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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 17. Okt 2024, 10:40
von Rohana
Tscharlie hat geschrieben: Do 17. Okt 2024, 08:02
Ich denke in Massenkulturen die der Insektenbestäubung durch "bienenähnliche" bedürfen, macht auch die Massentierhaltung Biene Sinn. Denn wenn in sehr kurzer Zeit sehr viele Blüten blühen, dann haben die natürlichen Bestäuber keine Change das in so kurzer Zeit zu erledigen. Die Bienen-Beuten weden dann einfach dort hingebracht wo Bestäuber gerade nötig sind.
Ob diese Massentierhaltungen wegen Massenpflanzungen Sinn machen, das ist eine andere Frage.
Obstplantagen kämen da in den Sinn... möchtest du die in Frage stellen?
Raps kann zwar auch durch Bienen bestäubt werden, ist aber nicht drauf angewiesen. Sonst fällt mir grade keine Feldkultur, pardon "Massenkultur" ein die auf Bienen angewiesen sein könnte

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 17. Okt 2024, 13:35
von Sven2
Zum Raps wird ja viel gewandert, in einer Doku wurden in den USA die Mandelbäume mal genannt.
Keine Bienen, aber Hummeln werden in Tomatengewächshäusern eingesetzt und dafür gezüchtet.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 17. Okt 2024, 21:02
von MeinNameistHASE
Rohana hat geschrieben: Do 17. Okt 2024, 10:40
Tscharlie hat geschrieben: Do 17. Okt 2024, 08:02
Ich denke in Massenkulturen die der Insektenbestäubung durch "bienenähnliche" bedürfen, macht auch die Massentierhaltung Biene Sinn. Denn wenn in sehr kurzer Zeit sehr viele Blüten blühen, dann haben die natürlichen Bestäuber keine Change das in so kurzer Zeit zu erledigen. Die Bienen-Beuten weden dann einfach dort hingebracht wo Bestäuber gerade nötig sind.
Ob diese Massentierhaltungen wegen Massenpflanzungen Sinn machen, das ist eine andere Frage.
Obstplantagen kämen da in den Sinn... möchtest du die in Frage stellen?
Raps kann zwar auch durch Bienen bestäubt werden, ist aber nicht drauf angewiesen. Sonst fällt mir grade keine Feldkultur, pardon "Massenkultur" ein die auf Bienen angewiesen sein könnte
Erbsen, Ackerbohnen, Soja...
Bienenbestäubung generiert bei Raps etwa 1 Tonne Mehrertrag pro Hektar.
Für die Bestäubung von 1 ha Apfelplantage braucht man 3-4 Bienenvölker, bei Süßkirschen bis zu 8 Völker - da stößt die Wanderung mit Bienen auch schnell an logistische Grenzen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Do 17. Okt 2024, 23:46
von Rohana
Soja und Erbsen sind Selbstbestäuber. Ackerbohne nicht, okay. Trotzem... es gibt auch anderes Viechzeug das bestäubt. Bienen sind relativ.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Fr 18. Okt 2024, 07:43
von Tscharlie
Die Wanderung der Imker gibt es natürlich schon, das hat mich ja auf den Gedanken gebracht.
https://www.nearbees.de/blog/mit-bienen ... fKhgB4Gmqe
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Fr 18. Okt 2024, 08:23
von emil17
Ich habe zum Glück jemanden, der Freude an Bienen hat und auf meinem Land ein paar Beuten aufgestellt hat. Imkern kann man nicht auch noch so nebenbei, deswegen ist das eine gute Lösung für mich und für ihn.
Die Frage, ob und wie viele Bienen (oder Insekten oder Arten allgemein) es wofür braucht, ist eine Kernfrage der Biodiversitäts-Diskussion. Möglicherweise kann man mit der Zucht selbstfruchtbarer Sorten von eigentlich insektenblütigen Hochleistungs-Nutzpflanzen dem Problem kurzfristig auskommen. Damit wäre auch die Fläche, wo wirklich nur eine Pflanzenart vorhanden ist, theoretisch unbegrenzt, so wie etwa auch bei Getreide. Noch ein paar Tonnen Ertrag mehr pro Hektar, ist doch toll, denn viel ist ja bekanntlich gut und mehr ist noch besser.
(Wohin das führt? Kurzfristig etwas mehr Ertrag der Landwirte, mittelfristig noch mehr mittlere und kleine Betriebe, die verschwinden.)
Es gibt aber sehr viele wilde Pflanzenarten, die auf Bienen als Bestäuber angewiesen sind. Diese Funktion kann auch von Wildbienen übernommen werden, von denen es Hunderte Arten gibt. Die wiederum brauchen nicht nur dann Futter, wenn die Pflanze gerade blüht.
Das Problem haben auch die Bienenhalter. Man möchte seine Beuten so aufstellen, dass es das ganze Jahr über irgendwo irgendetwas für die Bienen gibt, egal ob es gehaltene Honigbienen oder wild lebende Arten sind. Oft wird das durch Wanderwagen oder Versetzen der Beuten gelöst. Aber wie soll das funktionieren, wenn in einer Landschaft grossflächig nur gleichartige Intensivkulturen vorhanden sind?
Die einfachste Lösung, die bis jetzt auch funktioniert hat, ist eine vielfältige Kulturlandschaft mit vielen Arten und Strukturen. Im Gebirge ist das automatisch gegeben, weil dort viele Flächen zwar bewachsen sind, aber nicht oder nur extensiv genutzt werden können. In der Ebene sieht das anders aus.
Andersrum betrachtet: Die Landschaft ist nicht nur Lebensraum und Lieferant für den Menschen, sondern auch Lebensraum für alles Andere. Genauso wie der Mensch nicht im Industriegebiet wohnt, verschwindet die Vielfalt des Lebens, wenn die Landschaft nichts mehr ist als möglichst produktiver Lieferant für Lebensmittel oder Bereitstellungsraum für Verkehrs-, Industrie- und Siedlungsfläche und alles so intensiv genutzt wird wie möglich.
Ob das tragisch ist? Eine Frage des Standpunktes. Man kann eine strukturreiche Landschaft wollen, in welcher man sich wohl fühlen kann, oder alles Hauptsache billig erwerben und mit dem gesparten Geld dahin in Urlaub fliegen oder fahren, wo es "schön" ist.
Leider ist "es geht ja auch so" nur die halbe Miete. Die Kollateralschäden unbegrenzter Produktivität bezahlen eben nicht diejenigen, die kurzfristig davon profitieren, sondern die Natur sowie alle, für welche die Umwelt mehr als Lieferant von Lebensmitteln und Bereitstellungsraum für Freizeitspass sowie Ort der Deponie von Abfall ist.
Bisher gab es immer soviel Natur und bisher haben alle Landnutzungen noch Platz für anderes gelassen, dass diese lokalen, ich nenne es Verödungen, kompensiert werden konnten. Offenbar ist das aber nicht mehr so.
Genauso wie ich auf der Strasse nicht fahren kann wie ich will, sondern auf die anderen Rücksicht nehmen muss, kann man mit dem Land nicht einfach machen, was man will. Auch aus ethischen Überlegungen heraus kann man leicht darauf kommen, dass eine struktur- und artenreiche Landschaft im Interesse aller ist. Die Tourismusindustrie weiss das, auch wenn sie alles tut, um den "Erholungswert" der Landschaft zu zerstören, von dem sie letztlich lebt.
In der Pflicht sind alle, die Flächen bewirtschaften oder Produkte konsumieren, deren Herstellung Fläche braucht: Der Bauer soll Flächen für Hecken usw. abgeben müssen, daneben im Gewerbegebiet wird für den neuen Supermarkt hektarweise Fläche versaut und versiegelt. Als Einfamilienhausbesitzer gäbe es auch anderes als Carport, Doppelparkplatz davor, Kirschlorbeer oder Schotter und sonst Rasenroboterfläche. Und ich kann mich nicht von allem freikaufen, indem ich irgendwelche CO2-Zertifikate für nachhaltige Palmölplantagen kaufe. Ebenso ist es nicht belanglos, wenn ich als Stadtbewohner Wegwerfkleidung aus Fernost kaufe oder sonst jeden Scheiss aus China kommen lasse.
Die Lösung? Relativ einfach auf Ebene Flächennutzung. Die Behörden müssen eine naturkonforme Flächennutzung durchsetzen. Landwirte gehören dafür extra bezahlt, denn es ist eine Leistung an die Allgemeinheit, die ihrem Einkommen aus der Ernte abgeht.
Für alle anderen muss es eine Planungsauflage sein, die auch kontrolliert wird.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Sa 19. Okt 2024, 01:00
von Rohana
Für gut strukturierte, kleinräumige Nutzung mit verschiedenen Kulturen braucht es einfach nur eins: KEINEN Strukturwandel! Bei uns, wo die Landschaft einem Mosaik gleicht und kein Feld grösser als 5ha ist, Wiesen und Wälder und Hecken dazwischen liegen, gibt es vielfältige Kulturen ohne dass irgendwer dafür extra bezahlt wird!
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 20. Okt 2024, 06:28
von emil17
Rohana hat geschrieben: Sa 19. Okt 2024, 01:00 ohne dass irgendwer dafür extra bezahlt wird
Die endlose Diskussion ...
Vermutlich beziehen auch die Bauern bei Euch einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen aus Förderung und Subventionen. Sehr viel Biodiversität hängt aber von einer exensiven Bewirtschaftung ab, was sich schlecht mit der Betriebswirtschaft des Hofes verträgt - wer will schon erragsschwache Flächen, die viel Arbeit machen.
Ich vermute mal, die Felder sind bei Euch nicht zufällig so wie sie sind. Gelände nicht einfach völlig platt, sondern hügelig oder sogar gebirgig? Dann wären da die historischen Eigentumsverhältnisse und Erbrechte, welche massgeblich die Hofstruktur beeinflussen.
Abgesehen davon sind 5 ha schon ziemlich gross.
Es kommt auch sehr darauf an, wie genau bewirtschaftet wird, insbesondere, wie viel mageres Dauergrünland es hat. Dornstrauchhecken alleine nützen noch wenig, wenn sie im stark gedüngten Dauergrünland oder Acker stehen. Hier im Valais romand sieht man derzeit recht viel aufgelassene Flächen. In nassen Jahren wie diesem wird viel Wiese nicht gemäht oder nicht bestossen, weil man das Gras nicht braucht. Im deutschsprachigen Oberwallis wie fast überall in der Deutschschweiz ist es hingegen so, dass eine "schlampige" oder unsaubere Mahd eine schlechte Visitenkarte für den Besitzer ist, weshalb dort die Flächen viel sauberer sind.
Diese "Schlamperei" ist erstmal gut für die Biodiversität - ein Nachteil davon ist, dass die Leute auch keine Probleme haben, alles was sie nicht mehr brauchen ins nutzlose Gebüsch zu werfen oder einfach sein zu lassen - Stacheldraht, Maschendraht, Bewässerungsschläuche überall und auch verlassene Landwirtschaftsmaschinen im Gebüsch sind leider nicht selten.
Das neueste Drana hier sind brach fallende Weinberge, wo die ganze Ausrüstung, also Metallpfähle und Draht, einfach vom Gebüsch überwachsen werden. Die Gemeinde hätte die rechtliche Möglichkeit, die Besitzer der Grundstücke zur Räumung zu verdonnern, nur ist es ihnen genau so egal wie den Besitzern selber.
Das ist natürlich eine generelle Aussage und es gibt wie überall solche und solche.
Im Simmental beispielsqweise werden unten im Tal alle Wiesen bis zu fünfmal im Jahr gemäht und gleich danach kommt das Jauchefass. Wir hatten dort in einem Praktikum ausser Unmengen von Mistinsekten kaum etwas gefangen, weil es praktisch nirgendwo blühende Wildpflanzen ausser Löwenzahn und wiesenkerbel gibt; jede Wiese wird bis an den Wegrand oder bis unter die Bäume gemäht und gegüllt. Kleinvieh zur Beweidung magerer Hänge gibt es nicht. Zudem wurden diese Flächen zur Kompensation von Strassenbauten aufgeforstet - das Schweizerische Forstgesetz verlangt, dass die Waldfläche erhalten werden muss und dass Flächenverluste durch standortsgebundene Bauten, wozu vor allem Strassen gehören, lokal durch Aufforstungen auszugleichen sind. Dazu hat man natürlich die ertragsschwachen Flächen hergenommen.
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: So 20. Okt 2024, 08:29
von Rohana
emil17 hat geschrieben: So 20. Okt 2024, 06:28
wer will schon erragsschwache Flächen, die viel Arbeit machen.
Eben, das WILL niemand, aber wir wohnen nunmal hier und die Gegend ist wie sie ist. Da kannst du auch kaum was flurbereinigen weil's eben a hügeliges, steiniges Eck ist, mit viel Wäldchen dazwischen. Hier hat die Natur quasi Glück - aber guck mal n paar Meter weiter, auf die besten Böden im Süden, was ist da? Richtig, da stellt BMW n neues Werk hin. Plattes Land (naja relativ) mit guter Infrastruktur, da hast n Joker, weil Landwirtschaft egal wie gut einfach das letzte ist mit dem man Kohle scheffeln kann.
Das Kernproblem liegt in den pauschalen Aussagen und pauschalen Gesetzen. Landwirtschaft hier und Landwirtschaft 50km weiter sind nicht das selbe und können - eigentlich - auch nicht gleich behandelt werden. Globalisierung lässt grüssen, es ist ja schon vieles gleichgemacht worden und gleichgestellt, vor dem Weltmarkt sind wir eh alles kleine Lichter...
Insofern wirst du hier bei uns durch extra Bezahlung keinen Effekt erzielen der grossartig über das hinausgeht was uns die Landschaft und Struktur eh schon aufdrängt, und da wo es wirklich nötig wäre kannst du gar nicht so viel Geld reinstecken dass es nicht nur Tropfen auf den heissen Stein wären. Wobei, könnte man vielleicht schon, aber das nötige Geld und den nötigen Aufwand will wieder niemand aufbringen.
Zudem wurden diese Flächen zur Kompensation von Strassenbauten aufgeforstet - das Schweizerische Forstgesetz verlangt, dass die Waldfläche erhalten werden muss und dass Flächenverluste durch standortsgebundene Bauten, wozu vor allem Strassen gehören, lokal durch Aufforstungen auszugleichen sind. Dazu hat man natürlich die ertragsschwachen Flächen hergenommen.
Kenne ich. Da wird dann "Wald" aus den elendigsten Wiesenstücken gemacht, völlig ohne Sinn und Verstand. Weiss nicht wem genau das helfen soll aber auf'm Papier ist das ganz toll!
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Verfasst: Mo 28. Okt 2024, 09:04
von Sven2
Passt vielleicht gerade dazu:
Forscher arbeiten an einem Präparat, das Bienen vor Pflanzenschutzmitteln schützen soll.
https://www.topagrar.com/panorama/news/ ... 08199.html
Das Problem am ganzen ist, dass es wieder "nur" um die Honigbiene geht. Also gut für Imker, aber Wildbienen haben das Nachsehen. Wobei ich anmerken möchte, dass vermutlich der Umgang mit Insektiziden in Südamerika ein andere ist als in Deutschland