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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 15. Mai 2020, 21:51
von emil17
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23 Die Landschaft samt ihrer Struktur lässt sich nicht mal eben so ändern, wenn überhaupt, und für den schönen Anblick zahlt niemand den, der's ermöglicht.
Doch, über Landwirtschaftssubventionen. Nur sollte man dann, wenn man als Steuerzahler sich die Sache anschaut, auch etwas davon sehen können. Diesen Sommer werdet ihr mehr von den Nettozahlern als Gelegenheitswanderer und mögliche Hofkunden haben, wenn Ihr das wollt. Also gebt Euch Mühe, dass die merken, dass ihr Geld gut angelegt war. Eine feine Brotzeit mit Sachen ab Hof in freundlicher Umgebung bewirkt mehr als zehn Artikel vom Bauer Willi. Die meisten Leute interssieren sich nicht besonders für innerbetriebliche Schwierigkeiten der Geschäftsführung eines Hofes.
Aber so feine Hofprodukte, die gehen direkt in den Bauch. Wenn es dort, wo man sie bekommt, nach frischen Heu oder Lindenblüten riecht, ist das besser, als wenn es nach Schweinegülle oder Kunstdünger duftet.
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23Was willst du direkt vermarkten, wenn du nicht grade Milch, Eier oder Gemüse hast? Weizen? Raps? Biogas? Oder ein Rind to go? ;) Lieber Emil, das sagt sich alles so easy... und die leeren Regale lassen drauf schliessen dass es keineswegs immer einen Angebotsüberhang gibt.
Rinder to go, in vernünftige Portionen abgepackt, verkaufen sich hier ganz gut. Nur steht Bio-Weidefleisch der Lokalrasse, im Sommer auf der Alm gewesen, mit dem Namen des Tierhalters auf der Verpackung und nicht bloss "tote Kuh, EU-konform, Kilo nur 7.99" Die Weiden und Hecken, wo die Tiere sind, die es noch nicht in die Verpackung geschafft haben, die kann man sich angucken.
Spanplatten und Shampoo kauf ich nicht, weil mir die Fabrik gefällt. Bei Landwirten kann das hingegen funktionieren.

Als Unternehmer muss man sich halt in die möglichen Kunden versetzen, Dinge angenehm präsentieren und in manchen Sachen in Vorleistung gehen. Wenn die Leute Eier, Milch und frisches Obst wollen, dann machste eben Eier, Milch und frisches Obst. Wenn du nur Weizen hast, stellst wenigstens eine Mühle und vielleicht noch eine Flockenpresse hin und verkaufst das Zeug frisch gemahlen kiloweise.
Einfach sagen, die Kunden wollen nicht, was ich habe, also müssen mehr Subventionen her und lästige Vorschriften weg, damit ich billiger noch mehr produzieren kann von dem was ich habe und was ich kann, was die Kunden aber nicht wollen, das funktioniert so in keiner Branche, ausser bei der Armee.
Das ist so wie beim Restaurant: Die Speisekarte muss den Kunden gefallen. Sonst klappt das nicht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 15. Mai 2020, 23:05
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:51
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23 Die Landschaft samt ihrer Struktur lässt sich nicht mal eben so ändern, wenn überhaupt, und für den schönen Anblick zahlt niemand den, der's ermöglicht.
Doch, über Landwirtschaftssubventionen.
Äh? Meinst du wirklich dass sich Feldstücke ändern "weil Subventionen"? Oder Landschaftselemente? Das ist nämlich was ich mit "Struktur" meine. Wir haben kleine Felder mit viel Hecken und Waldstücken dabei, im Osten ist das halt nicht so, im Allgäu auch nicht. Subventionen hin oder her.
Rohana hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 21:23Was willst du direkt vermarkten, wenn du nicht grade Milch, Eier oder Gemüse hast? Weizen? Raps? Biogas? Oder ein Rind to go? ;) Lieber Emil, das sagt sich alles so easy... und die leeren Regale lassen drauf schliessen dass es keineswegs immer einen Angebotsüberhang gibt.
Rinder to go, in vernünftige Portionen abgepackt, verkaufen sich hier ganz gut.
Merkste was? Von Rind, was noch geht, bis portioniert abgepackt ist n gewisser Prozess den man nicht mal eben am Hof (!) aus dem Hut zaubern kann. Was da aufm Etikett steht kann man schnell ändern.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 15. Mai 2020, 23:07
von Benutzer 4754 gelöscht
Emil, man kann nichts direkt-vermarkten wenn auf dem Acker nichts vernünftig wächst weil man es nur unter dem Bedarf düngen darf...
Deswegen muss eine Subvention an eine erkennbare Leistung im positiven Sinne und nicht bloss an einen Verzicht gebunden sein.
Der "bloße Verzicht" mündet in sinkenden Erträgen mit schlechten Qualitäten aber mit hohen Unsicherheiten.
Das ist ein Unternehmer das noch antun soll ist keine "erkennbare Leistung" in deinem Sinne?

Emil, dann habe ich mal eine Frage was mein Brötchengeber deiner Meinung konkret tun sollte um zu überleben wenn all die Gedanken der EU umgesetzt werden:
Wir bewirtschaften 3.800ha, durchschnittliche Schlaggröße 87ha, im Schnitt 82 Bodenpunkte (67-95).
Es regnet ca 550mm pro Jahr.
Es werden etwa 1.200ha Körnermais, 1.200ha Winterweizen, davon 700ha Saatgutvermehrung, 700ha Winterraps, davon 70ha Saatgutvermehrung angebaut.
Außerdem 400ha Zuckerrüben 200ha Hafer und 100ha "Sonstiges".

Wenn die EU das Umsetzt was im dem Bericht steht können wir den Betrieb schließen.
Im Brotweizen bekommt man keine Backqualität mehr hin, im Saatweizen kann man Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Co nicht mehr ausreichend kontrollieren.
Der Winterraps verhungert schon im Herbst, wenn er nicht von den Erdflöhen aufgefressen wird. Im Frühjahr bekommt man all die anderen Schadinsekten nicht mehr vom Acker,
also ist diese Kultur tot.
Die Zuckerrüben werden dieses Jahr flächendeckend von Rübenerdflöhen und Blattläusen massakriert, zudem fällt 2021 ein Großteil der Blattaktiven mittel weg.
also ist auch diese Kultur tot.
Von immer schlechter werdenden Hafererträgen kann man auch nicht leben.

Was würdest du hier tun, so wie es jetzt ist kommen wir über die Runden. Die Trockenheit lässt einen keine weiten sprünge machen, ganz pleite sind wir aber auch noch nicht.
Noch nicht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 15. Mai 2020, 23:09
von Benutzer 4754 gelöscht
Zudem wollen wir nicht noch mehr Geld vom Staat.

Sondern sinvolle, klare und nachvollziehbare Regelungen die auf Dauer bestand haben.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Mai 2020, 10:11
von Reto94
Vielleicht müsste man sich als Bauer gedanken darüber machen, was man im Bereich der Fruchtfolge, Gründüngung und Tierhaltung/Weidemanangement besser machen kann.
Man kriegt auch Nährstoffe in den Boden ohne zugekauften Dünger! Dauert ein wenig länger, aber ist langfristiger.

Monokulturen mit über 80ha pro Schlag können halt ohne Chemische Mittel nicht wirklich funktionieren...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Mai 2020, 12:48
von Rohana
Man könnte so viel machen. Man muss es halt auch verkauft bekommen! Und bitte, nicht ständig Monokultur und Reinkultur verwechseln. :ohm:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Mai 2020, 16:52
von emil17
@Oelkanne:
Ich beneide euch nicht um eure strukturellen Probleme.
Der Bio-Landbau, der von den Experten damals auch als unmöglich dargestellt wurde (mein Professor damals: Ohne Sprizen keine Ernte), den gibts trotzdem.
Auch euch wirds in einigen Jahren noch geben, unter anderem deshalb, weil irgendwas auf den Tisch muss.
Aber das geht umweltverträglicher.

Nur wenn man sich gegen alles sperrt
Rohana hat geschrieben:Von Rind, was noch geht, bis portioniert abgepackt ist n gewisser Prozess den man nicht mal eben am Hof (!) aus dem Hut zaubern kann
dann ist man irgendwann mal weg.
Deshalb gibts auch keine Schreibmaschinenmanufakturen und keine Dampfmaschinenfabriken mehr.
Für Rohana: Dann sucht euch einen Schlachter, der jammert, weil er gegen die Supermärkte mit Billigimportware nicht ankann, und tut Euch zusammen. Anderswo geht das auch.
Kleine Felder mit viel Hecken und Strukturen sind eher Kapital als Hindernis, wenns um Nachhaltigkeit und Biodiversität und Tourismus und so geht. Seid froh dass ihr die habt, und macht was draus.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Mai 2020, 21:49
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Mai 2020, 16:52 Kleine Felder mit viel Hecken und Strukturen sind eher Kapital als Hindernis, wenns um Nachhaltigkeit und Biodiversität und Tourismus und so geht. Seid froh dass ihr die habt, und macht was draus.
Haja, wir pflegen halt die Hecken, wie immer.
Nein, wir haben hier um's Eck keine jammernden Schlachter und bevor eine Altkuh auch nur ansatzweise portioniert vermarktet ist, kann man den Leuten lange nachlaufen. Natürlich könnten wir uns komplett auf den Kopf stellen nur um auf Biegen und Brechen komplett Direktvermarktung zu betreiben, aber ich seh da wirklich keinen Grund dazu, man könnte das Geld auch gleich nehmen und verbrennen :hmm:

Meine persönliche Meldung des Tages: Ein Nahschlangenerlebnis. Beim Mais nachsäen (dank der Wildsäue die den halben Acker auf links gedreht haben) habe ich eine kleine Ringelnatter erspäht, die sich unweit des Waldrands am Feld gesonnt hat. Ich hab sie natürlich vor der Weiterfahrt in Sicherheit gescheucht.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 16. Mai 2020, 23:35
von Benutzer 4754 gelöscht
Reto94 hat geschrieben: Sa 16. Mai 2020, 10:11 Vielleicht müsste man sich als Bauer gedanken darüber machen, was man im Bereich der Fruchtfolge, Gründüngung und Tierhaltung/Weidemanangement besser machen kann.
Man kriegt auch Nährstoffe in den Boden ohne zugekauften Dünger! Dauert ein wenig länger, aber ist langfristiger.

Monokulturen mit über 80ha pro Schlag können halt ohne Chemische Mittel nicht wirklich funktionieren...
Wir haben keine Monokulturen, wenn alles glatt läuft sind es Reinkulturen.
Ja, man kann über Leguminosen Stickstoff binden, die Produktion von Erbsen und Ackerbohnen gestaltet sich unwirtschaftlich da für passende Erträge das Wasser fehlt. So Sachen wie Kleegras kann man als Ackerbaubetrieb nicht wirtschaftlich sinnvoll Verwerten.
Selbst wenn man das könnte zerschießen einem Leguminosen idR über kurz oder Lang die Stoffstrombilanz.
Die Anschaffung von Tieren ist nahezu ausgeschlossen:
es gibt kein Personal zur Betreuung der Tiere und es gibt keine Stallungen. Ein Stallneubau ist unwirtschaftlich.
emil17 hat geschrieben: Sa 16. Mai 2020, 16:52 @Oelkanne:
Ich beneide euch nicht um eure strukturellen Probleme.
Der Bio-Landbau, der von den Experten damals auch als unmöglich dargestellt wurde (mein Professor damals: Ohne Sprizen keine Ernte), den gibts trotzdem.
Auch euch wirds in einigen Jahren noch geben, unter anderem deshalb, weil irgendwas auf den Tisch muss.
Nein, wenn man will braucht man uns nicht.

Dann gibt es Raps aus Kanada, Brotweizen aus Russland, Eier aus Polen und Rindfleisch aus Argentinien.

Die Produzieren alle günstiger wie wir,
die Produzieren alle deutlich umweltbelastender wie wir
aber aus den Augen aus dem Sinn.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 17. Mai 2020, 09:33
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Mai 2020, 23:35 a) Die Produzieren alle günstiger wie wir.
b) die Produzieren alle deutlich umweltbelastender wie wir
c) aber aus den Augen aus dem Sinn.
Das kann man ändern.
a) Ihr hätte nicht wegen zu strenger im Inland mit den Treckern nach Berlin sollen, sondern damit für Importware die gleichen Transportstandards gelten wie für inländische.
Zudem ist die Strategie, die Umweltauflagen zu lockern, damit man selber ebenfalls billiger produzieren kann, bei sehr vielen Leuten unwillkommen, sonst wäre das Thema nämlich nicht immer in der Presse. Es führt auch ins Nichts, denn dann werden die anderen ebenfalls nachziehen, bei immer sinkendem Presiniveau.
Es hilft nichts: Hochentwickelte Länder können bei Massenproduktion nur mit Qualität gegenhalten. Was Qualität ist, entscheidet der Kunde.
Wenn die Mehrzahl der Bauern schon etwas gegen die Grünen hat, dann nehmt denen doch einfach den Wind aus den Segeln, indem ihr dafür sorgt, dass die Art von Meldungen seltener werden, derentwegen Leute grün wählen.
b) was zu beweisen wäre. Da der Konsument nur die Umweltbelastung im Inland vorrangig mitbekommt, muss da in Vorleistung gehen, wer von anderen Besserung fordert. Da ist bei der industriellen Landwirtschaft noch ziemlich viel Platz nach oben.
Immerhin hat die EU Deutschland (und nicht alle Mitgliedländer) wegen zu hoher Gewässerbelastung zu Nachbesserung in der Düngeverordnung verdonnert. Das machen die nicht weil sie etwas gegen die Deutschen haben, sondern weil die Datenlage so war.
c) Ist so und bleibt so, deshalb muss man Produktionsregeln per Gesetz und für alle durchsetzen. Wenn man dürfte und es billger wäre, würde ein Teil der Leute hier auch das Brot per AliBaba aus China kommen lassen.