Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4161

Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Do 11. Aug 2022, 09:12 Ach und hier mal ein Link von höchster Stelle, der ein etwas anderes Bild zeichnet (wir waren ja beim Rückgang der Artenvielfalt) https://www.bmuv.de/themen/naturschutz- ... anzenarten
Dazu folgende Anmerkungen meinerseits:
Der Zusammenhang zwischen Landnutzung und Biodiversität wird allzu einfach dargestellt. Einmal sind sehr viele artenreiche Lebensräume durch landwirtschaftliche Nutzung erst entstanden, andererseits ist die Intensivierung und Mechanisierung dieser Lebensräume eine Hauptursache des aktuellen Artenschwundes.

Ob jetzt Intensivierung bloss eine Variante von Zerstörung ist, sei dahingestellt; ich würde Intensivierung jedenfalls als gleichberechtigte Hauptursache nennen.

Daraus zwei Folgerungen:
Ohne Bauern geht es nicht
Gebirge sind Refugien des Artenreichtums, weil dort das Gelände die Intensivierung verhindert.
Natürlich wäre es allzu billig, von den Landwirten eine Bewirtschaftung wie etwa um 1920 zu verlangen, damit die Blümchen bleiben, während all die anderen Leute im Land auf modernste Weise leben, konsumieren und verschwenden. Aber man kann verlangen, dass die grossen Geldmengen, die die Öffentlichkeit in die Landwirtschaft steckt, dort auch den Anliegen des Artenschutzes förderlich sind. Das funktioniert offenbar nicht, sonst hätte man weder Grundwasser- noch Insektensterbeprobleme.

Des weiteren wurde als Hauptursache die vermehrte Nutzung der Umwelt für die Freizeit vergessen. Durch Events, Geländeläufe, Klettersteige, Motorboote, Deltafliegen, Motocrossrennen, Downhillbiking, Skifahren abseits der Pisten, Canyoning, Bahnen auf den letzten Gipfel und all das bis in die hinterste Ecke des Landes leiden zuerst störungsempfindliche Tiere, längerfristig aber auch die anderen Arten.

Zum dritten lässt sich Artenvielfalt nicht durch blosses Zählen von Arten bewerten. Wenn man beispielsweise von einem Trockenbiotop die halbe Fläche durch Düngung in Fettwiedse verwandelt und auf den Restflächen nun Löwenzahn und Brennesseln und Schmeissfliegen statt vorher zweier Orchideenarten und Wildbienen zu finden sind, dann ist bezüglich Artenvielfalt im Gesamtgebiet überhaupt nichts passiert. Will heissen, erst durch Kenntnis der verschwundenen und der neu hinzugekommenen Arten und ihrer Ansprüche lässt sich der Qualitätsverlust einigemassen verstehen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4162

Beitrag von strega »

Zitat rohana:
"Das wird noch lustig zu lösen - einfach auf die Wiese stellen ist wohl zu einfach gedacht :pft:"

warum? Klär mich auf, ich weiss es einfach nicht.....

hab mal im Weinviertel bei Wien gearbeitet auf nem Rinderhof, der hat die Tiere Jahrzehnte im Stall stehen gehabt, dann kam eine engagierte sachkundige Helferin, die auch von der Tiergesundheit einiges versteht (nein, ich wars nicht, sie war auch super gut ausgebildet in Sachen Natur-Tierheilkunde usw.)
die hat ihm dann geholfen, draussen die Weideflächen zu zäunen
und dann waren die Tiere den ganzen Tag draussen und......

das war ne Revolution!!!!

die Kälber konnten endlich mal spielen und springen, anstatt in Einzelhaft und angebunden irgendwo zu vegetieren
und die Erwachsenen waren echt viel ausgeglichener :) :) :) :)
und was Sonnenlicht mit der Knochengesundheit und sonstwas alles noch macht brauch ich dir sicherlich nicht lang und breit erklären.....

und zum Melken wieder reingehen, das lernen sie schnell bei Bedarf :pft:

also, warum meinst du dass das nicht geht?
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4163

Beitrag von Rohana »

Emil, wir stimmen da grundsätzlich bis auf Kleinigkeiten überein ;) (Notiz am Rande: Das Geld was historisch in die Landwirtschaft "gesteckt" wurde, kam nie in der Absicht, ihre Umweltbilanz zu verbessern! Das ist erst eine relativ neue Erfindung, dass es so sein müsste.)
Ebenjenes Geld was "reingesteckt" könnte, mMn, wesentlich sinnvoller verwendet werden als es bisher der Fall war. Unter anderem mit einer anderen Art von Vorgaben und Richtlinien. Eine KULAP-Massnahme, die ich gerne machen wollte, war z.B. "artenreiches Grünland" mit dem Nachweis von X verschienen Arten einer Liste (seltene Pflanzen, bestimmte Zeigerpflanzen). Bewirtschaftungsauflagen in dem Sinne gab es nicht. Diese Pflanzen wachsen eben dort, wo es ihnen passt, und man geht wohl davon aus dass wenn eine Wiese über längere Zeiträume Vorkommen dieser Pflanze hat, die Bewirtschaftung schon dazu passen würde. Diese Art "zielorientierter" Förderung finde ich sinniger als Auflagen mit Zeitpunkten, Düngevorgaben, schlagmichtot, die gar nicht sicher zum gewünschen Ergebnis führen müssen. Leider gab/gibt es davon nicht so viele :im: (weiterführende Information: https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/025011/ und es scheint mir das Programm wurde abgeschafft, sehr schade)

In der nächsten Förderperiode wird die Bewirtschaftung kleiner Schläge "honoriert", ebenfalls ohne weitere Auflagen. Also, die paar Euronen nimmt man sicher gerne mit, aber das ist sicher nicht genug um jemanden dazu zu bewegen die kleinteilige Struktur zu erhalten *wenn er sie ändern könnte*, oder jemanden zu bewegen kleinteilige Strukturen anzulegen wenn er noch keine hat, oder jemanden dazu zu bewegen nicht aufzuhören wenn er (u.a. aufgrund kleiner Strukturen) nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann/will. Ich suche noch nach dem tieferen Sinn :hmm: nicht dass ich mich beschweren würde, aber mehr als nice to have ist das irgendwie nicht...

Eine Rückkehr zu 1920 schafft man weder mit noch ohne Geld, das ist heute schlicht nicht mehr darstellbar.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4164

Beitrag von emil17 »

Das Konzept mit den Kennarten funktioniert gut, aber es kann nur zur Erhaltung noch bestehender Flöchen dienen, weil, nachdem alles weggedüngt wurde, es ewig geht, bis wieder solche Arten da sind.
Man kann aber etwas nachhelfen, wenn einem seine Wiese geeignet erscheint, indem man irgendwo Samen von Frühlingsschlüsselblumen oder Wiesensalbei sammelt und auf seine Wiese wirft.
Ansonsten: Man macht nicht etwas, weil es Subventionen gibt, sondern weil man es sinnvoll findet und wenn das gefördert wird, nimmt man die Förderung mit.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4165

Beitrag von Benutzer 6456 gelöscht »

strega hat geschrieben: Sa 13. Aug 2022, 13:21 Zitat rohana:
"Das wird noch lustig zu lösen - einfach auf die Wiese stellen ist wohl zu einfach gedacht :pft:"

warum? Klär mich auf, ich weiss es einfach nicht.....
Strega, das ist sogar mir klar, dass sowas nicht mal eben in ein paar Tagen zu lösen ist. Nein Nachbar hat ja wie gesagt eine Bullenmast, wenn er die jetzt einfach auf die Wiese werfen würde, wären wohl seine Zäune in ein paar Stunden Matsche und ein paar Autofahrer tot. Das geht nicht einfach so!
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4166

Beitrag von Tscharlie »

Das der homo sapiens urbanus keine Ahnung von Tieren hat die keine Hunde oder Katzen sind, wird das mit freilaufenden Großtieren sowieso immer schwieriger. Almvieh ist ja noch einigermaßen harmlos, aber Rindviecher im "Familienverband" Bulle-Kühe-Kälber, können echt Ärger machen, wenn ein Mensch denen falsch kommt.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4167

Beitrag von Rohana »

strega hat geschrieben: Sa 13. Aug 2022, 13:21 Zitat rohana:
"Das wird noch lustig zu lösen - einfach auf die Wiese stellen ist wohl zu einfach gedacht :pft:"

warum? Klär mich auf, ich weiss es einfach nicht.....
Ich sag nicht dass es nicht ginge, nur dass es nicht *einfach so* geht. Unsere Viecher kennen weder Zaun noch draussen stehen. Für die Milchkühe wäre es sogar einigermassen zu realisieren weil wir eine hofnahe Wiese haben. Muss halt gescheit(!) gezäunt werden, dann wär schonmal der Platz da, ABER Futter und Wasser brauchen die Damen ja auch nicht zu knapp. Bei den Temperaturen saufen die durchaus ~ 90-100l am Tag, das macht man nicht eben mal mit ner kleinen Wanne. Futter vorlegen auf der Wiese (da wächst grade exakt gar nix) wird auch schwierig vom Platz her und vor allem kann man nicht sauber auskehren. Ich weiss auch nicht ob es problematisch würde dass sie da drin rumtrampeln. Es ist ja auf der Wiese kein Fressgitter da, somit wird leistungsgerechtes Vorlegen von Kraftfutter auch unmöglich (im Melkstand nicht möglich, draussen mangels Fixierung nicht machbar. Amanda schert sich nicht drum dass das Futter Ayla gehört, sie ist ranghöher und damit hat sich das). Nächstes Problem: Trennung von Trockenstehern und Melkenden (unterschiedliches Futter). Die stehen halt alle auf einer Seite.
Zäunen wär "nur" teuer, hin und hertreiben zum Melken aufwändig aber machbar, Wasser geht vielleicht, Füttern halte ich für das Kernproblem. Da bin ich mir wirklich nicht sicher ob wir das irgendwie ohne "Verluste" gelöst bekommen. Auf der Kalbinnenseite wär das Füttern immerhin kein Problem für die Riege ab 6 Monaten (dafür das Umtreiben umso mehr), Kälber wieder schwierig weil Milch mit Eimer (geht nicht ohne Halterungen...) aber treiben einfacher. Wüsste nur nicht wohin, auf der Seite ist keine Wiese :pfeif:

Also, lange Rede kurzer Sinn, nur mal eben die Viecher auf die Wiese stellen geht schon. Aber damit ist ja nicht alles getan :grinblum: :flag:

Edit: Noch vergessen, selbige Wiese(n) liegt vollsonnig. Da müsste man also für ausreichend Schatten sorgen dass sich die Viecher nicht den ganzen Tag den Pelz verbrennen lassen müssen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4168

Beitrag von Rohana »

Mein Mann ist übrigens der Meinung dass das nicht geht bzw. zu teuer, zu aufwändig, wird nicht gemacht. Ende der Diskussion :lol:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4169

Beitrag von Tscharlie »

Ah bei euch gilt noch das "Brandmauerprinzip".
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4170

Beitrag von Sven2 »

https://www.agrarheute.com/tier/schwein ... ege-596770

Mehrere Schlachtunternehmen kündigen den Bauern, die an der 'Initiative Tierwohl ' teilnehmen, die Verträge. Begründung ist, dass der Absatz der Schweine nicht gegeben wäre
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