Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

Antworten
Benutzeravatar
guzzmania
Beiträge: 455
Registriert: Mo 26. Aug 2013, 16:03
Wohnort: Eichgraben

Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#1

Beitrag von guzzmania »

Weil gerade Stromkosten elektrischer Dörrgeräte debattiert werden fällt mir eine Frage ein, die mich schon länger beschäftigt:
Kann hier jemand Langzeit-Erfahrungen berichten, ob selbstgebaute Solar-Dörrgeräte sich bewähren? Bzw. welche Art von Konstruktionen sich bewähren?
Ihr kennt sicher die diversen Bilder und Anleitungen, die im Internet und Ratgebern kursieren.

Aus Erfahrung vergangener "Permakultur"-Materialexzesse klug geworden, bin ich mittlerweile etwas misstrauisch. Warum sieht man hunderte Anleitungen für den Bau, aber kaum Videos und Berichte über diese Geräte im langfristigen Gebrauch? Warum sehe ich keine in ambitionierten Hausgärten stehen? Kann es sein, dass die gar nicht funktionieren oder rasch vergammeln?

Grund meiner Frage ist, dass ich gerne mit Sonnenenergie dörren würde, aber ich fürchte die Geld- und Materialverschwendung.
Benutzeravatar
emil17
Beiträge: 8281
Registriert: Di 21. Sep 2010, 08:07
Wohnort: In der Schweiz da, wo die Berge am höchsten sind

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#2

Beitrag von emil17 »

Ich kann dazu etwas schreiben, denn wir hatten, lange ists her, in der Studenten-WG in Basel mal so etwas gebastelt, im wesentlichen aus Schrott und Sperrgut: ein alter Bürostuhl als drehbarer Ständer, alte schwarz gestrichene Offset-Druckplatten als thermischer Solarkollektor, Lüfter aus altem PC als Ventilator und so weiter.
Achtung: Wenn man die Siebe aus Fliegengitter baut, solches aus Edelstahl nehmen, oder die Kunststoffnetze vewenden, die man im Baugewerbe zur Armierung von Putz und Estrich braucht. Gewöhnliches Fliegengitter rostet, wenn es mit dem Saft der Fruchtstücke in Kontakt kommt.
Die Siebe sollten auf einen handelsüblichen Dörrer passen, damit man das Dörrgut fertig trocknen kann, wenn das Wetter nicht mit macht.

Das Gerät funktioniert so gut, wie die Sonne scheint.
Im Herbst kriegt man damit die Menge von Obst nur trocken, wenn es sonniges wolkenloses Wetter ist, ab Mitte Oktober wird es auch dann zäh.
Im Sommer geht es sehr fix, aber dann hat man meist nur Kräuter, die man auch so auf Sieben oder Tüchern an die Sonne legen kann.
Wenn du viel Bohnen dörren willst, ist es eine gute Sache. Aber auch die kriegt man durch Auslegen auf Tüchern im Spätsommer noch trocken.
Ein Nachteil ist auch, dass das Gerät, wenn es Durchsatz haben soll, recht gross und sperrig wird und man entsprechend Platz braucht. Zudem muss man sich drum kümmern, also der Sonne nachdrehen - oder auch dafür etwas basteln. Und es sollte standfest und unter Dach sein, sonst wird man irgendwann mal von einem Gewitter erwischt.
In südlicheren Klimazonen, etwa im Tessin, sicher nützlich, in der Nordschweiz und in Deutschland eher etwas für Freaks.
Wenn schon würde ich mir ein Hybridgerät basteln, d.h. einen Untersatz als Solar-Thermokollektor, der die Luft vorwärmt, die das Elektro-Dörrgerät ansaugt. Wenn man ein südexponiertes zugängliches Schrägdach hat, muss das nur ein altes Fenster mit Abstand als Lüftungskanal sein, die Dachhaut ist dann die Kollektorfläche. Damit kann man dann bei schönem Wetter einiges an Strom sparen. Das Dörrgerät muss es allerdings zulassen, dass man Heizung und Lüftung separat regeln kann.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Johannisbeere
Beiträge: 372
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 15:58
Wohnort: Winterhärtezone 8a,

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#3

Beitrag von Johannisbeere »

Hallo zusammen,
ja zu einem Solar-Trockner, darf ich auch ein bisschen was erzählen.
Hier im nördlichen Münsterland funktioniert es bei einem normalen Sommer eigentlich nur mit Kräutern, in diesem Sommer bei 30° bis 35° funktionierten auch über 2 Tage Sauerkirschen. In den Sommer davor, war das nur zum Vortrocknen geeignet wie z.B. bei Tomaten und dann im Backofen oder elektr. Dörrgerät zum nachtrocknen, meisten aber nur bis Ende September (je nach Wetter).
unkrautaufesserin
Beiträge: 1003
Registriert: Di 10. Jul 2012, 15:27
Familienstand: glücklich verheiratet
Wohnort: In der Mitte

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#4

Beitrag von unkrautaufesserin »

Ich benutze meinen ungedämmten Dachboden als Solartrockner. Er wird wirklich backofenwarm, auch wenn ich die Fenster an den Giebeln öffne.

Die Weizenbirnchen schneide ich in Achtel, entferne das Kernhaus und verteile sie auf aufgehängten Bettüchern. Das trocknet im Juli ratzfatz, wenn die Sonne scheint. Wenn nicht, wie letztes Jahr, faulen sie.
Aber spätestens im September trocknet nichts mehr.
Johannisbeere
Beiträge: 372
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 15:58
Wohnort: Winterhärtezone 8a,

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#5

Beitrag von Johannisbeere »

Was sind denn Weizenbirnchen, ähnlich wie "rosa Zwergenbirnnchen", die auch Blutbirnen genannt werden und ziemlich klein sind?
unkrautaufesserin
Beiträge: 1003
Registriert: Di 10. Jul 2012, 15:27
Familienstand: glücklich verheiratet
Wohnort: In der Mitte

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#6

Beitrag von unkrautaufesserin »

Die Weizenbirnchen bekommen ihren Namen erstens von der Reifezeit ( zur Weizenernte) und zweitens von der Größe 5cm Durchmesser und 7 cm Länge... ungefähr. Ein paar sind größer, viele kleiner. Sorten gibt es viele.

Meine ist vermutlich eine bunte Julibirne, an meinem Elternhaus stand eine Petersbirne. Bei Freunden eine Rettichbirne, auch die ist leider Geschichte.
Maja
Beiträge: 89
Registriert: Di 17. Jan 2012, 08:42

Re: Langzeiterfahrung mit Solar-Dörrgeräten?

#7

Beitrag von Maja »

Ist jetzt vielleicht ein bisschen abseits vom Thema, aber ich finde die Solaranlage auf dem Dach und den elektrischen Dörrer sehr praktisch. Da kann ich auch im Oktober noch die Äpfel verarbeiten und ein zuviel an Solarstrom anderweitig nutzen.
Antworten

Zurück zu „Konservieren und Vorratshaltung“