Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4561

Beitrag von penelope »

Rohana hat geschrieben: Sa 17. Dez 2022, 13:03
Ausserdem kannst du nicht Probleme der Betriebsführung nach aussen delegieren, das sind Fachfragen des Betriebsleiters wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Wenn Buchenholz zu schlecht bezahlt wird dann lass die Buchen stehen.
Du weisst schon dass staatliches Ziel der Waldumbau wegen Klimafestigkeit und blabla ist? Aber ob irgendwer das Produkt daraus (z.B. die heimische Buche) dann haben will, ist dem Staat egal. So viel zum Thema "unternehmerische Entscheidung" :lala:
Schönes Beispiel dafür, wann es absoluter Quatsch ist, auf "den Staat" zu schimpfen.
Im Waldbau muss man mit Zeiträumen von Minimum 60, eher 100 Jahren rechnen. "Der Staat" hat natürlich keine Ahnung, was in 100 Jahren am Markt gefragt sein wird - aber sonst ja auch absolut niemand. In wohl keinem anderen Wirtschaftszweig macht es so wenig Sinn, sich am aktuellen Marktgeschehen zu orientieren, wie in der Forstwirtschaft. Nach dem aktuellen Stand der Forschung wird ein sich natürlich verjüngender Wald - eben mit vielen Buchen - am robustesten gegen die Klimaveränderung sein. Folglich kann man es sich aktuell fördern lassen, wenn man seinen Wald natürlich verjüngen lässt. Ich finde das folgerichtig und gut.
Wenn man sich für einen anderen Weg entscheidet, und doch wie bisher mit Nadelbäumen aufforsten lässt, kann man sich das auch noch wieder fördern lassen. Man muss sich als Waldbesitzer aktuell wirklich unter einem Stein verstrecken, um kein staatliches Geld zu bekommen.

Wie kann man denn selbst daran noch was finden, an dem man was auszusetzen hat?
Wie soll da nicht der Eindruck entstehen, dass da einfach aus Reflex gemeckert wird?
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4562

Beitrag von penelope »

Nachtrag:
Und selbst wenn nur eine der beiden Varianten gefördert werden würde. Genau dann ist es eben eine unternehmerische Entscheiden, zu wählen, welchen Weg man geht. Man muss ja eben nicht das machen, was gefördert wird, sondern kann (im Rahmen der Gesetze natürlich) ja auch einfach sein eigenes Ding machen.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4563

Beitrag von Rohana »

penelope hat geschrieben: Sa 17. Dez 2022, 18:21 Man muss sich als Waldbesitzer aktuell wirklich unter einem Stein verstrecken, um kein staatliches Geld zu bekommen.
Hast du dir schonmal die Kataloge der Anforderungen durchgelesen, statt nur was alles gefördert wird? :bang:

Ich wär auch lieber Politiker. Da kann man immer sagen "die müssten ja nur...!" und braucht sich nicht über irgendwas wie Umsetzbarkeit, Sinnhaftigkeit oder Finanzierung der konkreten Anforderungen den Kopf zerbrechen.
penelope hat geschrieben: Sa 17. Dez 2022, 18:33 Nachtrag:
Genau dann ist es eben eine unternehmerische Entscheiden, zu wählen, welchen Weg man geht. Man muss ja eben nicht das machen, was gefördert wird, sondern kann (im Rahmen der Gesetze natürlich) ja auch einfach sein eigenes Ding machen.
Machen wir ja. Nur dann brauche ich niemanden der mir sagt "aber Subventionen"! :lala: und da sich die Eigenschaften der Hölzer auch in 100 Jahren nicht ändern werden, wär's sinnvoll vom Staat nicht nur den Waldumbau zu fordern sondern vor allem die Möglichkeiten der Nutzung des Holzes was dabei dann rumkommt. Könnte sein dass nicht jeder Bock hat seinen Wirtschaftswald in einen Anguckwald umzuwandeln und dem noch Geld hinterherzuwerfen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4564

Beitrag von penelope »

Rohana, wir haben Wald und nehmen an so einem Förderprogramm teil. Ich weiß wovon ich spreche. So rentabel wie jetzt war das seit Jahrzehnten nicht mehr. Da immernoch zu meckern ist irgendwann einfach maßlos.

https://www.facebook.com/57209864285448 ... l/?app=fbl
Gerade gefunden, passt ganz gut ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4565

Beitrag von Rohana »

Mag ja sein dass es jetzt rentabler ist als vorher, für Hobbyholzer sowieso. Erfreu dich daran solange du kannst.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4566

Beitrag von penelope »

Bei uns steht niemand als Hobby am Wochenende mit der Kettensäge im Wald, das ist in professioneller Betreuung. ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4567

Beitrag von penelope »

Nochmal eine kleine Erläuterung dazu, wie Waldbewirtschaftung in Deutschland konkret geregelt ist. Jeder Wald, ganz egal ob privat oder staatlich, ist einem Forstamt zugeordnet. Dies ist dafür zuständig, den Zustand des Waldes regelmäßig zu begutachten. Der zuständige Förster geht dann auf die Besitzer von Privatwald (egal ob 1 ha oder 1000 ha) zu und schlägt ggfls. Maßnahmen vor, berät einem zu Fördermöglichkeiten und hat natürlich auch gleich Personal und Ausrüstung an der Hand, um Arbeiten durchführen zu lassen. Man muss also als Waldbesitzer von sich aus also gar nichts unternehmen, sondern ein Profi mit Ahnung von der Sache kommt auf einen zu, ganz ohne das man selbst aktiv werden müsste.

Natürlich braucht so ein Wald ab und an auch mal Pflegemaßnahmen, beispielsweise wird in bestimmten Gebieten alle paar Jahrzehnte Kalk ausgebracht. Das läuft dann ganz konkret so ab, dass einen der Förster anruft und sagt, dass das mal wieder angesagt ist und berät auch gleich, wie man dafür an die Förderung kommt. Man gibt dann einfach sein ok, die Maßnahme wird vom Forstamt organisiert und man füllt für die Förderung das Formular aus, was einem der Förster konkret benennt. In den letzten Jahren wurden 90 bis 100% der Kosten für die Kalkung durch die Förderung übernommen. Zum Argument: "so ein Wald braucht auch Pflege, ihr wisst gar nicht wie viel Arbeit das ist" kann ich sagen: doch, weiß ich - man wartet auf einen Anruf, gibt sein ok und füllt einen Zettel aus. Das war es dann.
Natürlich darf man in seinem privaten Wald auch selbst arbeiten, wenn man eben der Meinung ist, man macht das besser als der Förster und der holt nicht genug Geld aus dem Wald. Dann kann man auch selbst dadurch stapfen und sich über jede Buche einzeln ärgern - aber dann ist das vielleicht eher das Hobby. ;)

Ich bin in einem kleinen Dorf neben einem der "Erdmannwälder" aufgewachsen. Vor 130 Jahren trat da ein für seine Zeit visionärer Förster seinen Dienst an, der gegen den damaligen Trend nicht mit Monokulturen hat aufforsten lassen, sondern einen Mischwald gefördert hat. Diese Wälder haben sich ausgezeichnet entwickelt und stehen jetzt, wo es flächendeckend Probleme gibt, ausgesprochen gut da und sind das Beispiel, an dem sich jetzt die Förderung des natürlichen Waldumbaus orientiert. Ich hab also das beste Beispiel direkt vor der Nase: die prächtigen Erdmannwälder und das Waldstück meiner Familie, dass in einem anderen Gebiet liegt und wo irgendwie immer was ist, sei es Sturm, Nässe, Trockenheit oder Borkenkäfer. Die Vorstellung, dass aus unserem Forststück auch mal wieder ein richtiger Wald wird, macht mir einfach ein gutes Gefühl, auch wenn ich zu meinen Lebzeiten höchsten noch die allerersten Anfänge miterleben werde. Und oben drauf steht man finanziell damit nicht schlechter, sondern eher besser da. :)

Falls ich einer für die Erdmannwälder interessiert: https://www.forstpraxis.de/die-erdmannw ... 2022-19155
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4568

Beitrag von Rohana »

penelope hat geschrieben: So 18. Dez 2022, 09:16 Zum Argument: "so ein Wald braucht auch Pflege, ihr wisst gar nicht wie viel Arbeit das ist" kann ich sagen: doch, weiß ich - man wartet auf einen Anruf, gibt sein ok und füllt einen Zettel aus. Das war es dann.
Ja, klar. Weil der Förster auch alles umsonst und für sein Vergnügen macht. :lol:
Nach der Logik könnte ich die Milch auch bei Aldi kaufen und die Kühe sein lassen. Ist viel weniger Arbeit! :hmm:

Wir könnten auch einen Bewirtschaftungsvertrag mit der Waldbauernvereinigung schliessen und hätten keine Arbeit mehr mit dem Wald. Kann man alles machen und macht sicher Sinn wenn man keine eigene Forstausrüstung etc hat, bzw. sich selbiges nicht lohne weit Waldfläche zu klein, oder sich bei Gemeinschaftswald es sowieso anbietet. Aber deswegen zu behaupten ein Wald mache keine Arbeit ist schlicht Unfug :) bissl Holz einschlagen und weiter nix tun ist der Sache nicht förderlich. Ein Wirtschaftswald, der auch zukünftig Ertrag bringen soll, braucht Pflege - vom Durchforsten bis zum Anpflanzen jedes Jahr, Jungpflanzen freistellen und ggf. ergänzen, Zukunftsbäume erziehen, ggf. Sturm- und Käferschäden aufarbeiten, Wege- und Heckenpflege, ....
Wir machen die Arbeit halt selbst, und die Wertschöpfung bleibt auch bei uns.
Natürlich darf man in seinem privaten Wald auch selbst arbeiten, wenn man eben der Meinung ist, man macht das besser als der Förster und der holt nicht genug Geld aus dem Wald. Dann kann man auch selbst dadurch stapfen und sich über jede Buche einzeln ärgern - aber dann ist das vielleicht eher das Hobby. ;)
Ich ärgere mich nicht über Buchen. Ich mag sie sogar sehr gerne. Es sind tolle Bäume, grade die alten. Wir werden diesen Winter leider meine liebste "Buchen-Allee" am Waldrand-Südhang fällen müssen. Da bilden ein paar Buchen vom Waldrand ein richtiges Dach über dem Weg daneben. Die werden so ein Alter von 100 bis 120 Jahren haben, vielleicht mehr, und jetzt hat sie ein Pilz erwischt :bang: . Das traurige ist halt dass die keine Karriere vor sich haben - und da könnte auch dein Förster nix dran ändern. Taugt nicht als Sägeholz. Die Säge möchten bitte gleichmässige Stämme ohne Äste und auch nicht mit 1m Durchmesser... ganz bestimmt keine sehr individuellen Individuen wie diese (Zwiesel, ewig breit, niedriger Astansatz, sehr starke untere Äste zur Südseite etc pp). Zum Aufarbeiten auch ein riesiger Spass, so eine alte Buche :aeh:
Die Buchen können nix dafür dass sie nicht "in die Säge wachsen" so wie das diverse Nadelhölzer tun. Wir haben durchaus auch sägetaugliche Stämme, die muss man aber suchen, das ist nichts selbstverständliches.
Ich hab also das beste Beispiel direkt vor der Nase: die prächtigen Erdmannwälder und das Waldstück meiner Familie, dass in einem anderen Gebiet liegt und wo irgendwie immer was ist, sei es Sturm, Nässe, Trockenheit oder Borkenkäfer.
Nebenbei ist die Grundlage des Erdmann-Waldes ein Boden und ein Klima mit dem sich relativ viel anfangen lässt. Allerdings, so schön der Wald ist, wie aktiv wird der denn bewirtschaftet? Wenn ich im Video höre dass man andere Wälder nach diesem Vorbild umbauen will in "klimastabile, strukturreiche, artenreiche Mischwälder" dann fehlt mir der Punkt der Wirtschaftlichkeit. Grade wenn so viel Laubholz angebaut werden soll, wird denen mal das Holz ausgehen was auch Geld bringt und nicht nur hübsch ist - es sei denn es ist Naturschutzgebiet wo tatsächlich der Naturschutz Hauptsinn und -zweck der ganzen Geschichte ist. Hab ich ja nix gegen, muss man aber auch so betiteln und nicht einen Naturschutzwald als Vorbild für einen Wirtschaftswald hinstellen.

Ist klar dass eine Fichtenmonokultur anfällig ist, genau wie die Kiefernmonokultur die der Ausgangspunkt für die Überlegungen und Handlungen des Herrn Erdmann waren. Monokulturen haben das so an sich - speziell wenn sie an ungünstigen Standorten stehen (ich war öfter mal im Harz, das tut so richtig weh). Man kann die aber auch ganz un-ideologisch behutsam und trotzdem auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet umbauen. Musst halt gucken was wo mit den Bedingungen zurecht kommt, welche Hölzer bis zu welchem Alter stehen bleiben und die "Brotbäume" werden sollen - das sind bei uns immernoch zum Grossteil Nadelbäume. Kiefern; Lärchen, Douglasien, Tannen und natürlich viele Fichten da wo es mehr Wasser hat, Esskastanie, Schwarznuss, Eiche wo es trockener ist. Buche wächst sowieso überall und alles was sonst so anfliegt darf gerne bleiben wenn's das Reh überlebt - was es ausserhalb des Zauns ohne Einzelschutz kaum tut :roll: aber manchmal wird man überrascht von Sonderlingen wie Elsbeere oder einer einsamen Tanne, schnell Zaun drum machen. In den letzten Jahren sehe ich immer mehr Eiben-Sämlinge in einem bestimmten Stück Wald - da fliegen die Vögel vom Garten der Nachbarin rüber und kacken hin, leider gehört der Wald zum Nachbarn...
Man muss also als Waldbesitzer von sich aus also gar nichts unternehmen, sondern ein Profi mit Ahnung von der Sache kommt auf einen zu, ganz ohne das man selbst aktiv werden müsste.
Last not least: Spätestens dann wenn der Borkenkäfer sich in deinen Fichten heimisch fühlt und sämtliche Nachbarbaumbestände gefährdet, musst du sehr wohl was unternehmen (lassen), sonst werden die Förster ungemütlich. Gibt hier oft so kleine Waldstücke wo die Besitzer nichtmal wissen dass es ihnen gehört, da muss man ewig nachrennen. :roll:
Die Vorstellung, dass aus unserem Forststück auch mal wieder ein richtiger Wald wird, macht mir einfach ein gutes Gefühl, auch wenn ich zu meinen Lebzeiten höchsten noch die allerersten Anfänge miterleben werde. Und oben drauf steht man finanziell damit nicht schlechter, sondern eher besser da.
Das darfst du gerne erläutern. Wo kommt das Geld her? Von den Subventionen für Waldumbau? Oder doch von den bisherigen Fichtenbeständen die jetzt geerntet werden?
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4569

Beitrag von penelope »

Rohana hat geschrieben: So 18. Dez 2022, 22:36
penelope hat geschrieben: So 18. Dez 2022, 09:16 Zum Argument: "so ein Wald braucht auch Pflege, ihr wisst gar nicht wie viel Arbeit das ist" kann ich sagen: doch, weiß ich - man wartet auf einen Anruf, gibt sein ok und füllt einen Zettel aus. Das war es dann.
Ja, klar. Weil der Förster auch alles umsonst und für sein Vergnügen macht. :lol:
Der ist ja bei der Kammer eingestellt, in der man eh sein muss. Also ja: für Waldbesitzer ist das wirklich quasi umsonst. :holy:

Ich hab geschrieben, dass bei Handlungsbedarf ein Profi (= der Förster) auf einen zukommt. Du willst das anscheinend entkräften und erwiderst, man solle mal abwarten, bis der Borkenkäfer da ist, dann kommt der Förster zu einem. Das bestätigt aber ja doch, was ich geschildert habe. Wie gemütlich oder ungemütlich das dann abläuft, scheint individuell zu sein. Hier läuft das neutral bis gemütlich ab, aber vielleicht kommt auch genau daher das Sprichwort: wie man in den Wald hineinruft so schallt es heraus. ;)

Maschinen werden natürlich gemietet und der Einsatz koordiniert. Habt ihr einen eigenen Harvester zu Hause stehen?

Die Erdmannwälder sind kein Naturschutzprojekt, sondern natürlich Wirtschaftswälder. Und zwar welche, die sich über die letzten guten 100 Jahre besser bewährt haben, als andere Strukturen. Deshalb werden sie ja auch zum Vorbild für Waldumbaumaßnahmen genommen. Da sitzen ja studierte Förster mit jahrelanger praktischer Berufserfahrung und machen sich intensive Gedanken darüber, wie man am besten für die Zukunft vorgehen sollte. Denen kann man entweder zuhören, oder man kann einfach alles, was nicht in die eigene Schiene passt, per se als Quatsch abtun.

Wenn du jetzt regelmäßig schreiben würdest, dass sich euer Wald so richtig gut lohnen würde und alles super läuft, könnte ich es durchaus verstehen wenn du dann auch sagen würdest, dass nichts anderes als eure aktuelle Linie in Frage kommt. Es ist aber ja das Gegenteil der Fall. Du hast dich relativ oft beklagt, dass Wald aktuell so schlecht läuft und noch nicht mal die Kosten für die Maschinen deckt. Wenn dann andere Leute berichten, dass es bei ihnen in den letzten Jahren ganz gut lief, tust du das ab und zweifelst an, dass das so stimmen kann und unterstellst gleich mal, dass die ja keine Ahnung von nix haben. Ist grundsätzlicher Misserfolg wirklich so ein sicheres Zeichen dafür, dass alles bestens läuft? ;)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4570

Beitrag von emil17 »

Ja, ja, die Wirtschaftlichkeit ...
das Killeragument gegen jeden Versuch, Sackgassen zu vermeiden.

Lustig ist, dass das keiner konsequent durchzieht? Einzelschutz von Elsbeere und so weiter ist nicht wirtschaftlich, denn der Zaun koste jetzt und wenn die Elsbeere schlagreif ist, bist du Ur-Uroma. Trotzdem macht man es.
Gerade die Probleme mit Fichten sind nur früheren Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zu verdanken. man hat damals überall Fichte gepflanzt, weil man zum Zeitpunkt dieser Pflanzungen Fichte gut hätte verkaufen können. Und gerade das zeigt, dass langfristig stabile standortsgerechte Baumarten die Grundlage jeder Wirtschaftlichkeit sind.
Dass es kaum Sägereien gibt, die Starkholz annehmen, ist auch wieder eine Folge kurzsichtger Wirtschaftlichkeitsüberlegungen - unter anderem derjenigen, dass der Zuwachs pro Zeit und Fläche ab einem gewissen Stammduchmesser abnimmt, man also Geld verschenkt wenn man die Bäume zu alt werden lässt.

Man kann übrigens als Waldbesitzer gut entweder das Forstamt machen lassen, oder die Arbeit selbst machen und die Wertschöpfung behalten. Aber man kann nicht die Arbeit selbst machen und sich beklagen, dass es sich eigentlich nicht rechnet, weil man die falschen Bäume oder die falschen Böden hat.
Wenn man eine durchgehende Wirtschaftlichkeitsrechnung macht und Opportunitäskosten wie verpasste Löhne bei Tätigkeitswechsel mit berechnet, dann kann man diese fiktiven Kosten nicht nur als Argument verwenden, dass es sich eigentlich gar nicht rechne, sondern auch als das wofür sie sich jemand ausgedacht hat: Nämlich als Entscheidungsgrundlage, was man überhaupt machen soll, um sein Einkommen mit den vorhandenen Mitteln und Fähigkeiten zu optimieren.
Den Vogel abgeschossen hat ja mal Manfred hier im Forum, der hat für seinen Hof seinen entgangenen Lohn bei lukrativerer Tätigkeit als Opportunitätskosten abgezogen, die fiktive Eigenkapitalrendite des Erlöses aus dem Verkauf des Anwesens bei optimaler Anlage ebenfalls, und damit vorgerechnet, dass sich das, was er tut, Geldverschwendung sei.

Die gleiche Überlegung bei der Freizeitgestaltung: Soll ich ins Kino oder ins Hallenbad? Bei gleichem Spassfaktor ist das eine als Opportunitätskostenpunkt vom Spass des anderen abzuziehen, folglich bleibt nix egal welche der beiden Möglichkeiten ich wähle und als Ausweg bleibt, zu Hause zu sitzen und sich zu ärgern.

So kann man es natürlich machen, die alte Vorksweisheit dass man nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen kann sollte man aber auch nicht vergessen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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