Huhnische Selbstheilungskräfte
Huhnische Selbstheilungskräfte
Es fällt mir immer wieder auf: Hühner und Wachteln (vielleicht allgemein Geflügel) haben tolles Heilfleisch. Verletzungen heilen in Nullkommenix, sofern nicht dran rumgepickt wird. Wachtel skalpiert? Macht nichts, heilt nach. Hahn zu rabiat und Nacken aufgerissen, dass man auf die Wirbelsäule gucken kann? Am nächsten Tag bereits geschlossen.
Ich habe hier aktuell eine Henne, die von einem - bis dahin absolut lieben - Hahn attackiert wurde. Die Verletzung war derart schlimm, dass es lebensbedrohlich war. Der ganze Kopf war eine einzige Wunde, die ersten Tage wusste ich nicht, ob sie ein Auge verloren hat. In der Schädeldecke prangte ein 1€ großes Loch, also die ganze Schädelplatte. Die ersten Tage habe ich sie im Haus gepflegt und dazu in einen Katzenkennel gesperrt. Das ließ sie geduldig geschehen. Ab dem Tag wo sie sich in dem beengten Zuhause nicht mehr wohl gefühlt hat und die Wunde verkrustet war, kam sie wieder raus (getrennt vom Rabauken). Am Wundrand verdrängten schnell nachwachsende Federn die Kruste. Aber oben auf dem Schädel war ja nichts mehr. Was solls, ihr ging es wieder gut und ein Huhn kann auch mit Loch im Kopf rumlaufen. Das Ganze ist Ende November passiert. Gestern, also gut 2 Monate später, ist die dicke Kruste abgefallen, ich hab erst einen Schrecken bekommen. Aber darunter befindet sich kerngesunde Haut. Ich frage mich wie das geht. Und warum das noch nie jemand untersucht hat. So eine Wundheilung hätten wir doch alle gerne.
Ich habe hier aktuell eine Henne, die von einem - bis dahin absolut lieben - Hahn attackiert wurde. Die Verletzung war derart schlimm, dass es lebensbedrohlich war. Der ganze Kopf war eine einzige Wunde, die ersten Tage wusste ich nicht, ob sie ein Auge verloren hat. In der Schädeldecke prangte ein 1€ großes Loch, also die ganze Schädelplatte. Die ersten Tage habe ich sie im Haus gepflegt und dazu in einen Katzenkennel gesperrt. Das ließ sie geduldig geschehen. Ab dem Tag wo sie sich in dem beengten Zuhause nicht mehr wohl gefühlt hat und die Wunde verkrustet war, kam sie wieder raus (getrennt vom Rabauken). Am Wundrand verdrängten schnell nachwachsende Federn die Kruste. Aber oben auf dem Schädel war ja nichts mehr. Was solls, ihr ging es wieder gut und ein Huhn kann auch mit Loch im Kopf rumlaufen. Das Ganze ist Ende November passiert. Gestern, also gut 2 Monate später, ist die dicke Kruste abgefallen, ich hab erst einen Schrecken bekommen. Aber darunter befindet sich kerngesunde Haut. Ich frage mich wie das geht. Und warum das noch nie jemand untersucht hat. So eine Wundheilung hätten wir doch alle gerne.
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Ich denke nicht nur Hühner sind sehr robust sondern auch andere Tiere und sogar wir Menschen wenn wir nicht aus jedem Zimperlie eine Katastrophe machen würden. Gut, das mit Deinem Huhn war kein Zimperlie aber manches heil einfach von selbst.
Eines einer Grünlegerchen saß vor gut einer Woche völlig aufgeplustert im Stall und wollte nicht raus zu den anderen Hühnern. Kein gutes Zeichen. Ich brachte sie raus, setzte sie ans Wasser und sie trank. Abends hockte sie im Stall unter dem Kotbrett und fraß nicht obwohl sie sich am Tag vorher auf den Futtertrog gestürzt hatte. Das ging 2 Tage so und am 3. Tag kam sie mir quietschfidel entgegen und stürzte sich abends auch wieder aufs Futter.
Eine meiner beiden Auen hatte vor einiger Zeit ein warzenähnliches Gebilde im Augenwinkel Richtung Ohren. Irgendwann blutete es aber ich sah keine Notwendigkeit für TA. War ja Winter und keine Fliegen in Sicht. Nach ein paar Tagen war das Ding weg und die Wunde war geschlossen. Ich nehme an sie hatte es sich mit den dreckigen Klauen weg gekratzt denn es war gar nichts mehr zu sehen.
Eines einer Grünlegerchen saß vor gut einer Woche völlig aufgeplustert im Stall und wollte nicht raus zu den anderen Hühnern. Kein gutes Zeichen. Ich brachte sie raus, setzte sie ans Wasser und sie trank. Abends hockte sie im Stall unter dem Kotbrett und fraß nicht obwohl sie sich am Tag vorher auf den Futtertrog gestürzt hatte. Das ging 2 Tage so und am 3. Tag kam sie mir quietschfidel entgegen und stürzte sich abends auch wieder aufs Futter.
Eine meiner beiden Auen hatte vor einiger Zeit ein warzenähnliches Gebilde im Augenwinkel Richtung Ohren. Irgendwann blutete es aber ich sah keine Notwendigkeit für TA. War ja Winter und keine Fliegen in Sicht. Nach ein paar Tagen war das Ding weg und die Wunde war geschlossen. Ich nehme an sie hatte es sich mit den dreckigen Klauen weg gekratzt denn es war gar nichts mehr zu sehen.
sybille ist nach PC-Problemen Elli1
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Ich bin auch nicht zimperlich und gehe selbst mit Schnitten und Wunden nicht zum Arzt, wo andere sich längst hätten nähen lassen. Aber wenn mir ein eurogroßes Stück Haut fehlt, heilt das nicht mehr zu und auch keinem Schaf. Irgendwas müssen Hühner an sich haben, dass anders ist. Da muss ja eine komplett neue Haut gewachsen sein. Man sieht rein gar nichts mehr. Bin jetzt schon gespannt, ob da Federn kommen. Wenn ja, woher?
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Doch, auch wenn Dir ein Euro großes Stück Haut fehlt heilt das. Ich habe einen Kumpel der ein mehr als Euro großes Stück Haut einige Zentimeter tief weggeschnitten bekommen hatte. Das wurde nicht vernäht sondern sollte von innen nach außen hoch und von den Rändern nach innen zuwachsen und das ist es irgendwann auch.
Bei Deinem Huhn war das genauso.
Bei Deinem Huhn war das genauso.
sybille ist nach PC-Problemen Elli1
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unkrautaufesserin
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Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Die Haut heilt vom Rand aus drüber, und es ist auch möglich, daß wieder ein paar schüttere Federn wachsen. Weil sich die Zellen für die Federbildung im Rahmen des Heilungsprozesses auch teilen und in die neuen Hautareale geschoben werden. Eventuell bleibt das Huhn aber auch kahl, das weiß man erst, wenn nichts wieder wächst.
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Fachfrau, erklär doch mal wie das geht. Da muss ja neue Substanz gebildet werden.
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unkrautaufesserin
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Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Wundheilung bei größeren Wunden erfolgt von zwei Seiten.
Aus dem Wundgrund heraus wächst lockeres Füllgewebe, das hauptsächlich aus Bindegewebszellen besteht.
Vom Wundrand her wachsen Hautzellen über das neue Fülgewebe. Beim Menschen teilt sich eine Hautzelle aller 7 bis 10 Tage, beim Huhn weiß ichs nicht. Anfangs dauert der Zuwachs länger, aber weil die neuen Hautzellen von dem Füllgewebe auch vom Rand weiter in die Mitte transportiert werden, geht es zunehmend schneller. Dann bilden sie kleine Hautinseln, von denen aus die Zellteilung und Besiedlung des restlichen Füllgewebes dann schneller geht.
Wächst beim Menschen das Füllgewebe zu schnell, muß chirurgisch das Füllgewebe wieder reduziert werden. Das passiert öfter bei größeren Wunden. Sonst gibt es am Ende dann größere Narbenberge, die die Bewegung beeinträchtigen können.
Bei der Zellteilung teilen sich auch Haarwurzeln und Schweißdrüsen, aber die teilen sich viel langsamer als die blanke Haut. Deshalb ist in Narbengebieten die Behaarung spärlich und Schweißbildung sowie Rückfettung problematisch.
Damit sich Zellen optimal teilen können, ist ein feuchtes Milieu wichtig. Trocknen die neuen Zellen aus, dauert entweder die Teilung viel länger, oder die Zellen sterben sogar. Omas Vorschlag, die Wunde an der frischen Luft trocknen zu lassen, ist also eher kontraproduktiv. Ein dicker Schorf kann unter sich so ein feuchtes Milieu hüten. Ideal wäre aber ein steriler Verband mit Verbandswechsel alle 2-3 Tage.
Für eine eurostückgroße Wunde beim Menschen würde ich bei gutem Durchblutungszustand 6 Wochen rechnen. Das Immunsystem von Tieren ist meist aggressiver, weil die meist nicht so viel Zucker essen. Also vielleicht auch nur 4 Wochen.
Beim Huhn würde ich prophylaktisch einmal im Monat bissel Melkfett oder Pferdesalbe oder so was auftragen. Wenn Du feststellst, daß es von Sonne oder Kälte rissige Haut bekommt, keine Federn wachsen etc, kannst Du ja mal über ein Mützchen nachdenken. Ich habe einen Bekannten, der einen behinderten Kakadu aufgenommen hat. Der Vogel hat nach Verletzung eine große kahle Stelle auf dem Rücken und trägt deshalb eine Art Weste. Er sonnt sich halt gern und bekommt sonst immer Sonnrnbrand. 25 Jahre Lebenserwartung hat er noch.
Aus dem Wundgrund heraus wächst lockeres Füllgewebe, das hauptsächlich aus Bindegewebszellen besteht.
Vom Wundrand her wachsen Hautzellen über das neue Fülgewebe. Beim Menschen teilt sich eine Hautzelle aller 7 bis 10 Tage, beim Huhn weiß ichs nicht. Anfangs dauert der Zuwachs länger, aber weil die neuen Hautzellen von dem Füllgewebe auch vom Rand weiter in die Mitte transportiert werden, geht es zunehmend schneller. Dann bilden sie kleine Hautinseln, von denen aus die Zellteilung und Besiedlung des restlichen Füllgewebes dann schneller geht.
Wächst beim Menschen das Füllgewebe zu schnell, muß chirurgisch das Füllgewebe wieder reduziert werden. Das passiert öfter bei größeren Wunden. Sonst gibt es am Ende dann größere Narbenberge, die die Bewegung beeinträchtigen können.
Bei der Zellteilung teilen sich auch Haarwurzeln und Schweißdrüsen, aber die teilen sich viel langsamer als die blanke Haut. Deshalb ist in Narbengebieten die Behaarung spärlich und Schweißbildung sowie Rückfettung problematisch.
Damit sich Zellen optimal teilen können, ist ein feuchtes Milieu wichtig. Trocknen die neuen Zellen aus, dauert entweder die Teilung viel länger, oder die Zellen sterben sogar. Omas Vorschlag, die Wunde an der frischen Luft trocknen zu lassen, ist also eher kontraproduktiv. Ein dicker Schorf kann unter sich so ein feuchtes Milieu hüten. Ideal wäre aber ein steriler Verband mit Verbandswechsel alle 2-3 Tage.
Für eine eurostückgroße Wunde beim Menschen würde ich bei gutem Durchblutungszustand 6 Wochen rechnen. Das Immunsystem von Tieren ist meist aggressiver, weil die meist nicht so viel Zucker essen. Also vielleicht auch nur 4 Wochen.
Beim Huhn würde ich prophylaktisch einmal im Monat bissel Melkfett oder Pferdesalbe oder so was auftragen. Wenn Du feststellst, daß es von Sonne oder Kälte rissige Haut bekommt, keine Federn wachsen etc, kannst Du ja mal über ein Mützchen nachdenken. Ich habe einen Bekannten, der einen behinderten Kakadu aufgenommen hat. Der Vogel hat nach Verletzung eine große kahle Stelle auf dem Rücken und trägt deshalb eine Art Weste. Er sonnt sich halt gern und bekommt sonst immer Sonnrnbrand. 25 Jahre Lebenserwartung hat er noch.
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Jetzt misch ich mich doch mal kurz ein, bin zwar kein Huhn, aber bei mir heilen Wunden immer schnell und ohne Tamtam. Ich esse recht viel Zucker
Ich hatte sogar schon mal einen Hundebiss "einfach so gelassen". Also ich nehme prinzipiell kein Pflaster, manchmal putz ich die Wunden und ich hab gemerkt, je öfter ich Kontakt mit Wasser hab, umso schneller heilen sie. Ja, sie wachsen von unten herauf zu, bei kleinen Wunden dauert das maximal 2 Stunden. Wie gesagt, ich lass immer alles offen und arbeite trotzdem weiter - ob der Mythos stimmt, das Wunden Luft brauchen?? Angeblich nicht, aber in meinem Fall wirkt es.
Ich achte nur immer darauf, dass ich warte, bis sich Schorf gebildet hat. Das beste Pflaster meiner Erfahrung nach
Ich weiß, medizinische Wundversorgung sieht anders aus, aber ich wollte es eben immer selber machen.... Pflaster werden immer wieder nass oder verrutschen, das tut der Schorf nicht. Und es stimmt auch nicht, dass er nach außen total abdichtet und sich darunter Unerwünschtes sammelt. Ein kleines Loch hinein, das geht schnell wieder zu uns gut ist.
Über heilende und desinfizierende Eigenschaften von Speichel kann man auch googeln, meiner Erfahrung nach wirkt es.
bei mir!!! Immer gut beobachten bitte
Ich hatte sogar schon mal einen Hundebiss "einfach so gelassen". Also ich nehme prinzipiell kein Pflaster, manchmal putz ich die Wunden und ich hab gemerkt, je öfter ich Kontakt mit Wasser hab, umso schneller heilen sie. Ja, sie wachsen von unten herauf zu, bei kleinen Wunden dauert das maximal 2 Stunden. Wie gesagt, ich lass immer alles offen und arbeite trotzdem weiter - ob der Mythos stimmt, das Wunden Luft brauchen?? Angeblich nicht, aber in meinem Fall wirkt es.
Ich achte nur immer darauf, dass ich warte, bis sich Schorf gebildet hat. Das beste Pflaster meiner Erfahrung nach
Ich weiß, medizinische Wundversorgung sieht anders aus, aber ich wollte es eben immer selber machen.... Pflaster werden immer wieder nass oder verrutschen, das tut der Schorf nicht. Und es stimmt auch nicht, dass er nach außen total abdichtet und sich darunter Unerwünschtes sammelt. Ein kleines Loch hinein, das geht schnell wieder zu uns gut ist.
Über heilende und desinfizierende Eigenschaften von Speichel kann man auch googeln, meiner Erfahrung nach wirkt es.
bei mir!!! Immer gut beobachten bitte
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
Danke Unkrautaufesserin, das war mal eine gute Lektion. Ich hab die Natur walten lassen, rissig wurde nichts.
Vom Zahnarzt weiß ich, dass der Blutpfropf nach Zahnziehen unbedingt drin bleiben muss, aus dem wird dann der Knochen. Auch spannend, wenn ich auch nicht den genauen Prozess kenne.
Vom Zahnarzt weiß ich, dass der Blutpfropf nach Zahnziehen unbedingt drin bleiben muss, aus dem wird dann der Knochen. Auch spannend, wenn ich auch nicht den genauen Prozess kenne.
Re: Huhnische Selbstheilungskräfte
unkrautaufesserin das war richtig gut erklärt.
Maria, so mache ich das bei mir auch wenn es kleinere Wunden sind.
Maria, so mache ich das bei mir auch wenn es kleinere Wunden sind.
Aus dem Blutpfropf wird doch kein Knochen. Der muss als Tamponage drinbleiben. Deswegen sollst Du ja nach Möglichkeit in der ersten Zeit nach dem Ziehen des Zahns drauf beißen damit es nicht mehr anfängt zu bluten.dass der Blutpfropf nach Zahnziehen unbedingt drin bleiben muss, aus dem wird dann der Knochen.
sybille ist nach PC-Problemen Elli1
