Dazu folgende Anmerkungen meinerseits:Rohana hat geschrieben: Do 11. Aug 2022, 09:12 Ach und hier mal ein Link von höchster Stelle, der ein etwas anderes Bild zeichnet (wir waren ja beim Rückgang der Artenvielfalt) https://www.bmuv.de/themen/naturschutz- ... anzenarten
Der Zusammenhang zwischen Landnutzung und Biodiversität wird allzu einfach dargestellt. Einmal sind sehr viele artenreiche Lebensräume durch landwirtschaftliche Nutzung erst entstanden, andererseits ist die Intensivierung und Mechanisierung dieser Lebensräume eine Hauptursache des aktuellen Artenschwundes.
Ob jetzt Intensivierung bloss eine Variante von Zerstörung ist, sei dahingestellt; ich würde Intensivierung jedenfalls als gleichberechtigte Hauptursache nennen.
Daraus zwei Folgerungen:
Ohne Bauern geht es nicht
Gebirge sind Refugien des Artenreichtums, weil dort das Gelände die Intensivierung verhindert.
Natürlich wäre es allzu billig, von den Landwirten eine Bewirtschaftung wie etwa um 1920 zu verlangen, damit die Blümchen bleiben, während all die anderen Leute im Land auf modernste Weise leben, konsumieren und verschwenden. Aber man kann verlangen, dass die grossen Geldmengen, die die Öffentlichkeit in die Landwirtschaft steckt, dort auch den Anliegen des Artenschutzes förderlich sind. Das funktioniert offenbar nicht, sonst hätte man weder Grundwasser- noch Insektensterbeprobleme.
Des weiteren wurde als Hauptursache die vermehrte Nutzung der Umwelt für die Freizeit vergessen. Durch Events, Geländeläufe, Klettersteige, Motorboote, Deltafliegen, Motocrossrennen, Downhillbiking, Skifahren abseits der Pisten, Canyoning, Bahnen auf den letzten Gipfel und all das bis in die hinterste Ecke des Landes leiden zuerst störungsempfindliche Tiere, längerfristig aber auch die anderen Arten.
Zum dritten lässt sich Artenvielfalt nicht durch blosses Zählen von Arten bewerten. Wenn man beispielsweise von einem Trockenbiotop die halbe Fläche durch Düngung in Fettwiedse verwandelt und auf den Restflächen nun Löwenzahn und Brennesseln und Schmeissfliegen statt vorher zweier Orchideenarten und Wildbienen zu finden sind, dann ist bezüglich Artenvielfalt im Gesamtgebiet überhaupt nichts passiert. Will heissen, erst durch Kenntnis der verschwundenen und der neu hinzugekommenen Arten und ihrer Ansprüche lässt sich der Qualitätsverlust einigemassen verstehen.


