Projekt Kartoffelacker

Matz

Re: Projekt Kartoffelacker

#21

Ungelesener Beitrag von Matz »

Wir sind an das Projekt Kartoffelacker folgendermaßene rangegangen:

1. Acker aus Pacht genommen und festgestellt, dass es sich um tonigen Lehm mit wenig Humus handelt.
2. Weizenstoppeln im Oktober mit dem Pflug umgebrochen und die Schollen liegen gelassen (zu spät für Zwischenfruchtanbau).
3. Im Frühjahr mit der Egge glatt gezogen und Unkraut nach einer Woche mit Federzinkenegge gestört.
4. 20.04.15 Kartoffeln von Hand gesetzt. Zuvor mit restauriertem "Pferdehäufer" am Unimog Dämme gezogen. Problem: Boden zu hart, Kartoffeln nur ca. 5 cm tief abgelegt.
5. Aus Frust ein Rau-Kombi-Gerät gekauft.
6. Den Rest des Ackers mit einer Flugwildmischung (Buchweizen, Sonnenblumen, Lein, Senf, Ölrettich, Malven, Ringelblumen,...) und Leguminosenmischung (diverser Klee, Buchweizen, Lein, Erbsen, Ackerbohnen, Wicken) von Hand ausgesäht, Grobsaatgut mit flach arbeitenden Federzinkenegge eingearbeitet, Feinsaatgut mit Prismenwalze angewalzt.
7. Schlecht gezogene Dämme mit Hacke von Hand nachgehäuft.
8. Unkraut mit Hacke bekämpft.
9. Ende Juni bis Anfang August Kartoffelkäferschwemme, von Hand beseitigt.
10. Viel zu trocken, zwischen Dämme von Hand Wasser gegossen (1000 l Fass auf Unimog).
11. Kartoffeln von einem Kollegen mit Schwingsiebroder ausfahren lassen.
12. Ertrag eher schlecht bzw. wie erwartet. Ausschlaggegebende Faktoren: Trockenheit, schmale Dämme, humusarmer Boden, Kartoffel zu dicht an Oberfläche.
13. Nach der Ernte auf Fläche Pferdemist gefahren. Ebenfalls über einen Teil der Flugwildmischung, wo nächstes jahr Kartoffel hin sollen (Jeweils kanpp 1000 qm).

14. Geplant: Flugwildmischung im März schlegeln, Ende März flach mit Grubber bearbeiten, dann noch einmal etwas tiefer. Mit Federzinkenegge und nachlaufende Stabwalze krümeln.
15. Kartoffeln mit halbautomatischem Rau-Legegerät setzen und Pflege mit ebendiesem Kombi-Gerät.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Projekt Kartoffelacker

#22

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

nach Getreide ist der Acker praktisch "leer"
da muss man dann eben seine Ertragserwartungen runterschrauben oder bedarfsgerecht Düngen ;)

Mit dem vielem Grünzeug im Boden nächstes Frühjahr werdet ihr nicht glücklich werden.
Wenn es nicht 110%ig sicher beim ersten Frost abfriert oder größer als 20-25cm ist mulcht es besser noch im Spätherbst und mischt es dann im zeitigen Frühjahr 10cm tief ein.

Bei Gründung und Mist sind Kartoffeln aber eh nicht wirklich das richtige
Mais passt da besser.

Edit:

Noch eine Frage:
was wollt ihr mit 4000-5000kg artoffeln?
Matz

Re: Projekt Kartoffelacker

#23

Ungelesener Beitrag von Matz »

Gedüngt wurde mit Mineraldünger NPK. Das Problem war die mangelnde (lockere) Bodenstruktur. Kartoffeln wachsen nicht gerne in Boden, bei dem 30x30x30 cm große Schollen entstehen, wenn man einmal mit dem Spaten reinsticht (ob trocken oder feucht). Problem war einfach der unbekannte Boden.

Na, mal sehen. Beim Ackerbau gibt es viele Meinungen. Am Schluss zählen Erfahrungen, die man selbst auf seinem Boden gemacht hat. Das meiste wird abfrieren. Lediglich einige Kreuzblützler werden den Winter überstehen. Kann dann nochmal im Frühjahr 4 Wochen an der Oberfläche "an"rotten, falls ich früh genug den Acker befahren kann.

Mit Mais kann ich nichts anfangen.

Dieses Jahr waren es gerade mal 400 kg Kartoffeln (waren auch eher 700-800 qm, etwa 100 kg Setzkartoffeln von geringer Qualität). Das fällt unter Eigenbedarf. Weitere 1000 kg würde ich locker unter Bekannten loswerden. Alles was das übersteigt, kann von einem befreundeten Landwirt vermarktet werden, der auch Kartoffeln anbaut.
Sollten es wirklich einmal so viele werden, kann die Anbaufläche auch einfach verringert werden.

Erst einmal muss der Humusaufbau vorangetrieben werden.

Trotzdem danke für die Ratschläge, aber es ist eh nichts mehr dran zu ändern. ;)
Ich will den Wildacker nicht vor dem Winter mulchen. Er ist einfach ein zu schöner Lebensraum für's Niederwild.
Haldir

Re: Projekt Kartoffelacker

#24

Ungelesener Beitrag von Haldir »

Jaja, die Kartoffel kann schon eine richtige Diva sein, was den Anbau angeht :pft:

Wir fahren vor dem Legen mit der Kreiselegge durch, dann lassen sie sich wunderbar legen...geht mit unserer Steckmaschine auch fast nicht anders, sobald der Boden etwas härter ist häufelt die überhaupt nicht mehr richtig an...wie das Kombigerät beim Legen arbeitet weis ich nicht, das nutzen wir dann nur für die nachherige Pflege...
Matz

Re: Projekt Kartoffelacker

#25

Ungelesener Beitrag von Matz »

Der oben genannte Bekannte von mir hat dieses Jahr 70 a mit dem halbautomatischen Rau-Gerät gelegt. Ging wohl recht gut.

Ich bin echt gespannt auf nächstes Jahr. Nach der ersten Premiere (Kartoffeln im Acker) folgt dann die zweite (mechanisiertes Legen und Pflegen).
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misfits
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Re: Projekt Kartoffelacker

#26

Ungelesener Beitrag von misfits »

hallo Kartoffelanbauer,
zum Kartoffelanbau im größeren Maßstab hätte ich einige Fragen.
Ist es richtig, daß zum maschinellen Ernten das Kraut etwa 14 Tage zuvor totgespritzt werden muss?
Wenn ja - womit?
Wenn nein, wie vermeidet man Schwierigkeiten durch das Kraut beim masch. Ernten?
Am Ende wird alles gut, und wenn noch nicht alles gut ist, ist es noch nicht zu Ende.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Projekt Kartoffelacker

#27

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Man muss nicht man kann aber das Kraut abtöten.
Dadurch wird die Abreife der Kartoffeln vereinheitlicht, die Ernte erleichtert und die Qualität gesteigert.

Idr. werden die Kartoffeln mit Reglone (2,5l/ha) und Shark (1l/ha) totgespritzt.

Wenn man nicht spritzen will, kann man das Kraut auch mechanisch entfernen, funktioniert aber nicht immer sicher.
Ich werde bei meinen Kartoffeln das mit der Motorsense machen
Matz

Re: Projekt Kartoffelacker

#28

Ungelesener Beitrag von Matz »

@mistfits
Das kommt u.A. auch auf die Rodetechnik an.

1. Wenn das Kartoffelkraut dürr ist, dann funktioniert es besser als wenn es noch grün ist und im Saft steht.

2. Entscheidend ist auch die Menge von Unkraut, die neben dem Kartoffelkraut in den Dämmen steht.

3. Wenn es notwendig ist, das Kraut und Unkraut zu entfernen, würde ich stets die mechanische Variante bevorzugen. Ein befreundeter Landwirt nutzt dazu vor der Erte mit seinem alten Vollernter (sowas in der Art) einen Schlegelmulcher. Damit die Dämme unbeschädigt bleiben, werden starke Federn zwischen Unterlenker und Traktor gespannt.

4. Wir ließen dieses Jahr unsere Kartoffeln mit einem Cuxmann Schwingsiebroder ausfahren. Das Kraut war schon recht dürr und Unkraut war praktisch nicht vorhanden. Eine Entfernung des Krauts war daher nicht notwendig.

Mit neuerer Rodungstechnik habe ich keine Erfahrung.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Projekt Kartoffelacker

#29

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Matz, da hab ihr aber lange gewartet wenn das Kraut bei Roden schon vertrocknet war.

Mit was seit ihr gegen das Unkraut vorgegangen?

Eigentlich zerlabern wir hier gerade bushmanns Thema ... :hmm: :aeh:
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misfits
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Registriert: Mi 27. Mai 2015, 17:27

Re: Projekt Kartoffelacker

#30

Ungelesener Beitrag von misfits »

hallo matz,
vielen Dank für die ausführliche Darstellung der maschinellen Bearbeitung
von Agrarflächen. Als Laie hilft mir auch die Benennung und Darstellung
der Maschinen weiter im Verstehen der Arbeitsabläufe.

hallo ölkanne,
vielen Dank für die klärenden Worte und die Benennung der eingesetzten
Stoffe. Daß durch den Einsatz von "Für Menschen hochtoxisch"en bzw.
nach Gefahrenstoffverordnung "N = Umweltgefährlich"en Stoffen die
Qualität des Erzeugnisses gesteigert würde, war mir bisher noch nicht
bekannt.

Zusatz: ich danke euch beiden, daß zumindest ihr auch ohne diese
"qualitätssteigernden" Stoffe arbeitet.
Am Ende wird alles gut, und wenn noch nicht alles gut ist, ist es noch nicht zu Ende.
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