Unsere beiden Autos sind...ich weiß gar nicht wie alt.15 Jahre aufwärts? Unser geflüchteter Ukrainer fährt ein besseres Auto wie wir. (Er braucht es aber auch. Es gibt hier keine Busverbindung und auf Dauer können wir 4 Ukrainer nicht ständig zum Einkaufen und zu allen Terminen fahren. Und das Auto war einfach auch ein sehr guter Fang...der Verkäufer war sehr sozial und hat damals im Preis stark nachgelassen.)Tscharlie hat geschrieben: Sa 7. Feb 2026, 10:52 Bei der Öffnung der DDR ist etwas falsch gelaufen.
1989 fuhr ich einen Honda Accord, also ein Mittelklasseauto.
Auf der A8 nach Richtung Salzburg kamen mir die Freunde aus der DDR entgegen die über Ungarn abgehauen sind. Alle fuhren Trabi.
Heute fahre ich einen 17 Jahre alten Panda und hier der Nachbar, aus der DDR kommend, fährt einen großen Kia.
Irgendwie bin ich doch der Verlierer oder?
Jetzt haben die also ein schöneres und besseres Auto wie wir. Dafür haben sie (zumindest bahnt es sich so an) alles sonst verloren. Haus, Wohnung, Kontakt zu Enkelkind und Kindern. Da sie alle Rentner sind, können sie sich auch nichts mehr groß aufbauen. Obwohl sie fleißig, ordentlich und sehr sparsam sind.
Was soll ich da also neiden? Natürlich können wir uns durchaus ein noch besseres Auto kaufen. Aber wollen wir das?
Mein Schwager von nebenan fährt auch immer neue oder fast neue Autos. Jetzt gerade ein tolles E-Auto. Ich war aber noch nie neidisch. Und ich weiß gar nicht, ob ich so eins überhaupt haben will.
Wir hatten einmal eins neu gekauft, damals bei der Abwrackprämie. 4 Wochen später ist unsere Tochter - damals ein Führerscheinfrischling - bei MacDonalds an einen blöden Felsen in einer Einfahrt gestreift. Die lagen da als Deko. Rumms...in einer Sekunde hatte sich der Wert halbiert. Mein Mann wollte es danach nie verkaufen, weil er es damals selbst repariert hat. Bzw sein Bruder. Aber er hätte es als Unfallauto ausgeben müssen. Da wollte er es dann lieber selbst bis zum bitteren Ende fahren. Neulich nach 15 Jahren (ungefähr) ging es scheinbar endgültig kaputt und die Werkstatt war nahezu unbezahlbar. Bzw es entbehrte jeglicher Logik, in ein uraltes Auto mit vielen sonstigen Macken soviel Geld zu stecken.
Aber unser Ukrainer ist ein Genie und überdies ist ihm langweilig. Er hat darum gebeten, den kompletten Motor auseinanderzubauen dürfen. Und natürlich wieder zusammenzusetzen.
Eigentlich ist er Lehrer, nicht KFZ-Mechaniker. Keiner hat geglaubt, dass er es schafft. Meine Schwager, die eigentlich auch fit sind im Autoreparieren, kamen und schüttelten den Kopf. Als er irgendwann sagte, er läd sich jetzt das Handbuch von Opel runter, glaubte ich da auch nicht mehr viel, dass das noch wird. Aber ihm gehörte auf jeden Fall unsere aufrichtige Bewunderung. Stundenlang stand er in der kalten Garage. Mein Mann oft daneben für Handlangerarbeiten. Unverdrossen. Und er reinigte den Motor...der war am Schluss fast so sauber wie beim Kauf. Tja...und dann lief es auf einmal wieder. Und läuft heute noch. Warum also ein besseres kaufen.
Aber ich kann mir denken was Tscharlie meint. Ich finde ehrlich gesagt im Sozialwesen auch nicht alles ganz optimal. Ist ein schwieriges Thema.
Aber ich sehe mich nicht als Verlierer. Genug zu Essen und Trinken, ein - sogar eigenes - Dach über dem Kopf. Kleiderschrank ist auch voll....auf dem Konto ein bisschen Geld...und die Gesundheit ist zwar nicht optimal, aber soweit funktioniere ich noch ganz gut.
Zu meiner Rechten und Linken gibt es Ärmere und Reichere, Gesündere und Kränkere. Die Welt ist nie gerecht. Und wird es auch nie sein. Das muss man akzeptieren.
Nur Autos sind mir weitgehend egal. Hauptsache ich habe Bücher.
PS: Ups...jetzt habe ich hier ja richtig geplaudert.

