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Re: terra preta

Verfasst: So 31. Jan 2021, 11:52
von emil17
Hallo Eberhard,
das liest sich ja schon viel freundlicher!
Danke

Re: terra preta

Verfasst: So 31. Jan 2021, 14:07
von Eberhard
Einen bestimmten Punkt aus den vielfältigen Diskussionen im Vorgang möchte ich an der Stelle extra beleuchten: Die Kritik am Hochloben und teuren Verkaufen von EM und anderen Produkten. So etwas sind doch nur typische Erscheinungen, wie sie in unserem Wirtschaftsleben tagtäglich anzutreffen sind. Der Verbraucher kann doch mit seinen Füßen abstimmen, gerne mit einer intellektuellen Vorinvestition.

Wird denn gleichlautend beklagt, dass Woche für Woche Massen an Kisten mit Wasser aus Märkten ins eigene Heim getragen werden? Wasser kommt doch viel einfacher und billiger aus der Wasserleitung und gilt als eines der am besten kontrollierten Lebensmittel.

Märkte verkaufen Berge an Anzuchterde, Blumenerde usw. Was sagt das über Gärtner aus, die Erde kaufen statt die eigene zu verwenden, die doch vor den eigenen Füßen und unter eigener Kontrolle liegt? Selbst Dung von Pferden und Kühen kann man in der Tüte kaufen, auch Samen von Maistöcken. Hallo!
Da würde ich bei Mikrobenlösungen eher akzeptieren, dass da einige aus Einfachheit heraus lieber auch kaufen, statt alles selber zu machen, was man selbstredend meist immer kann, aber vielleicht nicht will. Eine Mikrobenlösung ist fachlich etwas spezifischer und generell anspruchsvoller.
Es ist ja toll, wenn eine spezielle Zusammenstellung zu sehr vielem nützlich ist, aber eines für alles rückt schnell in einen Bereich der Unglaubwürdigkeit.

Wichtiger ist doch das Verstehen und Anwenden eines Wirkungsprinzips. Da gibt es einige weitere als nur eine milchsaure Fermentation. EM kann man beispielsweise als Raumspray in der Toilette verwenden oder um den Küchenabfall oder ganze Müllhaufen zu besprühen. Eine unmittelbare Wirkung wird einem die eigene Nase mitteilen, da braucht man nicht zwingend eine wissenschaftliche Studie.
Im Reich der Mikrobenlösungen gibt es aber auch Wurmtee, Komposttee, Heutee, Pflanzenjauchen, also andere Ursprungsstoffe für die zu vermehrenden Mikroorganismen, unterschiedliche Vermehrungsbedingungen für unterschiedliche Schwerpunkt-MO (aerob oder anaerob, Temperatur, Zeit, Fütterung per Melasse oder Entwicklung aus sich selbst heraus). Eigene Traditionen und ein Angebot vor Ort spielen zusätzlich eine erhebliche Rolle. Es gibt also unterschiedlichste Rezepte und wiederum sehr unterschiedliche Zielsetzungen.

Bei Leben, bei Mikroben kommt es auch nicht immer auf Masse an, auf Bilanzen eines Hinzu oder Weg, sondern auch manchmal nur auf Reizsetzungen, auf einen Anstoß. Interessant dazu einige neuere wissenschaftliche Erkenntnisse unter Begriffen wie Quorum Sensing und Quorum Quenching, hier recht verständlich dargestellt: Bodenverbesserung, für Landwirte, Landwirtschaft/Gartenbau, Weidemanagement
Darin sieht man auch einige Zahlen, die belegen, dass man Nährstoffe, die man per Ernte und Abtransport von der Fläche entfernt, nicht stur 1:1 ersetzen muss. Man müsste aber Bodenleben seinen ureigenen Job machen lassen, dies unterstützen und hoffentlich bestmöglich nicht durch eigene andere Maßnahmen unterbinden.

Re: terra preta

Verfasst: Do 25. Feb 2021, 22:07
von Sonne
Also nachdem hier der Kontiki erwähnt wurde...

Sowas kann ich mir jetzt nicht leisten. Ist ja ein größeres Kaliber, das Teil. Aber ich habe eine Frage was den Sampada betrifft. Hatte ich schon mehrmals gestellt, aber irgendwie geht das immer unter.
Sonne hat geschrieben: Mo 7. Okt 2019, 10:16
hobbygaertnerin hat geschrieben: Wir grillen nicht- sondern kochen mit dem Sampada draussen, was dabei anfällt wird verwendet.
Ich glaube ich habe schon mehrmals gefragt, aber irgendwie fällt diese Frage immer durch die Maschen:

Ist das wirklich die gleiche Holzkohle, wie sie in den großen Holzkohleöfen hergestellt wird? Ich meine nur - da hat es ja ganz andere Temperaturen und auch die Dauer der Verbrennung ist, soviel ich weiß, viel, viel länger? Ich weiß nicht, ob das dann die gleiche Beschaffenheit wie im Sampada sein kann. :hmm:

Ansonsten kaufe ich für meinen Bokashieimer Planzkohle vom EM-Shop aus dem Chiemgau und sammle was beim Grillen anfällt und was beim Heizen vom Holzofen übrig bleibt.
Und zwar...ich dachte, ich hätte vor längerem mal irgendwo im Internetnirwana noch gelesen, dass man mit der Verbrennung hier auch viel falsch machen kann. Das Ganze würde bei unsachgemäßer Anwendung ehr giftig als nützlich sein.

Ok - giftiges Zeug will ich mir jetzt nicht grad in den Boden holen. Aber woher soll ich jetzt mal wieder wissen...das ist wohl wieder so 'ne Frage für Experten mit Spezialwissen.

Vielleicht hat ja doch jemand mal eine Antwort für mich.
Ich weiß zwar nicht, ob ich so einen Ofen wirklich kaufen würde. Müsste ich überlegen und durchrechnen, ob das wirklich sinnvoll wäre. Aber wenn, dann hätte ich diese Frage noch gerne geklärt.

Ach so - Antworten bitte nur ohne Chemie- und Physik-Fachchinesisch. Das versteh' ich eh' nicht. :aeh:

Re: terra preta

Verfasst: Do 25. Feb 2021, 22:51
von Eberhard
Mario Heckel (Link in Beitrag #686) verkauft jetzt diesen hier statt des Sampada: TriaTerra-Kocher, weil schon mal preiswerter.
Dieser sollte die Anforderungen für gute Pyrolysekohle erfüllen.
Mit Bedienungsanleitung und Video.

Billig-Kontiki: Irgendwo gibt es ein Video, wo einer eine alte Badewanne in eine Erdgrube eingelassen hat mit etwas Umlüftung. Das funktioniert auch.

Re: terra preta

Verfasst: Fr 26. Feb 2021, 06:49
von Sonne
Süß. Jetzt weiß ich, wo ich einen Ofen kaufen kann.
Das war aber nicht die Frage.


Habe mal gegoogelt. So auf die Schnelle.

Ich glaube, ich habe damals in etwa so in der Art gelesen:
Die Pyrolysetechnik ist grundsätzlich mit erheblichen
Emissionsrisiken verbunden, da sich giftige Gase und
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
bilden können, bei Anwesenheit von Chlor aber auch
Dioxine. Nur bei sauberster und kontrollierter Pro-
zessführung kann dieser Technik überhaupt zuge-
stimmt werden. Bei einigen Anlagen ist dieses offen-
sichtlich gelungen: so ist die Pyreg-Anlage von Son-
nenerde in Österreich abfallrechtlich genehmigt
(Dunst 2013) und auch die Anlage im Berliner Bota-
nischen Garten hat nach Auskunft der Betreiber so
geringe Emissionen, dass sie nun immissionsschutz-
rechtlich zugelassen werden kann

www.bund.net>publications
Vorsicht PAK
Soweit klingt die Pyrolyse zu Pflanzenkohle nach einer unschlagbaren Kombination: Es wird Energie erzeugt, CO2 gebunden und mit dem Restprodukt auch noch der Boden verbessert. Aber Vorsicht ist angebracht. Das Stichwort dazu: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Solche können bei der Herstellung von Pflanzenkohle entstehen und sind giftig. Und darum möchte man PAK selbstverständlich auch nicht im Boden haben. Die Kunst der Pflanzenkohle-Pyrolyse besteht darin, das Material so auszuwählen und den Verkohlungsprozess so zu steuern, dass sich möglichst wenig davon bilden – ob im Kon-Tiki-Modell des Ithaka-Instituts oder in einer industriellen Anlage wie in Basel.

https://www.energie-experten.ch/de/wiss ... d%20giftig.
Meine Frage ist jetzt einfach: Kann ich als Laie in der Herstellung mit einem Sampadaofen grundsätzlich bzw relativ leicht etwas falsch machen, so dass ich ein 'giftiges' Produkt bekomme, das ich als Laie rein optisch und ganz ohne Chemielabor, ja wahrscheinlich auch nicht auf seine Qualität hin bewerten kann. Scheinbar ist die Anwendung ja doch nicht so einfach. Oder mal grob ausgedrückt: Sie ist nicht unbedingt idiotensicher.

Re: terra preta

Verfasst: Fr 26. Feb 2021, 08:28
von emil17
Der verlinkte Artikel aus Basel beschreibt ja da Ganze sehr verständlich.
Für die Herstellung von Kleinmengen im Garten wirst du die Grenzwerte weder kontrollieren noch immer einhalten können. Wenn man eine Grossanlage in dicht besiedeltem Raum baut, ist das hingegen schon wichtig.
Wenn du Freude daran hast, und darauf achtest, dass es keine Rauchbelästigung gibt, sollte das schon passen.

Früher hat man in grossen Mengen Holzkohle für Glashütten und Schmieden in abgelegenen Wäldern so ähnlich hergestellt, wobei das Ziel dort war, möglichst gute grobstückige Holzkohle zu bekommen.
Andere Prozessführungen erlaubten die Erzeugung von Holzteer, z.B. zum Abdichten von Holzgefässen und Booten. Da war die Emission halbverbrannter Produkte, wozu auch die PAKs gehören, wahrscheinlich enorm, nur hat das damals keinen interessiert.

Beim verlinkten Kocher möchte ich nur anmerken, dass man mit solchen Geräten keine Mengen wegbekommt und viel Zeit beim Zerschnippeln von Schnittgut und Füttern des Ofens verbringen wird.

Re: terra preta

Verfasst: Fr 26. Feb 2021, 13:13
von Sonne
Danke Emil für die Antwort, die auch verständlich war. :)

Den Artikel aus Basel habe ich nicht vollständig gelesen. Soviel Zeit hatte ich heute morgen nicht. Ich habe nur kurz nach was gegoogelt, was mein Problem etwas näher beschreibt und der Artikel könnte ungefähr dem entsprechen, was ich früher schon mal gelesen hatte. Damals hatte ich dann den Eindruck, ich sollte vielleicht die Finger davon lassen, wenn die korrekte Anwendung schwieriger ist als gedacht oder als der Verkäufer es darstellt. Auf Hochglanzpapier bzw auf der spiegelklaren Oberfläche meines Handys (Laptops - PC's) schaut ja immer alles chic und begehrenswert aus. Von den Tücken erfährt man oft erst nach dem Kauf.

Der Sampadaofen - oben im Link - ist tatsächlich günstig. Der letzte den ich wo gesehen habe kostete 120€.

Allerdings ist meine Begeisterung inzwischen etwas gedämpft. Wie du ganz richtig sagst: Große Mengen bekommt man da nicht hin. Und: Macht man das dann auch. Oder bleibt es doch bei 1-2 Mal im Jahr, wenn man grad mal 'ne idyllische Stunde übrig hat.

Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, spare ich jetzt damit auch nicht grad übermäßig viel Energie ein, wenn ich meinen Eintopf, Kartoffeln, Reis etc auf dem Sampada koche.

Ich müsste mal durchrechnen, wieviel ich pro Beet / Jahr Pflanzenkohle bräuchte (keine Ahnung)...was, das im Handel kosten würde bzw ob ich die Zeit aufbringen könnte das selbst zu machen.

Und bringt die Pflanzenkohle überhaupt was. Da bin ich mir nicht ganz schlüssig. Meine Tomatenernte hat seit 2 Jahren deutlich an Menge zugenommen. Aber an was das liegt? :pfeif:

Vielleicht weil ich inzwischen mehr Aufmerksamkeit und Zeit auf meine Pflanzen lege? An der Schafwolle? Oder doch am Bokashi mit der Kohle drin? Oder einfach an allem? :im:

Oh ich fürchte, so genau wird mir das hier auch keiner beantworten können.

Derzeit nehme ich Pflanzenkohle vom EM-Shop aus dem Chiemgau und mische das in den Bokashieimer. Aber das sind im Grunde nur kleine Mengen. Kommen direkt an die Tomaten und Gurken. Für die anderen Beete bleibt da nicht viel übrig.

Re: terra preta

Verfasst: Fr 26. Feb 2021, 18:58
von emil17
eine Variante, aber sicher nicht stilgerecht und zu einfach: Wenn man grosse Holzfeuer hat (z.B. Asthaufen, die einige Monate gelegen sind, damit sie besser brennen), dann bleibt immer noch viel Holzkohle übrig; man kann sie auch ablöschen.
Wenn man einen Holzbackofen hat, muss man die Glut rausholen, wenn die Wärme stimmt; die könnte man auch in ein Wassergefäss fallen lassen.
Das könnte man dann zerstossen und in den Kompost geben.
Bei den aufgerufenen Preisen von 62 Cent pro Liter Schüttvolumen Pflanzenkohle geht das ins Geld, wenn man bedenkt, wieviel man braucht.

Re: terra preta

Verfasst: Fr 26. Feb 2021, 20:37
von Sonne
emil17 hat geschrieben: Fr 26. Feb 2021, 18:58 eine Variante, aber sicher nicht stilgerecht und zu einfach
Meinst du damit den Ofen? Ja...habe inzwischen nachgelesen. Das ist kein Sampada, sondern ein kleineres Modell, ähnlich wie ein Sampada.
emil17 hat geschrieben: Fr 26. Feb 2021, 18:58 man kann sie auch ablöschen.
die könnte man auch in ein Wassergefäss fallen lassen.
Ist das Ablöschen ein wichtiges Detail bei der Herstellung? War mir so nicht bewusst.
emil17 hat geschrieben: Fr 26. Feb 2021, 18:58 Wenn man grosse Holzfeuer hat (z.B. Asthaufen, die einige Monate gelegen sind, damit sie besser brennen), dann bleibt immer noch viel Holzkohle übrig; man kann sie auch ablöschen.
Wenn man einen Holzbackofen hat, muss man die Glut rausholen...
Ein beliebiges Feuer. :hmm: Ich dachte es muss diese bestimmte Art der Verbrennung sein.

emil17 hat geschrieben: Fr 26. Feb 2021, 18:58 Bei den aufgerufenen Preisen von 62 Cent pro Liter Schüttvolumen Pflanzenkohle geht das ins Geld, wenn man bedenkt, wieviel man braucht.
Gerade ist Pflanzenkohle mit 0,55€ / Liter im Angebot. :lol:
Ja - vielleicht doch Sampada. Ich müsste eigentlich für mindestens 100€ pro Jahr Pflanzenkohle kaufen um unseren Kompost zu füttern. Eigentlich ist mir das zuviel an Investition. Dabei sind 62 Cent quasi ein Schnäppchen. Woanders sind die Preise bis zu 1,50€.

Oder ich lasse einen Sampada 50 - 100x (je nach Größe) im Jahr seine Arbeit tun. Das sind ca 25 - 50 oder mehr Arbeitsstunden im Jahr. Pro Aktion muss ich ja mindestens mit ca 30 Minuten rechnen. Dazu gehört auch aufräumen, säubern, beaufsichtigen etc.

:hmm:

Vielleicht lasse ich es doch beim Bokashi + Kohle und tu es wie schon gehabt nur gezielt an die Starkzehrer unter den Pflanzen.

Danke für die Antwort.

Re: terra preta

Verfasst: Sa 27. Feb 2021, 08:32
von emil17
Ablöschen dershalb, weil man dann mehr Ausbeute hat; es geht sonst noch viel durch Verbrennen der Glut verloren.