Komposttoilette

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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#351

Beitrag von Zacharias »

Die Feststoffe gehen in den Komposter, Urin habe ich schon immer separat entsorgt. Der "Kackpott" ist auch gleichzeitig mein Kompost, also materialmäßig schon gut durchmischt. Dein Link funzt übrigens nicht, ich nehme an, du willst damit sagen, dass sich die Medikamente über den Kompost abbauen? Das sicherlich, aber da ich keine wissenschaftliche Untersuchungen mit dem Kompost anstellen kann, ist mir das zu heikel. Ich verwende Kompost nur für den Anbau, als Einzelperson mit Tieren fällt bei mir nicht genug Kompost an, um den großzügig unter die Büsche zu kippen.

Ich hab noch mal nachgehakt bei meiner Freundin. Ihre Antwort: EM enthält Bakterien die Harnstoff zu Nitrat umwandeln können. Diese Synthese läuft über Ammoniak. Der Zucker kann diese Synthese auch nochmal anheizen weil er Energie liefert.
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#352

Beitrag von Eberhard »

Der Bioreaktor im Komposthaufen - landmensch
Fazit: Da kann eine Menge abgebaut werden, übrigens gründlicher, als wenn Abwasser durch die meisten öffentlichen Abwasseraufbereitungsanlagen läuft und dort im Schnitt nur einige Stunden verbleibt.
Ihre Antwort: EM enthält Bakterien die Harnstoff zu Nitrat umwandeln können
Wenn Du auf #338 und den dortigen Link zurückgehst: Milchsäurebakterien (sind auch wesentlicher Bestandteil von EM, und gerade in so einer Anwendung würde ich nie auf EM zurückgreifen, weil zu teuer) bewirken gerade das Gegenteil, sie unterbinden Urease und damit den Zerfall von Harnstoff im Ammoniak. Harnstoff wird nie direkt Nitrat, Nitrifikation hat einige Stufen.
Wenn es um Geruch geht: Nitrat ist da recht neutral, Harnstoff riecht schon, Ammoniak riecht sehr kräftig, und da lügt auch die Nase nicht: Ammoniak ist giftig, also auf Abstand halten.

Das versteht ja auch nicht jeder: Stinkende Gülle und jene Jauche aus Biogasanlagen sind ammoniakgeschwängert und damit nicht nur ein Wirtschaftsdünger für Stickstoffbereitstellung, sondern auch Bodengifte, die bei flächiger Überladung des Bodens beim Ausbringen auch ihre Wirkungen haben. Daher empfehlen namhafte Experten, diese Wirtschaftsdünger zu behandeln (MO, Gesteinsmehle, Pflanzenkohle, ...).
Wenn es nicht mehr stinkt, ist der Stickstoff besser gebunden und bleibt besser verfügbar, und einen nichtstinkenden und ungiftigen Dünger kann man auch leichter und akzeptierter ausbringen.
Ingrid Bauer // Aufbereitung der Gülle für Gesundheit, Boden & Klima // Symp. "Aufb. LW" 2022
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
Bernd Belgien
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Re: Komposttoilette

#353

Beitrag von Bernd Belgien »

Ich hätte 2 Fragen zu diesem Bereich:
Ich kenne eigentlich nur die "gut gemeint" Variante in Europa und die "gut" Variante aus Skandinavien ( also die Sägemehl Sache)...
Muss die Trennung wirklich Erfolgen?
Mist ist ja auch ein Gemisch.
2.
"Glück auf"?
Von wo ?
(Anna, Emil)
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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#354

Beitrag von Zacharias »

Komposttechnisch weiß ich das nicht, könnte mir vorstellen, dass das eine Menge zu viel Urin ist. Aber damit beschäftige ich mich gar nicht, denn es geht mir um das Vorher. Gemischt gibt das ein äußerst unerquicklicher Gestank, den ich von den Vorbesitzern im Haus hatte und nie wieder riechen möchte. Gut, die haben den Pott auch erst geleert, wenn er randvoll war. Aber will man täglich leeren? Ich jedenfalls nicht und da gibt es geruchsneutral nur die Trenntoilette.
Sven2
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Re: Komposttoilette

#355

Beitrag von Sven2 »

Ich Rede jetzt in absoluter Unkenntnis über Medikamente im Kompost, aber:
Wenn du beim Zahnarzt eine einmalige Narkose bekommst, denke ich nicht, dass das eine Auswirkung auf die Umwelt hat. Die meisten Medikamente werde im mg und Mikrogramm- Bereich gegeben und durch den Stoffwechsel verarbeitet, weswegen ja die Wirkung nachlässt. Im Urin ist das ganze dann noch verdünnt und wird dann auf eine relativ große Fläche verteilt. Gilt jetzt für Einzelpersonen, nicht vom gesammelten Mist eines Pflegeheims oder Krankenhauses ;)
Bei längerer Medikation würde ich schauen, was es ist. Antibiotika ist raus, und über Chemo- oder Nukleartherapie müssen wir glaube ich nicht reden, dass würde ich auch nicht kompostieren. Wenn du jetzt eine Dauermedikation hast, die sich anreichern könnte, würde ich auch nachfragen, aber auch hier glaube ich nicht dass einmalige oder kurze Einnahme unglaublich große Auswirkungen hat. Hormone lass ich jetzt auch mal außen vor.
Die Dosis macht ja, dass ein Ding kein Gift ist
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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#356

Beitrag von Zacharias »

Vielleicht mache ich mir da tatsächlich zu viel Kopf. Naja, der erste Eimer ist im Straßenbelag gelandet, das Meiste wird wohl nach einer Woche ausgeschieden sein.
Bernd Belgien
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Re: Komposttoilette

#357

Beitrag von Bernd Belgien »

In diesem Fall denke ich ja.
Hier vor der Haustür liegt ein Schlachtfeld und ein Übungsplatz - seit über 100 Jahren.
Eigentlich die letzte Wildnis trotz Blei, Phosphor, Medizin im Boden - fast alles was selten, bedroht, usw. ist breitet sich von dort aus- Recht gesund wie es scheint.
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#358

Beitrag von Eberhard »

Muss die Trennung wirklich Erfolgen?
Es ist primär erst einmal sinnvoll. Urin enthält zum einen den Großteil der Nährstoffe und ist zum anderen relativ steril, wird ja von den Nieren aus dem Blut gewaschen. Problematisch können da nur Medikamente; Hormone, Drogen sein, die der Mensch so schluckt. Damit könnte man den Urin direkt als Dünger verwenden, in Mischung 1:10. Man kann ihn aber wie beschrieben auch lagern und sammeln und zumindest im privatem Gartenbereich als Volldünger einsetzen und damit das Blaukorn von der Liste streichen.
Fäzes/Kot/Scheiße sind relativ nährstoffarm - wenn der Darm seinen Dienst gut getan hat. Dort hat man eher noch unverdaute Kohlenstoffverbindungen, aber auch einiges, was man mit Krankheitserregern, Würmern und anderem in Verbindung bringt. Je nach Lebensweise des Menschen kann das wenig bis erheblich problematisch sein. Hier braucht man dann wirklich Humifizierungs- und Verarbeitungsprozesse über einen geeigneten längeren Zeitraum. So ein Haufen hat aber seinen Geruch schon schnell verloren, mit Bindung in Sägespänen oder anderen ähnlichen Materialien um so schneller. Kennt man ja auch von seiner Katze.

Lästt man beides zusammen und spült mit Wasser nach, hat man eine schöne Grundlage für Gülle, wo also das Gemisch in Anaerobie übergeht und fault. Das Video von Ingrid Bauer verdeutlicht da diese und weitere Probleme.
In der Natur vergleichsweise sind solche Hinterlassenschaften eine begrenzte lokale Störung, der typische Abbau beschäftigt sich ja mit pflanzlichen Materialien. Eine lokale Störung wird sehr schnell von einer intakten Umgebung aufgefangen, und Hinterlassenschaften von Pflanzenfressern oder gar Wiederkäuern mit einem sehr lebhaften Verdauungssystem sind nur geringfügige Störungen bis hin zur Förderung der weiteren Zersetzung, weil da auch hilfreiche Darmbakterien mitgeliefert werden, die ihrerseits ihre Arbeit fortsetzen. Der Fladen einer Kuh soll nach Kräuterwiese riechen - wenn sie halt nur Gras frisst wie in ihrem Ernährungsplan vorgesehen. Fütterst Du sie mit Sojaschrott, dann ist das eine andere Verdauung mit anderen Ausscheidungen.
Pansen Wiederkäuer, Regenwurmkot, effektive Mikroorganismen - es gibt da viele Ähnlichkeiten.

Der Mensch ist aber grundlich, Er sammelt und vervielfacht Probleme, und dann muss er sich besonderes einfallen lassen. Wenn Du Deine Nase in eine klassische Güllegrube hängst: Sie sagt Dir die Wahrheit. Was da ist, ist alles andere als gut und gesund.
Wer sich Sorgen machen will, der denke mal an Abwässer von Krankenhäusern und Altenheimen, auch an Massentierproduktion, wo Medikamente nicht nur zur Krankheitsbehandlung eingesetzt werden, sondern auch schon wegen der Tierkonzentration vorbeugend sowie zur Erzielung anderer Effekte wie schnellere Zunahme.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#359

Beitrag von Zacharias »

Eberhard, du musst Katzenbesitzer sein. Nur solche Leute riechen das Katzenklo nicht mehr. Ich finde es auch nach 15-jähriger Arbeit in Katzenhaushalten widerlich. Aber auch kein Wunder bei dem, was Katzen so gemeinhin zu fressen bekommen.
Ich verwende tatsächlich nur die festen Hinterlassenschaften. Hatte anfangs mit Urin die Blumenbeete gedüngt, natürlich exakt verdünnt. Es hat nicht lange gedauert, da roch es vor dem Haus wie in einer Bahnunterführung. Also hab ich das mal fix sein gelassen. Blaukorn hab ich trotzdem noch nie gekauft, wie in diesem Forum vermutlich nur sehr wenige. Naja, steril sollte Urin beim Rauskommen sein, was auch nicht immer der Fall ist. Aber nicht mehr wenn er steht. Und wer geht schon nach dem Pinkeln düngen?
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#360

Beitrag von Eberhard »

Eberhard, du musst Katzenbesitzer sein.
Nein, das ist länger als 20 Jahre her. Katzenklo gab es nur für Katzenbabies, die wurden ja gezähmt aufgezogen. Ansonsten waren die Katzen Freilaufkatzen und haben ihre Geschäfte grundsätzlich draußen gemacht. Da gab es auch kein Futter aus dem Supermarkt, sondern nur neben der artgerechten Haltung etwas Zufütterung (Essensreste von uns) und etwas Zuflucht und einige Streicheleinheiten.
Und wer geht schon nach dem Pinkeln düngen?
Nun, eigentlich sollte man in beginnendes Wachstum hinein düngen. Da hat man in den Wintermonaten eine größere Pause. So hatte ich im Außenbereich ein 60-Liter-Tonne zu Sammeln mit losen Deckel zum Auflegen. Da war nichts erhebliches an Geruch zu bemerken.
Und es gibt doch überall holzlastigen Kompost oder Sägespäne oder zu entfernende Holzstöcke, die für eine Rotte Stickstoff brauchen.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
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