Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3101

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 21:47 Dass kannst es auch mit dem Attribut "natürlich" abtun. Einem Wort, das immer nichtssagender und auslegbarer wird, je länger man darüber nachdenkt.
Natürlich ist in diesem Fall sehr einfach zu verstehen, nämlich wenn es einem ein Anliegen wäre. An sich ist es in der Natur der Sache, dass es keine scharfe Grenze zwischen natürlich oder artgerecht und nicht artgerecht oder unnatürlich gibt. Hier ist es so deutlich so weit daneben (unter aller Sau!), dass die Diskussion darüber völlig überflüssig wird.
Ehrlich wäre, zu sagern, man könne unter den gegebenen Bedingungen nicht kostendeckend auf eine Art Fleisch erzeugen, die tiergerecht und rentabel ist, und dann lässt man es. Diese Diskussionsführung erinnert jedoch an die Argumentation der Sklavenhalter vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, die aus ihren rein wirtschaftlichen Interessen heraus behauptet haben, den Schwarzen gehe es als Sklaven ohnehin viel besser als in der Freiheit.
Manfred hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 21:47Du lebst in der Welt deiner Vorstellungen. Von der Praxis der verschiedenen Haltungssysteme hast du keine Ahnung.
Nein - wenn nur Ahnung (nach dieser Definition) hat, wer auf das kommt, was gezeigt wurde, dann bin ich sogar stolz darauf.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3102

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

emil17 hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 21:05
Manfred hat geschrieben: Do 21. Okt 2021, 20:52 Daraus könnte man schließen: Euch ist Tierwohl in Wahrheit völlig egal. Es muss nur aus menschlicher Perspektive hübsch aussehen, was ihr vor der Nase habt.
Ja, das muss es,. Wenn ich einen Stall hätte, wo ich aus Angst vor schlechter Presse keinen reinlassen darf, Journalisten schon gar nicht, dann passt es einfach nicht. Oder das Bleichgesicht redet mit gespaltener Zunge.Das liegt aber nicht an der gesetzeskonformen haltung, sondern an der (entschuldige) Blödheit der Menschen. Es gab zeiten da hat man öffentlich Werbung für die Intesivtierhaltung gemacht, jeder so altbacken wie du es forderst gehalten hat war der Depp vom Dienst. Es gab mal zeiten da war Fortschritt in der Landwirtschaft populär... Lang ists her, dass praktisch alle Menschen verstanden haben warum er Landwirt spritzen muss, warum die Kuh besser Silage statt nur Heu bekommt und warum es für Sau und Ferkel besser ist im Kastenstand zu stehen.
Heute ist der Rückschritt populär und wird auch noch gefördert.

Es gibt genug Forschung, die aussagt, was Tiere mindestens brauchen, um halbwegs artgerecht gehalten zu werden.das mündet dann in Deustchalnd in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung. Die degradiert der Gesetzgeber mit seiner Haltungsformnummeriung aber gerade selbst. Die Ergebnisse braucht man aber nicht zu kennen, ein wenig Achtung vor der Kreatur reicht schon aus, um solche Dinge im eigenen Stall nicht zu dulden.doch, zur fachlichen Diskursen solltest du dich auf objektive Ergebnisse stützen. Und nicht sagen "des sieht man doch!"
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3103

Beitrag von Manfred »

Als Ergänzung zu obigem Link, hier sein Abschlussbericht zur Ferkelsaison 2021:

https://www.youtube.com/watch?v=ROX6YXgx4dw

Seine 8 Sauen haben 85 Ferkel geboren.
Davon sind 14 tot zur Welt gekommen, blieben 71 Lebende.
Davon sind 22 in der Säugezeit gestorben, blieben 49 Lebende.
Die Ausfallrate betrug somit 31% der lebend geborenen Ferkel.
Das Ergebnis sind 6,13 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr. (Er lässt sie nur einmal pro Jahr ferkeln, sonst käme die 2. Ladung im Winter).
In der konventionellen Haltung werden ca. 24 Ferkel pro Jahr abgesetzt.
Folgt man der Argumentation der deutschen Naturschutzverbände, ist so eine Freilandsau also 4 x klimaschädlicher als eine konventionelle Sau im Stall.

Nochmal, da hier immer wieder einige so tun, als sei ich das Böse:
Ich halte selbst Bio-Rinder in ganzjähriger Freilandhaltung und nehme dabei auch höhere Kälberverluste in Kauf als sie ein konventioneller Betrieb mit Stallhaltung erreicht.
Worum es mir geht, ist Ehrlichkeit.
Es gibt da kein Schwarz oder Weiß.
Jede Haltungsform hat ihre Vor- und Nachteile.
Man wechselt nicht von Gut zu Böse und umgekehrt, sondern man verschiebt Gleichgewichte.
Mehr Freiheit für die Sauen führt zu mehr toten Ferkeln.
Mehr Einstreu und Freiland führt zu höherem Parasitendruck.
Weniger Leistung je Tier führt zu höherem Verbrauch je Tier und damit je nach den Details der Produktionskette evtl. zu mehr Umweltbelastung.
Höhere Auflagen ohne konsequenten Außenschutz führen zu Produktionsverlagerung an Standorte mit niedrigeren Auflagen.
usw. usw.
Das geht alles nicht einfach weg, indem an die 3 Affen nachäfft.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3104

Beitrag von Rohana »

Wenn ich einen Stall hätte, wo ich aus Angst vor schlechter Presse keinen reinlassen darf, Journalisten schon gar nicht, dann passt es einfach nicht.
Journalisten würde ich in der Tat nicht rein lassen. Leute die mal gucken wollen wie es da aussieht und wie das funktioniert, die lasse ich ständig rein. Eben damit sie sehen wie's in der Realität aussieht, dass nicht alles toll, aber noch lange nicht alles ganz schlimm ist. Wie frische Milch direkt von der Kuh schmeckt. Dass man "Glück" nicht messen kann, wohl aber Faktoren wie Gesundheit und Fertilität. usw, usf...
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3105

Beitrag von Manfred »

Wird spannend nächstes Jahr.
Jetzt werden neben Düngemitteln auch noch Pflanzenschutzmittel weltweit knapp.
China hat Ausführbeschränkungen verhängt, um wenigstens den eigenen Bedarf zu sichern.
In den USA schmieden die Pflanzenschutzdienste Notfallpläne.
Hoffentlich entspannt sich das noch bis zum Frühjahr. Sonst könnten Ende nächstes Jahr weltweit merkliche Ernteeinbußen zu Buche stehen.
Hoffentlich teilen wir dann bereitwillig mit den Ärmsten, die jetzt schon fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wenn sich die Getreidepreise verdoppeln. Allein mir fehlt der Glaube...
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3106

Beitrag von emil17 »

Oh, da werden sich die Spekulanten freuen und die Getreidepreise durch Terminkäufe noch zusätzlich in die Höhe treiben.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3107

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

emil17 hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 08:32 Oh, da werden sich die Spekulanten freuen und die Getreidepreise durch Terminkäufe noch zusätzlich in die Höhe treiben.
Das Problem:
Als Landwirt bekommt man zur Zeit praktisch keine Verträge. Kein Aufkäufer ist bereit die hohen Preise festzuschreiben.

Aber wenn's so weiter geht kann man auch mit 6,5 statt 9 Tonnen leben.
mehr steht dann aber auch nicht auf dem Acker....
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3108

Beitrag von Manfred »

emil17 hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 08:32 Oh, da werden sich die Spekulanten freuen und die Getreidepreise durch Terminkäufe noch zusätzlich in die Höhe treiben.
Dann sind die Schuldigen für die mögliche Nahrungsmittelskrise ja schon gefunden, und ihre Mittäter fein heraus.
Laut Argumentation der Politik leisten die Spekulanten einen wertvollen Beitrag indem sie helfen, mögliche Versorgungskrisen frühzeitig zu erkennen und den Preis als Indikator entsprechend bewegen, was dann der Politik die Zeit gibt, ebenso frühzeitig zu reagieren.
Ich bin gespannt, welche Schlüsse bei den Koalitionsverhandlungen draus gezogen werden.
Die Politik hatte ja inzwischen 3 Jahre Zeit zu bemerken, dass die Spekulanten ihre Arbeit machen.

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Oli
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3109

Beitrag von Oli »

Manfred hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 01:10 Wird spannend nächstes Jahr.
Jetzt werden neben Düngemitteln auch noch Pflanzenschutzmittel weltweit knapp.
China hat Ausführbeschränkungen verhängt, um wenigstens den eigenen Bedarf zu sichern.
In den USA schmieden die Pflanzenschutzdienste Notfallpläne.
Hoffentlich entspannt sich das noch bis zum Frühjahr. Sonst könnten Ende nächstes Jahr weltweit merkliche Ernteeinbußen zu Buche stehen.
Hoffentlich teilen wir dann bereitwillig mit den Ärmsten, die jetzt schon fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wenn sich die Getreidepreise verdoppeln. Allein mir fehlt der Glaube...
Ich hörte vor einigen Wochen aus den USA, dass (logischerweise) auch der Markt und die Lieferketten für Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen sehr in Bedrängnis geraten sei. Aktuell sei mit unvorhersehbar längeren Lieferzeiten zu rechnen, perspektivisch ... mindestens 3 Fragezeichen.

Ist das bei uns (auch) schon ein Thema? Werden Ersatzteile in ausreichender Anzahl vorgehalten oder verlässt man sich da auch auf just-in-time-Lieferung?

Die Frage geht übrigens an alle, die Bescheid wissen könnten.

Ich selber bin ja ein ziemlicher Laie, stelle es mir aber zumindest mal 'interessant' vor, was für eine Kaskade an Scheiße losrollt, wenn Mähdrescher & Co. nicht einsatzfähig sind, das gute Wetter nicht wartet bis die Teile da sind, nach der Reife die Rotte kommt usw. usf.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3110

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Oli hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 09:59
Manfred hat geschrieben: Fr 22. Okt 2021, 01:10 Wird spannend nächstes Jahr.
Jetzt werden neben Düngemitteln auch noch Pflanzenschutzmittel weltweit knapp.
China hat Ausführbeschränkungen verhängt, um wenigstens den eigenen Bedarf zu sichern.
In den USA schmieden die Pflanzenschutzdienste Notfallpläne.
Hoffentlich entspannt sich das noch bis zum Frühjahr. Sonst könnten Ende nächstes Jahr weltweit merkliche Ernteeinbußen zu Buche stehen.
Hoffentlich teilen wir dann bereitwillig mit den Ärmsten, die jetzt schon fast ihr gesamtes Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wenn sich die Getreidepreise verdoppeln. Allein mir fehlt der Glaube...
Ich hörte vor einigen Wochen aus den USA, dass (logischerweise) auch der Markt und die Lieferketten für Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen sehr in Bedrängnis geraten sei. Aktuell sei mit unvorhersehbar längeren Lieferzeiten zu rechnen, perspektivisch ... mindestens 3 Fragezeichen.

Ist das bei uns (auch) schon ein Thema? Werden Ersatzteile in ausreichender Anzahl vorgehalten oder verlässt man sich da auch auf just-in-time-Lieferung?

Die Frage geht übrigens an alle, die Bescheid wissen könnten.

Ich selber bin ja ein ziemlicher Laie, stelle es mir aber zumindest mal 'interessant' vor, was für eine Kaskade an Scheiße losrollt, wenn Mähdrescher & Co. nicht einsatzfähig sind, das gute Wetter nicht wartet bis die Teile da sind, nach der Reife die Rotte kommt usw. usf.
Wir warten seit drei Wochen auf Ölfilter für die Zentralhydraulik unserer Aufbereitung,
meine Winterreifen fürs Auto habe ich vor 4 Wochen bestellt, sie kommen hoffentlich nächste Woche
Der Mähdrescher eines Kollegen steht seit Wochen in der Werkstatt weil eine Kupplung nicht lieferbar ist.
Mein Kumpel hat Anfang September einen Mähdrescher und ein Hoflader bestellt:
Der Drescher kommt hoffentlich noch im Juni 2022, der Hoflader wird zu Weihnachten 2022 da sein.

Mähdrescher dauerten vor 3-4 Jahren noch 2 oder 3 Monate, Hoflader konnte man heute bestellen und nächste Woche fahren...

Es darf nichts kaputt gehen, sonst haben wir massive Probleme.
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