wäre. Aber man kommt - obwohl so geballt - einfach nicht in die Pötte. Und der Grund liegt vermutlich an dem bereits zitierten Lobbyismus.
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