emil17 hat geschrieben: Mo 5. Jan 2026, 14:59
Ziemlich unausgereift, denn normalerweise läuft das umgekehrt. Den Biotopen ist es wurscht was du denkst, also solltest Du ein Denkmodell entwickeln, das das Verhalten von Biotopen beschreibt, statt diejenigen Biotope als unlogisch zu bezeichnen, welche nicht in das eigene Denkmuster passen.
So ist "ich verstehe es nicht" == unlogisch. Erinnert mich an meine Kinder beim Zusammenbauen von Legoautos, als die noch klein waren: Ich mache alles richtig, aber es geht trotzdem nicht. Wääääh.
Auch ein Standpunkt.
Ich konnte dir meinen Ansatz bisher offensichtlich nicht verständlich machen.
Als treibende Kraft für die Entwicklung der Lebensgemeinschaft sehe ich die optimale Nutzung der verfügbaren Ressourcen.
Solange noch eine besetzbare Nische existiert oder eine Ressource effizienter genutzt werden kann als bisher, besteht das Potential zur Weiterentwicklung.
Da es sich um aus Sicht der Thermodynamik um ein offenes System handelt, ist der Entropiezuwachs der durchströmenden Energie ein mögliches Maß für die Nutzungseffizienz.
Ein weiteres denkbares, aber in der Praxis wohl nicht zu ermittelndes Maß ist die erzeugte Biomasse, gewichtet nach der darin gebundenen chemischen Energie. Da die mikrobielle Umsetzung sehr schnell erfolgen kann, fehlt mir die Vorstellung, wie man die bei jeder Umsetzung erzeugte Biomasse messen könnten.
Als zeitliche Maßeinheit halte ich mind. 1 Jahr für sinnvoll, bei Standorten mit starken Schwankungen der Bedingungen in einzelnen Jahren evtl. noch deutlich längere Zeiträume.
Beschränkt ist die Effizienz unter anderem durch die örtlich verfügbare Artenauswahl und Limitierung (z.B. räumlicher und zeitlicher Art) der Möglichkeiten der verfügbaren Arten.
Interessant ist dann, welches die (historisch oder aktuell) bekannte Lebensgemeinschaft mit der höchsten Ressourcennutzungseffizienz für den jeweiligen Standort und seine aktuellen Bedingungen ist.
Die
Diese Lebensgemeinschaft (oder eine bisher nicht bekannte noch effizientere) ist für mich die logische Lebensgemeinschaft für diesen Standort, so lange, bis eine noch effizientere Lebensgemeinschaft entsteht / gefunden wird.
(Über das Wort logisch lässt sich trefflich streiten, es ist ein erster Arbeitsentwurf.)
Wenn wir an dem Standort eine weniger ressourceneffiziente Lebensgemeinschaft vorfinden, was ich im Entwurf als unlogischen Zustand bezeichne), gilt es die Gründe dafür zu ermitteln.
Dabei hilft ein wachsendes Wissen über gängige Lösungsansätze der Natur.
Wird der Stoffwechsel z.B. durch Kälte oder durch Trockenheit limitiert, sind bzw. waren warmblütige Herbivoren, die in ihren Verdauungstrakten die nötige Feuchtigkeit und Wärme für die mikrobielle Umsetzung der Biomasse breitstellen, eine gängige Lösung, die Stoffwechselrate des Systems zu erhöhen.
So landen wir wieder beim schon angesprochenen Boreal, wo Kälte und im Sommer nicht selten auch Trockenheit über einen hohen Anteil des Jahres limitierend wirken. Megaherbivoren wie Mammut und Co. waren in der Lage, unter solchen Bedingungen die Produktivität des Systems deutlich zu erhöhen. Kleinherbivoren wie das Ren können das nur teilweise kompensieren und sind auch weniger in der Lage, durch hohe Schneeauflagen zu fressen oder bereits kräftige Bäume zu fällen, um an deren verdaulichen Teile zu gelangen.
Dann haben wir Effekte wie die Drainage und Belüftung von Wasserkörpern durch Megaherbivoren, wie man sie auf den Luftaufnahmen aus afrikanischen Feuchtgebieten eindrucksvoll sehen kann. Unter solchen Bedingungen können keine Hochmoore entstehen und Sümpfe in den Niederungen werden so stark belüftet, dass es auch hier kaum zu Moorbildung kommt.
Deshalb sind dort, wo die Herbivoren noch relativ lange ihr Werk tun konnten, wie in Afrika und Südamerika, nur vergleichsweise wenige Moorflächen zu finden.
Und wir haben die Verdrängung des Waldes auf Standort mit sehr hohen Niederschlägen. Die Niederschläge müssen so hoch sein, dass der Boden essentielle Nährstoffe für die Herden nicht in der nötigen Menge bereitstellen und buffern kann. Dort entstehen dann Regenwälder, die die Nährstoffe überwiegend in der lebenden und toten Pflanzenmasse speichern, der Böden aber arm sind und daher nach Rodung schnell auslaugen.
Wo die Megaherbivoren früher ausgerottet wurden, blieb mehr Zeit für die Ausbreitung von Mooren und Wäldern.
Noch obigem Modell also eine "unlogische" Verwaldung und Vermoorung Europas seit dem letzten Rückzug der Eisschilde.
Lebensgemeinschaften, die an diesen Standorten nur einen teils sehr geringen Teil der möglichen Ressourceneffizinz erreichen.
Wenn man so will, die Folge menschlichen Zerstörungswerkes, weil unsere Altvorderen Schlüsselarten aus dem Baukasten der Evolution entfernt haben.