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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 09:56
von emil17
Manfred hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 09:33
Das kommt natürlich auf die Perspektive an.
Im internationalen Vergleich stehen wir relativ gut da, was natürlich auch unseren günstigen (im Sinn von fehlertoleranten) Standortbedingungen zu verdanken ist.
Auch im historischen Vergleich stehen wir recht gut da, wenn man z.B. daran denkt, dass weite Teile Deutschlands durch die Misswirtschaft unserer Altvorderen mal mit versauerten Heideflächen bedeckt waren, nachdem sie die Böden abgewirtschaftet hatten und auf Schafhaltung umsteigen mussten.
Insgesamt sehe ich die Landwirtschaft aber auf seinem guten Weg. Es gibt wieder sehr viele Bauern, die sich über die Böden und deren Verbesserung Gedanken machen. Das ist inzwischen auch durch eine veränderte Berichterstattung der Agrarpresse spürbar.
bis dahin bin ich einverstanden, in dem Sinne dass es einfach ist, schlechtere Beispiele im Ausland zu finden.
Die Aussage, die Vorfahren hätten die Böden ruiniert, ist aber im geschichtlichen Kontext zu sehen und da ist ein Vorwurf unfair. Sehr wahrscheinlich heisst es in hundert Jahren, wir hätten die Biodiversität ruiniert und unsere Böden mit Schwermetallen und anderen Chemikalien aufgeladen. Wir, das sind nicht nur, aber auch, die Landwirte.
Manfred hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 09:33Ein herber Rückschlag ist natürlich, dass durch das kommende Glyphosatverbot wieder mehr mechanisch bearbeitet und dadurch der Boden geschädigt wird.
was zu beweisen wäre
Manfred hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 09:33 Auch die extreme Verschlechterung des ökologischen Gesamtzustandes vieler Vertragsnaturschutzflächen ist dramatisch. Ich habe ja selbst für einige Flächen Programme abgeschlossen und hätte nicht erwartet, dass die Schäden durch diese Art der Plünderwirtschaft so schnell eintreten. Ich lasse diese deshalb wieder auslaufen. Den Biodiversitätsverlust auf den betroffenen Flächen kann ich ethisch nicht verantworten.
Bevor du da die Ethik bemühst: Du hast das schon mal behauptet und ich habe dich gebeten, das durch Zahlen zu belegen. Was du auf deinem Land machst, ist natürlich deine Sache. Du könntest aber die Leute von der Fachstelle fragen, inwieweit ihre Ziele (für deren Verwirklichung du Geld von denen bekommen hast), sich realisiert haben.
Schlaue Landwirte lassen sich vom Naturschutz dafür bezahlen, dass sie auf gewissen Flächen Dinge unterlassen, die sie auch sonst nicht tun würden (z.B. Jauche auf abgelegenen Steilwiesen auszubringen).
Naturschutz hat übrigens zum Ziel, in einer Region möglichst viele Arten zu erhalten, nicht nur die, die maximale Artenzahl auf einem Standort zu fördern. D.h. viele Spezialstandorte im Mosaik mit pro Flächentyp relativ wenigen, aber unterschiedlichen Arten ergibt für die Region unterm Strich mehr als homogene Kulturen.
Es verhindert ja niemand Heckenpflazungen mit dem Argument, dass da wo die Hecke steht, Arten der Wiesen unterdrückt würden und das deshalb nachteilig für die Biodversität sei.
Wenn man einfach alle Flächen hochdüngt, bekommt man zwar viel Stoffwechsel pro Fläche und Zeit, aber nicht viele Arten und schon gar nicht viele Arten auf regionaler Ebene.
Dass viele Arten auf magere und schlechte Böden, auf Sümpfe usw. spezialisiert sind, hat vor allem damit zu tun, dass diese vor der menschlichen Landnahme viel häufiger waren. Mit Ausnahme einiger Ökotypen auf Mähwiesen sind alle Wildpflanzen viel älter als die letzte Eiszeit.
Manfred hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 09:33Auch Sarah Savory hat wieder aktuelle Videos aus Afrika gepostet, welche die dramatischen Schäden durch die Misswirtschaft im dortigen Pseudonaturschutz zeigen. Es ist wirklich erschreckend, das sich sowas trotz des heutigen Wissens noch immer unter dem Deckmantel des Naturschutzes tun und fördern lässt.
Bleiben wir doch in Mitteleuropa, das Thema Savory ist eine andere Baustelle.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 11:23
von Teetrinkerin
Rohana, du hast die Doku sicherlich nicht angeschaut.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 11:56
von Rohana
Teetrinkerin hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 11:23 Rohana, du hast die Doku sicherlich nicht angeschaut.
Doch. Ich kannte sie sogar schon. Es wird versucht sich nicht schwarzweiss zu geben, da bleibts aber beim Versuch...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 12:28
von Teetrinkerin
Es wird sowohl ein konventioneller, als auch ein Biolandwirt vorgestellt. Einer der Wissenschaftler sagt auch, dass es vorranging NICHT um bio oder konventionell geht. Die Landwirte äußeren ihre Sorgen und Bedenken und ihre Motivation, warum sie einen anderen Weg gehen (auch auf konventioneller Schiene).

Ein reines schwarz-weiß-malen konnte ich der Doku nicht entnehmen. Jedoch aber auch, dass sowohl der Verbraucher als auch der Handel und die Politik mit in der Pflicht sind.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 14:07
von Rohana
Njah... Pauschalaussagen und isolierte Aspekte ohne ganzheitliche Betrachtung stören mich schon enorm. Der Grundtenor ist halt doch "Chemie ist böse". Vermutlich hab ich aber hohe Ansprüche und ja, es gibt auch wesentlich schlechtere Dokus ;) :flag:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 18:08
von emil17
Rohana hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 14:07 Der Grundtenor ist halt doch "Chemie ist böse"
Lies einmal "The silent spring" von Rachel Carson und du weisst warum.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 18:45
von Benutzer 4754 gelöscht
emil17 hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 18:08
Rohana hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 14:07 Der Grundtenor ist halt doch "Chemie ist böse"
Lies einmal "The silent spring" von Rachel Carson und du weisst warum.
Nicht alles was hinkt ist ein vergleich.
Das Buch ist nun 57 Jahre alt, alle dort beschrieben Techniken und Wirkstoffe gibt es hier nicht mehr.
Die Wirkstoffe die auf Aldrin, Chlordan, Heptachlor, Dieldrin & co folgten sind deutlich ausreifter, wirken spezifischer und sind in der Toxizität gegenüber nicht-ziel Organismen nicht zu vergleichen.
in den 1940er bis 60er Jahren gab es praktisch keine Vorschriften zur Zulassung von PSM die in Wirkstoff verhindert haben, ebenso waren Anwendungsbeschränkungen ein Fremdwort.

Heute braucht es zur Entwicklung eines neuen Wirkstoffes etwa 10 Jahre,
hat dann die Industrie eine Wirkstoff gefunden muss sie einen Antrag stellen und dann wird dieser Wirkstoff 5 Jahre lang von den diversen Zulassungsbehörden geprüft.
Ist der Wirkstoff zugelassen kann die Firma daraus ein Produkt herstellen und dann für dieses Produkt eine Zulassung beantragen, hierbei muss jede Kultur und jeder Schadererreger extra beantragt werden.
wird diesem Antrag stattgegeben ist das mittel für 10 Jahre zugelassen.

Außer es gibt neue Erkenntnisse und die EU oder das BVL entzieht die Zulassung für das Mittel oder den Wirkstoff, dann war alles für die Katz.
Je nach dem wie die EU oder das BVL die Gefahr einschätzt gibt es vom sofortigen Verbot bis zur zwei jährigen Aufbrauchsfrist alles.


Ja, emil
du wirst nun schreiben "alles heißes bla blubb", wir seien blind und blöd außerdem seien wir ja von der Industrie gekauft und wollen das immer alles beim alten bleibt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 19:00
von Benutzer 4754 gelöscht
Auf meinen Vorschlag das du dir einen Betrieb kaufst (bei einem mittleren Betrieb wäre das nur eine Summe von etwa 10.000.000€, das wäre für dich ja ein klacks), bist du nicht näher eingegangen.

Als halblebige Alternative könnte ich dir anbieten das du eine Stelle als Betriebsleiter annimmst.
Durch dein großes umfangreiches Wissen auf dem Gebiet der Landwirtschaft wird der Betrieb mit Sicherheit zu einem der Vorzeigebetriebe schlecht hin aufsteigen.
https://de.indeed.com/Jobs?q=Betriebsle ... f97ed0e4d1
https://de.indeed.com/Jobs?q=Betriebsle ... af9d0e670f
https://de.indeed.com/Jobs?q=Betriebsle ... 17b53802b6
https://de.indeed.com/Jobs?q=Betriebsle ... df24df4493

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 21:25
von Benutzer 72 gelöscht
Oelkanne hat geschrieben: Mi 30. Okt 2019, 19:00Auf meinen Vorschlag das du dir einen Betrieb kaufst (bei einem mittleren Betrieb wäre das nur eine Summe von etwa 10.000.000€, das wäre für dich ja ein klacks), bist du nicht näher eingegangen.
Mir hast du den Vorschlag nicht gemacht, aber ...
Wir überlegen schon länger, das zu tun und haben es auch teilweise getan, na gut - keine Hof, nur ein Grundstück...

Ich hab da gefragt, wer Landwirt ist: ein Städter, der sich verschuldet, um einen Hof zu kaufen oder ein Bauer, der seinen Grund verpachtet und davon lebt - hm?
Magst du mir antworten?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 30. Okt 2019, 21:35
von Rohana
Landwirt ist der, der das Land bewirtschaftet... da steckt "Wirtschaft" drin, die über Selbstversorgung hinaus geht.