Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

wörpedahler
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3371

Beitrag von wörpedahler »

Ich finde Land als Geldanlage ist etwas völlig anderes als andere Geldanlagen:
Land hat einen intrinsischen Wert.
Nehmen wir eine hypothetische globale Katastrophe an ("Zombieapokalypse").
Was nutzen dir dann deine Aktienpakete, deine ETF-Sparpläne, deine Goldmünzen und deine Bitcoins? Nüscht!
Aber auf deinem Land kannst du weiterhin Kartoffeln anbauen.
(Das gilt natürlich nur für selbstgenutztes Land, nicht für spekulation auf Wertsteigerung bei Bauland)

Einen Schritt weiter: Wenn du vor 30 Jahren einen Walnussbaum und ein paar Hochstamm-Obstbäume gepflanzt hast, musst du jetzt nicht mal was anbauen sondern kannst "einfach ernten". Das kann man schwer in Prozent-Rendite umrechnen. Ist aber eine Investition in eine sichere Zukunft. Klar kann der Baum auch sterben. Daher würde ich keine Plantage mit 200 gleichen Apfelbäumen anlegen. Aber genau so gut kann der Tesla-Kurs morgen auf Null fallen. Ein bisschen Diversifizierung schadet weder im einen noch im anderen Fall.

Es gibt da eine interessante Folge beim "Tartortreiniger" wo ein Prepper in Fahrradanhänger investiert weil er der Meinung ist, dass die nach der Katastrophe das wertvollste Gut sein werden. :pfeif:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3372

Beitrag von emil17 »

Der intrinsische Wert von selbst bestelltem Land besteht vor allem darin, dass die Rendite in realen Dingen wie Kartoffeln oder Brennholz besteht und nicht in Zahlen auf einem Konto, die nur wiedergeben, wie stark andere das wollen, was man hat.

Ansonst ist das ja nun ein Thema für Prepper-Foren.
Dort findet man aber bald, dass man sich mit Szenarien selbst wahnsinnig machen kann - es gibt Fehljahre wie dieses wo die Bäume nichts tragen. Damit muss man leben, aber dann muss man sich gegen plündernde Zombie-Horden verteidigen, man braucht ein stets abfahrbereites Fluchtauto mit allem Nötigsten und einen sicheren Ort 500 km weit weg - die Apokalypse könnte ja mit einem geplatzten AKW anfangen.
Ich denke deshalb, dass eigene Liegenschaft, eine moderate Vorratshaltung, eigene Fähigkeiten zum Improvisieren und ein gutes soziales Netz in der Nachbarschaft am besten sind. Vor allem Nachbarschaftsbeziehungen sind in einer Krise wertvoll - keiner kann alles alleine und wenn alle das gleiche Problem haben, hilft man sich auch.

Bei Apokalypsen in Form von Währungsreformen, d.h. wenn die Globalisierung nicht mehr funktioniert und man mit seinem Geld die lebensnotwendigen Dinge nicht mehr kaufen kann, sollte man keine Schulden haben.
In den Hypothekarverträgen der Banken steht zum Beispiel, dass man bei drohender Insolvenz der Bank seine Guthaben nicht mit seiner Hypothek gegenrechnen kann. Das bedeutet, dein Guthaben ist weg, deine Hypothekschuld ist noch da.
Strukturschwach ist deshalb interessant, weil Zwangsabgaben auf Immobilien (gabs in der deutschen jüngeren Geschicht schon) sich in der Regel am Verkehrs- oder Katasterwert orientieren und man sich dann besser stellt, wenn das Stückle schon vorher nichts wert war. Zudem wird man allgemein in dünn besiedelten Gebieten eher in Ruhe gelassen. Und, je teurer die Gegend, desto arbeitsteiliger muss man leben und desto mehr ist man darauf angewiesen, dass alles funktioniert.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3373

Beitrag von emil17 »

wörpedahler hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 08:54 Was nutzen dir dann deine Aktienpakete, deine ETF-Sparpläne, deine Goldmünzen und deine Bitcoins?
Goldmünzen sind nicht schlecht, weil vernünftige Wertgrösse, problemlos aufbewahrbar und allgemein akzeptiert. Zudem kann man sie ohne Aufschlag (Schmelzkosten, Warenumsatz- und Mehrwertsteuer) mit nach Hause nehmen, was bei kleinen Barren nicht gegeben ist. Man wird immer auf Dinge und Dienstleistungen von anderen angewiesen sein und nicht alles kann nach dem Gegenseitigkeitsprinzip erledigt werden. In dieser Situation ist ein allgemein anerkanntes krisenfestes Zahlungsmittel hifreich.
Deshalb haben viele Staaten immer wieder versucht, mit Verboten des Goldbesitzes ans Kleingold der Bürger heranzukommen: Goldverbot
Stell dir vor, du bist im Jahr 1923 oder 1946 in einer deutschen Grossstadt und musst etwas kaufen oder zum Zahnarzt. Was wäre besser, ein Hundertmarkschein von 1913 oder fünf goldene Zwanzigmarkstücke von 1913?
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
wörpedahler
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3374

Beitrag von wörpedahler »

emil17 hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 09:38 Stell dir vor, du bist im Jahr 1923 oder 1946 in einer deutschen Grossstadt und musst etwas kaufen oder zum Zahnarzt. Was wäre besser, ein Hundertmarkschein von 1913 oder fünf goldene Zwanzigmarkstücke von 1913?
Ja schon, aber weisst du was noch besser gewesen wäre? Ein Sack Kartoffeln oder ein Stück Kohle!
Auch Gold kann man nicht essen und die Wohnung wird davon auch nicht warm.
In wirklich harten Situationen lasse ich die Goldmünzen zurück und nehme stattdessen eine Dose Ravioli mit. :pft:
Winnie07
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3375

Beitrag von Winnie07 »

Der Wert vom Land im Katastrophenfall... Ich denke, gerade jetzt wird klar, dass Eigentum nichts Absolutes ist. Wenn eine Notsituation entsteht und viele Leute hungern, wird der Staat wohl umverteilen, auch gegen den Willen des einzelnen. Das Kollektiv über dem einzelnen (Stichwort Impfpflicht?). Das beste, was einem dann passieren kann, ist unter dem Radar zu fliegen, also nicht aufzufallen. Oder es ist gar keine Notsituation, und du wirst wie ein Bauer bei uns in der Gegend enteignet, da ein Gewerbegebiet lukrativer ist. Klar kriegst du dann Geld, aber den erwähnten Nussbaum hast du dann auch nicht mehr, ganz zu schweigen vom emotionalen Wert, wenn das Land schon seit Generationen in deiner Familie ist.
lg
Winnie07
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3376

Beitrag von emil17 »

wörpedahler hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 10:59 Ja schon, aber weisst du was noch besser gewesen wäre? Ein Sack Kartoffeln oder ein Stück Kohle!
Auch Gold kann man nicht essen und die Wohnung wird davon auch nicht warm.
In wirklich harten Situationen lasse ich die Goldmünzen zurück und nehme stattdessen eine Dose Ravioli mit.
Je nach dem, was die da in den Ravioli als Füllung verwendet haben, ein schnell drehender Fleischwolf kann vieles vertragen, ist das dann sehr hart.

Es ist ein guter Teil der Vorsorge, dass man politisch, ehrenamtlich und als Nachbar darauf hinwirkt, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen können. Eigentum ist nichts wert, wenn es keinen funktionierenden Staat gibt, der das Gut vor dem Zugriff Dritter schützt und der die Infarstrukturen schafft und erhält.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3377

Beitrag von Rohana »

Tja, da ist wohl das einzige Mal dass unser Land ein Glücksfall ist: Das will niemand geschenkt haben, nicht für'n Gewerbegebiet und auch nicht um was anzubauen, weil's so schlecht ist :lol:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3378

Beitrag von Manfred »

Zurück zum Thema:
Beim Stickstoffdünger sitzt die EU-Landwirtschaft in der Scheiße.
Russland und China produzieren für die eigenen Märkte relativ günstig und haben Exportstopps bis Mai 2022 verhängt.
Auch der Nordamerikanische Markt ist relativ entspannt und kann sich selbst versorgen, produziert aber kaum für den Export.
In der EU sind wegen fehlender langfristiger Verträge die Gaspreise und damit die Düngerpreise exportiert. Viele Bauern können sich den Dünger nicht leisten und deshalb sind die Düngerwerke runter gefahren.
Da quasi nur in der EU ein massives Düngerpreisproblem besteht, wird es wohl nicht zu einer deutliche weltweiten Minderernte kommen, wie zunächst befürchtet.
Jetzt ist das Risiko für die EU-Bauern, dass, wenn sie teuren Dünger kaufen, im nächsten Herbst die Getreidepreise zu niedrig sind, um diese Investitionen wieder herauszuholen.
Die politischen Missstände verursachen immer mehr existentielle Probleme.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3379

Beitrag von Manfred »

Rohana hat geschrieben: So 5. Dez 2021, 20:48 Das will niemand geschenkt haben,
Räusper...
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3380

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 00:27 exportiert
explodiert?
Manfred hat geschrieben: Di 7. Dez 2021, 00:27 Jetzt ist das Risiko für die EU-Bauern, dass, wenn sie teuren Dünger kaufen, im nächsten Herbst die Getreidepreise zu niedrig sind, um diese Investitionen wieder herauszuholen.
Die politischen Missstände verursachen immer mehr existentielle Probleme.
Ist es nicht zu billig, für jeden Gegenwind in der Landwirtschaft die Politik verantwortlich zu machen?
Wenn man vom Verkauf seiner Produkte lebt, muss man damit leben, dass der Markt den Preis macht.

Jedes Gewerbe muss doch für den Grundbedarf der Produktion langfristig planen; ein üblicher Weg dazu wären Termingeschäfte.
Zudem gibt es den Trick, antizyklisch zu kaufen (z.B. Holzpellets im Frühjahr nach Ende der Heizperiode).
Auch ist es wohl nicht verboten, sich von nicht verderblichen und leicht lagerbaren Waren mit absehbarem Bedarf einen Vorrat anzulegen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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