Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3941

Beitrag von emil17 »

Ein gutes Beispiel, was damit gemeint sein könnte, gab die in dieser Diskussion von mir früher beanstandete Darstellung des Bauernverbandes, wonach die Bürokratie der Landwirtschaft pro ha Fläche soundsoviele Euros produktionsverteurende Auflagen mache.
Dass die gleichen Bürokraten der gleichen Landwirtschaft sehr viel mehr Euros zufliessaen lassen, das wurde nicht genannt.
Lästigkeitsprämien im juristischen Sinne darf es aus rechtsstaatlicher Ewrwägung nicht geben (etwa ich bekomme Geld vom Bauherrn wegen Verzicht auf eine gegenstandslose und aussichtslose Einsprache, weil ihn die Verzögerung mehr kostet als was er mir bezahlt); es darf sie auch im Umweltbereich (Entschädigung für Verzicht auf Umweltbealstung) nicht geben. Das sind Produktionskosten die eingepreist gehören. Leider klappt das im Landwirtschaftsbereich sehr schlecht, dazu gehören nämlich auch erlaubte Importe von Produklten, die so im Inland nicht hergestellt werden dürften, Transportsubventionen und so weiter.

Optimale Ernten als normale Ernten aufzufassen und alles als Verlust, was weniger ist als es im besten aller denkbaren Fälle hätte sein können, ist wohl eine Folge der immer härteren Konkurrenz. Es ist aber auich eine Weltanschauung.
Ein ehemaliger Nachbar von mir erzählt herum, ich hätte ihn soundsoviel Geld gekosten, weil er etwas bauen wollte, was ich durch eine Einsprache verhindert habe. Dass er damit meine Rechte verletzt hätte, muss man ja nicht erzählen, und dass man eine Bauverzögerung selbst verschuldet hat, wenn mans probiert und es dann nicht klappt, auch nicht.
Dass man Ernteverfahren auf Preis optimiert ist hingegen nachvollziehbar, das würden alle Gewerbe so machen. Wobei das Beispiel mit dem Mindesttrockenheitsgrad beim Getreide doch schön zeigt, wessen Freund der Handel ist.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3942

Beitrag von penelope »

Rohana hat geschrieben: Mi 20. Jul 2022, 11:57 Ich finde z.B. die asiatischen Küchen ganz toll, die schlicht ohne Fleisch auskommen. Die tun auch nicht so als wenn da welches sein müsste. Es ist selbstverständlich dass keins da ist, und das ist kein Mangel.
Fleischersatzprodukte sind übrigends weder eine neue, noch eine westliche Erfindung. In China z.B. hat das eine sehr lange Tradition:
https://www.vice.com/de/article/8xyqqz/ ... -tradition

Es wird ja niemand gezwungen, Fleisch oder eben Fleischersatz zu essen. Aber wem es schmeckt? Was spricht denn dagegen? Es kann dem der das auf dem Teller hat doch reichlich egal sein, ob das irgendwer anders nun "echt" findet, oder nicht.

Darüber hinaus gibt es ja auch hier traditionelle Gerichte, die versuchen, den Geschmack eines bestimmten anderen Lebensmittels zu imitieren. Die im Oldenburgischen verbreitete Mokturtle-Suppe veruschte ursprünglich, mit Innereien den Geschmack einer Schildkrötensuppe zu imitieren. Inzwischen hat sich das verselbstädnigt und ist eine eigene Spezialität geworden. Vermutlich hat da auch die ersten 100 Jahre immer noch wer gemeckert, dass die aber nicht "echt" ist, aber irgendwann gewöhnt sich auch der/die letzte dran. ;)
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3943

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Mi 20. Jul 2022, 15:12 Ein gutes Beispiel, was damit gemeint sein könnte, gab die in dieser Diskussion von mir früher beanstandete Darstellung des Bauernverbandes, wonach die Bürokratie der Landwirtschaft pro ha Fläche soundsoviele Euros produktionsverteurende Auflagen mache.
Meinst du meinen vor einiger Zeit eingestellten Link? Das war der Normenkontrollrat, nicht der Bauernverband ;)
https://www.agrarheute.com/politik/land ... tet-594159
Dass die gleichen Bürokraten der gleichen Landwirtschaft sehr viel mehr Euros zufliessaen lassen, das wurde nicht genannt.
Die Auflagen gehen jedes Jahr hoch, die Subventionen runter :im: sieht man nicht immer so deutlich weil es mittlerweile einen Programmdschungel gibt wo man mitmachen könnte, aber nie wirklich auf einen grünen Zweig kommt weil die Kosten dafür ja auch einzurechnen wären usw usf. Aus den ach so riesigen Fördertöpfen wird am Ende wesentlich weniger Geld abgerufen als bereitgestellt, weil die Hälfte der Programme niemand bei Verstand mitmachen will - so kann man als Regierung auch sparen :grinblum:
Die Subventionen anderer Branchen sind nicht weniger existent, nur weniger offensichtlich. https://www.iwd.de/artikel/subventionen ... rt-379010/
Optimale Ernten als normale Ernten aufzufassen und alles als Verlust, was weniger ist als es im besten aller denkbaren Fälle hätte sein können, ist wohl eine Folge der immer härteren Konkurrenz. Es ist aber auich eine Weltanschauung.
Tut doch niemand! Eine normale Ernte ist eine durchschnittliche Ernte.
In Ölkannes Dokument ist in den ersten Bildern die "normale" Ernte diejenige mit Standardmassnahmen und die anderen werden relativ dazu dargestellt (also was hätte mit Massnahmen erreicht werden können, und was ohne Massnahme x erreicht wurde). Ob diese Kontrollgruppe absolut gesehen ein Optimum darstellt, kann ich nicht sagen, ist auch nicht relevant, oder?
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3944

Beitrag von emil17 »

Der erste Link ist für mich tot - Server not found ...
Es gab das Thema schon mal vor ein paar Jahren, da bezog sich alles aufs gleiche Jahr. Letztes Jahr auch wieder, da wurde zwar die Auflagen, nicht aber die Subventionen erwähnt.
Für Erwerbslandwirte ist optimaler Einsatz der Produzktionsmitztel einschliesslich dem Boden natürlich selbstverständlich, ebenso dass man die Euros und nicht die Menge als Ertragsziel optimiert.
Aber gemeint ist natürlich, dass eine normale Ernte unter Einsatz optimaler Produktionsmittel für aussenstehende Leute schon bedeuten kann, dass man das letzte rausholt, um nur noch das Wetter als unbeeinflussbaren Faktor zu haben. Da schliesst sich dann wieder der Kreis zu den Themen Düngung bzw. Überdüngung.
Für nicht besonders interessierte Leute bedeutet es gar nichts, solange die Würste billig bleiben.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Benutzer 6456 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3945

Beitrag von Benutzer 6456 gelöscht »

Und die Wüste bleibt auch, auf der unsere Mitgeschöpfe eigentlich auch leben sollten. Damit schließt sich der Kreis und alles bleibt so, bis hier nix mehr geerntet werden kann, weil sowohl gesunder Boden als auch die Flora und Fauna fehlt, die den Kreislauf des Lebens am Laufen hielten. Wir tollen Menschen mit all der Wissenschaft im Hintergrund schaffen das nämlich nicht.
Wann also findet endlich ein Umdenken statt?
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3946

Beitrag von Tscharlie »

Vielleicht gibt es Bereiche bei denen der Kapitalismus einfach falsch ist.
In der Medizin merkt man das schon.
Bei Schulen und Kindergärten ist das noch nicht so sichtbar.
Bei Altenheimen sehr wohl schon.

Vielleicht könnten wir die Gewinnung von Lebensmitteln ganz anders betreiben?

Ach ja Energie und Wasser ist auch so eine Sache, merkt man auch gerade.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3947

Beitrag von penelope »

Man sollte bei solchen Diskussionen mit den Begriffen genau sein. Marktwirtschaft und Kapitalismus sind nicht identisch. In einer (sozialen) Marktwirtschaft organisiert sich das Wirtschaften in Märkten, deren Rahmenbedingungen durch einen Staat gesetzt und geregelt werden und der ggfls. regulierend eingreifen kann und soll. Im Kapitalismus liegt die Macht über den Einsatz der Produktionsmittel bei den Kapitaleignern, die allein darüber bestimmen können.

Deutschland und Europa sind marktwirtschaftlich organisiert. Wir sollten jedoch stets drauf bedacht sein, dass das auch so bleibt und dass das System nicht wieder zu sehr in eine kapitalistische Richtung kippt. Das droht leider in vielen Bereichen.
Eule
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3948

Beitrag von Eule »

penelope hat geschrieben: Do 21. Jul 2022, 08:51 Deutschland und Europa sind marktwirtschaftlich organisiert. Wir sollten jedoch stets drauf bedacht sein, dass das auch so bleibt und dass das System nicht wieder zu sehr in eine kapitalistische Richtung kippt. Das droht leider in vielen Bereichen.
Dass das "droht" ist die Beschönigung des Tages :eek: , Tscharlie hat völlig recht mit seinen Beispielen der Kommerzialisierung von Bereichen der "Daseinsvorsorge" und deren katastrophalen Folgen!
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3949

Beitrag von penelope »

Das ist wieder ein anderes Thema, was eher in Richtung „Privatisierung“ (was du vermutlich mit Kommerzialisierung meinst) geht, was aber nicht zwingend mit Kapitalismus als solchem einhergeht.

Die zunehmende Privatisierung von ursprünglich mal öffentlichen Leistungen sehe ich total kritisch und finde eigentlich kein Beispiel, wo das mal wirklich gut gelaufen ist. Aber das ist in der Landwirtschaft ja kaum ein Thema, da dort ja die allermeisten Produktionsmittel (Böden, Höfe, Maschinen) eh in Privatbesitz sind (in der Forstwirtschaft ist das schon ein wenig anders).

Von daher ist die Grundstruktur in den Bereichen Gesundheit und Bildung auf der einen und Landwirtschaft auf der anderen Seite grundverschieden und es ist schwer, dass gemeinsam zu diskutieren. Und wollen wir diesen Thread wirklich noch auf diese Themen ausdehnen? Eigentlich ist der doch schon umfangreich genug. ;)
Eule
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3950

Beitrag von Eule »

Dem ersten Satz würde ich widersprechen, wenn Du mit dem letzten Satz nicht recht hättest :)
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