Komposttoilette

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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#331

Beitrag von Zacharias »

Du meinst, nur die Wände? Das hab ich schon versucht, Kalk habe ich hier als Baustoff in Unmengen. Aber der Erfolg war mäßig. Ebenso mit Kohlenstaub. Bisher habe ich den Urin nicht genutzt, weil ich keine guten Erfahrungen mit Urin als Dünger gemacht habe. Ich schütte ihn bisher in die Fundamentgrube des Hühnerstalls, brauche aber ab Fertigestellung eh eine neue Bleibe. Ich hätte natürlich nichts dagegen, ihn zu nutzen, aber bisher sind die damit gedüngten Pflanzen (1:10) eher kümmerlich gewachsen und man hat den Urin auch im Beet gerochen.
Dyrsian
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Re: Komposttoilette

#332

Beitrag von Dyrsian »

Edelstahleimer, 1-2 täglich leeren.
wörpedahler
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Re: Komposttoilette

#333

Beitrag von wörpedahler »

Wir haben zwar keine Urinabscheidung in der Komposttoilette (alles kommt in eine grosse Tonne),
aber bei uns haben sich zwei Dinge als Geruchsmindernd herausgestellt.
a) saugende Feststoffe
b) Ventilation

Wir geben in die Mischung aus festen und flüssigen Exkrementen immer grosszügig trockenes Material. Sägespäne, trockenes Laub, Stroh usw. Torf soll sehr gut funktionieren, ist aber eine Umweltsünde. Inzwischen nehmen wir zu grossen Teilen trockenes Laub, weil es kostenlos und in Unmengen bei uns verfügbar ist.
Wenn du den Eimer nach jedem Ausleeren locker mit trockenem Material füllst, würde relativ lange jede zugeführte Flüssigkeit aufgesaugt und die Geruchsbildung dürfte deutlich abnehmen.

Das andere Ding ist die Ventilation. Wenn der Eimer fest verschlossen ist, bleibt natürlich auch der Geruch drin und konzentriert sich. Ausserdem könnten sich nach einer Weile anaerobe Zersetzungsprozesse (also Gammeln ohne Sauerstoff) abspielen und die stinken ganz besonders schlimm. Ihre Endprodukte sind auch nicht grade gut für den Garten, die Düngequalität des Urin könnte dadurch abnehmen.
Also mindestens würde ich in den Eimer ein Abluftrohr einbauen. Bei uns ist alles passiv belüftet: wir haben einfach nur ein langes Rohr, das direkt aus dem Fass durch das Dach geht und durch Schornsteineffekt den Geruch schön weit weg bringt.
Bei Urin könnte man aber auch aktiv belüften. Meines Wissens wird das in Kläranlagen auch so gemacht. Also eine Aquariumspumpe mit einem Sprudelstein der unten in den Eimer frische Luft pumpt und dann eine Abluftöffnung nach draussen.

Die aller-einfachste Methode wäre natürlich täglich leeren. Aber ich kann verstehen, wenn man da keinen Spass dran hat.

Wir verwenden noch die Methode Urin zu vermeiden: Kleine Geschäfte werden direkt in der Natur erledigt (wir haben komplette Alleinlage beim Kompostklo und können einfach "den Wald düngen"), nur grosse Geschäfte werden auf dem Klo verrichtet. Dadurch fällt schon mal viel weniger Flüssigkeit an, um die man sich kümmern muss. Der Urin wird dabei grossflächig verteilt, immer auf die gleiche Stelle wäre mit Sicherheit nicht gut.
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#334

Beitrag von Eberhard »

Das Fermentieren von Urin
Florian Augustin // Nährstoffe aus menschlichen Ausscheidungen // Aufbauende Landwirtschaft 2018
=> Zugabe von ein wenig Zucker, der Urin stinkt nicht mehr und wird lagerfähig. Genial einfach.
Das Fermentieren kannst Du auf eine auswärtige größere Tonne auslagern, in die Du täglich Deinen Eimer entleerst.

Als Sofortmaßnahme kannst Du zusätzlich zur Zuckerzugabe auch etwas Lösung an Milchsäurebakterien einsprühen, die man z.B. aus der milchsauren Fermentierung von Gemüsen (Sauerkraut usw.) bezieht und ein wenig vermehrt.

Daneben ist, gerade jetzt in der kühlen Jahreszeit, ein holzreicher Kompost eine gute Adresse für den Urin.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
wörpedahler
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Re: Komposttoilette

#335

Beitrag von wörpedahler »

PS: Meine Erfahrung mit Urindüngung:
Ganz frischen nehmen, 1:10 verdünnen, nur verwenden wo wirklich kurzfristig Stickstoff gebraucht wird (ist kein Volldünger).

Funktioniert sehr gut.

Harnstoff wird auch über die Blätter direkt aufgenommen, also zum Beispiel abends (keine Mittagssonne) grossflächig über die Blätter giessen.
In einer Gärtnerei, die ich kenne, wird das als Herbstbooster verwendet. Nach Rückschnitt im Spätsommer wird mit Harnstoff über die Blätter gedüngt, damit es eine starke zweite Blüte gibt. Die Pflanzen stehen aber in Töpfen und haben bis dahin den grössten Teil ihres Stickstoffs aufgebraucht.

Wie gesagt ersetzt das keinen vollwertigen Dünger.
wörpedahler
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Re: Komposttoilette

#336

Beitrag von wörpedahler »

Eberhard hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 16:02 Daneben ist, gerade jetzt in der kühlen Jahreszeit, ein holzreicher Kompost eine gute Adresse für den Urin.
Das ist ein sehr guter Punkt, Eberhard. Wenn dein C:N Verhältnis sehr richtung C tendiert (viel holziges Material), kann man über Urin sehr leicht Stikckstoff einbringen.
Funktioniert auch gut, wenn man möchte das der Totholzhaufen jetzt doch mal langsam etwas verrottet...

Wäre so gesehen auch eine gute Idee, wenn man Rindenspäne als Mulch um die Pflanzen verwendet. Die Späne binden sehr viel Stickstoff aus dem Boden und entziehen den Pflanzen praktisch die Nährstoffe. Das kann man durch Urin ausgleichen.
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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#337

Beitrag von Zacharias »

@ Dyrsian
Edelstahleimer wäre eine gute Sache. Muss mich erkundigen, ob ich den hier bekomme und ob er bezahlbar ist. 1-2x täglich leeren wäre für mich nicht machbar. Es ist schon mit etwas Aufwand verbunden den Eimer raus zu holen, das wäre mir zu aufwändig.

@ Wörpedahler
Ich hatte anfangs mal versucht den Urin mit saugendem Material aufzufangen. Hat aber nicht geklappt, man braucht schon echt viel saugendes Material, was dann wieder eine häufige Leerung erfordern würde - s.o.
Das mit der Ventilation ist sicherlich eine gute Sache, würde aber bedeuten, dass ich ein Loch in die Hauswand machen müsste, was ich vermeiden möchte. Zudem wäre dann das Abluftrohr neben dem Eingang, fänd ich auch nicht so prickelnd. Ich brauche also eine ventilationsfreie Lösung. Wie gesagt, der Urin kommt nicht in meinen Garten, insofern wären die Schadstoffe nicht das große Problem.
Im Sommer gehe ich tatsächlich häufig draußen pinkeln. Nur um diese Jahreszeit laufe ich Gefahr, dass mir das Pipi zu Eiszapfen gefriert.
Für meine Urindüngungsversuche habe ich ganz frischen genommen und 1:10 verdünnt. War anfangs kein Problem, weil ich mangels Toilette in eine Ente gepinkelt habe. Kann sein, dass mein Urin einfach zu konzentriert ist, da ich wenig trinke.

@ Eberhard
Das mit dem Zucker gefällt mir! Werde ich als erstes ausprobieren. Kann ich die 2% direkt in den geleerten Eimer geben? Die Links lese ich mir noch genauer durch.
Was Fermentieren betrifft bin ich absolut grün hinter den Ohren, weil mir fermentiertes nicht schmeckt. Ich hatte aber schon gelesen, dass Kanne Brottrunk eine Lösung ist. Für mich in Estland natürlich nicht machbar, ob es hier etwas vergleichbares zu kaufen gibt, weiß ich nicht. Darum verzeih mir die dumme Frage: Wie vermehrt man denn Milchsäurebakterien aus Sauerkraut (das kriege ich hier für kleines Geld)?
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#338

Beitrag von Eberhard »

Wie vermehrt man denn Milchsäurebakterien aus Sauerkraut
Wohlgemerkt aus unsterilisiertem Sauerkraut, also nicht totgekocht.

Orientiere Dich an effektiven Mikroorganismen, z.B. EM-Vermehrung in Sachen Mengenverhältnisse.
Bei der Beschränkung nur auf Milchsäurebakterien, also ohne Photosynthesebakterien, Strahlen- und Hefepilze, ist alles noch viel entspannter, weil sich MSB sehr schnell und dominant vermehren => Verdopplung aller 20 Minuten bei guten Bedingungen.

Also: Plastekanister, etwas Urlösung (Sauerkrautsaft o.ä.), Zucker als Nahrung, bei qualifizierterer Behandlung Zuckerrohrmelasse oder Rübensirup (liefern auch Spurenelemente), etwas Meersalz, etwas Gesteinsmehl. Mit Regenwasser auffüllen.
Bei Raumtemperaturen stehen lassen, wegen der CO2-Entwicklung ab und zu entlüften bzw. gleich nicht gasdicht verschließen.

Daraus kannst Du immer Teilmengen entnehmen. Eine solche Lösung ist stark gestanksbindend (Toilette, Raucher, Stall).
Effektive Mikroorganismen selber, die sind durch die Herstellung aus Stammmikroben selber quasi lebensmitteltauglich (unzertifiziert), kann man gar als Körperspray wirksam einsetzen. Gesundes Klima ist besser als tötendes Klima, wie von Sagrotan & Co. erzeugt.

Die Nachfüllung des Kanisters kann dann laufend erfolgen, da nutze ich auch Abfälle aus der Küche wie den Sud von Gewürzgurken oder andere Zuckerrestlösungen (Brühe von Bohnensalat, Obstsalaten uva.). Vielfalt ist nützlich.
Zum Querschauen: wir stehen drauf - Gärtnerei Schnelles Grünzeug - Wo Gemüse & Gründüngung fermentiert werden
Dieser Kollege reichert seine Milchsäurebakterienvermehrung mit Kräutern an, die da besonders sinnvoll sind wie
- Basispflanzen für Präparate des biodynamischen Landbaus (Ackerschachtelhalm, Baldrianblüten u.a.).
- alles, was im Frühjahr kräftig wächst und stark riecht (urbane Pflanzenkraft)
- Holunder, Haselnuss, Maistöcke, Brennnesseln, Tee- und Gewürzkräuter (die übrig sind)
Durch seine vielfältige Fermentierung von verschiedenen Gemüsen hat er auch von Haus aus mehr als Sauerkrautsaft, also auch mehr Inhaltsstoffe.

Diese wie auch immer erzeugte Lösung mit Milchsäurebakterien kann man vielfältig einsetzen:
- Rottelenker, wenn man Flächen mit gehäckselter Gründüngung mulcht (Verschiebung Faulen hin zur Fermentation)
- Sprühen auf Pflanzen und Boden, gerne mit zusätzlich gelöstem Kalk (Holzasche) und beigemischtem Urin, wirkt auch als Stimulation => Quorum Sensing, außerhalb der Logik von Düngebilanzen, weil man in Leben investiert
- Versprühen in Ställen => Verbesserung Stallklima mit Verbesserung Tiergesundheit und Verbesserung des Mistes
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
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Zacharias
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Re: Komposttoilette

#339

Beitrag von Zacharias »

Puh, das klingt kompliziert. Wo ich die Melasse herkriegen soll, weiß ich nicht. Eine gleichmäßige Temperatur von 32-28°C ist mit Ofen auch nicht hinzukriegen, bis morgens fällt hier die Raumtemperatur im günstigsten Fall auf 14°C, Regenwasser gibt es grad auch keins. Ich glaub, ich probier es erst mal mit reinem Zucker. Wenn mein Brüter wieder repariert ist, kann ich mal probieren, ob ich das da drin hin bekomme.
Interessantes Video! Und danke für deine umfangreiche Erklärung!
Eberhard
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Re: Komposttoilette

#340

Beitrag von Eberhard »

Eine gleichmäßige Temperatur von 32-28°C
Schafft man in einem Wasserbad mit Aquariumsheizung.
Aber für etwas Milchsäure genügt Raumtemperatur. Deine Milch wird da auch sauer. Bei etwas weniger Temperatur dauert es eben etwas länger. Aber was interessieren ein paar Tage, wenn so ein Prozess nebenbei (und laufend) erfolgt?
Bei Zucker statt Melasse/Sirup müsste man eben selbst einige Spurenelemente zu der leeren Zucker-Energie hinzufügen. Etwas Matsch aus Obst(abfällen) kann da auch eine Lösung sein.
Regenwasser
Na, Brunnenwasser oder entgastes Leitungswasser machen es auch.
Oder gerne Wasser aus einem sauberen Bach.

Es ist nicht kompliziert, sondern im Gegenteil einfach. Denke in Lösungen, nicht in Rezepten.

Und woran man auch denken darf: Der Start darf mit kleinen und sehr beherrschbaren Mengen erfolgen, denn Leben vervielfältigt sich selber, wenn es geeignete Grundlagen findet.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard
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