Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#431

Beitrag von Manfred »

Die Politik wird zunehmend nervös, was mögliche Eingriff in die Milch- und Schweinefleischmärkte angeht.
http://www.topagrar.com/news/Markt-Mark ... 32107.html

Das verheißt nichts Gutes. Am Ende wird es nur wieder drauf rauslaufen, dass das Preistief lange anhält, weil kränkelnde Produzenten am Leben gehalten werden und die eingelagerten Mengen einen Wiederanstieg der Preise verhindern. Noch mehr Land in der Hand der Banken...

Bei landtreff.de wird ein interessantes Konzept diskutiert:
Die Molkereien sollten ihr Milchgeld gestaffelt danach auszahlen, wie gut sie die jeweilige Menge verwerten können.
z.B. 1/3 wird zu Markenkäse und bringt einen Auszahlungspreis von 50 Cent / Liter.
1/3 wird zu Joghurt und bringt 25 Cent / Liter
1/3 muss auf dem Spotmarkt verkauft werden und bringt 15 Cent / Liter
So spüren die Bauern, welche Teilmengen zu Dumpingpreise in den Markt gedrückt werden müssen und hätten einen größeren Anreiz, ihre Mengen selbst anzupassen.
Durch den bisherigen molkereiinternen Mischpreis wird die überschüssige Milch ja quersubventioniert.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#432

Beitrag von Manfred »

Gerade rein gekommen:
Die Molkerei Cremilk in Kappeln zahlt ihren Lieferanten einen Zuschlag von 20 Cent pro Liter auf die im Januar gelieferte Milchmenge, wenn diese bis zum 30.04.2016 ihre Milchanlieferung einstellen.
Die Molkerei will so ihre Milchmenge um 15 Mio. kg reduzieren, für die sie keine Abnehmer mehr hat.
Sabi(e)ne

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#433

Beitrag von Sabi(e)ne »

Kann ich mal was fragen?
Was würde passieren, wenn jemand hier in D wie Salatin arbeiten würde - also komplett ohne Subventionen ?
Was für Stolpersteine lägen dann hier im Weg? :hmm:
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#434

Beitrag von Manfred »

Er müsste halt trotzdem fast alle Auflagen einhalten, weil die in den ganzen Fachgesetzen verankert sind.
Und die Landpreise und Pachten sind hier wegen der Ausgleichszahlungen entsprechend höher, bei deutlich schlechteren Strukturen (verstreute Kleinflächen).
Deshalb gibt es nur ganz wenige, meist sehr intensiv arbeitende Betriebe, die in D auf die Ausgleichszahlungen verzichten.
Unsere Bedingungen sind mit denen in den USA nur eingeschränkt vergleichbar.
Bio wäre mit Joels Tierhaltung nicht möglich, weil die Hähnchen zu wenig Auslauf hätten.
Man müsste also konventionell arbeiten und das ganze Gelände mit doppelten Außenzäunen und einer Hygieneschleuse sichern (zumindest bei unseren Veterinäramt), was dann wieder die Vermarktung von Hofführungen schwierig macht und die Direktvermarktung erschwert, weil die Leute nicht einfach rein kommen und sich alles ansehen könnten.
Auch eine Schlachtung bei den Salatins wäre hier nicht vorstellbar. Da müssten man schon viel Geld in die Hand nehmen und ein EU-konformes Schlachthaus und eine Eier-Erfassung bauen.
Da musst du schon sehr gut vermarkten, um das alles ohne Ausgleichszahlungen wieder rein zu kriegen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#435

Beitrag von Rohana »

Manfred hat geschrieben: Die Molkereien sollten ihr Milchgeld gestaffelt danach auszahlen, wie gut sie die jeweilige Menge verwerten können.
z.B. 1/3 wird zu Markenkäse und bringt einen Auszahlungspreis von 50 Cent / Liter.
1/3 wird zu Joghurt und bringt 25 Cent / Liter
1/3 muss auf dem Spotmarkt verkauft werden und bringt 15 Cent / Liter
So spüren die Bauern, welche Teilmengen zu Dumpingpreise in den Markt gedrückt werden müssen und hätten einen größeren Anreiz, ihre Mengen selbst anzupassen.
Durch den bisherigen molkereiinternen Mischpreis wird die überschüssige Milch ja quersubventioniert.
Den Ansatz find ich nicht schlecht.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Griseldis

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#436

Beitrag von Griseldis »

Herpes-Ausbruch bei Rindern in Thüringen, 1200 Tiere müssen getötet werden.
http://poessneck.otz.de/web/lokal/suche ... 1784325314
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#437

Beitrag von Manfred »

Wenn man wissen will, was auf EU-Ebene diskutiert wird, muss man die Neuseeländische Fachpresse lesen...
Irgendwie bekloppt.

Frankreich schlägt vor, den Milchbauern 10 Cent pro Liter zu bezahlen, den sie gegenüber 2015 weniger produzieren:
https://farmersweekly.co.nz/section/dai ... -milk-flow
Eine Ausstiegshilfe, die wohl viele mitnehmen würden, die eh über eine Aufgabe nachdenken, sich aber noch nicht durchringen können.

Frontera hat gleichzeitig die Preisprognose für den Milchpreis weiter abgesenkt:
https://farmersweekly.co.nz/section/dai ... ce-to-3-90
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Buchkammer
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#438

Beitrag von Buchkammer »

Noch ne Frage: Könnte die derzeitige Preisentwicklung auch mit den Sanktionen gegen Russland zu tun haben? :hmm:

Und zu Herpes: scheint ja bei Tieren ziemlich gefährlich zu sein - der Virus. Ich bekomme auch 1-2 mal im Jahr Lippen-Herpes (je nachdem wie oft ich mich vor irgendwas ekele). Hoffentlich werde ich dafür nicht eines Tages von der Straße weggeschossen. :aeug:
Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern. Heute bin ich weise und möchte mich verändern. (Rūmī)
https://www.bewusste-menschen.de/
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#439

Beitrag von Manfred »

Ich habe so meine Zweifel, dass eine Wiederbelebung des Russlandexports viel ändern würde.
Es ist ja nicht so, dass Russland keine Milchprodukte mehr importiert. Die kaufen jetzt halt anderswo.
China hat im Januar zwar wieder etwas mehr importiert, dass liegt aber wohl an dem Freihandelsabkommen mit Neuseeland. Die Neuseeländern dürfen jeweils im Januar eine größere Menge mit reduzierten Zöllen oder zollfrei nach China verschiffen.
Um kurzfristig wieder auskömmliche Preise zu erreichen, müsste man die Menge auf dem Weltmarkt vermutlich um 10% reduzieren.
Derzeit sollen europäische Molkereien kräftig in Verarbeitungsstandorte in Schwarzafrika investieren, wo dann großteils billiges Import-Milchpulver zu Endprodukten weiterverarbeitet wird, was die dortigen Milchbauern ruiniert.
So gewinnt man Marktanteile auf dem Weltmarkt.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#440

Beitrag von Manfred »

Eine Gemeinsame Studie von Germanwatch, AbL, Brot für die Welt und Misereor zur Milch-Exportpolitik:
Die Konzentration auf den Export von Billigware ruiniert nicht nur Milchbauern in den Entwicklungsländern, sondern durch den massiven Kostendruck auch unsere heimischen Familienbetriebe.

https://germanwatch.org/de/download/13255.pdf
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