Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3161

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Also wenn man sich hier manche Beiträge durchliest könnte man zum Eindruck kommen, egal wie man es als Landwirt macht, macht man es falsch.

Produktion für den 0815 Verbraucher: Falsch
Hoch subventionierte Bio-Produktion: Falsch
Umbau unrentabler Betriebe zu Ferienbauernhöfen: falsch
Umbau unrentabler Betriebe zu luxus Ferienbauernhöfen: falsch
Besetzen von kleinsten Nischen: falsch
Betrieb aufgeben: falsch
Betreib wachsen lassen: falsch

lieber emil17 und lieber penelope
was soll in Landwirt euer Meinung nach konkret tun, um die nächsten 40 Jahre gut von seiner Arbeit leben zu können?
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3162

Beitrag von emil17 »

Der liebe emil antwortet, man solle nicht das Kind mit dem Bad ausschütten

Produktion für den 0815 Verbraucher: nicht falsch, aber bitte umweltverträglich und sozialverträglich
Hoch subventionierte Bio-Produktion: nicht falsch wenn die Subvention eine konkrete Gegenleistung für den Steuerzahler beinhaltet. Ausserdem ist die Produktion für den 0815 Verbraucher ebenfalls hoch subventioniert.
Umbau unrentabler Betriebe zu Ferienbauernhöfen: nicht falsch, wenn mit Mass
Umbau unrentabler Betriebe zu luxus Ferienbauernhöfen: Definitionsfrage Luxus, zudem wird damit gerne ein berechtigtes Bauverbot im Aussenbereich unterlaufen. Wenn man als Bauer sein Geld nicht mehr mit Landwirtschaft verdient, sondern mit Wellness und der Bespassung von sich langweilenden Leuten, die schon alles haben, dann sind auch die Privilegien der Landwirte hinfällig.
Besetzen von kleinsten Nischen: nein - nur muss man die Ideen dazu selber haben, wie jeder andere Klein-Unternehmer auch
Betrieb aufgeben: Hier sollst bitte du uns erklären, wie man das zusammenbringt, dass Betriebe ihre Nutzfläche vergrössern müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, dass Landwirte auch ganz gerne Bauland verkaufen, dass aber alle Betriebe erhalten bleiben sollen
Betrieb wachsen lassen: siehe oben
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3163

Beitrag von penelope »

@ Ölkanne:
Ich hab doch nichts von dem, was du oben behauptest, irgendwo geschrieben. Die letzten Tage habe ich doch ein paar Links zu Betrieben, die ich sehr positiv finde, gepostet. Ich könnt auch noch zig Beispiele nennen, die ich super gut finde und die ich gerne unterstütze – nicht irgendwo in Australien oder Russland, sondern aus dem meinem direkten Umfeld. Ich sehe durchaus auch ganz viele positive Entwicklungen, aber eben leider auch immer noch einige Missstände.

Ganz konkret wäre ich (hab ich auch schon zig mal hier so geschrieben) für eine Obergrenze der Flächenprämien, dafür aber für eine stärkere Förderung von Umweltleistungen. Weiterhin finde ich intensive Massentierhaltung (ganz besonders bei Schweinen und Geflügel) sehr problematisch – sowohl in Bezug auf das Tierwohl als auch in Bezug auf die Boden- und Gewässerbelastungen – und denken, dass wir da einen dringenden Verbesserungsbedarf haben. Das sind nun beides keine besonders exotischen oder extremen Ansichten, sondern eigentlich ziemlich genau das, was politisch angekündigt ist und auch wenigstens mittelfristig kommen wird.

Darüber hinaus finde ich, dass der Bauernverband viel zu eng mit der Lebensmittelindustrie verknüpft ist und eher deren Interessen vertritt als die der Mehrzahl seiner Mitglieder. Julia Klöckner mit ihren ganzen Verbindungen zur Industrie halte ich für eine Vollkatastrophe. Auch das ist wohl noch kein Alleinstellungsmerkmal ;)

Und nicht nur in Bezug auf Landwirtschaft, sondern auf jegliches Wirtschaften bezogen, halte ich ein auf den „dicken Max machen“ für im Kern total naiv. So plumpes demonstrieren von angeblicher Stärke vergisst die Größe und Komplexität der Welt, in der wir uns bewegen. Was raus kommt, wenn man auf populistisches Gerede reinfällt, sieht man ja gerade am Beispiel Groß Britannien sehr gut. Aber wie auch schon gesagt: wenn du meinst, du musst nur raus aus der EU und am besten ab nach Russland, da ist das Land, wo Milch und Honig fließt, dann viel Spaß und guten Weg.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3164

Beitrag von Manfred »

LKW-Fahrer verdienen in Großbritannien inzwischen teilweise über 60.000 Euro während gleichzeitig die Mieten in den Ballungsräumen sinken.
Für den einen oder einen Bauern mit LKW-Führerschein wäre es evtl. eine Überlegung wert, seine Flächen nächstes Jahr stillzulegen oder im Lohn bewirtschaften zu lassen und rüber auf die Insel zu machen, solange der Fahrerspuk dort noch anhält und Fahrervisa vergeben werden.

Da in D keine Planungssicherheit für landwirtschaftliche Investitionen absehbar ist, werde ich weiter das tun, was ich die letzten Jahre getan habe. Prämien optimieren und meine Flächen verbessern, soweit sich beides kombinieren lässt, und ansonsten außerlandwirtschaftlich diversifizieren.
Wer als junger Mensch seine Zukunft in der Landwirtschaft sieht, sollte sich ernsthaft überlegen, Deutschland zu verlassen.
Evtl. können dann ja seine Kinder irgendwann zurückkehren und hier wieder erfolgreich Landwirtschaft betreiben, wenn der Markt bereinigt ist und die Anti-Aufklärung von der Realität eingeholt wurde.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3165

Beitrag von Rohana »

penelope hat geschrieben: Do 28. Okt 2021, 08:53 Weiterhin finde ich intensive Massentierhaltung (ganz besonders bei Schweinen und Geflügel) sehr problematisch
Das eigentliche Problem an dieser Geschichte ist dass niemand die Viecher im Stall haben will, aber draussen gleich zweimal nicht! Also am besten komplett abschaffen und nur noch eine Hand voll Alibi-Tiere halten... aber das billige Fleisch im Supermarkt, darauf will auch keiner verzichten. Quadratierung des Kreises ;)

Ich bin ja sehr gespannt wohin das führt - aber ganz ehrlich, froh dass nicht mit meinem Geld experimentiert wird. Ein Bekannter von uns hat vor kurzem nach längerem Kampf seinen neuen Strohschweinestall fertiggestellt. Da werde ich ja mitbekommen wie "lohnend" das ist...
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3166

Beitrag von Zottelgeiss »

"Die anderen" sind ja "immer" soundso, und deshalb geht irgendetwas nicht....
Meine Erfahrung ist, das die Leute, die es sich leisten können, eher wenig aber dafür hochwertiges Fleisch essen. Das Geld ist auf jeden Fall in der Bevölkerung. Ihr glaubt gar nicht, was die Leute ausgeben wollen. Normale Familien (+- 3 Kinder) legen anstandslos 2000 € für eine Woche Ferienhaus hin. Neulich hatten wir eine Anfrage über drei Monate für ein sehr hochpreisiges Haus, eine einzelne Dame wollte dafür rd. 20.000 € ausgeben. Und das war kein Fake.
Vielleicht wäre eine Förderung möglichst tier- und menschengerechter Fleischproduktion in entsprechender Größe und dabei auch höherem Fleischpreis doch sinnvoll. Die Leute können es kaufen, wenn sie wollen. Ich denke, dafür müsste die Einfuhr ausländischen Fleisches anders geregelt sein (damit das Preisniveau auf dem des deutschen Fleisches liegt), Niedriglohnarbeitnehmer müssten vor Ausbeutung geschützt sein und das Sozialsystem (was den üblichen Satz für Lebensmittel angeht, in diesem Fall) ist ohnehin eine größere Überlegung wert.
Politisches deutsches Handeln ist eh sehr defizitorientiert, das ist m.M.n. das größte Problem.
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3167

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Zottelgeiss hat geschrieben: Fr 29. Okt 2021, 15:49 "Die anderen" sind ja "immer" soundso, und deshalb geht irgendetwas nicht....
Meine Erfahrung ist, das die Leute, die es sich leisten können, eher wenig aber dafür hochwertiges Fleisch essen. Das Geld ist auf jeden Fall in der Bevölkerung. Ihr glaubt gar nicht, was die Leute ausgeben wollen. Normale Familien (+- 3 Kinder) legen anstandslos 2000 € für eine Woche Ferienhaus hin. Neulich hatten wir eine Anfrage über drei Monate für ein sehr hochpreisiges Haus, eine einzelne Dame wollte dafür rd. 20.000 € ausgeben. Und das war kein Fake.
Vielleicht wäre eine Förderung möglichst tier- und menschengerechter Fleischproduktion in entsprechender Größe und dabei auch höherem Fleischpreis doch sinnvoll. Die Leute können es kaufen, wenn sie wollen. Ich denke, dafür müsste die Einfuhr ausländischen Fleisches anders geregelt sein (damit das Preisniveau auf dem des deutschen Fleisches liegt), Niedriglohnarbeitnehmer müssten vor Ausbeutung geschützt sein und das Sozialsystem (was den üblichen Satz für Lebensmittel angeht, in diesem Fall) ist ohnehin eine größere Überlegung wert.
Politisches deutsches Handeln ist eh sehr defizitorientiert, das ist m.M.n. das größte Problem.
Wollen sie aber nicht.
Damit hat sich der ganze Rest erledigt.


Das Angebot dafür gibt es in jedem Laden, aber nur wenige Leute nehmen es wahr, viele entscheiden sich für andere Produkte
sybille
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3168

Beitrag von sybille »

Weil Niemand mehr eine eigene Meinung hat. Alle s.g. Freunde und Bekannte kaufen Marke x also muss ich die auch kaufen um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Wenn ich ein anderes (hochwertiges) Produkt kaufe kann es sein das es niemandem schmeckt und überhaupt alle schwärmen von Produkt x. Also muss das gut sein.
Wie oft wird mir vom Fleisch von A... vorgeschwärmt. Hirsch aus Neuseeland letztens. Ich sage was ich davon halte. Aber das macht nicht jeder. Viele lassen sich einfach beeinflussen. Ist doch schön nicht selber nachdenken zu müssen.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3169

Beitrag von Zottelgeiss »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 29. Okt 2021, 17:51
Zottelgeiss hat geschrieben: Fr 29. Okt 2021, 15:49 "Die anderen" sind ja "immer" soundso, und deshalb geht irgendetwas nicht....
Meine Erfahrung ist, das die Leute, die es sich leisten können, eher wenig aber dafür hochwertiges Fleisch essen. Das Geld ist auf jeden Fall in der Bevölkerung. Ihr glaubt gar nicht, was die Leute ausgeben wollen. Normale Familien (+- 3 Kinder) legen anstandslos 2000 € für eine Woche Ferienhaus hin. Neulich hatten wir eine Anfrage über drei Monate für ein sehr hochpreisiges Haus, eine einzelne Dame wollte dafür rd. 20.000 € ausgeben. Und das war kein Fake.
Vielleicht wäre eine Förderung möglichst tier- und menschengerechter Fleischproduktion in entsprechender Größe und dabei auch höherem Fleischpreis doch sinnvoll. Die Leute können es kaufen, wenn sie wollen. Ich denke, dafür müsste die Einfuhr ausländischen Fleisches anders geregelt sein (damit das Preisniveau auf dem des deutschen Fleisches liegt), Niedriglohnarbeitnehmer müssten vor Ausbeutung geschützt sein und das Sozialsystem (was den üblichen Satz für Lebensmittel angeht, in diesem Fall) ist ohnehin eine größere Überlegung wert.
Politisches deutsches Handeln ist eh sehr defizitorientiert, das ist m.M.n. das größte Problem.
Wollen sie aber nicht.
Damit hat sich der ganze Rest erledigt.


Das Angebot dafür gibt es in jedem Laden, aber nur wenige Leute nehmen es wahr, viele entscheiden sich für andere Produkte
Merkst selbst....

Und es stimmt so nicht. Die Verbraucher würden jeden Preis bezahlen, das machen sie nämlich auch sonst. Siehe Spritpreise, aktuell. Die Billigmentalität ist ein Erziehungsprozeß gewesen, der sicher aus der Nachkriegszeit kommt. Im Moment ist es eher so, das man höhere Preise durchsetzen kann, die der Verbraucher auch zahlt, wenn man es ihm erklärt. Das das schwierig ist, ist klar, deshalb können Direktvermarkter höhere Qualität zu höheren Preisen anbieten. Die reden mit ihren Kunden, dann funktioniert das.
Wenn Fleisch weiterhin über Supermärkte etc. vertrieben werden soll, muss es deshalb wahrscheinlich eine andere Regulierung geben, die den Landwirten ermöglicht, tiergerecht zu arbeiten und ausbeuterische Praxis in Verarbeitung und Vertrieb zu unterbinden.
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3170

Beitrag von Zottelgeiss »

sybille hat geschrieben: Fr 29. Okt 2021, 19:53 Weil Niemand mehr eine eigene Meinung hat. Alle s.g. Freunde und Bekannte kaufen Marke x also muss ich die auch kaufen um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Wenn ich ein anderes (hochwertiges) Produkt kaufe kann es sein das es niemandem schmeckt und überhaupt alle schwärmen von Produkt x. Also muss das gut sein.
Wie oft wird mir vom Fleisch von A... vorgeschwärmt. Hirsch aus Neuseeland letztens. Ich sage was ich davon halte. Aber das macht nicht jeder. Viele lassen sich einfach beeinflussen. Ist doch schön nicht selber nachdenken zu müssen.
Deine Freunde und Bekannten haben doch eine Meinung...sie mögen das Produkt. Die Frage ist doch, würden sie für das Produkt/ Fleisch von A... ggf. mehr bezahlen? Was wäre ihnen das Produkt wert, wenn es "umweltschonend" hergestellt würde?
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
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