emil17 hat geschrieben: Mi 13. Okt 2021, 20:59
Als Einzeltäter und (für deutsche Verhältnisse) Kleinbauer musst du in Nischen Unterschlupf suchen. Du musst keine Lösungen für den Gesamtsektor erfinden - das ist nicht möglich, denn wenn es von unten kommt sind Pfründe der Grossen in Gefahr und wenns von oben kommt, sind wir da wo wir jetzt sind.
Müssen tue ich erstmal relativ wenig, außer sterben irgendwann.
Und ich bin durchaus in der Lage zwischen unternehmerischen Entscheidungen für meinen Betrieb und meinen Gedanken zur Verbesserung des Gesamtsystems zu unterscheiden.
Trotzdem bemühe ich mich, so gut es mir gelingt nach meinen Erkenntnissen und Überzeugungen zu handeln, auch was meine beiden kleinen Unternehmen angeht.
Ich prognostiziere seit Jahren, dass das High-Input-System an der Landwirtschaft an die Wand fährt, weil die Kosten schneller inflationieren als die Einnahmen. Also demechanisiere ich.
Ich habe gelernt, dass wir regenerativ wirtschaften müssen, also unsere Böden wieder aufbauen, eine ganzjährige lebende Bodenbedeckung erreichen, die Tiere reintegrieren, Kreisläufe schaffen. Also tue ich das.
Ich sage, dass wir die kleinen Betriebe im Westen arrondieren müssen, um die Tiere wieder auf die Fläche bringen zu können und die Produktionskosten reduzieren zu können. Also arrondiere ich nach und nach so gut es geht.
Gleichzeitig bin ich den Zwängen der Märkte und der politischen Willkür ausgesetzt. Also nutze ich die entsprechenden Vorgaben und Fördermöglichkeiten so gut es geht um, um sie zumindest auf meinem Betrieb in aus meiner Sicht sinnvolle Bahnen zu lenken.
Und natürlich denke ich über betriebliche Strategien für verschiedene politische Zukunftsszenarien nach.
Ich sehe weltweit viele positive Entwicklungen in der Landwirtschaft.
Sorgen macht mir die Anti-Aufklärung, in der die westliche Welt immer tiefer versinkt.
Es ist natürlich, dass es eine Gegenbewegung zur Aufklärung gibt. Dass diese so schnell und heftig verläuft, macht mir aber Angst für die Zukunft meiner Neffen und Nichten. Wir sind gesellschaftlich auf dem Weg zurück ins Mittelalter.