Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Winnie07
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3361

Ungelesener Beitrag von Winnie07 »

Der Wert vom Land im Katastrophenfall... Ich denke, gerade jetzt wird klar, dass Eigentum nichts Absolutes ist. Wenn eine Notsituation entsteht und viele Leute hungern, wird der Staat wohl umverteilen, auch gegen den Willen des einzelnen. Das Kollektiv über dem einzelnen (Stichwort Impfpflicht?). Das beste, was einem dann passieren kann, ist unter dem Radar zu fliegen, also nicht aufzufallen. Oder es ist gar keine Notsituation, und du wirst wie ein Bauer bei uns in der Gegend enteignet, da ein Gewerbegebiet lukrativer ist. Klar kriegst du dann Geld, aber den erwähnten Nussbaum hast du dann auch nicht mehr, ganz zu schweigen vom emotionalen Wert, wenn das Land schon seit Generationen in deiner Familie ist.
lg
Winnie07
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3362

Ungelesener Beitrag von emil17 »

wörpedahler hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 10:59 Ja schon, aber weisst du was noch besser gewesen wäre? Ein Sack Kartoffeln oder ein Stück Kohle!
Auch Gold kann man nicht essen und die Wohnung wird davon auch nicht warm.
In wirklich harten Situationen lasse ich die Goldmünzen zurück und nehme stattdessen eine Dose Ravioli mit.
Je nach dem, was die da in den Ravioli als Füllung verwendet haben, ein schnell drehender Fleischwolf kann vieles vertragen, ist das dann sehr hart.

Es ist ein guter Teil der Vorsorge, dass man politisch, ehrenamtlich und als Nachbar darauf hinwirkt, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen können. Eigentum ist nichts wert, wenn es keinen funktionierenden Staat gibt, der das Gut vor dem Zugriff Dritter schützt und der die Infarstrukturen schafft und erhält.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3363

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Tja, da ist wohl das einzige Mal dass unser Land ein Glücksfall ist: Das will niemand geschenkt haben, nicht für'n Gewerbegebiet und auch nicht um was anzubauen, weil's so schlecht ist :lol:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3364

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Zurück zum Thema:
Beim Stickstoffdünger sitzt die EU-Landwirtschaft in der Scheiße.
Russland und China produzieren für die eigenen Märkte relativ günstig und haben Exportstopps bis Mai 2022 verhängt.
Auch der Nordamerikanische Markt ist relativ entspannt und kann sich selbst versorgen, produziert aber kaum für den Export.
In der EU sind wegen fehlender langfristiger Verträge die Gaspreise und damit die Düngerpreise exportiert. Viele Bauern können sich den Dünger nicht leisten und deshalb sind die Düngerwerke runter gefahren.
Da quasi nur in der EU ein massives Düngerpreisproblem besteht, wird es wohl nicht zu einer deutliche weltweiten Minderernte kommen, wie zunächst befürchtet.
Jetzt ist das Risiko für die EU-Bauern, dass, wenn sie teuren Dünger kaufen, im nächsten Herbst die Getreidepreise zu niedrig sind, um diese Investitionen wieder herauszuholen.
Die politischen Missstände verursachen immer mehr existentielle Probleme.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3365

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Rohana hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 20:48 Das will niemand geschenkt haben,
Räusper...
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3366

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 00:27 exportiert
explodiert?
Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 00:27 Jetzt ist das Risiko für die EU-Bauern, dass, wenn sie teuren Dünger kaufen, im nächsten Herbst die Getreidepreise zu niedrig sind, um diese Investitionen wieder herauszuholen.
Die politischen Missstände verursachen immer mehr existentielle Probleme.
Ist es nicht zu billig, für jeden Gegenwind in der Landwirtschaft die Politik verantwortlich zu machen?
Wenn man vom Verkauf seiner Produkte lebt, muss man damit leben, dass der Markt den Preis macht.

Jedes Gewerbe muss doch für den Grundbedarf der Produktion langfristig planen; ein üblicher Weg dazu wären Termingeschäfte.
Zudem gibt es den Trick, antizyklisch zu kaufen (z.B. Holzpellets im Frühjahr nach Ende der Heizperiode).
Auch ist es wohl nicht verboten, sich von nicht verderblichen und leicht lagerbaren Waren mit absehbarem Bedarf einen Vorrat anzulegen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
wörpedahler
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3367

Ungelesener Beitrag von wörpedahler »

emil17 hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 06:54 Auch ist es wohl nicht verboten, sich von nicht verderblichen und leicht lagerbaren Waren mit absehbarem Bedarf einen Vorrat anzulegen.
Ich bin jetzt kein Bauer und kenne auch nicht im Detail die deutschen Gesetze.
Ich kann mich aber sehr gut an ein Düngersilo in einem gewissen Hafen erinnern, dass dann explodiert ist und die halbe Stadt mit in die Luft gejagt hat.
https://www.bpb.de/politik/hintergrund- ... von-beirut

Ich könnte mir daher sehr gut vorstellen, dass es doch schon Gesetze zur Lagerung von solchen Stoffen gibt.
Oder um es kurz zu sagen: Vielleicht ist es in Deutschland doch verboten sich einen ordentlichen Vorrat anzulegen?
"Beispiel Dünger-Lagerung: Ab dem zweiten Schüttgutsack – sogenannten Bigbags – Kalkammonsalpeter muss die „Technische Regel für Gefahrstoffe“ (TRGS) 511 „Ammoniumnitrat“ beachtet werden. Eine Scheune als Lager scheidet damit aus."
Quelle: https://www.profil.bayern/02-2019/rat/g ... d-abgeben/


Damit wollte ich dich aber nur etwas ärgern. Grundsätzlich stimme ich dir zu, wer unternehmerisch handelt muss auch auf Risiken vorbereitet sein. Das die Bauern alle einen dicken Mercedes fahren aber ständig meckern wie schlecht es ihnen geht ist bei uns in der Gegend schon ein geflügeltes Wort geworden...
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3368

Ungelesener Beitrag von Manfred »

@Emil: Es war aber halt die EU-Poltik, die die Bindung der Preise für die Gaslieferverträge mit Russland an den Börsenpreis verlangt hat.
Da hatten und haben die Bauern keinen Einfluss, so wenig wie auf russische und chinesische Exportquoten.
Und den Stickstoffdünger kann man sich auch nicht einfach jahrelang in die Scheune kippen. Wenn er Feuchtigkeit zieht, verklumpt er.
Großbetriebe haben teilweise geeignete Lagerkapazitäten für einige Monate geschaffen, um bei günstigen Konditionen etwas Vorrat kaufen zu können. Die meisten kleineren Bauern lassen ihre Düngerstreuer direkt an den Lagern des Landhandels befüllen.

Was die Absicherung über die Terminmärkte angeht:
Da erklärt ihr Aktien zu Teufelszeug, aber jeder kleine Bauer soll seinen Ein- und Verkauf über Jahre im voraus (was schon rein technisch kaum möglich ist) über die hochvolatilen Terminmärkte absichern?
Es gibt durchaus Betriebe, die das für einen Teil der jeweils nächsten Ernte (was realistisch möglich ist) machen. Man sollte dann aber auch technisch in der Lage sein, die Kontrakte im Zweifelsfall physisch zu beliefern. Dazu braucht man aber die nötigen Mengen und Lagerkapazitäten. Wer nicht wenigstens ganze LKW-Ladungen einheitlicher, gereinigter Ware liefern kann und die LKWs auch entsprechend schnell beladen kann, ist da außen vor.
Für die meisten kleineren Betriebe ist ein Teilweiser Ein- und Verkauf über Vorverträge mit dem Landhandel realistischer. Die werden in unsicheren Zeiten wie aktuell aber kaum angeboten oder nur zur Konditionen, die klar zum Vorteil des Handels sind.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3369

Ungelesener Beitrag von Manfred »

wörpedahler hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 09:08 Ich kann mich aber sehr gut an ein Düngersilo in einem gewissen Hafen erinnern, dass dann explodiert ist und die halbe Stadt mit in die Luft gejagt hat.
https://www.bpb.de/politik/hintergrund- ... von-beirut
Da muss an gar nicht so weit fahren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Explosion ... toffwerkes

Da hatte sich auch der fecht gewordene Dünger verklumpt und man versuchte, ihn zu lockern, um ihn wieder aus dem Lager zu kriegen...
Ginge durch den inzwischen vorgeschriebenen Kalkzuschlag bei der an Endabnehmer verkauften Ware so heute nicht mehr, aber das Verklumpungsproblem bleibt.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3370

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Bei uns und wohl auch bei Euch gibt es landwirtschaftliche Genossenschaften, die den Zweck haben, Einkäufe von grossen Mengen von Verbrauchsware zu guten Konditionen (Dünger, Futter usw.) zu ermöglichen und die auch zum Teil den Vertrieb von Obst und dergleichen übernehmen. Der Geschäftsführer ist von der Genossenschaft angestellt und sollte die Fähigkeit haben, Märkte der kritischen Waren zu beobachten. Das funktioniert aber nur, wenn die Landwirte der Genossenschaft auch in Jahren treu bleiben, wo es gut ohne ginge.
Ansonsten kann man eben nicht den Groschen und das Brötchen gleichzeitig haben. Wenn man sich den Düngerstreuer zum Tagespreis beim Händler füllen lässt, dann zahlt man auch den Tagespreis beim Händler und trägt das Risiko kurzfristiger Teuerung zur Unzeit eben selber. Das ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.
Ansonsten sind Termingeschäfte z.B. für Brotfabriken usw. üblich, damit können die ihre Preise kalkulieren und haben Sicherheit, dass die Ware dann auch da ist. Natürlich ist diese Dienstleistung nicht umsonst zu haben und der Abnehmer muss im Voraus wissen, wieviel er braucht, aber ob die Ware auf Termin knapp wird und wie er anliefert, ist dann dem Händler sein Problem.

"nur zur Konditionen, die klar zum Vorteil des Handels sind"
Wenn du alle deine Kartoffeln für 2 Euro das Kilo verkaufen kannst, weil der Markt das gerade hergibt, dann kriegt man bei dir vermutlich auch keine billigeren Kartoffeln?
Zynisch könnte man sagen, jammere nicht, mach einen Düngerhandel auf und werde reich.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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