Heute gab meine Schatzka folgende Anekdote an mich weiter: Die Tochter ihrer Cousine in Sibirien hörte wohl vor kurzem von ihrem Chef, daß er und seine Begleiter einen völlig erfolglosen Angeltag am Fluß hatten. In der Nähe bemerkten sie allerdings einen Mann, der regelmäßig Fische landete. Bevor sie schließlich entnervt heimfuhren, fragten sie ihn noch nach seinem Köder. Der Mann zeigte ihnen daraufhin einen kleinen Gummifisch, offenbar der Grund für seinen Erfolg an dem Tag. Ein Deutscher habe ihn ihm vor Jahren geschenkt...
2015 waren wir bei der Cousine in ihrem von Holzhäusern geprägten Dorf an der Angara über Nacht zu Gast. Am Abend ging ich mit einem Nachbarn auf seine Einladung hin runter zum Nachtangeln auf Bresen und Wildkarpfen. Ich fing selber nichts und blieb nur zwei, drei Stunden dabei, bekam aber den Tipp, daß morgens die Raubfische in Ufernähe jagen. Noch vor dem Frühstück zog ich also wieder los und probierte mein Glück- zwei schöne Flußbarsche bissen auf Gummibarsch. Der burjatische Nachbar saß noch immer mit seinen Kumpels am Ufer. Sie hatten wohl schon einiges rausgezogen und er überreichte mir aus dem Fundus einen ordentlichen Bresen. Ich überließ ihm zum Dank den Kunstköder, den ich in Dortmund auf der Messe im Doppelpack gekauft und dann als vielversprechenden Joker in mein minimalistisches Angelset für den Sibirienurlaub gestopft hatte. Ein Universalköder, weil Barsche in Russland fast überall vorkommen und ja auch Kannibalen sind.
Ich denke immer gerne an die Erlebnisse in dem kleinen Steppendorf zurück. Das Vieh läuft frei auf der "Straße" herum, ab und zu sieht man auch berittene Hirten mit Rinder- oder Pferdeherden. Am Frühstückstisch hatte man einen genialen Ausblick auf die Bucht des aufgestauten Flusses. Der Schwiegersohn der Cousine ist Polizist und zeigte mir beschlagnahmte Fischspeere (für die nächtliche Wilderei auf Wildkarpfen im flachen Wasser) im Kofferraum seines Dienst- Nivas. Ich jätete mit den sympathischen Töchtern ein paar Reihen Kartoffeln im SV- Garten der älteren Gastgeberin. Auch deren Kinder fraßen trotz meines gebrochenen Russischs einen Narren an mir und nannten mich einfach Onkelchen. Meine Schwiegermutter machte die Barsche dann eher schlicht in der Pfanne, und den Bresen mit einer speziellen Füllung im Ofen.
Ich freute mich, mal wieder was von der Verwandtschaft zu hören, und dann sogar davon, daß mein Fisch dort heute noch rumschwimmt.
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