Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4591

Beitrag von Rohana »

Die konventionelle Bewirtschaftung hat sich in den letzten paar Jahren (wo du dich echt oft beklagt hast) schon relativ gelohnt - durch glückliche Fügung an an den Märkten. Über die letzten Jahrzehnte gesehen lief es oft genug aber auch überhaupt nicht gut - beispielsweise die Jahre nach Kyrill.
Worüber ich mich idR "beklage", das sind Aussagen anderer User "man müsste nur XY" oder "das ist doch alles ganz einfach so und so". Genauso übrigens wie dein Förster der schon auf einen zukommt und man ja sonst nix tun muss - in Bayern gibt es zwar jederzeit Beratungsmöglichkeiten die man kostenfrei aufsuchen kann, aber maximal kommt hier der Staatsförster auf dich zu wenn es brennt! Es ist jeder grundsätzlich verpflichtet seinen Wald selbst zu betreuen bzw. dafür zu sorgen dass es gemacht wird, dazu gehört Käferkontrolle und Handeln im Bedarfsfall.*
Und was bitte ist eine konventionelle Bewirtschaftung (und was im Gegensatz dazu eine unkonventionelle?) Einschlagen kann man nur was da ist, ungeachtet deiner Einstellung dazu... :hmm:


Last not least liegt der grösste Unterschied zwischen deinem und meinem Fall schlicht darin dass bei uns der Forst zum Haupterwerb gehört. Land- und Forstwirtschaft finanzieren hier einen 6-Personen-Haushalt. Da ist logisch dass wir auf die Wirtschaftlichkeit achten, auch wenn die irgendwo in einer Zukunft liegt die man immer nur bedingt einschätzen kann. Kann ja auch sein dass alles in 10 Jahren aufgegeben wird und unsere Enkel nie im Wald stehen werden :ohoh: Sicherlich ist der Klimawandel ein Teil dieser Zukunft, aber nicht der einzige den es zu beachten gilt.



Bevor sich jemand beschwert dass ich mich nicht genug beschwere: Grundsteuer machen mit ELSTER ... :bang: aber so lernt man die Flurstückskarte gut kennen. Falls jemand in Bayern Werte (Bodenschätzung) vom Bodenatlas braucht, wir haben anscheinend sogar Zugriff auf die Detaildaten ausserhalb der eigenen Flurstücke :pfeif:




* Ich weiss nicht wie's bei euch da oben so aussieht mit den Besitzverhältnissen im Wald, hier sind die Strukturen teilweise zum davonlaufen. Bald fangen sie an die Bäume zu teilen! Da ist fast logisch dass man dem Förster nicht zumuten kann hinter jedem Waldbesitzer her zu sein. Die Streifen sind so 10 bis 15m breit und gehören alle verschiedenen Leuten :platt: (ist in der Nähe, wir selbst haben zum Glück grössere Zusammenhänge).
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Gelöschter Benutzer 54

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4592

Beitrag von Gelöschter Benutzer 54 »

'Hosenträger-Grundstücke' nennen wir das bei uns.

Vermutlich entstanden vor einigen Generationen, als es üblich war, jedem Sohn ein Stück Land zu vererben, wozu Wälder in so ungefähr 6 ar-Streifen geteilt wurden (6000 qm Wald reichten um ein Bauernhaus mit Brennholz zu versorgen).
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4593

Beitrag von emil17 »

Aufgrund der Form der Streifen quer zum Hang könnten die Flurstücke als Aufteilung von Äckern entstanden sein, weil dafür die Form das Pflügen erleichtert. Der Wald wäre dann erst später gewachsen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4594

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 07:51 Aufgrund der Form der Streifen quer zum Hang könnten die Flurstücke als Aufteilung von Äckern entstanden sein, weil dafür die Form das Pflügen erleichtert. Der Wald wäre dann erst später gewachsen.
Glaube ich nichtmal. Die Äcker sind relativ gut in den Flurstücken abgebildet. Es ist meist explizit im Wald wo es abschnittweise, nicht überall!, so elendige Streifen hat. Zum Ort hin ist wieder so ein Abschnitt, das müsste mal Wald gewesen sein, jetzt offiziell Grünland/Wald. Vielleicht ein Resultat alter Allmende-Gebiete die irgendwann aufgeteilt wurden so dass jeder Dorfbewohner einen eigenen Streifen hatte zum Holz werben? Siehst ja den Unterschied zum Wald oberhalb und zum Acker :im:
Ich weiss leider nicht wann die grundlegende Vermessung für diese Karte gemacht wurde... wenn man Wiki glauben darf, Anfang des 19. Jahrhunderts (https://de.wikipedia.org/wiki/Flurkarte) Finde ich sehr spannend das alles!
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4595

Beitrag von emil17 »

Vielleicht war es ja zur Zeit der Ersterfassung eine Nutzung als Niederwald, da würden solche Parzellen mehr Sinn machen zumal man dann das Holz auf dem eigenen Grund nach unten herausnehmen kann und Brennholz damals eine sehr gefragte Nutzung war.
Es sieht auf Grund dieser Grenzziehung so aus, als wäre in Eurer Gegend früher Realteilung üblich gewesen. Wenn du 5 Kinder hast wird alles gefünftelt. Heiraten muss man über den Misthaufen, denn sonst hat man zu wenig Grund um die Familie durchzubringen. Soldaten und Nonnen waren gern gesehene Lebenspläne, denn die wollen nicht erben.
In unserem Zivilgesetzbuch steht extra, dass die Regelungen über Anries in Waldgrundstücken keine Anwendung finden, denn bei so kleinen Streifen stehen plötzlich viele Bäume auf der Grenze und wer darf die Fichtenzapfen und toten Äste einsammlen, die von Nachbars Baum auf dein Grundstück fallen ... heute eine absurde Frage, früher aus wirtschaftlicher Not durchaus aktuell.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4596

Beitrag von Rohana »

Hab heute mit meinem Mann und Schwiegervater ein bisschen über's Thema geplaudert. Zweiter Screenshot ist tatsächlich ein Gebiet was mal auf die Anwohner des Hauptorts aufgeteilt wurde, erstes (Streifen im Wald) gehört zur Gemarkung des Nachbardorfes und wird möglicherweise einen ähnlichen Hintergrund haben, nur dass das Dorf wesentlich kleiner war.
Auch einen Hintergrund zu unserem "Viertelwald" weiss ich jetzt - wir hatten mal (bis vor so 150-200 Jahren) mit dem direkten Nachbarn und den zwei Höfen von der anderen Seite des Tales einen gemeinsamen Viehhüter, zu dessen Versorgung wurde ein bestimmtes Waldstück genutzt. Das ist aus ungeklärten Gründen direkt bei unseren Höfen verblieben, im Nachbardorf hat sich die Gemeinde das gekrallt :pfeif: es gibt allerdings bis heute noch Waldnutzungsrechte einzelner Häuser/Höfe.
Realteilungsgebiet sind wir definitiv nicht. Die Strukturen sind zwar klein, aber nicht SO klein. Allerdings finden sich in der Gegend immer wieder explizit in Wald solche Handtuchstrukturen, nicht auf den Feldern, die teils sehr grosszügig geschnitten sind. :im:

Bayernatlas ist ein tolles Spielzeug. Zumindest solange bis man beim Rumrechnen mit dem Grundsteuerrechner merkt dass allein das Wohnhaus mit Umgriff in Grundsteuer B zukünftig so viel ausmacht wie jetzt der ganze Betrieb... :platt:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4597

Beitrag von emil17 »

Das Finanzamt macht es wie die Bauern: dort mähen, wo es Gras hat :)
Ich sehe es so, wenn man viel Steuern bezahlen muss, bleibt auch viel übrig.
Oder, anders gesagt: Ärgere Dich lieber über Dinge die du ändern kannst.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4598

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Fr 23. Dez 2022, 11:34 Oder, anders gesagt: Ärgere Dich lieber über Dinge die du ändern kannst.
Über die muss ich mich ja nicht ärgern, die kann ich ändern! :grinblum:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4599

Beitrag von Eule »

emil17 hat geschrieben: Fr 23. Dez 2022, 11:34 Das Finanzamt macht es wie die Bauern: dort mähen, wo es Gras hat :)
das halte ich, mit Verlaub, für eine irreführende Verallgemeinerung ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4600

Beitrag von Sven2 »

Forscher haben in einem Versuch Proteine aus Gras extrahiert (wohl aus 45t Gras 1t Protein), die sich an Hühber verfüttern lassen und ähnlich wie Soja nutzbar seien
https://www.agrarheute.com/pflanze/grue ... nft-601732

Ich find den Materialansatz schon krass
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